Serie Dr. House

AW: Dr. House

Wieso sollte Menschenverachtend das flasche Wort sein? Anders kann man doch nicht beschreiben, wie er mit den meisten Leuten umgeht.
Und das ist nunmal lustig.

Was für hässliche Sachen soll das zeigen?
Ist es neuerdings nicht mehr in Ordnung über politisch inkorrekte oder einfach gemeine Witze zu lachen? Sind wir in den Staaten?

Menschenverachtend ist noch eine spur härter.
Unfreundlich, Arrogant, Herabwürdigend. Passt besser.

Denkst du wirklich, dass ich das mit "ernst nehmen" gemeint habe? Eine Fernsehserie auf die gleiche Ebene zu stellen, wie die handfesten Dinge des täglichen Lebens? Das ist doch Unsinn. Trau deinem Gegenüber doch bitte ein klein wenig Verstand zu. Sonst brauchen wir uns doch hier nicht auszutauschen und können einfach nur unsere Lieblingslinks zu Youtube reinposten.

Das hat man auch mal über Literatur gesagt. Und wenn alle Leute so wie du gedacht hätten, dann hätten wir auf viele fantastische Bücher verzichten müssen. TV-Serien erzählen Geschichten. Damit haben sie das Potential, die gleiche literarische und kulturelle Relevanz und Qualität zu erreichen, wie angesehene Bücher oder Theaterstücke. Das heißt konkret, sie können einen genauso emotional oder intellektuell ansprechen wie Geschichten aus anderen Medien.

Wer das nicht will, der hat natürlich das Recht sich dagegen zu verwehren und sich nur auf Lacher zu beschränken, um sich von den erzählten Geschichten zu distanzieren. Aber man sollte nicht so arrogant sein zu glauben, dass eine TV-Serie einen Zuschauer nicht genauso hineinziehen und zum Nachdenken bringen kann, wie ein großartiges Buch. Oder dass es "unsinnig" ist, sich derart darauf einzulassen.

So lange House lediglich ein überdurchschnittlich qualifizierter Charakter war, konnte man von der Serie noch erwarten Geschichten zu erzählen, die nicht gänzlich anspruchslos waren. Es gibt in dem Genre ein großes Feld an Konflikten, die man aufgreifen kann: Leben/Tod, das "richtige" tun/das "erlaubte" tun, persönliche Werte/pragmatische Entscheidungen, etc. pp. Es wäre nie das TV-Äquivalent von Ulysses dabei herausgekommen, aber für nette TV-Melodramen hätte es bestimmt gereicht. Seit House als Gott auf Erden in Szene gesetzt wird, und damit allen Veränderungen immun gegenüber ist, ist er nicht mehr Charakter sondern lediglich Settingornament. Das ist bestenfalls eine gefällige Art Geschichten zu erzählen, aber keine gute.

Es gibt genug TV-Serien, die versuchen handwerklich gute Geschichten zu erzählen; dass man auf House verzichten kann, wenn man mal den Fernseher einschalten und sein Gehirn nicht abschalten will.

1) Ich trau dir verstand zu, aber das ist nunmal was ich aussagen will. Das leben soll ernst sein. Alles andere Ist unterhaltung. Wovon man unterhalten werden will ist geschmackssache

2) und ich sage genau das heute noch über literatur. Ich lese gerne und viel. aber ich hasse es bücher zu interpretieren. zu überlegen welcher sinn hinter dem buch steckt, welche absicht der verfasser hatte und was er hätte besser machen können. das buch hat mir gefallen oder nicht. ad acta.
Dafür braucht das buch einen spannungsbogen, interessante charaktäre und jeh nach setting noch einiges anderes. Verwicklungen und geheimnisse bei mystery zum beispiel. dabei schaltet man sein gehirn ganz sicher nicht ab. aber ich befasse mich eben mit der literatur nur auf der textebene und nicht auf der meta ebene.

Es gibt niemals genug gute TV-Serien. Und schon gar nicht gibt es irgendeine andere Serie, die mit einem so zynischen Charakter wie House als Protagonist aufwarten kann. Sowas gibt es höchstens mal als Nebencharakter, den man nach seinem Kurzauftritt auf ewig vermissen wird.

Ich verstehe zudem deine Aussage nicht, was erwartet du für faszinierende und dramatische Geschichten von einer Fernsehserie? Sowas können vielleicht One-Shots wie "Rome" bieten, aber Serien die mehr als zwei Staffeln laufen, müssen zu einer funktionierenden Routine finden, sonst werden sie langweilig.

Dein Vergleich von Büchern und Fernsehen, bin ich eigentlich nur bei Filmen bereit einzusehen, auf Serien trifft das nicht zu, weil sie einfach zu lange laufen. Jede Geschichte muss auch mal vorbei sein - das Prinzip zieht bei Fernsehserien nicht. Und gerade wegen einem würdigen Abschluss liegen da gute Bücher und gute Filme auf einem ganz anderen Level.

Was allerdings immer noch nicht erklärt, was an House schlecht sein soll.

als zynischer charakter würde mir noch Al Bundy einfallen.

aber du hast recht, danach hört es auch schon auf.
 
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Es gibt halt fast nur noch gezuckerte Charaktere, wer vermisst nicht "Ekel" Alfred, Al Bundy und Konsorten? Da kann man sich doch wirklich nur über House freuen, in einer Zeit wo durch die Weichspülung der Gesellschaft selbst die Schurken in Bond-Filmen schon eine dramatische Kindheit oder so'n Käse angedichtet bekommen, um ihre Verbrechen zu rechtfertigen. Was ist aus den reinen Tätern geworden?

So'n richtig schöner Antiheld fehlt einfach. Ich finde da House nichtmal sooo befriedigend. Mason aus "Dead Like Me" war zum Beispiel auch klasse - aber irgendwie ist das ganze Konzept "Antiheld" wohl aus der Mode.

Schade eigentlich.
 
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Und im zusammenhang mit House sehr naheliegend! :D

"Last one in Berlin is a rotten Egg!":D
 
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So'n richtig schöner Antiheld fehlt einfach. Ich finde da House nichtmal sooo befriedigend. Mason aus "Dead Like Me" war zum Beispiel auch klasse - aber irgendwie ist das ganze Konzept "Antiheld" wohl aus der Mode.

Eigentlich ist momentan das Konzept Antiheld erstaunlich populär. Sowohl an der Quantität in den Serien (auch wenn vielleicht in einer extremen Ausprägung, die du zu präferieren scheinst, wenn dir House zu seicht ist) als auch bei den Zusehern, denn das Doc House eine der quotenstärksten Serien im deutschen TV ist, hätte ich vorher nie prognostiziert.
 
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A propos: Ich hoffe, alle Dr. House Fans kennen schon Dr. Slippery (snglischer Originaltitel: Fourtysomething), die Comedy Serie mit dem gleichen Darsteller?

Läuft auf Comedy Central.
 
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PS: Dass Dr. House Prince George aus Blackadder ist, ist mir tatsächlich gerade eben erst aufgefallen *Tomaten auf Augen hab* ...
 
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Ich verstehe zudem deine Aussage nicht, was erwartet du für faszinierende und dramatische Geschichten von einer Fernsehserie? Sowas können vielleicht One-Shots wie "Rome" bieten, aber Serien die mehr als zwei Staffeln laufen, müssen zu einer funktionierenden Routine finden, sonst werden sie langweilig.

Dein Vergleich von Büchern und Fernsehen, bin ich eigentlich nur bei Filmen bereit einzusehen, auf Serien trifft das nicht zu, weil sie einfach zu lange laufen. Jede Geschichte muss auch mal vorbei sein - das Prinzip zieht bei Fernsehserien nicht. Und gerade wegen einem würdigen Abschluss liegen da gute Bücher und gute Filme auf einem ganz anderen Level.

Ahem. Grade neuerdings geht das sehr gut. Guck mal The Wire. Oder Carnivale. Oder meinetwegen auch Lost.
Das sind alles Serien die nicht nur unterhalten, die können mehr. Und sie sind alle streng begrenzt auf einen weiteren Spannungsbogen als Filme, und damit eigentlich dem Buch deutlich näher. The Wire ist nach der jetzt kommenden Staffel 5 vorbei, die Produzenten meinen, sie haben jetzt alle Themen zu denen sie etwas zu sagen haben abgearbeitet. Carnivale ist LEIDER nach 2 Staffeln abgesetzt worden, wobei es auf etwa 6 ausgelegt war. Sehr ausführlich ausgelegt, und ich würde meinen Erstgeborenen verkaufen, damit die Serie weitergedreht wird.
Lost ist von all denen noch am ehesten pure Unterhaltung, aber auch hier ist die Serie begrenzt, und irgendwann zuende.
House ist erstklassig geschrieben, aber eben irgendwann doch "nur" noch eine an Sherlock Holmes angelehnte Ärtzteserie irgendwo zwischen CSI und Scrubs, die dann eben doch nicht viel mehr tut, als eben zu unterhalten. Ich hatte zwischendrin auch mal Momente in denen ich mir an den Kopf fassen musste, weil die Drehbücher bzw. die Charaktere von Folge zu Folge irgendwie schwammiger, schlechter und inkonsistenter wurden. House war lange Zeit mehr als die Formel "House + Krankenhaus + Mitmenschen", aber irgendwann scheinen ihnen einfach die guten Ideen ausgegangen zu sein.
Das funktioniert gewissermaßen auch mit den Simpsons, da war die Formel auch irgendwann ausgelutscht, und es wurden neue Ideen eingebracht, die die Serie zunehmend abstruser werden lies.
 
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Der größte Schwachpunkt an Dr. House ist tatsächlich das schwer "repetitorische" der Serie (= gleicher und vorhersehbarer Folgenaufbau). Aber was soll's. Aktuell gefällt's mir noch sehr.
 
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@AAS
Wie, das merkst du jetzt erst??? :rolleyes: Wenn ich mich richtig erinnere ist Hugh Laurie ab der 3. Reihe fest dabei, hatte aber schon unter Queen Elizabeth ein paar Gastauftritte. Dass er auch einen Auftritt in einem Video der Eurythmics hatte wusstest du aber hoffentlich, gell? ;) Er hat wohl auch noch einiges zusammen mit Stephen Fry gemacht, hab aber im Moment keine Titel parat.
 
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Das mit Fry wusste ich ("A piece of Fry and Laurie" hieß das glaub ich) - das mit den Eurythmics war mir neu (werd mal youtuben gehen...)
 
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Walking on broken glass. John Malkovich ist wohl ebenfalls im Video zu sehen.
 
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Wird man bestimmt auch so finden, aber das Lied ist von Annie Lennox und nicht von den Eurythmics. War auf der "Diva" und ich schäme mich nicht zu sagen, dass das Album bei mir im Schrank steht.
 
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2) und ich sage genau das heute noch über literatur. Ich lese gerne und viel. aber ich hasse es bücher zu interpretieren. zu überlegen welcher sinn hinter dem buch steckt, welche absicht der verfasser hatte und was er hätte besser machen können. das buch hat mir gefallen oder nicht. ad acta.

Sowas lese ich erschreckenderweise immer öfter. Mir stellt sich da immer die Frage: Welcher inkompetente Deutschlehrer hat euren Denkmuskel so verstümmelt und verkrüppelt? Wer hat euch so traumatisiert was Geschichten angeht? Man muss nicht überlegen und interpretieren welche Metaebenen und sozialkulturelle Diskurse in einer textimmanenten Bildsprache einen epistemologischen Bezug zu ökonomischen Strukturen des neuen Jahrtausends in Frage stellen.

Die große Kunst eines jeden guten Buchs und einer jeden guten Geschichte besteht darin, komplexe Zusammenhänge dem qualifizierten Leser/Zuschauer mühelos nahezubringen. Die einzige Qualifikation, die man braucht ist die Fähigkeit die Art der Erzählung zu verstehen. Dass du das kannst, zeigen deine Kommentare über Geschichten.

Warum diese Vorstellung, dass anspruchsvolle Geschichten sich über ihre schwere Verständlichkeit definieren und einfache Geschichten dumm sein müssen? Warum diese Bereitwilligkeit stupide, dümmliche Trivialitäten als akzeptable Geschichten zu dulden, nur weil man da wenig nachdenken muss?

So'n richtig schöner Antiheld fehlt einfach. Ich finde da House nichtmal sooo befriedigend. Mason aus "Dead Like Me" war zum Beispiel auch klasse - aber irgendwie ist das ganze Konzept "Antiheld" wohl aus der Mode.

Wie kommst du auf die lächerliche Vorstellung, House wäre ein Anti-held? Ein Anti-Held hat zumindest noch irgendwelche Werte. House ist ab etwa S3 ein Nihilist, der sich als Kämpfer für den Rationalismus und die menschliche Selbstbestimmung voller selbstgerechten Zorn ausgibt. Das kotzt mich doch so an.

Wenn sie House wenigstens als den "villain" der er ist, inszenieren würden; dann hätte ich viel mehr Spaß an der Serie. Sowas gibt es nämlich in der Tat zu selten. Eine Serie, deren Hauptfigur Abgründe hat und auf dessen Verachtung durch den Zuschauer baut.
 
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Aha, keine Werte, soso. Soll das irgendeine pseudo-philosophische Diskussion werden? Jemand, der das Wohl anderer Menschen über sein eigenes stellt, taugt immer als Held, egal ob anti oder nicht. Ansonsten gibts hier anderswo noch ne Heldendiskussion.

House, M.D. versucht sicher nicht die beste Serie aller Zeiten zu werden, sondern solide wöchentliche Unterhaltung mit sehr seichtem Handlungsbogen über die Staffel hinweg. Das kann man auch als Stärke sehen, denn noch mehr ausgeschlachtete Endlosserien, in denen nur vorgegaukelt wird, dass was passiert obwohl eigentlich gar nichts passiert a la Lost und Konsorten habe ich keinen Bock zu ertragen.
Dem Anspruch, den House als Serie an sich stellt wird es gerecht (und das locker und teilweise selbstironisch, den verkniffenen Nihilisten siehst du vermutlich exklusiv), also sehe ich kein Problem und der Rest ist Geschmackssache. Und für den persönlichen Geschmack gibt es einen Riesenhaufen an Serien zur Auswahl in den letzten Jahren.
 
AW: Dr. House

Das kann man auch als Stärke sehen, denn noch mehr ausgeschlachtete Endlosserien, in denen nur vorgegaukelt wird, dass was passiert obwohl eigentlich gar nichts passiert a la Lost und Konsorten habe ich keinen Bock zu ertragen.

Öhm, nenn mir mal bitte eine Endlosserie?

Bis auf die Simpsons fällt mir da keine ein...

LOST geht mit Season 6 definitiv zu ende, und dass da "eigentlich gar nichts passiert" kann man nun wirklich nicht behaupten. Was wird da bitte vorgegaukelt?

Was sind denn deine anderen Beispiele?
 
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Eine Beantwortung dieser Frage an dieser Stelle wäre absolut offtopic. An passenderer Stelle diskutiere ich gerne mit dir ausführlich darüber (und am liebsten erst nach dem 15. Februar).
 
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Für eingefleischte Fans. Ein Kurzinterview mit House-Inspiration und medizinischer Beraterin Dr. Lisa Sanders. Ich fands nicht uninteressant.
 
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