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16.5.2008 Einkaufen, jagen... oh... und Brujah nerven

Dieses Thema im Forum "Industriegebiet Ost" wurde erstellt von Regine, 25. März 2014.

  1. Regine

    Regine Tremere

    Anna hatte ihre gewohnten Vorbereitungen getroffen, zu der wie zu vor auch die Nutzung zweier Taschenwärmer gehörte, um an bestimmten Stellen Temperatur vor zu gaukeln. Sie hatten einige Zeit, sie anzuwärmen, weil Anna zuvor noch in den Bahnhof ging. Im Haus hatte sie noch ein neues Handy im Netz per Expresslieferung bestellt. Ein so genanntes Tough Handy. Das Ding brauchte nicht viele Funktionen. Dafür hatte sie ihren Laptop. Nach der letzten Nacht wollte sie etwas, das robust war, bei Wasser nicht gleich schlapp machte und auch Schlägen gegenüber unempfindlich war. Nun, gegen einen Brujah, Werwolf oder Jenny konnte wahrscheinlich auch nicht das stabilere Gehäuse helfen, aber eher zufällige Schäden sollten damit minimiert werden. Im Bahnhof besorgte sie sich noch ein günstiges Prepaid, was mit dem gleichen Telefonanbieter funktionierte wie ihr zerstörtes Handy und nutze es mit ihrer alten Sim. In dem Einkaufsladen dort erstand sie eine Packung Lindt Pralinen ohne Alkohol so wie einen etwas größeren Blumenstrauß. Der Verkäuferin schwatzte sie noch einen Wassereimer ab, den sie im Auto zwischen den Sitzen verkeilte, damit der Straß zwischenzeitlich versorgt war.. Das war zwar nicht notwendig, aber sie wollte es gern.

    Die Plauderei mit Lizzie an der Kasse war nett wie gewöhnlich. Die Pornokinomama hatte noch eine weitere gute Nachricht für Anna. Sie konnte in dem Haus ein Apartment anmieten und war dann nicht immer auf die Wohnung der Tochter der Frau angewiesen. Eine Ausweichmöglichkeit zum Gildenhaus zu haben war auch nicht verkehrt. Anna bat Lizzie darum, über ihren Sohn alles Notwendige zu regeln. Wenn der Verwalter sie kennen lernen wollte, könne sie sich frühestens um 21.30 Uhr in der Arbeit los eisen für einen Termin. Ihr würde aber auch das Schriftliche ausreichen.

    Bevor sie rein ging, setzte sie die zweite SMS des Ausflugs an die Regentin ab, mit dem Hinweis, dass die nächste Meldung erst in 90 Minuten erfolgen würde. Die nächste SMS ging an den Brujah und teilte ihm ihre vermutliche Ankunftszeit im Hammer
    Drinnen gab ein erfreutes Hallo. Immerhin war es ganze elf Nächte her, seid sie das letzte Mal hier gewesen war. Während ihrer letzten Nächte in Finstertal hatte sie sich gar nicht auf den Weg gemacht. Die Menschen lagen alle platt und nahezu bewusstlos zu hause rum. Da hätte sie hier keinen Erfolg gehabt.

    Gerade mal eines ihrer wunderbaren roten Schmuckstücke konnte sie heute Nacht hier produzieren. Das war für eine Stadt wie Finstertal verflucht wenig und der Aspekt, der sie am Angriff des Malkavianers am meisten störte. Ja, auch wenn sie sich an die letzte Phase nicht erinnerte, machte Anna ihn verantwortlich.

    Lizie bekam zusätzlich zu den 20 % noch einen Fuffie oben auf 'für die Mühen mit der Wohnung'. Sie gab Lizzie auch ihre Handynummer, falls sie sie erreichen wollte mit dem Hinweis, sie würde ihre Mailbox auch abhören.

    Ohne die Geschwindigkeit mehr als 10 km/h zu überschreiten, eilte Anna danach zum Hammer. Sie ging zu der Tür, die sie damals mit Max benutzt hatte und hoffte, den griesgrämigen Brujah anzutreffen. An der Tür nannte sie ihren Namen und ihren Wunsch.
     
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  2. Discordia

    Discordia B! scheuert

    Nach einer kurzen Rücksprache des Personals mit irgendeinem Gesprächspartner – vermutlich Enio – wurde auch Anna zur Hintertür hineingelassen. Der Angestellte des Hammers war sehr freundlich und hob sich deutlich ab von normalem Türsteherpersonal. Aber der hintere Eingang war ja auch nicht die Tür durch die normale Leute eintraten und daher wunderte einen das nicht unbedingt.

    Auch Anna wurde von dem Mann durch das Black Hammer geführt und landete schließlich durch eine Tür in den Gängen des Hammers. Es war mitlerweile sehr viel los in dem Schuppen. Es war Wochenende und es könnte fast der Eindruck entstehen, daß die Menschen ihre Lithargie durch Zachariis Einfluss und den Geschehnissen der letzten Woche aus dem Leib tanzen wollten. Was blieb einem manchmal, wenn man von einer Stadt gebeutelt wurde ohne zu wissen was eigentlich tatsächlich geschah, als zu feiern, sich zu Hucke volllaufen zu lassen und bis zur Ohnmacht zu tanzen. Wenn es half! Im Black Hammer schien es zu helfen. Die Menschen wirkten sorglos und in Wochenendelaune als wenn es keine größeren Sorgen hier gäbe als in jeder anderen Stadt auf der Welt. Das war doch eigentlich ein gutes Zeichen oder?

    Enio saß in seinem Büro und lies alle die Gespräche, die er heute Nacht geführt hatte revue passieren. Er wußte mitlerweile viel mehr als bei seiner Ankunft aber nicht alles was er erfahren hatte war beruhigend. Das beschissenste war definitiv die Sache mit Ziege und dabei ganz klar gekoppelt daran der Prozess gegen Buchet morgen Nacht. Enio wäre froh wenn das schon vorbei wäre. Am besten mit etwas handfestem gegen Buchet. Nicht die Vernichtung! Enio sah keinen Grund dazu Oliver Buchet den endgültigen Tod zu wünschen. Aber zwischen der Vernichtung und einem lückenlosen Freispruch gab es jede Menge Möglichkeiten und irgendetwas davon mußte Morgen dabei rauskommen. Sonst war es um Finstertal geschehen. Was genau die Tremere Anna von ihm wollte war Enio schleierhaft. Sie hatte ihm eine SMS geschickt und um ein Gespräch gebeten. Sie kam normalerweise nicht einfach hierher um etwas zu plauschen. Sie wollte etwas oder hatte etwas zu geben. Oder beides! Enios Eindruck von Anna war durchwachsen mit Tendenzen zum Positiven. Sie war eine Tremere und Enio war die Tage etwas vorsichtiger geworden. Der Clan wollte etwas haben, das er nicht hergeben wollte. Trotzdem hatte sich Anna das eine oder andere Mal als sehr nützlich erwiesen und vor allem tatkräftig. Er hatte noch gut vor Augen wie sie als einzige ihm beiseite stand als es in einer dieser bizarren Zachariiträume gegen Jenny ging und niemand der Kainskinder seine Fähigkeiten mehr hatte. Das war sehr gut von Anna gewesen und ein dicker Eintrag ins Habenbuch. Mal schauen was sie heute Nacht für die Bank hatte.

    Anna wurde vor Enios Büro gebracht und augenblicklich summte die Tür und wurde geöffnet. Der Türpinguin hatte sich schon verabschiedet und war auf dem Weg zu seinem Arbeitsplatz. Als Anna den Raum betrat saß der Brujah-Ahn mit überschrenkten Armen an seinem Bürotisch. Es sah so aus als hätte er absolut nichts zu tun und saß schon eine ganze Weile so da. Er stand nicht auf oder lies sonst irgendwelche Regungen sehen, die darauf hindeuten könnte als ob er eine besondere Art der Begrüßung einleiten würde. „Hallo Anna. Nimm Platz wenn du willst. Was kann ich für dich tun?“ Enio hatte nicht den Hauch einer Idee ob sie mitlerweile zum „Du“ gewechselt waren oder sich immer noch mit „Sie“ ansprachen aber es war ihm schlicht und ergreifen scheißegal.
     
  3. Regine

    Regine Tremere

    Anna rutschte das Herz in die Hose. Was tat sie hier? War sie wahnsinnig? Sie war dabei gegen einen direkten Befehl Grimms zu verstoßen. Noch konnte sie das ganze abwenden. Sie hatte ihr fadenscheiniges Alibi dabei. Von der Sporttasche war es in einen schnöden Stoffbeutel gewandert. Zu gegeben, so gehörte es sich nicht übergeben. In der Kürze der Zeit war es das beste, was sie zu Stande bringen konnte und irgend wie ahnte sie, dass es den Brujah kaum stören würde. Entweder wusste er die Geste an sich zu schätzen oder es ging ihm völlig am Arsch vorbei. Wenigstens war es vollkommen egal.. na gut.. nicht ganz, aber es war nur ein Alibi.

    Während Anna dem Pinguin folgte, ging noch etwas anderes in Anna vor. Etwas, dass die Tremere so gar nicht mochte. Sie hasste es. Sie wollte es. So lange hatte sie es unterdrückt. Nicht einmal auf dem weg von Wien nach Finstertal hatte sie es zu gelassen. Selbst als der Malkavianer mit ihr spielte, war es tief in ihr verborgen gewesen. Doch nun kroch es an die Oberfläche. Sie würde mit dem Mann sprechen, der Zieglowsky genau so genossen hatte wie sie. Der Zieglowsky in seiner Gewalt hatte.. oder doch mehr darüber wusste als sie.

    Der Wiedergänger hatte ihr Macht versprochen! Sein Entgegenkommen, wenn Melody in jener besagten Nacht um Mitternacht frei war. Oh ja. Macht verführte jeden Tremere. Dazu waren sie erzogen. Sie träumte davon. Es gelang ihnen den Martin in die Finger zu bekommen. Selbstverständlich würde er inhaftiert werden und sie... nun.. sie könnte Grimm überzeugen zu ihm gelassen zu werden. Die Chance etwas bei Marty zu erreichen war gering, aber vorhanden. Grimm würde sich das Potential nicht entgehen lassen, wenn sie es richtig anstellte. Für Martin war sie so etwas wie der gute Cop, bildete Anna sich ein. Sie hatte ihn nie beleidigt, nie abschätzig behandelt so wie andere. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten war sie gut zu ihm gewesen, wenn auch ohne sexuelle Gefälligkeit. In ihrem Traum ging sie zu ihm. In sein Gefängnis. Sie hatte die Suppe dabei, die sie ihm in der ersten Folternacht im Gildenhaus versprochen hatte. 'Wenn du mich wieder dazu bringst, von dir zu trinken, kann ich nicht wieder zu dir kommen.' In ihrer Vorstellung kamen seine Worte nie vor. Nur ihre.

    „Danke“, sagte sie zu dem Pinguin und trat ein. Das 'du' störte Anna nicht mehr. Sie knickste vor dem Brujah, der für seine Verhältnisse erstaunlich viele und freundliche Worte an Anna verlor. Sie kannte ihn nicht lang. Oftmals war er jedoch wesentlich knapper gewesen. War das ein gutes Zeichen? „Guten Abend, Enio. Vielen Dank.“ Brav setzte sich die junge Tremere, die dabei alles andere als entspannt wirkte. Aber seid wann wirkte ein absolut korrekter Sitz im neunzig Grad Winkel schon entspannt? Es war einfach nicht ihre Art und ihr Gesicht besaß eine noch geringere Ausdrucksfähigkeit als das des Brujahs, fehlte darin doch diese fast permanente schlechte Laune.

    Das Alibi ermahnte Anna sich streng in Gedanken. „In meiner ersten Nacht in Finstertal hatte Max auf dem Friedhof einen Werwolf getötet.“ Sie sprach von der Nacht, als die illustre Bande von Kainiten sich mit dem Senfgas plagen musste und einen der Körper der Lasombra fand. „Er wollte den Kopf des wölfischen um ihn der Lady Noir zu übergeben.“ Als Dank war er zum Ancilla ernannt worden, doch das erwähnte Anna nicht. Es kam Bewegung in die sonst regunslose Anna, als sie in die Tasche griff und dort achtsam etwas hervor holte. Ihre Bewegung war zielstrebig, aber nicht schnell. „Ihm lag sehr viel daran. Ohne sein Wissen präparierte ich den Schwanz des Wolfes. Ich hatte den Eindruck, es würde ihm eine Freude machen.“ Besagter Schwanz landete flauschig und fluffig auf Enios Tisch. „Als sein Primogen dürftest du sein sein Erbe sein.“ Was sollte Anna auch sonst damit anfangen? Sie war keine Trophäensammlerin. Als sie an Max dachte, schmerzte sie sein Verlust. Sie bedauerte es immer noch. „Ich bitte um Vergebung. Es gelang mir nicht, ihn von der Gräfin fern zu halten.“ Im Sitzen konnte Anna nicht knicksen. So senkte sie nur den Kopf.

    So weit so gut. Das Intro hatte die Tremere hinter sich gebracht. Sie argwöhnte, dass der Brujah ihr noch vor Ende des Gespräches den Kopf würde abreissen wollen. Sie hielt ihn für intelligent, doch Geduld war keine Tugend, die seinem Clan zu gesprochen wurde. Und in dieser Nacht, in der Enio kaum ein Gespräch führte, hatte Anna vor ihn mit weit aus mehr als nur einer 'Banalität zu belästigen.

    In ihrem Tagtraum versorgte Anna Martin. Sie gab ihm die Suppe. Sie wusch ihn. Sie erzählte ihm, dass Melody frei gewesen war. Es war keine Lüge. Sie hatte sie nicht befreit, doch gefangen war sie nicht gewesen. Natürlich war er anzüglich, gemein und gehässig. Er zwang sie dieses Mal nicht von ihm zu trinken. Als er wieder einmal mit seinem Gemächt prahlte und sie auf seine widerwärtige Art motivieren wollte, sah sie ihn für einen Moment stumm an. 'Warum fragst du mich nicht einfach in höflichen Ton?'
     
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  4. Discordia

    Discordia B! scheuert

    Als die Tremere das Gepräch gleich mit dem Thema Max eröffnete verfinsterte sich die Miene des Italieners schlagartig. Anna konnte nichts dafür das dem so war aber Enio hatte seine Gefühle nicht so gut im Griff als das er nicht die Wut in sich aufsteigen lassen mußte. Sein Clansbruder war nicht nur eine herbe Entäuschung gewesen sondern hatte Schande über seinen Clan und auch Enio selbst gebracht. Enio wäre es am liebsten gewesen, wenn er durch seine Hand vernichtet worden wäre… im Kampf… Brujah gegen Brujah. Niemand wußte so genau wie und warum Max in den Sog der Gräfin und dadurch in Zachariis Hand gefallen war. Aber es war mittleweile egal. Der Feind war der Feind und vernichtet war vernichtet!

    Enio sah den Werwolfschwanz auf seinem Tisch an wie man eine mit Maden überzogene, verrotteten Leichnahm betrachten würde. Unverhohlener Ekel stand in seinem Gesicht geschrieben. Die Tremere tat gut daran für den Moment ihren Kopf zu senken. Enio suchte sogar den Blickkontakt um etwas an ihr zu finden was seine Wut kanalisieren konnte aber ihre unterwürfige Art sah zu echt aus und lies wenig Angriffsfläche für den Turiner. Also mußte das Mitbringsel dem strengen Blick des Ahnen standhalten. Der rote Schleier war noch weit entfernt aber das Tier knurrte schon freudig erregt im Hintergrund und spie seine Schmähtiraden aus der Tiefe. Warum nur hatte die Hexe diesen Mist mit hierher gebracht? Hatte sie sich eingebildet, daß Enio eine grausame Freude daran haben würde so ein wiederliches Ding eines erschlagenen Feindes über seinen Kamin zu hängen?

    Etwas bedrohliches passierte. Enio erhob sich und griff hinter seinen Rücken. Ein schleifendes Geräusch erklang… langsam und nervenaufreibend. Der Brujah holte seine Kukrisklinge hervor. Hier zeigte sich vielleicht wie viel Angst die Tremere vor ihm hatte und ob sie einfach demütig sitzenbleiben würde. Wenn ja… wäre das in den Augen des Primogen ein sehr gutes Zeichen. Enio nahm seine Klinge und fuhr unter den präparierten Schwanz. Mit einem Ruck fegte er ihn vom Tisch und das Ding landete unsanft auf dem Boden. Ohne ein Wort zu sprechen steckte Enio seine Klinge wieder weg und nahm wieder Platz. Es vergingen ein paar Momente in denen niemand etwas sprach. Ruhe konnte nervtötend sein aber auch eine reinigende Wirkung haben.

    „Es gibt nichts zu vergeben. Wir treffen alle unsere eigenen Entscheidungen und sind selber verantwortlich für unser Handeln. Max und die Gräfin haben sich gegen uns entschieden. Zacharii konnte verlockende Angebote unterbreiten… wer kann schon wissen was ihr Preis war. Wie sie ihn bezahlt haben wissen wir aber sehr wohl.“ Enio durfte selber das eine oder andere Angebot des Koldunen anhören und ablehnen. Wer sich von Lügen leiten lies war schon verloren. Enio wäre womöglich selbst irgendwann einmal schwach geworden. Vielleicht hatte jeder seinen Preis. Im Grunde kannte Enio sogar seinen eigenen aber der war so unrealistisch, daß er keinem Angebot trauen würde.

    Enio hatte zum Thema Max Reser alles gesagt und wollte nicht mehr über Schuldzuweisungen reden. Es war an Anna sich mitzuteilen. Enio wirkte wieder etwas gefasster aber das konnte bei dem Italiener auch sehr trügerisch sein. Der Ahn machte sehr viel in seinem Inneren mit sich aus und teilte auch seine Wut meistens erst mit, wenn der Kessel schon übergekocht war.
     
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  5. Regine

    Regine Tremere

    Aehm… ja… das war wohl keine gelungene Gesprächseröffnung, wenn sie nach der Miene des Italieners gehen durfte. Es war eine Erleichterung, den Kopf zu senken, wie es sich gehörte und seinem Blick nicht stand halten zu müssen. Ihr Kopf blieb auch gesenkt, als Enio seine Klinge zog. Wenn die Tremere eines gelernt hatte, dann war es Disziplin. Der Klang war alles andere als angenehm. Sie fragte sich, was folgen würde. Sie damit schlagen hoffentlich nicht. Ihr kam nicht mal der Gedanke, dass die Situation sie den Kopf kosten könnte. Es liefe allen Regeln der Camarilla zu wider. Sie hatte sich keines Vergehens schuldig gemacht, was diese Konsequenz haben könnte. Enio war ein Vertreter der Camarilla, bärbeißig zwar aber bisher auch immer gerecht. In der Stille raubte der Tagtraum wieder ihre Zeit, lenkte sie ab. Martin hatte sich zu einem freundlichen Ton überwinden können und sie… nun, sie kannte die eine oder andere Möglichkeit diese Behandlung für einen Mann sehr vergnüglich werden zu lassen auch ohne Biss. Ihre Gedanken gingen da gar nicht näher drauf ein. Sie blendeten da irgend wie aus. Ziege kam zu seinem Vergnügen und zwang sie nicht sein Blut zu trinken. Darauf lief es hinaus.

    Die Worte Enios… sollte sie wohl als Entlassung aus ihrer demütigen Haltung interpretieren? Nach einer weiteren stillen Pause, die nicht so lang währte wie die, die der Turiner eingelegt hatte, hob Anna ihren Blick und damit den Kopf.

    Was sollte sie nur nachher mit dem Schwanz machen? Ihn hier lassen und Enio weg räumen lassen? Ihn aufheben? Nun, das war ein Problem für später. Anscheinend hatte die Tremere Sitzfleisch und hatte noch nicht vor zu gehen. Doch wie sollte sie jetzt weiter machen? Langsam aber sicher würde es ans Eingemachte gehen. Es würde dem Brujah nicht gefallen. Sie konnte nicht Klartext sprechen und Schwafeln… nun, es war etwas, von dem sie den leisen Verdacht hegte, es würde dem Turiner nicht gefallen. Er war auch intelligent. Hoffentlich ausreichend intelligent und nicht zu sehr rot sehend.

    Der erste Brocken. Überleitung? Wer brauchte schon eine Überleitung, vor allem, wenn das erste Thema so unbeliebt gewesen war?

    „In der Nacht des Rituals erlag ich dem Angriff des Koldunen und verfiel in Starre. In der Folge wurde ich nach Wien gebracht.“ Hatte Enio eine Ahnung, was es für einen Tremere hieß ‚nach Wien gerufen‘ zu werden? Es spielte keine Rolle. „Meine Erinnerungen wurden in diesem Zustand detailliert untersucht. Ich erwachte in der letzten Nacht und wieder nach Finstertal entsendet.

    Mein Clan hatte besonderes Interesse an allen Dingen, die mit Zieglowsky zusammen hingen, so auch mit dem Verhör. Ich bezweifel, dass es meinem Clan entgangen ist die fehlende Funktionstüchtigkeit der technischen Geräte für den verwendeten Zweck zu bemerken, da es in meiner Erinnerung verankert ist und sie auch meine Verwunderung darüber bemerkt haben dürften. Natürlich ist nicht eindeutig, wer von ihnen beiden dort was angewendet hat.“

    Autsch… ob diese Pille dem Brujah schmeckte? So fern derselbige sie nicht rüde unterbrach, plauderte Anna munter weiter, wobei der nüchterne Tonfall der Tremere eher einem monotonen Rauschen glich.

    „Herr Grimm ist über diesen Umstand informiert. Er hat mich und Herrn Aetherius angewiesen, nicht nach Zieglowsky selbst zu suchen, sondern die Frau namens Sarah ausfindig machen. Ich nehme an, sie befindet sich nicht in ihrer Gefangenschaft?“

    Ja.. die Frage war eindeutig rethorischer Natur, war die Tremere doch gänzlich… unhöflich und stoppte ihren Redefluss nicht. Genau genommen hatte sie davor viel zu viel Angst. Ob vor ihrer eigenen Courage oder vor dem Italiener, Anna war sich da selbst gar nicht so sicher. Auf keinen Fall wollte sie einen weiteren Wutausbruch riskieren, bevor sie alles gesagt hatte, was ihr auf der Leber brannte. Sie hoffte nur, der Turiner würde auch verstehen…

    „So wohl Wien als auch Herr Grimm machten deutlich, dass es unsere oberste Priorität ist, Zieglowsky wieder in unsere Gewalt zu bringen und machen mich für seinen Verlust verantwortlich.

    Leider können wie in Bezug auf Sarah nicht die Nosferatu als Informationsquelle nutzen, da sie in dieser Angelegenheit als Fein eingestuft werden ebenso wie die nächste Person, an die ich mich hier in Finstertal unter diesen Umständen wenden würde. Herr Grimm bezeichnete Jenny als Tochter Lurkers.

    Mich persönlich würde es nicht verwundern, wenn die Spur der Frau weit aus der Stadt hinaus führt, wenn nicht gar nach Übersee. Sie soll fest gesetzt werden, um Zieglowsky gefügig zu machen. Wenn sie einen Hinweis für mich hätten, wo wir die Frau auffinden können oder wer uns auf ihre Spur bringen könnte, wäre ich Ihnen verbunden.“

    Verdammt. Ich bin ein Trampel. Was ist, wenn ich ihn auch zu den Feinden zählen muss? Grimm hat ihn zwar nicht explizit erwähnt, aber wer hatte den Wiedergänger wohl bekommen?

    Jetzt würde sich heraus stellen, ob sie die Intelligenz des Turiners überschätzte. Falls ja, saß die Tremere in der Tinte und konnte nur hoffen, dass ihr Alibi ausreichend war. Falls nein und der Turiner… die richtigen Schlüsse zog… Nun, es würde sich zeigen, was ihr ‚ungeschickter‘ Versuch der Informationsbeschaffung ihr bringen würde. Was sie gesagt hatte war dabei mindestens eben so wichtig wie die Dinge, die Anna nicht gesagt hatte. War das hier der verzweifelte Versuch einer Tremere ihre Haut irgend wie zu retten? Ihr Gesicht verriet nichts…

    Martin wurde nach Wien gebracht. Über Wochen und Monate hatten sie dort mit ihm keinen Erfolg, was sie auch taten. Ab diesem Zeitpunkt spielte die Regentin keinerlei Rolle mehr. Sie war nicht in Finstertal. Sie war nicht tot oder bestraft, sie war einfach nicht da.. Wahrscheinlich befördert. Grimm selbst war gemeinsam mit dem Wiedergänger in Wien…
     
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  6. Discordia

    Discordia B! scheuert

    Enio stolperte zunächst über die Überleitung von Anna. Was zur Hölle interessierte ihn ob sie nach Wien gebracht wurde und ob sie dabei in Starre oder im Vollsuff war. Was es bedeutete für einen Tremere nach Wien gebracht zu werden wußte Enio natürlich nicht aber er hatte mitlerweile den Eindruck als ob das eine gängige Praxis bei den Kuttenschwingern sei und jeder einmal einen Ausflug nach Wien geniesen durfte. Kommen sie in den Stephansdom… schauen sie sich die gestapelten Leichen unterm Dom an… besuchen sie die Oper… essen sie eine Portion „Krautfleckerl“… geniesen sie ein Stück Holz im Herzen. Spaß wo man nur hinsah!

    Kaum war das Unverständnis verdaut kam aber schon das Verstehen. Langsam und holprig aber unaufhörlich. Ob vollständig war dem Brujah selbst noch nicht so ganz klar. Die Tremere hatte öfters als einmal bewiesen, daß sie sich gerne etwas umständlich ausdrückte und schon Mal durch ein dezentes Räuspern zu Ausdruck bringen wollte was andere in einem mehrminütigen Vortrag unterbringen würden. Im Prinzip angenehm aber manchmal total unbrauchbar… zumindest für die Auffassungsgabe des Italieners. Aber Anna war nicht komplett falsch gelegen sich dem Bruja-Ahnen so umständlich und indirekt mitzuteilen. Vielleicht hatte sie das ja sogar vor einem direkten und handgreiflichen Rauswurf bewahrt.

    Was genau war das jetzt? Hatte sie ihm eben gedroht oder wollte sie ihn freundlicherweise warnen? Aber warum? Wenn man die Fäden etwas entsponnen hatte wurde klar auf was Anna angespielt hatte und von dem Verhör im Gildehaus gesprochen hatte. Enio war das Risiko eingegangen, daß sowohl Lurker als auch Anna etwas über den Italiener erfahren haben könnten, daß Enio lieber für sich behalten hätte. Aber die Situation hatte es erforfert und sie hätten ohne sein Handeln sicher nicht die Information von Ziege bekommen, die sie haben wollten. Es war effektiv gewesen aber auch sehr verstörend für die Anwesenden. Lurker hatte diskret geschwiegen und keine Fragen gestellt. Aber Enio war kein Idiot und er war sich sicher, daß der Nosferatu nicht vergessen hatte was er im Gildehaus von Enio gesehen hatte. Es wäre im Prinzip ein Leichtes für den Verborgenen oder jeden anderen in Enios Vergangenheit aus Zeiten in Genua herumzustöbern und somit eine deutliche Verbindung zwischen ihm und den Ravnos herzustellen. Das Enio die ausergewöhnliche Disziplin der Scharlatane bis zu einem gewissen Grad beherrschte galt dabei selbstverständlich nicht als Bestandteil des allgemeingültigen Wissen. Nichtsdestotrotz… Anna wollte ihm etwas sagen… aber Enio war nur teilweise klar was es genau war.

    „Schätze ich weiß ungefähr auf was du hinaus willst. Ihr Tremere habt die unangenehme Angewohnheit in anderen Leuten Kopf rumzustöbern und macht das auch noch gegenseitig. Kann gefährlich werden… und schon mal schief gehen. Ganz gut das deine Erinnerung dabei nur bedingt… geschwätzig war.“ Enios Tonfall klang abschätzend und gefährlich. Ein falsches Wort hier konnte tatsächlich zum Eklat führen. Auch wenn der Brujah auf den ersten Blick zu einer der besonneneren seines Clans gehörte, wußte man doch sicher immer mit was für einem Pulverfaß man gerade zündelte. „Du hast jedenfalls recht mit der Annahme, daß Melody nicht meine Gefangene ist… und ja… sie war es auch nie. Daher kann ich dir leider auch nicht sagen wo genau sie ist oder wo sie sich aufhält.“ Er hob mahnend den Finger und das war schon viel, wenn man seine Gestikulierarmut ausging, die er sonst oft an den Tag legte. „Das hat aber nichts damit zu tun, daß ich es nicht sagen will oder hier Geheimnisskrämerei spiele. Ich weiß nicht wo Sarah sich herumtreibt. Meiner Meinung nach ist sie längst über alle Berge und sie tut gut daran das zu sein. Sie reagiert schon seit geraumer Zeit auch nicht mehr auf den „Ruf“. Wenn ich sie wäre, würde ich mich auf irgendeinem anderen Kontinent suchen lassen. Südafrika soll um diese Jahreszeit ein angenehmes Klima haben.“ Enio war relativ mitteilsam. Er wollte Anna nicht künstlich auf eine falsche Fährte setzen und sie mit Lügen abfertigen. Ein gesunder Brocken Wahrheit war oft das beste Mittel um Glaubhaft zu bleiben aber trotzdem das Gespräch in die richtige Richtung zu lenken. Jetzt müßte man nur noch eine Ahnung haben was denn genau die richtige Richtung war. So weit war Enio nämlich noch lange nicht. Anna würde das eventuell bemerken. Das die Bemerkung mit Südafrika natürlich nicht ernst gemeint war dürfte ihr ebenfalls nicht entgangen sein.

    Enio hatte weiter den Finger erhoben und wollte damit verdeutlichen, daß er noch nicht mit reden fertig war. Aber er machte wieder eine längere Pause und dachte wohl noch nach. Zumindest das war wohl kein schlechtes Zeichen. Er hatte warscheinlich verstanden, daß Anna nicht nur sagte was sie aussprach aber es blieb offen ob er alles nicht Gesagte verstanden hatte. Enio grübelte noch über die Worte bezüglich den Nosferatu und Jenny und warum die Typen aus Wien oder vielmehr Grimm Anna für das fehlen von Ziege verantwortlich machten. War den jetzt nicht mehr Caitlin die Lieblingsschuldige?
    Ratter…. Ratter. Die Gehirnwindungen des Brujah-Primogens arbeiteten aber nicht effektiv genug wie Enio empfand.
    Aber klar… Enio hatte von Anna den Wiedergänger verlangt. Die eigentliche Übergabe hatte aber dann durch Caitlin stattgefunden. Anna traf offenbar für die Hexenmeister eine Mitschuld am Verlust von Ziege. Wobei es für die anscheinend keine Mitschuld gab, sondern einfach nur eine Schuld. Dennoch… laut Caitlin war den Pennern in Wien bekannt, daß Ziege Enio Pareto übergeben worden war. Was also genau sollte jetzt noch Geheimniskrämerei? Vielleicht war zum Schluß nocheinmal eine Art von Wahrheit ganz gut. Eine Art von Wahrheit die nicht das aussagte was eigentlich der Fall war aber auch keine Lüge war. Enio war zumindest zu schlau um alles auf kindliche Art abzustreiten und sich somit eine dumme Blöse zu geben. Endlich sank er den Finger wieder und setzte zum Weiterreden an. „Ich würde bei der Ergreifung von Ziege wirklich gerne helfen aber auch wenn ich ihn kurze Zeit hatte… so hat er sich doch komplett meinem Einflussbereich entzogen. Was ich sehr bedauere muß ich ganz ehrlich sagen… aber das kannst du ja warscheinlich gut nachvollziehen.“

    Einer deutlichen Erinnerung folgend hatte er den letzten Satz hinterhergeworfen. Er wußte was sie getan hatte als sie mit Ziege alleine war und er wußte was das in einem bewirken konnte. So abgebrüht wie der Italiener vielleicht manchmal tat… das hatte er nicht vergessen!
     
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  7. Regine

    Regine Tremere

    Annas Traum hatte viel Zeit sich zu entwickeln. Der Brujah machte viele nachdenkliche Pausen bei dem, was er sagte.

    Im Hinaus gehen hatte sie ihm noch gesagt, dass Sarah nicht in Gefangenschaft gewesen war während des Rituals und sie hatte es ihm in wahrhaftigen Glauben sagen können nach den ersten Sätzen von Enio. Ein zweites Mal hatte sie ihn nicht besuchen können, zu schnell war er nach Wien gebracht worden. Sie wusste selbst nicht, warum sie von Ziege in Wien träumte. Sollte nicht der Vertrag mit ihm erfüllt werden und er in Finstertal auf freiem Fuß bleiben? Nun, Träume waren nicht immer realistisch.

    Monate später wurde sie nach Wien gerufen. Martin hatte sich quer gestellt. Das erfuhr Anna erst vor Ort. Die Tremere in Wien hatten die Schnauze voll von ihm, seiner vulgären Art und dem Frust bei ihm nicht weiter zu kommen. Er hatte nach ihr verlangt und sie zum Gegenstand für eine Zusammenarbeit gemacht. Martin war ganz klar in seinen Forderungen. Er wollte wieder nach Finstertal mit allen früheren Rechten. Oh... und sie war auch Teil des Preises. Er überließ nichts der Fantasie, was ebenfalls dazu gehören würde.. für sie.. als Frau. Dafür sollte sie die Regentin in Finstertal werden. Ja, der Mann hielt durchaus auch sein Verprechen und wollte sie an die Macht bringen. Als das teilte er ihr mit. Von den Tremeren in Wien hatte er nur immer wieder gefordert sie anzuschleppen.

    Natürlich wollten die Tremere dezent zähneknirschend zustimmen. Nachdem sie Martins Forderungen durch gesetzt hatte, überraschte sie sie jedoch noch mit eigenen. Ein Buch pro Monat, gern auch Abschriften, sollte sie aus Wien bekommen. Grimm sollte es jeweils aussuchen. Er war fähig und mochte fähige Schützlinge. Er war auch die Treppe hinauf gefallen allein durch den Umstand Ziege nach Wien gebracht zu haben. In dem Handel ging es um thaumaturgisch relevante Exemplare, denn Anna wollte LERNEN... gingen sie nicht darauf ein, würde Anna nur den Buchstaben ihre Pflicht erfüllen, würden sie viel von Ziege erwarten... mussten sie auch auf ihre eingehen.

    Nun, sie akzeptierten. In Finstertal gab es die nächste Verhandlung mit Buchet. Auch er war wie zuvor einverstanden mit den Forderungen des Wiedergängers. Er hätte ihn wieder in seiner Stadt. Doch auch ihm unterbreitete Anna ihre eigenen Bedingungen zum Schluß. 'Sie wissen genau, was er von mir fordern wird, was sie ihm nie geben mussten. Sie werden auch meinen Preis zahlen müssen, damit ich einverstanden bin.' Ja, Anna spielte mit dem Feuer, doch nur so konnte sie gewinnen. Seine Begeisterung hielt sich offensichtlich in Grenzen, doch er fragte nach ihren Vorstellungen. 'Mein Preis ist sehr hoch, mein Prinz und in Geld nicht zu bezahlen. So lang wir uns in Finstertal aufhalten, möchte ich jede Woche fünf Stunden eurer Zeit exklusiv für mich.' Mit dieser Forderung schaffte sie es, ihn zu überraschen und sie wurde nach dem Warum gefragt. Das war einfach. Sie war sehr jung für eine Regentin der Tremere. Die Zusammenarbeit der Tremere mit dem Prinzen hatte in Finstertal eine lange Tradition. Sie wollte diese Tradition aufrecht erhalten, doch war sich sicher, für den Prinzen nur ein sehr junges Ding zu sein. Sie würde ihn kennen lernen können und auch von ihm lernen können. Sein Wissensschatz war groß und er würde sie über die Zeit, die sie miteinander verbrachten, kennen lernen, ohne dabei in die Verlegenheit zu kommen jemanden erklären zu müssen, warum er jemand so jungem so viel Aufmerksamkeit widmete und elichter über seinen Schatten springen können, die Beziehungen zum Clan Tremere in alt bekannter Weise aufrecht erhalten zu können..

    Auch er akzeptierte.

    „Meine Erinnerungen waren vollkommen geschwätzig.“, raubte sie dem Brujah jede Illusion. "Sie haben sich buchstäblich alles angesehen. Es funktioniert eher in Bildern als in Sprache und meine Interpretationen gehören nicht unbedingt zu etwas, das sich in Bildern dar stellt.

    Sarah hat also bereits einem Ruf widerstanden. Das ist bedauerlich.“, redete Anna in ihrer gewohnt trockenen Art weiter, die nichts weiter verriet als den Inhalt der Worte selbst. „Kennst du ihren vollständigen Namen unter dem sie hier lebte oder könntest du mir unter Umständen ein Bild von ihr beschaffen?“

    Anscheinend konnte die kleine Tremere wohl doch noch direkt sein – wenigstens in einem kleinen Part. Selbstverständlich konnte Enio für ein Bild sorgen, selbst wenn er keines hatte. Die Frage war nur, ob er das auch wollte. Spätestens ein Zeichner, dem er eine Illusion von Sarah vor gaukelte, sollte dazu im Stande sein. Kam Enio auf so eine Idee und wenn ja, wäre er bereit , das für Anna zu tun?

    Auch wenn Anna ein wenig Enttäuschung über die wenig Ergebnis orientierten Antworten Enios verspürte, hatte sie doch nichts anderes erwartet. Sie verspürte durchaus auch eine gewisse Zufriedenheit, dass sie mit ihrer Einschätzung richtig lag. Wie richtig, würde erst die Zukunft zeigen, doch sie konnte hoffen.

    „Ich bin mir sicher, du bedauerst den Verlust von Zieglowsky ebenso sehr wie ich und willst ihn genau so dringend wieder in deinen Händen wissen.“ Ob er sich an alles erinnerte? Die Gier, mit dem sie beide an dem Mann gesaugt hatten, die Kraft seines Blutes, wie es durch ihre Adern rauschte und ein ganz ung gar einmaliges Erlebnis war... und ihre genauen Worte, als sie ihm auf die Frage antwortete, ob sie Spaß gehabt hatte?
     
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  8. Discordia

    Discordia B! scheuert

    Enios Gedanken waren im Vergleich zu Annas im Hier und Jetzt und er befasste sich nicht mit Tagträumen… auch nicht um sich abzulenken. Die Erwiederung der Tremere auf Enios Einwand mit der Geschwätzigkeit ihrer Erinnerungen entlockte Enio lediglich ein Achselzucken. Was glaube die Hexe eigentlich wie geheimnisvoll das Ganze war? Wenn Enio vermuten müßte, daß es sein Untergang wäre, wenn jemand etwas ausführlicher über seine Fähigkeiten bescheid wußte, dann hätte er sicher nicht seinen Kopf riskiert um von Ziege das zu erfahren was er erfahren hatte. „Ist echt ja nett von dir wenn du dir Sorgen um mich machst aber da die Typen die jetzt schon im Kopf rumgestochert haben… ist es halt so und läßt sich nicht mehr ändern.“ Das wars auch schon! Enios Vorstellung einer ausführlichen Sondierung waren begrenzt aber er wußte zumindest von Kamal – der ein Meister in solchen Dingen war – das man nie in einem Kainskind wie in einem Buche lesen konnte, wenn man in seine Gedanken eindrang und vieles mehrdeutig und kaum lückenlos war. Viele Dinge liesen sich da schnell entkräftigen und in Frage stellen. Das Gehirn von jemand lies sich nicht so anschauen wie ein verdammter Spielfilm, da konnte die Tremere noch so auf Drama machen. Der Brujah wußte immer weniger in welche Richtung das Gespräch gehen sollte und je verwirrter er war desto verschlossener wurde er.

    Anna stellte weitere Fragen zu Melody. Das verstand Enio auch nur bedingt. Für ihn war die Stadtgangrel erledigt. Sie hatte für ihn keinen Wert mehr oder war ein Druckmittel um irgendetwas von Ziege zu erfahren was irgendjemand weiterhelfen konnte. „Sie heißt Sarah Schmidt… mehr weiß ich nicht. Keine Adresse oder Telefonnummer.“ Was sowieso sinnlos gewesen wäre. „Ein Bild? Nein… hab ich keines. Warum brauchst du das?“ Enio war manchmal sehr pragmatisch und künnerte sich nur um das was ihm wichtig erschien aber manchmal plagte ihn auch die Neugierde. Was zur Hölle wollte eine Tremere mit einem Bild von jemandem? Konnte man damit irgendwelche Zauberscheiße anstellen? Und wenn ja welche genau? Der Italiener war sich zwar sicher, daß Anna ihm das nicht nicht im Detaill verraten würde aber man konnte ja mal fragen. Auserdem sah Enio durchaus die Möglichkeit von Melody ein Bild zu „besorgen“ aber im Moment war er noch nicht genüngend motiviert. Die Antwort auf seine Frage würde vielleicht noch etwas bewirken.

    Anna irrte sich was Ziege betraf. Enio hatte nicht vergessen was es bedeutete sich von dem Wiedergänger zu nähren und er würde lügen, wenn er behaupten würde, daß er darüber hinweg war… aber die Nächte in Irland hatten ihn zumindest soweit entwöhnt, daß er nicht mehr die ganze Zeit daran denken mußte. Vielleicht war das ja auch nur der erste Impuls der Besserung… bevor es wieder schlimmer wird. Verlangen und Ekel liefen Hand in Hand nebeneinander her wenn der Brujah-Ahn an das schmackhafte Blut dachte. Das erste Mal als er davon gekostet hatte, war er sich noch gar nicht bewußt gewesen von welcher Quelle es stammte. Er hatte es von dieser wiederlichen Fleischwand in den Katakomben gekostet. Anna würde sich bestimmt genauso darauf stürzen wie er damals wenn sie da unten wäre und durch den Tunnel mußte. Das war damals wesentlich ekliger gewesen als es aus dem Hals eines Menschen zu trinken…. und selbst auch wenn der Mensch gar keiner war, sondern so ein Wiederling wie Ziege. In Enio kam heute noch Ekel vor sich selbst hoch wenn er an die Nacht in den Katakomben denken mußte. Gier, Ekel… aber noch schlimmer… Trauer! Ein Teil von ihm betrauerte das furchtbare Geschöpf, das dort unten eine halbe Ewigkeit vor sich hin gelitten hatte. Aber klar… ein Teil von Enio war mit dem ehemaligen Ghul ja auch verbunden gewesen. Enio schüttelte sich innerlich. Er wollte jetzt nicht darüber nachdenken. Enio schüttelte langsam den Kopf. „Ich will vor allem das Ziege keine Rolle mehr spielt. Wir sind nicht dafür geschaffen um mit solchen… Dingen unzugehen.“ Das war jetzt wieder mehrdeutig. Enio wollte dem Blut Zieges entsagen… so schwer es ihm fiel. Aber er wollte vor allem der Tatsache entsagen, daß der Widergänger womöglich tatsächlich den Schlüssel zur Unsterblichkeit beherbergen könnte. Das war ein furchtbarer Gedanke!
     
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  9. Regine

    Regine Tremere

    „Sorgen um dich? Bisher hatte ich den Eindruck, du wärest gut in der Lage selbst für dich zu sorgen. Ich wäre wohl auch kaum die erste Wahl, die auf dich aufpassen sollte geschweige denn Ambitionen dazu haben sollte so lang es nicht um Feuer geht.“

    Genau genommen war die Idee sogar lächerlich. Die kleine Tremere-Neugeborene kümmert sich um den Brujah Ahn und Primogen. Nun, wenn Anna größenwahnsinnig wäre, dann wäre das eine faszinierende Vorstellung. Glücklicher Weise funktionierte die antrainierte Maske der jungen Dame. Sonst hätte sie unter Umständen ein Schmunzeln versucht. Vor allem, da ihr Tagtraum durchaus etwas von einem gewissen Größenwahn hatte. Nur ganz geringfügig, aber nun ja. Er war notwendig. Nur deshalb hatte sie sich auf ihn eingelassen. Ihr kleiner, klammer Strohhalm um ihr den Hals zu retten.

    Still jetzt, Anna. Halt die Klappe. Lass es bleiben. Tu das nicht. ANNA!

    „Allerdings könntest du beim nächsten Mal, wenn mehr Material angeschleppt wird, als du verlangst, einen kurzen Blick darauf werfen. Dann könntest du unter Umständen Technik erhalten, die zu mindest theoretisch hätte funktionieren können.“

    Tischplatte - Stirn, Stirn – Tischplatte. Bist du bescheuert? Versuchen mit dem Brujah zu scherzen? Dem Ahn? Ihn elitär darauf hinweisen wie toll, hilfsbereit und intelligent du doch bist? Bist du wahnsinnig?

    Letztendlich war es wohl so, dass Anna sich diese.. kleine Spitze nicht verkneifen mochte, auch wenn es klüger gewesen wäre. Immerhin blieb es vollkommen trocken. Wer erwartete schon Mimik oder Körpersprache von dieser Rothaarigen, die sich trotz allen Unbehagens gerade räkeln könnte wie eine Katze.

    Ablenken?

    „Grimm erwartet, dass wir Bildmaterial von ihr besorgen, damit wir ihr hinter her forschen können. Er möchte ihr die Gastfreundschaft meines Clans anbieten, nachdem sie gefunden wurde.“ SCHNAUZE Nein... sie sagte jetzt nicht, dass Grimm das Videomaterial analysiert wissen wollte von der 'Aufnahme' Sarahs und damit seine vorübergehende geistige Umnachtung offenbarte. Nein, sie blieb bei der höflichen Formulierung für etwas, was sich Enio durchaus in eigenen Farben ausmalen konnte.

    Und jetzt? In Bruchteilen von Sekunden spielte Anna verschiedene Varianten durch und verwarf die Worte. Himmel. Wie konnte sie das nur korrekt rüber bringen? Gab es dafür überhaupt eine Möglichkeit? In Enios Anwesenheit war Anna immer wieder mal froh sich nicht mehr mit dem Problem des Schwitzens auseinander setzen zu müssen. Dank ihrer Jagd minderte der Hunger auch nicht mehr ihr Denkvermögen. Beides half ihr leider nur begrenzt.

    'Nun, mein Clan dürfte da nicht einer Meinung mit Ihnen sein und hat einen langen Atem. Wir werden viele Hebel in Bewegung setzen'

    Nun ist ein unnötiges Füllwort. Der zweite Satz drückte nicht aus, was sie ausdrücken wollte.

    'Mein Clan dürfte da nicht einer Meinung mit Ihnen sein und wird viele Hebel in Bewegung setzen um ihn wieder zu erlangen.' Der Satz war besser. Aber nicht gut.... Oh wunderbares Training, kein Lächeln, dass um die Lippen zuckte. Nur der direkte Blickkontakt zu dem Brujah. Schweigen kann manchmal mehr sagen als alle Worte, wenn das Gegenüber nicht auf den Kopf gefallen war und seine eigenen Worte nur genug in seinem Mund herum rollte. So lang der Itaker auch warten mochte, scheinbar vergaß die Tremere auf seine letzten Worte zu antworten.

    Warum zur Hölle habe ich in Gedanken jetzt zum 'Sie' gewechselt?
     
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  10. Discordia

    Discordia B! scheuert

    Anna hatte offenbar die Ironie in seinen Worten nicht erkannt, sonst hätte sie sicher keine Erwiederung auf das Sorgen machen gegeben. Enio fand das irgendwie putzig. Die Tremere machte sich wirklich sehr viel Gedanken. Enio war sich sicher, daß er nicht erraten würde welche, wieviele und warum. Eines jedenfalls stellte der Brujah zumindest in Frage und das war ob Anna tatsächlich daran interessiert war ob jemand zuviel über ihn wußte oder nicht. Aber auf was wollte sie dann hinaus. Eno blieb in der Deckung und lies das Geplapper weiter laufen. Der Hinweis mit den teschnischen Geräten war jedenfalls dezent impertinent und vor allem schien er absolut keinen Nutzen zu haben. War die Hexe hierher gekommen um Enio zu provozieren? Oder wollte sie nur Besserwisser spielen… was irgendwie fast dasselbe war. Wenn ja dann hatte er sie wohl bisher etwas überschätzt und sie hatte noch mehr masochistische Ambitionen als Jenny.

    „Danke für die belehrende Worte Anna. Ich werds mir merken. Ganz sicher sogar!“

    Was das alles bedeuten könnte wußte Anna sicherlich auch. Sich etwas zu merken hatte nicht immer eine positive Bedeutung und wenn man mit leicht gereiztem Ton – wie Enio gerade eben – darauf hinwies, bedeutete es eigentlich in keinem Fall etwas Gutes. Sie würde sich vielleicht genau überlegen müssen wie weit sie noch gehen wollte.

    Bezüglich Melody blieb Enio nach wie vor störrisch. Oder man hatte ihm halt immer noch keine Motivation gegeben etwas anderes zu interpretieren als das was gesagt wurde. Ungeachtet das der Brujah-Ahn bereit war zwischen den Zeilen zu lesen und irgendwie vermutete, daß Anna vielleicht doch noch etwas anderes von ihm wollte, blieb er im Nachfragemodus. „Und wie soll euch ein Bild dabei helfen? Wollt ihr Fandungsfotos aushängen. Oder will Clan Tremere noch so einen Brief wie heute Abend rausbringen und bei Ergreifung von Sarah die ewige Freundschaft von Haus und Clan anbieten?“ Aus dem Mund von Enio hörte es sich eher an wie Magengeschwür und eitriger Auswurf. Man konnte relativ gut erahnen wie toll er den Brief aus Wien gefunden hatte. Es sah gerade so aus als ob sich der Brujah Stück für Stück etwas weiter von den Tremere distanzierte. Wessen Schuld war das wohl?!

    Enio legte die Unterarme auf den Schreibtisch und beugte sich etwas nach vorne. Somit kam er auf subtile Weise der Tremere ein Stückchen näher. Wenn es sowas wie ein Anti-Lächeln gab, dann konnten seine Lippen das ausgezeichnet.
     
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  11. Regine

    Regine Tremere

    Ups, sag nur, bin ich dir auf den Schlips getreten? Sicher, Enio war zu recht verärgert und Anna mochte den bösen Brujah immer noch verflucht gern. Auch hier mit seiner Reaktion. Lebte sie gefährlich? Hey... der Brujah konnte sie lediglich in der Luft zerfetzen. War das etwas besonderes? Ein anderer Ahn ohne den faszinierenden Gleichmut des Italieners (welchem Clan gehörte er noch mal an?), hätte sie für ihr Verhalten in der Luft zerfetzt. Vielleicht nicht im wörtlichen Sinne, ganz gewiss jedoch in jedem anderen. Der Mann war bewundernswert. Anna wollte ihr Glück nicht überstrapazieren. So nickte sie dem Brujah lediglich brav zu bei seiner doch nicht wirklich zweideutigen Warnung. Immerhin hatte sie nicht mehr all zu viel von ihrer Kleidung in Finstertal. Nicht nur Blut wurde von der Stadt deutlich über den normalen Verbrauch verschlissen. Da wäre es sinnvoll, sich nicht selbst als 'Dreck vom Boden Aufnahme Wischmopp' anzubiedern.

    Was dann folgte, war für die Tremere eine Überraschung, weniger seine Gestik, die ihre bedrohliche Wirkung nicht verfehlte, jedoch keinen Muskel in ihr anrührte. Ja, Enio hatte eine wirklich hübsche Statue auf dem Stuhl ihm gegenüber sitzen. Immerhin konnte sie noch den Mund bewegen. Letztendlich würde der Brujah sie übel verprügeln, wenn er es wollte oder auch anderes mit ihr anstellen. Noch wettete Anna auf seine Beherrschung. Auf der anderen Seite war sein Timing perfekt und sie würde sich ein weiteres Mal als respektlos erweisen, wenn mann sich nur die Oberfläche besah.

    „Was den ersten Teil deiner Vermutungen betrifft, so kann ich dir bestätigen, dass Herrn Grimm etwas ähnliches vor schwebt, obwohl ich mir nicht sicher bin, dass er den Polizeiapperat involvieren wird. Den zweiten Teil... von was für einem Brief redest du?“ Ihr unberührter Blick lag die ganze Zeit auf dem Brujah und wendete sich erst nach dem nächsten Satz ab, um das benötigte Zielsicher heraus zu holen. „Entschuldige bitte. Ich habe für heute Nacht eine Meldepflicht so lang ich mich außer Haus befinde. Eine schlichte Sicherheitsmaßnahme, die sich allerdings nicht auf dich bezieht. Mein Turnus ist fällig und ich lege keinen Wert auf eine Eskorte nach hause, weil ich mich nicht rechtzeitig rühre.“ Und ja.. die Tremere zückte ihr Handy und verschickte offensichtlich eine eher kurze SMS, bevor sie sich Enio wieder zu wandte.
     
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  12. Discordia

    Discordia B! scheuert

    Enio zuckte abermals mit der Schulter und nahm so ein wenig Spannung aus der Situation. Was sollte er noch groß sagen? Wenn Grimm sich auf Melody eingeschossen hatte war das eventuell gar nicht so schlecht. Dabei würde ihm höchstwarscheinlich wichtigeres entgehen und er war vielleicht sogar angenehm abgelenkt. Leider würde das nicht viel bringen. Enio machte sich keine illusionen darüber wie schnell die Hexenmeister von Ziege ablassen würden, wenn die ersten richtig große Schwierigkeiten auftauchen würden. Auf Zeit spielen war hier wohl keine Option… aber das hatte er ja heute Abend bereits bei einem Gespräch mit Caitlin festgestellt. „Na dann wünsch ich euch viel Spaß beim suchen.“

    Wie? Anna hatte noch nichts von dem Schreiben aus Wien mitbekommen? Enio hätte geschworen, daß die Clansinternen die ersten waren, denen man gesteckt hatte wie weit man zu gehen bereit war. Der Brief war an Lächerlichkeit nicht zu überbieten. Clan Tremere… dein Freund in der Not. Es würde noch ein Bild von irgendso einem hohen Tier aus Wien fehlen, der mit dem Finger aus einem Bild herauszeigte und darunter stehen würde We want you! Oder Uncle Tremere wants you! Das wäre der größte Spaß den Europa jemals von den Hexern gesehen hätte. Aber trotzdem… irgendwie war es nicht zum Lachen. Der Clan hatte mehr als deutlich darauf hingewiesen, daß sie Ziege wollten und es ihnen wirklich wichtig war. Aber DAS! Das klang mehr als verzweifelt… oder war Teil eines komplizierten Plans den Enio nicht verstand.

    Enio kramte in einer Schublade herum und fummelte einen bereits leicht zerknüllten Zettel daraus hervor. Er übergab ihn Anna und fügte lediglich hinzu. „Deinen Blutsverwandten scheint es ja wirklich ernst zu sein. Wer wollte nicht schon immer die ewige Freundschaft von Haus und Clan?“ Die schmale Antithese eines Lächelns zeigte sich auf Enios Lippen. Der Brujah war sicherlich einer der ersten, der sich unheimlich Mühe geben würde den wienern Obermuffties gefällig zu sein und ihnen unter die Arme zu greifen.

    Das merkwürdige Zurückmelden seitens der Tremere tat Enio wiederum mit einem Schulterzucken ab. Er hatte es trotzdem registriert und fand es durchaus sonderbar. Hatte Anna etwas angestellt? Wenn ja, dann konnte es sicherlich nichts Großes gewesen sein, denn bei den Tremere wurde eine solche Strafe sicherlich direkt nach dem „Zähneputzen vergessen“ kommen.
     
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  13. Regine

    Regine Tremere

    Und schon bist du wieder ruhig. Aber bist du auch wirklich so intelligent, wie ich hoffe? Wenn ich nur nicht so auf Eiern tanzen müsste um mit dir zu reden.. Er ignorierte den Happen, den sie ihm zum zu schnappen hin geworfen hatte. Schade. „Er stellt Aetherius und mich mit dieser Suche kalt. Du hast eine Idee davon, zu was der Koldune fähig war. Sarah hat sich vor ihm verborgen. Ich rechne damit, dass sie sehr gründlich war.“

    Anna nahm den Brief von Enio entgegen ohne den Blick von seinen Augen zu lassen. Sie schweiften erst zu dem Zettel hinunter, als sie ihn etwas glatt gestrichen hatte. Die junge Frau las den Brief. Sie las ihn ein zweites Mal. Sie nahm sich etwas Zeit, bevor sie wieder zu Enio auf sah.

    Sie schwieg. Dann geschah etwas seltsames. Der linke Mundwinkel der Tremere bewegte sich nach oben. Das, was dort ihr Gesicht zierte... war das ein Lächeln? Eines der unangenehmen Sorte? Von der Art, wie Max es ihr hatte bei bringen wollen? Anna hatte keine Ahnung davon, wie es wirkte, doch sie hatte die Regung gespürt und sich entschieden ihr nach zu geben. Das Lächeln erreichte ihre Augen nicht im geringsten.

    „Sagte ich nicht, dass mein Clan alle Hebel in Bewegung setzen wird? Ich habe wohl nicht untertrieben.“

    Sie legte dem Brujah den Brief wieder auf seinen Schreibtisch und das Lächeln rutschte wieder aus ihrem Gesicht. War die Regung da gewesen oder war es nur eine Illusion? Enio blickte wieder in das glatte, nichtssagende Gesicht. Hatte er nicht gesagt, er wolle, dass Ziege keine Rolle mehr spiele?

    „Etwas anderes, privater Natur. Kanntest du Viktor Thorson?“
     
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  14. Discordia

    Discordia B! scheuert

    Intelligenz und Wahrnehmung gingen nicht immer Hand in Hand und konnten sich unter gewissen Umständen sogar gegenseitig ausschließen. Gab es nicht genügend Beispiele in der Geschichte für überaus intelligente Menschen mit nahezu autistischen Zügen und damit mit der Wahrnemung andere Menschen gegenüber, die mit der einer Pampelmuse zu vergleichen war? Der Brujah war jedenfalls nicht so einfach zugänglich für zuviel Eiertanz und Gesagtem zwisch den Zeilen. Man konnte eben nicht alles haben oder mußte sich manchmal etwas klarer ausdrücken wenn man überhaupt etwas wollte. Es war nicht einfach sich mit einem Zacknbarsch über die Natur des Fliegens zu unterhalten und dabei war das Übetragungmedium Wasser für Sprache nur ein kleineres Problem.

    Ja Melody war sehr gründlich. Und sie hatte sich offenbar aus Zachariis Einsluss befreien können. Aber wie genau hatte sie das eigentlich geschafft? Alleine? Sie war dazu viel zu jung und unerfahren. Das schien unmöglich. „Ja sieht wohl so aus. Nicht das ich das bisher überhaupt verstanden habe wie sie das geschafft hat und auch wie sie dauerhaft dem Ruf wiederstehen klann aber igendwie hat sie es wohl hinbekommen. Sie… oder andere.“ Da war es. Die unmissverständliche Andeutung, daß jemand Melody geholfen haben könnte. Nur wer? Vielleicht vermutete die Tremere sogar, daß es Enio selbst gewesen sein könnte. „Euer Grimm wird euch auf jeden Fall sinnlos beschäftigen, wenn er euch dafür abstellt. Da bin ich mir sicher.“ Aber warum auch nicht? Wurden Tremere nicht dazu geschaffen um sinnnlos beschäftig zu werden?

    Auf den Brief ging Enio dann nicht mehr ein. Das Clan Tremer es ernst meinte war klar und wenn man sich noch länger darüber unterhalten würde konnte es deswegen nicht noch klarer werden. „Jap… hast du nicht.“

    Warum fragte Anna jetzt nach Viktor? Die Themen wechselten heute ständig. Wann kam die nächste langweilige Nacht in Finstertal? Enio wollte sich dafür extra frei nehmen und zusammen mit seiner Katze einen DVD Abend machen. „Ja ich kenne Viktor. Wir hatten in der Vergangenheit das eine oder andere Mal zu tun.“ Der Satz war eigentlich lustig wenn man ihn genau betrachtete und ein schönes Wortspiel. Immerhin waren sie gemeinsam schon in die Vergangenheit gereist. Nur ungern erinnerte sich Enio an Florenz.
     
  15. Regine

    Regine Tremere

    Zum Glück konnten Kainiten nicht erbleichen. 'Jap… hast du nicht.' Ne jetzt. Das ist dir nicht passiert. Das ist dir doch jetzt echt nicht passiert, oder?Verdammt noch mal, sie musste sich mehr konzentrieren, wenn sie das hier überleben wollte und Enio war dabei nicht das Problem. Tja... Dinge denken war nun mal nicht das Gleiche wie Dinge sagen. Es gruselte Anna, wenn sie daran dachte, wie sie Grimm erst letzte Nacht vorgehalten hatte, auffällig unaufmerksam zu sein.

    Pause.

    Das Auto kuckte Enio an. Oder auch die Statue. Wie auch immer dem Itaker beliebte.

    „Entschuldige. Ihr habt den Koldunen doch vernichtet, oder? Es ist für mich nicht normal, Gedanken mit gesagtem gleich zu setzen. Die Stadt wirkt nur in Ansätzen so, als sei sie von ihm befreit. Es gibt zu viel, was dem vorherigen Zustand ähnelt. Meine Wahrnehmung erweist sich als unzuverlässig.

    Viktor Thorson und ich scheinen private Interessen zu teilen. Ich bedaure, dass ich ihn nicht kennen lernen konnte. Weist du, mit wem er Umgang pflegte und war ein Ventrue darunter?“

    Sorry für die Kürze, groggy und viel zu tun :)
     
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  16. Discordia

    Discordia B! scheuert

    Enio bekam natürlich nichts von dem mit was die Tremere so alles bewegte und was ihr so durch den Kopf ging. Hätte er das mitbekommen wäre es sicherlich verwirrend für ihn gewesen und er hätte womöglich genausoviel oder wenig daraus interpretieren können wie jetzt. Ihre Pause überdauerte der Italiener locker mit seiner eigenen. Es machte ihm nichts aus mit einem anderen zu schweigen.

    Was sie dann von sich gab weckte Enios Neugier. Er erkannte zwar immer noch keinen roten Faden in dem Gesprächsverlauf mit Anna aber unter Umständen war das ja auch nicht nötig. So lange die Dinge irgendwann einmal einen Zusammenhang bildeten den man ansatzweise verstehen konnte. „Wie meinst du das? Gedanken mit Gesagtem gleichsetzen? Verdammt Anna... red mal Tacheles. Ich hab keinen Bock Rätselraten zu spielen. Drück dich klar aus!!“ Jedes Ausrufezeichen wurde einzel betont. Der Brujah-Ahn hatte wohl langsam keine Geduld mehr. Auch wenn es für Anna aus irgendwelchen Gründen nicht möglich war offen zu sprechen mußte Enio sich ja nicht gleich auf ihr Gesprächsniveau einlassen. Er hatte einfach keine Zeit um diese Art von Gespräch so fortzusetzen. „Selbstverständlich haben wir den Koldunen vernichtet und die verdammte Portugisische Witwe mit dazu. Also auf was willst du hinaus und was ist noch so ähnlich wie vorher?“

    Den Rest mit Viktor vergaß Enio vorerst. Falls sich hier keine Relevanz mehr ergeben würde, müßte Anna wohl noch mal nachfragen. Von sich aus hatte Enio nicht vor diese sprunghafte Unterhaltung weiterzuführen.
     
  17. Regine

    Regine Tremere

    Hmmh... also das Ausrufezeichen war deutlich. Sie wusste ja, dass sie den Brujah heute nerven würde, aber manche Dinge waren einfach so auf diese Art notwendig. „Du meinst, ich soll mit dir über die Dingen reden, zu denen mir ein Maulkorb verpasst wurde?“

    Oh Wunder oh Wunder, es gab eine Regung in der starren Tremere. Die bestand in einem knappen Kopfschütteln. „Zu den meisten Dingen kann ich dir nichts sagen, weil ich damit gegen ein ausdrückliches Gebot verstoßen würde. Was ich meine wenn ich sage: Gedanken mit Gesagtem gleichsetzen? Du hast mich doch selbst darauf hin gewiesen. Ich hatte dir nicht gesagt, dass mein Clan alle Hebel in Bewegung setzen würde. Gedacht allerdings schon. Hälst du so einen Faux Pas typisch für mich? Ich bin nicht die erste, bei der ich ungewöhnliche Unaufmerksamkeit beobachte, auch wenn dieses lähmende, drückende Gefühl wie Watte im Kopf fehlt, als der Koldune am Werke war. Verrat du mir doch, was dazu führt, dass meine Erinnerung am frühen Morgen kurz vor Sonnenaufgang an einem Ort endet und ich am nächsten Abend an einem vollkommen anderem Ort aufwache ohne mich an irgend etwas dazwischen erinnern zu können. Ich meine nicht nur einen anderen Raum, sondern mehrere Kilometer Distanz. Ich erwachte in vollkommen mit Kloake verdreckter Kleidung, wenn auch das nicht eine Sinnestäuschung war. Eine Tür war offen, für die ich keinen Schlüssel hatte. Ich war mir vollkommen sicher, sie wäre aufgebrochen und im nächsten Augenblick präsentierte sie sich heil.

    Sag du mir, was das war. Und ob du glaubst, dass ich unter den derzeitigen Umständen so mir nichts dir nichts in der Kanalisation rum stochern würde, falls ich meine Kleidung korrekt interpretiere. Selbstverständlich war das lange noch nicht alles.

    Ich laviere hier haarscharf an einer Grenze entlang zwischen dem, was mir absolut verboten ist und der Hoffnung dich nicht falsch einzuschätzen durch die ungewöhnlicheren Erlebnisse, die wir seid meiner kurzen Zeit in Finstertal teilen. Wenn du mit jemand anderem über dieses Gespräch redest, wäre es freundlich, wenn du nur den da“, Anna deutete auf den Wolfsschwanz am Boden “, meine Frage nach Sarah und Viktor erwähnst. Mehr als bisher kann ich dir nicht sagen wegen der für mich geltenden Gebote.“

    Tja.. und selbst hier war der doppelte Sinn versteckt. Selbstverständlich bestand das Verbot von Grimm über die Ereignisse im Gildenhaus zu sprechen, die sie auch so weit wie möglich aussparte in dem, was sie dem Brujah sagte. Doch Anna meinte noch etwas ganz anderes damit.

    Dem Tonfall der Tremere fehlte wie immer jegliche Schärfe und wurde scheinbar ohne Emotion vor getragen.

    Ja, auch wenn es nicht klug sein mochte, brachte die junge Tremere dem Brujah ein gewisses Vertrauen entgegen. Nicht mit der Regentin hatte sie die Traumwelten geteilt, nur der Turiner war in beiden gewesen. Die Regentin hatte auch nicht das Blut Zieglowskys getrunken. Das minimierte den Makel des Mannes nicht von ihrem Clan zu sein.
     
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  18. Discordia

    Discordia B! scheuert

    Es wäre sicherlich falsch formuliert, wenn man sagen würde, daß bei Enio der Groschen fiel. Das tat er nämlich nicht aber er begann zumindest Anna wieder ein bißchen mehr Geduld und vor alem… Interesse entgegen zu bringen. Enio war klar, daß sie sich ihm nur stückchenweise öffen konnte. Egal was sie wollte oder nicht. Aber Anna hatte gerade immerhin ein wenig die Hosen heruntergelassen und dem Brujah zumindest ein kleines bißchen erzählt was er auch verstand und zuordnen konnte.

    Man hatte ihr also einen Maulkorb verpasst. Klar den trugen Tremere doch ständig aber diesesmal ging es wohl um etwas wesentlich konkreteres als sonst und alngsam wurde Enio auch etwas bewußter warum Anna ihn aufgesucht hatte und das der Mist mit dem Werwolfschwanz nur ein dummer Vorwand war. Ein Alibi für sie beide. Manchmal war es wichtig etwas sagen zu können ohne lügen zu müssen aber trotzdem viel vion der Wahrheit für sich zu behalten. Das verstand der Italiener. Es machte ihn wieder ein wenig gelassener und umgänglicher. Geduld war nicht seine Stärke aber er war neugierig und interessiert genug an dem was Anna berichtete um sich damit beschäftigen zu wollen. „Okay ich verstehe… größtenteils.“ Der letzte Zusatz schien ein Hoffnungsschimmer zu sein auch wenn ein vollständiges Verstehen sicherlich einfacher gewesen wäre aber auch zuviel verlangt.

    „Ich kann nur nochmal bestätigen, daß Zacharii und die Witwe vernichtet sind. Die Lasombra oder das was sie geworden ist habe ich sogar eigenhändig zu Frikase verarbeitet. Aber egal… was du beschreibst muß etwas anderes sein. Es muß einfach!“ Ja Enio und Anna hatten einiges zusammen erlebt, daß Wahnsinn nicht nur nahe kam, sondern ihn um jegliche Vorstellungskraft überflügelte. Daher war es eventuell verständlich, daß Enio sich sehnlichst wünschte, daß es vorbei war und der Koldunen nicht nocheinmal auf irgendeine Weise zurück kam und die Stadt erneut geisseln wollte. Das durfte einfach nicht sein! Manche Dinge mußten doch einfach vernichtet bleiben und durften nicht mehr zurück kommen. „Ich bin weit davon entfernt ein Experte in diesem okkulten Schickschnack zu sein… aber das weißt du ja… daher muß ich leider echt mal passen wenn es darum geht dir irgendeine Erklärung zu geben über das was du mir eben erzählt hast. Irgendwo aufzuwachen und nicht zu wissen wie man dahin gekommen ist gehört normalerweise in die Kategorie Ich-bin-Malkavianer-und-hab-Spaß-dabei aber in jedem anderen Fall sollte man sich ernsthaft Sorgen machen. Wobei… das machst du ja wohl, sonst wärst du ja nicht hier und würdest mir das alles erzählen.“ Lustigerweise hatte der Italiener in einem völlig anderen Zusammenhang den Clan des Mondes erwähnt und keiner der beiden würde auch nur erahnen wie wenig weg man von einer Spur gewesen war. Manchmal gab es halt tatsächlich noch simple Zufälle. Zufälle die aber trotzdem keine Auswirkungen hatten.

    Enio fiel aber bei der ganzen Sache etwas auf. Ein Mißverstädnnis. „Es wird dich zwar nicht wirklich beruhigen aber ich muß dich auf ein Mißverständnis hinweisen dem du wohl gerade zum Opfer gefallen bist. Du hast gerade nicht deine Aufmerksamkeit verloren oder bist abwesend gewesen. Du hast nur meine Antwort ‚hast du nicht’ falsch interpretiert. Es war bezogen auf dein ‚Ich hab wohl nicht untertrieben’.“ Womöglich beruhigte das die Tremere, denn auch ohne das sie aufgebracht wirkte und wie immer puppenhaft vor ihm saß, mußte sie wohl langsam aber sicher an ihrem Verstand zweifeln. Enio würde das jedenfalls tun.

    Enio sah zur Seite und strich sich langsam über sein Kinn. Eine Geste, die er heute Nacht schon öfters gemacht hatte und die unter Umständen beim Denken öfters zu Tage kam als ansonsten. „Scheiße! Als ob wir nicht schon genug Kacke hier am dampfen hätten. Also Anna… kannst du mir innerhalb deines Maulkorbes sagen wer alles noch von diesen Wahrnehmungsstörungen und Gedächnislücken betroffen ist? Irgenjemand auserhalb deines Clans mit dem ich mich auch über den Mist unterhalten kann?“ Die Frage alleine war schon wieder verfänglich. Würe Anna sie verneinen, müßte sie damit zugeben, daß es nur Tremere betrifft und damit natürlich sicher etwas offen legen was sie nicht durfte. Aber sie konnte einfach sagen, daß sie durch ihren Maulkorb dazu nichts sagen konnte und hätte damit auch schon genug beantwortet.

    „Bschäftigt sich den jemand von euch überhaupt mit dem Scheiß oder wird das als mindere Störung betrachtet die schon wieder vorbei gehen wird? Ich kann dir zumindest mein Wort geben, daß nichts was wir miteinander besprechen diesen Raum verlassen wird. Das du deshalb nicht frei von der Leber losquatschen wirst und kannst ist mir auch klar. Ich wollts nur gesagt haben.“ Ehre war ein Wort mit 4 Buchstaben… manchmal nicht mehr. Aber Enio pfelgte innerhalb seiner kainitischen Möglichkeiten zu seinem Wort zu stehen.
     
  19. Regine

    Regine Tremere

    „Oder einer vom Clan des Mondes spielt mit einem.“ Anna konnte sehr wohl diesen Flusenkopf verdächtigen und tat es auch mit aller Innbrunst, zu der sie fähig war. Da war ja noch das eine oder andere Erlebnis, dass unter den Bereich 'Maulkorb' fiel und was sie sehr wohl erinnerte. Mit dieser Bemerkung spielte sie heftigst mit der Grenze, die von Grimm und Mc Kinney gezogen wurden, wollte es sich jedoch nicht nehmen lassen. „Wer auch immer es ist, er macht mich nicht glücklich mit seinen Handlungen. Wie wir jüngst bemerken durfte, ist auch ein Koldune zu so etwas fähig. Ich musste einfach fragen, ob ihr ihn wirklich erwischt habt. Bei meinem Clan würde so ein Verhalten auf wenig Verständnis stoßen. Leider kann ich dir das Versprechen, dass unser Gespräch den Raum nicht verlassen wird, nicht zurück geben. Nicht nach meinen Nächten in Wien. Kurz nach dieser Prozedur hier wieder mit solchen Dingen konfrontiert zu sein... ist wirklich aller liebst und herzerfrischend“ und bei mir ungefähr genau so beliebt wie Lebra oder die Pest als Mensch. "Ich kann dir wirklich nicht mehr zu dem Thema sagen, doch eine mindere Störung wäre wohl kaum einen solchen Maulkorb wert, oder?“

    Landete das Handy der Tremere durch irgend einen Zufall ausgerechnet jetzt auf dem Schreibtisch des Ahns vor ihr? Anna schien nichts weiter damit machen zu wollen. Sie hatte es nur aus der Tasche geholt und quasi auf 'ihre Seite' des Tisches gelegt, dicht am Rand. Hätte sie es die ganze Zeit in der Hand gehalten oder vorhin nach der SMS dort hin gelegt, wäre es sicher nicht weiter bemerkenswert. Vielleicht war sie ja auch der Meinung, es gleich zu brauchen. Vielleicht schenkte der Brujah dieser kleinen, an sich nichts sagenden Geste ja auch keine weitere Beachtung.

    Und wenn doch... dann schaltete sein Gehirn unter Umständen den Zusammenhang zwischen dem Maulkorb und ihrer Meldepflicht... und wenn der Brujah noch ein IQ Pünktchen über hatte und das Glück der Tremere hold war, konnte auch noch ein weiterer Groschen pfennigweise fallen, einer, der besagte, dass nicht gesagtes von dieser Tremere ebenso bedeutsam war wie ungesagtes, auch wenn sie es gewisser Maßen trivialisierte.

    Mach mich jetzt aber bitte nicht schwach. Deine Beruhigung ist gerade nach hinten los gegangen. Ich hatte es nicht sagen wollen sondern mich explizit dagegen entschieden und war der Meinung, es nur gedacht zu haben. Es ist eines, sich auf etwas zu beziehen, was man während eines Gespräches nur gedacht hatte, aber sich sicher zu sein, etwas nicht ausgesprochen zu haben, sondern nur gedacht und sich dann zu irren... ist definitv nicht beruhigend. Nicht in meinem Clan, nicht in meiner Postion. Auch wenn es in diesem Fall harmlos war und höchsten eine Wirkung verfehlte.“

    aye, sie hatte es wirklich nur gedacht in zwei Varianten und nicht gesagt, aber das nur am Rande ^^

    Hmmh, ja, die Tremere dachte um Ecken und der letzte Teil... nun, ob die Theorie zu viel für den Brujah wurde? Blitzte da etwas von dem durch, was sich bei Anna als trockene, schwarzhumrorige Ader manifestierte? So manche ihrer geistigen Kommentare waren definitv nie und nimmer für ihre Gegenüber bestimmt und schon gar nicht für die höher gestellten. Wenn sie immer frei nach Schnauze reden würde... käme sie verflucht schnell in Teufels Küche.

    Schon ellein ein offenes Wort Enio gegenüber über ihn selbst wäre sehr gewagt. Er wäre sicher schwerlich begeistert, wenn er erfahren würde, welcher Einschätzung seine Person bei der jungen Tremere unterlag.

    Ein wenig griesgrämig und bärbeißig, insgesamt sympathisch, meistens mehr bellend als beißend, so lang er keinen echten Grund zum Beißen bekommt, bei kleinen Scharaden und Frechheiten gutherziger, liebenswürdiger und beherrschter als jeder andere Ahn, den ich kenne... fair
     
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  20. Discordia

    Discordia B! scheuert

    Enio sah zwar keinen Zusammenhang aber er wußte nicht viel auf Annas Ausführungen zu sagen und obwohl er keinen Hang zum Lückenfüller hatte und fast nie einfach des Sagens wegen redete, hatte er den Eindruck als ob Anna irgendwas intelligentes oder hilfreiches von ihm erwartete. Also ging er auf die Sache mit dem Malkavianer ein, da er glücklicherweise an diesem Abend Annas Regentin danach gefragt hatte. Die hatte zwar nur soweit geantwortet wie Enio nachgefragt hatte – und das war beim besten Willen nicht viel gewesen – aber niemand hatte Enio gebeten Stillschweigen darüber zu halten oder das als Clansgeheimnis zu hüten.

    „Ja wer weiß. Wie ich heute von deiner Regentin erfahren habe soll ja der Malkavianer, der bei der letzten Primogensitzung gestört hat, hier auch noch aktiv sein und Leuten auf den Sack gehen. Zumindest sollen ein paar Typen irgendwie Kontakt zu ihm gehabt haben. Aber letztendlich weiß darüber gar nichts und hab erst angefangen mich ein wenig darüber zu informieren. Scheint auf jeden Fall in letzter Zeit niemand groß interessiert daran zu haben seit ich die Stadt verlassen habe.“ Der Brujah-Primogen schien der Sache tatsächlich keine weitere Bedeutung beizumessen und es in keinster Weise mit dem was Anna wiederfahren war in Verbindung zu bringen. Sonst hätte er sicherlich nicht so beiläufig darauf hingewiesen.

    „Okay... ich verstehe ein Stück weit, daß du nicht mehr darüber sagen kannst. Immerhin hilft es schon mal ein wenig, daß du mir überhaupt von deinem Maulkorb berichtet hast. Das macht das ganze Drumherumgequatsche etwas einfacher und ich muß mir kein Rätselbuch kaufen. Jedenfalls ist für das Zeugs Zacharii nicht verantwortlich. Ich kann nur für dich hoffen, daß sich jemand von euch damit beschäftigt, der weiß was er tut und nen Plan hat. An Erinnerungen oder verlorengegangenen Erinnerungen herumzupfuschen kann sehr ungesund enden und wie ich deinen Clan kenne gehen sie mit solchen Sachen nicht grad zimperlich um.“ Sollten das sowas wie tröstende Worte gewesen sein? Es klang zu nüchtern dazu. Es war mehr sowas wie: war nett dich kennengelernt zu haben. Vielleicht sieht man sich ja wieder und du hast dann noch alle Kerzen auf der Torte. Hilfreich war es jedenfalls nicht.

    Enio bemerkte das bewußt hingelegte handy. Er wartete zuerst ein paar Lidschläge ob die Tremere noch etwas damit machen wollte aber das war wohl nicht der Fall. Den Zusammenhang zwischen ihrem Maulkorb und dem regelmäßigem Zurückmelden war Enio bereits vorher klar gewesen aber was genau noch alles hinter der Geste stecken könnte erschloss sich für den Turiner nicht. Oder er machte sich zumindest keine Gedanken darüber, da bereits der Inspirationsimpuls fehlte. Oder vielleicht doch?
    Nein... sicher nicht so wie Anna es am liebsten wäre. „Bei wem mußt du dich eigentlich zurückmelden? Grimm oder bei Caitlin?“ Ansonsten kam nichts. Entweder holte der Brujah Anlauf oder er dachte eben anders.

    Tja... was sollte man da machen wenn Anna Schwierigkeiten hatte auseinanderzuhalten was sie gesprochen und was sie gedacht hatte? Enio war dafür mal echt der falsche Ansprechpartner. „Das ist schlecht... richtig schlecht. In anderer Gesellschaft und mit anderen Randbedingungen kann sowas schnell mal das Ende bedeuten. Du solltest dir ernsthaft überlegen ob du nicht in sowas wie eine Clansquarantäne willst. Zumindest bis klar ist was mit dir los ist. Ich hätte keinen Bock da drausen rum zu laufen und irgenwo zu mir zu kommen ohne zu wissen wie ich da hin komme. Das ist scheiße... egal aus welchem Clan man kommt.“ Der Tip war wohl wenig ermunternd. Aber tatsächlich gut gemeint. Annas Einschätzung von Enio war gar nicht mal so daneben. Jeder der den Italiener besser kennengelernt hatte, wußte, daß er niemals aus niedrigen Gründen oder gar grundlos jemanden Angreifen oder auch nur Streit mit ihm anfangen würde. Im Grunde war Enio jemand mit dem man nicht so schnell aneinander geriet. Wenn man es aber doch tat... hatte man meistens nur sehr wenig Zeit seine Beweggründe plausibel vorzutragen um das Schlimmste abzuwenden.

    Ja... Fair!

    Enio hat sich auf das hier bezogen mit seiner Erwiederung:
    Das war post Nr. 13. Das war für mich klar gesprochen und nicht gedacht. Es sei denn du benutzt Anführungszeichen völlig anders als andere. Was echt mal doof wäre. Übrigens hast du auch beim letzten post eine Wörtliche Rede begonnen ohne Anführungszeichen zu benutzen. Das macht es manchmal nicht nur für Enio zum Knobelspiel.
     
    Azraella und G.I.Giovanni gefällt das.
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