Rollenspiel-Unterricht

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Arlecchino

Guest
Beate Wischer hingegen, Professorin für Schulpädagogik an der Universität Osnabrück, sieht auch Vorteile im traditionellen Unterricht: »Ich halte es für übertrieben zu sagen: Unsere Gesellschaft braucht demnächst nur noch Leute, die innovativ und kreativ sein müssen. Wir stecken doch auch noch in vielen anderen Strukturen. Ich erkläre meinen Studenten den »heimlichen Lehrplan« der Schule etwas provokativ immer so: Die Schüler sollten auch gelernt haben, sich anderthalb Stunden so zu langweilen, dass man es ihnen nicht gleich ansieht.«

geil, die Pädagogen wieder. (y)
 

Der Rote Baron

Commandante Spielevara
Na klar. Die Schule hat seit jeher einen "geheimen" Lehrplan, der die Schüler in einer bestimmten Form unausgesprochen sozialisiert. Das ist weder neu noch wirklich geheim - man redet nur nicht darüber, da er praktisch kulturell internalisiert ist. Dieser Lehrplan geht natürlich über das bloße "Sich-nicht-sichtbar-langweilen" hinaus. Die meisten Sekundärtugenden werden z.B. ein- und antrainiert, ohne das das ausddrücklich im Lehrplan festgelegt wird. Die Anerkennung von Herrschaft (nach Max Weber) ist z.B. auch konstitutiv notwendig für das Gelingen von Unterricht ebenso wie das Ausfüllen von verschiedenen Rollen (Rollentheorie) und ihrer Verhaltensformen.

Das gilt aber auch für die Arbeit im Betrieb oder die aktive Mitgliedschaft in einer Sportmannschaft, einem Kegelklub einem Verein oder einer Partei. Nur ghet man hier meist davon aus, dass sie schon angelegt sind und ausgefüllt werden können- wer erst im Betrieb lernen will, dass man den einen Ansprache an die Belegschaft haltenden Chef nicht ob des langweiligem Inhalts seiner Rede offen ins Gesicht gähnt, der wird das wohl dann erst im nächsten Job korrigieren können.
 
A

Arlecchino

Guest
Achso. Na ja, dass sich nicht allzu offensichtlich Langweilen las sich als Beispiel für den gut funktionierenden, subtilen Lehrplan irgendwie albern. Aber gut, wenn das zu soft skills gezählt wird..
 

Atreju

breakfast epiphany
Macht sich doch gut im Lebenslauf: "Ich verfüge über eine ausgeprägte emotionale Intelligenz und kann mich gut nicht sichtbar langweilen."
 

Der Rote Baron

Commandante Spielevara
"Außerdem kann ich Engagement vortäuschen, Interesse heucheln und geräusch- und fast geruchslos furzen und das subtil auf andere schieben." Letzteres ist dann Body-Mind-Conditioning auf Expert Level (um das mal auf Neusprech auszudrücken).
 
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