Brainstorming Abenteuer/Kampangen-Inspiration für Pseudopaleo/Antik-Setting

Dieses Thema im Forum "Rund um Rollenspiele" wurde erstellt von Chrisael, 1. August 2015.

  1. Chrisael

    Chrisael Gott

    Ich bin es bisher immer gewohnt in Settings zu spielen mit schon ziemlich gereiften und komplexen sozialen Strukturen. Hierfür fallen mir nicht nur eine Menge Zeugs ein was man so alles leiten könnte sondern auch Konsequenzen kann man sehr leicht stricken.

    Ich hab da aber ein Setting das mir von der Stimmung und die Freiheit die es vermittelt, es mir sehr angetan hat. Ein Pseudopaleo/Antik-Setting. Also voll mit wilden, freien Kulturen, Kampfeslust, Nacktheit und Sexualität. Ein Setting das die antiken Kulturen beinahe glorifiziert.
    Nur leider sind da die sozialen Strukturen nicht annähernd so komplex wie in späteren Kulturen, also so ca. ab dem Spätmittealter ab da sind sie ziemlich komplex. Auch mit Konsequenzen stricken tu ich mir in so einem Setting schwer.
    Alle Versuche eine Kampange in diesem Setting zu leiten sind bisher an meiner Unfähigkeit gescheitert.

    Aber vielleicht kann mir die Community aus meiner geistigen Inzest ein wenig raus helfen, mit Ideen für Abenteuer, Konflikte, wie man antike soziale Strukturen für Konflikte und Konsequenzen nutzen könnte, wie man Standardabenteuer entsprechend umgestaltet, etc.
    Schreibt einfach alles auf was euch einfällt, bin für alles dankbar. : )
     
  2. Infernal Teddy

    Infernal Teddy mag Caninchen

    1.) Was genau suchst du, ein paleo-setting, oder ein antikes setting? Das sind zwei sehr, sehr, sehr, sehr unterschiedliche Dinge.

    2.) Jeder, der antike Gesellschaften wie die Perser, die Ägypter, die Römer oder das klassische China oder Indien als "nicht so komplex wie das Mittelalter" bezeichnet, hat offensichtlich in Geschichte nicht aufgepasst.
     
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  3. Chrisael

    Chrisael Gott

    Es ist ein Paleo/Frühantike-Mischmaschsetting, Fantasy natürlich. Mehr, sehr frühes Griechenland, mit losen Stadtstaaten.

    Und ich seh da schon unterschiede in der Komplexität der sozialen Strukturen. Spätmittelalter, heiliges römisches Reich zum Beispiel. Ein zemlich komplexes Herrschaftsgebilde, starke soziale Strukturen die teilweise auch ziemlich festgefahren sind. Alle wichtigen Adeligen, Händlerhäuser, etc. sind der gebildeten Schicht einfach bekannt. Der Baron von Gebiet XY kennt nicht nur alle wichtigen Adelige des Reichs sondern weiß ziemlich sicher auch wer gerade König in Frankreich, Spanien, England ist. Dazu kommen noch Gilden und eine sehr strike Kirche. Jede Bewegung in diesem System führt zu irgend einer Reaktion, irgend einer Konsequenz.
    Ganz anders schaut es in einem sehr frühen Griechenland aus. Da kann es schon vorkommen das der König von Kreta keine Ahnung hat wer gerade König drei Stadtstaaten weiter ist, das der weiß wer gerade welches Keltenvolk anführt ist da sowieso völlig unwahrscheinlich. Die Reiche sind in diesem Setting nicht sehr groß, gehen selten über die größe eines Stadtstaates hinaus. Demzufolge ist es gar nicht notwendig wirklich sehr komplexe soziale und herrschaftliche Strukturen zu haben. Ein König herrscht nicht über viel.
    Daher können Spieler sehr viel mehr machen ohne mit Konsequenzen leben zu müssen.

    So als primitives Beispiel: Tötet ein Charakter in einem spätmittelalterlichen Settng eine wichtige Person wird der Steckbrief im ganzem Reich zu finden sein. Will er sich dem völlig entziehen müsste er wirklcih sehr weit reisen.
    In einem Setting das eher ein sehr frühes Griechenland ist kann der Charakter zwei Städte weiter ziehen und ist praktisch für immer verschwunden.
    Ich hoffe es ist halbwegs verständlich was genau ich meine.

    Ich bin immer noch auf der Suche nach Ideen.

    Meine derzeitige Idee ist es über all die kleinen Völker und Stadtstaaten ein sehr großes und "böses" Imperium drüber zu stülpen. Sind jetzt praktisch alles unterworfene Völker. Auf diese Weiße könnte ich ein sehr komplexes System aufbauen in denen die Spieler praktisch wieder vorsichtiger agieren müssen oder direkte Konsequenzen zu spüren bekommen.
     
  4. yennico

    yennico John B!ender

    Ich weis nicht, was du für ein Bild vom Spätmittelalter hast. Dein Aussagen lassen mich vermuten, dass in deinem Spätmittelalter die Adeligen, Handelshäuser und Herrscher ein besseres Informationsnetz als Facebook und Internet zusammen besitzen. Außerdem eine Strafverfolgungsbehörde, die effektiver ist als unsere und deren Arm weiter reicht.

    Nur die reichsten und wichtigsten Adelsgeschlechter, wahrscheinlich weniger Handelshäuser und Gilden werden es sich leisten können einen Stammbaum in Papier erstellen und illustrieren zu lassen. Davon haben sie dann ein Buch in ihrem Stammsitz, Als Annahme nehme ich an, dass sie möglicherweise ein weiteres mit auf Reisen zu anderen Adelsgeschlechtern mitnehmen, ein Exemplar könnten sie dem König schenken und ein weiteres einem Adelsgeschlecht, dass in der Hierarchie über ihnen steht. Von den wichtigen Personen wird es Bilder geben, wie genau die sind ist aber eine andere Frage. Nachkommen im heiratsfähigen Alter werden portraitiert und an die Eltern der künftigen Ehemänner oder Ehefrauen gesendet.

    Informationen in der Zeit verbreiteteten sich langsamer als in unserer Zeit und wurden oft oral weitergegeben, was wegen dem Stille Post Effekt auch dazu führen kann, dass sie ungenauer werden.
    Ich glaube kaum, dass ein Baron von XY weis wie der dritte Sohn eines unwichtigeren Adelsgeschlecht heißt geschweige denn wie der genau aussieht. Wahrscheinlich weis der Baron nicht mal, ob dieses unwichtigere Adelsgeschlecht überhaupt drei Söhne hat. Eher gehe ich davon aus, dass das Adelsgeschlecht denkt, dass sich keiner aus dem Pöbel anmaßen wird sich als Adeliger auszugeben, die Strafe für sich als Adeliger ausgeben abschreckend genug ist und ein Möchtegern-Adeliger durch seine fehlende adelige Ausbildung unter den Adeligen auffallen wird.
    Wenn sich ein (adeliger) PC mit passenden Skills sich als dritter Sohn eines unwichtigen Adelsgeschlechts von irgendwo weiter weg ausgibt, wird der Baron und alle anderen ihm das erstmal glauben, sofern keiner der Anwesenden das Adelsgeschlecht näher kennt. Wenn er sich nun irgendwie auffällig benimmt, ob positiv (er gewinnt das Turnier) oder negativ, wird diese Kunde nach einige Zeit zu dem Adelsgeschlecht durchdringen. Diese wissen dann, dass sie entweder keinen dritten Sohn haben oder ihr dritter Sohn zu der Zeit ganz woanders war. Ob sie dann etwas unternehmen hängt von der Nachricht ab.

    Wenn ein Charakter in einem spätmittelalterlichen Setting so dämlich sein sollte, dass er alle Vorsicht fahren lässt und am helligen Tag, vor vielen Zeugen, in auffälliger Kleidung mit markanten Gesicht, seinen eigenen Namen rufend den geliebten König tötet, würde ich als SL ihn am liebstens für diese Dämlichkeit von einem Blitz treffen lassen. In der Zeit läuft vieles noch über Beschreibungen und wie genau die Beschreibungen und Zeichnungen auf den Steckbriefen sind ist eine andere Frage. Besagter Charakter könnte wahrscheinlich zwei Dörfer weiter gehen, sich einen Bart wachsen und eine Tonsur schneiden lassen, eine Mönchskutte überwerfen und sich Bruder XY aus dem Kloster Ganzweitweg nennen. Spätestens der Nachfolger des Königs, wenn es nicht dessen Sohn/Tochter, etc. ist, wird nach einiger Zeit dafür sorgen, dass der Königsmörder weniger bis gar nicht mehr gejagt wird, denn, wenn der alte König immer noch leben würde, wäre der Nachfolger noch nicht an die Macht gekommen.
     
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  5. Chrisael

    Chrisael Gott

    Ich fühle mich ein wenig falsch verstanden. Ich wollt hier keine Diskussion vom Zaun brechen wie informiert die Adeligen im Spätmittelalter waren. Ich denke du hast da in meinen Post sehr viel mehr rein interprtiert als geplant war und außerdem wurde scheinbar sowieso nicht richtig gelesen. Ich zitier mich mal selber und heb was fett hervor.

    Und jetzt zitier ich dich und heb was hervor.

    Mehr will ich zu dem Thema jetzt aber nicht mehr sagen weil darum gehts mir gar nicht.

    Ich such Inspirationen wie im Eingangspost beschrieben.
     
  6. Arlecchino

    Arlecchino Very S.P.E.C.I.A.L.

    Ist meiner Meinung nach sehr ausgelutscht. Aber natürlich Geschmackssache.

    Ich hab mich gerade recht intensiv aufgrund von Rundenvorbereitungen mit der "protogriechischen" Kultur auseinandergesetzt, daher bin ich ganz gut im Thema drin. Ich weiß denke ich worauf du mit den weniger komplexen Strukturen hinaus willst, allerdings würde ich das eher auf einen engeren Raum begrenzen, als auf eine vermeintlich uninformiertere Gesellschaft. Die Könige von Kreta wussten sehr wohl, welcher mykenische Bastard sich in Lakedaimonien niedergelassen hat und sie wussten auch, woher die troianischen Piraten kamen, die ihre Küsten überfielen. Sie wussten auch von dem gottähnlichen Großkönig in Assyrien, von den Hethitern und tendenziell natürlich auch von Ägypten und den Philistern / Phöniziern im heuten Israel. Von Babylonien hatten sie sicher gehört, immer hin benutzten sie die Schekelwährung mit, mal abgesehen davon, dass die minoisch-kaptarische Kultur vermutlich aus dem orientalischen Raum stammte. Und das noch vor den Ioniern und Dorern und vermutlich sogar vor den Mykenern Phönizier in Griechenland gelandet sind und Kolonien gegründet haben.

    Das alles führt zu einer anderen Form der Komplexität: kulturelle und ethnische Wanderungen, Überlagerungen und gegenseitige Beeinflussung. Viele Fantasywelten kranken an zu isolierten Kulturen, die meist noch schrecklich schablonenhaft und metaphorisch sind (das böse Imperium, bijvoorbeeld). Die Stadtstaaten, Stämme und Kulturen hatten für gewöhnlich gemeinsame Wurzeln und ganze kulturelle Identitäten wurden aus der Abgrenzung zu anderen geschaffen. Athens Sonderolle kam unter deswegen so stark zum tragen, da sie auf ihre ionische Abstammung bestanden und kategorisch ablehnten, wie die meisten anderen Poleis vornehmlich von Dorern besiedelt worden zu sein.

    Ich würd mir als Inspiration entweder die Ägäis nehmen, oder Italien. Irgendein "überschaubares" Gebiet, in dem du Stadtstaaten platzierst. Dann eine Handvoll Kulturen, die diese bevölkern mit etwaigen Entstehungs- und Siedlungsgeschichten und ethnischen Verbindungen. Die italischen Stämme zum Beispiel sind vermutlich großteilig aus den Umbrern und Sabinern hervorgegangen. Unter anderem aufgrund der Tradition, in Notlagen eine Gruppe von Jugendlichen aus dem Stamm auszuschließen, damit sie anderswo einen Neuen gründen. Die Griechen haben sowas ähnliches mit ihren Kolonien gemacht. Diese Stammesverbände / Kolonien waren zum Teil ideologisch und kulturell noch stark mit ihren Mutterstädten verbunden, was widerum zu Befreiungskriegen, Annektionsversuchen und anderen Differenzen führen kann.

    Darüber hinaus bietet der trojanische Krieg, sofern historisch, eine gute Blaupause für die Probleme solcher frühantiker Gesellschaften. Die Mykener, zum Beispiel, landeten als Piraten und Eroberer in Griechenland. Der ganze Aufwand um Helena war im Grunde ein Legitimationsbestreben. Menelaos, Agamemnon, Odysseus und die anderen griechischen Anführer hatten sich selbst zu Königen gemacht, ihnen fehlte Legitimation. Der alte Adel, aus dem Helena entstammte, bot diesen durch Heirat an. Als Helena dann mit Paris nach Troia ging, die bereits in starker Konkurrenz zu den Mykenern standen, kam es zum Krieg. Und damit das Ganze auch schön in die Nachwelt transportiert wird, lädt man es munter mit mythologischen Figuren und Begebenheiten auf.

    Um visuelle Inspirationen zu bekommen würde ich vorschlagen nach Bildern der Sea Peoples, Mykenern, Dorern, Kretern etc. zu suchen. Auch Samniten, frühe Römer und Etrusker können einen guten Eindruck von früher Antike vermitteln. Ausgefeilte Rüstungen zum Beispiel waren nicht unbedingt üblich. Oft bestand der Schutz aus Leinen (linothorax) oder Bronzeplatten, gekämpft wurde in der Phalanx und das Heer bildete sich aus der Aristokratie, sowas wie Berufssoldaten kennt man überwiegend nicht.
     
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  7. Chrisael

    Chrisael Gott

    Du bist da ziemlich gut informiert. Was willst du denn da leiten? Wird das sehr politisch bei dir? Wenns politisch wird sind Konsequenzen immer recht leicht zu stricken. Will mans mehr auf der Abenteuerschiene belassen wird das oftmals schwerer, in einen frühantiken Setting kommts mir besonders schwer vor.
    Ich würd bei dir denk ich sofort mitspielen. XD Schon beim lesen bekam ich Lust auf mehr.

    Mein Setting ist doch viel mehr Fantasy als Realität. Zwar sind viele Kulturen an antike Kulturen unserer Welt angelehnt, manche sogar fast eins zu eins über nommen, dennoch kommt da viel hinzu was ganz eindeutig Fantasy ist. Manche Könige sind vielmehr Gott als Sterblicher, in den Wäldern gibt es Tiere die praktisch Götter sind (nicht unähnlich wie in Mononoke Hime) und überhaupt kann man an jeder Ecke (übertriebene Aussage) einen Gott treffen. Man betet und verehrt dort viel mehr Götter aus Fleisch und Blut an als welche die in irgend welchen anderen Sphären wandeln.
    Waffen sind nicht nur aus Bronze, sehr viel seltener Eisen, sondern auch aus Knochen, Stein und Kristall. Für den Flair des Settings sind diese Materialien der Bronze ebenbürtig. Rüstungen sind nicht sonderlich verbreitet und wenn dann sind sie oft aus Leinen oder Leder, seltener aus Bronzeschuppen. Aber natürlich gibts auch barbarische Rüstungen aus Fell und Knochen. : D Die Krone der Rüstungstechnik sind dort Hoplitenpanzer aus Bronze, die aber auch sauschwer sind und nur selten außerhalb des Phalanxkampfes benutzt werden. DAs Klima ist sehr warm bis heiß also sollten die meisten Kämpfer halbnackt rumlaufen. Nackheit war im alten Griechenland ohnehin ein Ideal. : D Nur die Barbaren ziehen sich viel an.

    Das ganze soll ein bisschen den Flair des ersten Conanfilmes haben oder dem Videospiel Mark of Kri und dessen Nachfolger oder der Ilias natürlich oder den Film Scorpion King.

    Das "böse" Imperium ist natürlich nicht wirklich böse sondern ist einfach ein Imperium. Zur Zeit denke ich da optisch an die Babylonier und Perser aber mit der Effizienz der Römer.
     
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  8. Chrisael

    Chrisael Gott

    Was die Komplexität betrifft.
    Im heiligen römischen Reich des Spätmittelalters/frühe Renaissance gabs einfach einen haufen Institutionen die es in der frühen Antike so nicht gab. Schon alleine das Adelssystem und dessen Hirarchie oder die Kirche, es gab gut funktionierende Geheimdienste (natürlich nicht mit den heutigen vergleichbar), es gab Handelshäuser und Handwerksgilden (niemand durfte einfach so ein Handwerk ausüben). Das ganze macht ein ziemlich komplexes gesellschaftliches System das ich mir so in einer frühantiken Gesellschaft nur schwer vorstellen kann. es könnte aber auch einfach daran liegen das mir da einfach die Informationen fehlen vor allem die des Alltagsleben.

    Vielleicht kannst du mir dafür ein paar Links schicken oder Bücher empfehlen? : )
     
  9. Arlecchino

    Arlecchino Very S.P.E.C.I.A.L.

    Das ist alles Vorbereitung für meine Vampirerunden in Mesopotamien, Griechenland und Rom. Ich grab mich da immer ein und komm von Hölzchen auf Stöckchen. Klar wirds dann vor allem sehr politisch.

    Ich dachte mir schon, dass du mehr in Richtung low fantasy gehen möchtest, las sich auch schon so. Da seh ich Fantasyelemente und Abenteuer allerdings gar nicht als Problem. Im Grunde gibts da uferlose Inspirationen in Film- und Buchformat. Die Argonauten, die Odyssee, die Herkules Geschichten.. praktisch alle Fantasy-Sandalenfilme aus der Mitte des letzten Jahrhunderts. Die Vorlagen bieten das ja auch alles mannigfaltig. Bei den Griechen ist ständig irgendein Held rumgefahren, hat Abenteuer erlebt, gegen Monster gekämpft, ist von Nymphen verführt worden auf unentdeckten Inseln gestrandet und hat gegen Barbaren gekämpft. Hau göttliche Artefakte rein, um die sich gestritten wird und ständige Einmischungen der Götter und du kommst vermutlich vor lauter Ideen nicht mehr aus.

    Die soziale Komplexität in solchen Settings kommt oft über die Theokratie. Babylon war schon im Altertum hoch kodifiziert mit komplexen Tempel- und Kastenstrukturen, Kreditsystemen, Pacht- und Eigentumsverrechnungen und lokalen Loyalitäten. Vor allem der Vielgötterkult erfordert oft stark reglementierte Vorgehensweisen. Die Etrusker schrieben einen Band über die Fulguralia, die Blitzdeutung, der alle Tage des Kalenders abdeckte und bei Wetterphänomen genau beschrieb, was sie an welchem Kalendertag zu bedeuten hatten. Das Leben richtete sich oft streng nach solchen Omendeutungen. Aber natürlich kannst du es in einem low fantasy Setting auch möglichst einfach halten. Wie gesagt, ich versteh deine Gegenüberstellung und den Wunsch nach einfacheren Verhältnissen im "vorzeitlichen" Spektrum. Das ist ja auch im Grunde der Hauptappeal für low fantasy / sword & sorcery.

    Zum Einstieg reicht Wikipedia erstmal vollkommen aus. Klick dich da mal durch alles, was ich schon oben erwähnt hab. Für ein Fantasysetting brauchst du glaub ich keine Literatur wälzen. Sonst kann ich für den mesopotamischen Raum, was dein Imperium betrifft, Dinge wie das Reallexikon der Assyrologie empfehlen. Oder andere, vergleichbare Kompendien dies wahrscheinlich bei dir örtlich in der Uni- oder Stadtbuchhandlung gibt.
     
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  10. Chrisael

    Chrisael Gott

    Die Empfehlung für das Realexikon der Assyriologie war hoffentlich als Scherz gemeint? ; P
    Das ganze Ding hat wie viele Bände?
    Ich hätt doch gerne für den Anfang immer eher übersichtlichere Texte, die sich aufs wesentliche beschränken. Was dann interessant erscheint dort geh ich erst ins Detail.
     
  11. Sadric

    Sadric Sethskind

    Falls du die Savage Worlds Regeln kennst kann ich dir Beast and Barbarians ans Herz legen. Das ist eine Low Fantasy Sword&Sorcery Welt mit einigen Abenteuern die mir zum Großteil ganz gut gefallen.

    Ich weiß aber auch nicht genau was du mit Konsequenzen meinst.

    Meinst du das sie, wenn sie in Stadt A den Herrscher ans Bein gepinkelt haben, einfach nach Stadt B reisen und den dortigen Herrschern anpinkeln wollen, weil es ja auch noch Stadt C und D gibt....?
    Eine Möglichkeit das etwas einzuschränken wäre das sie niedrige Adlige in ihrer Heimatstadt sind. Wenn sie einfach weiterwandern sind sie plötzlich Heimatlose Vagabunden denen niemand traut. Nur "zuhause" sind sie wer.
    Sollte man natürlich vorher deutlich machen, damit sie es nicht erst erkennen wenn sie Heimatlose sind.

    Zum anderen gibt es in solchen Settings oft dunkleböse Schwarzmagier und dunkle Götter. Mit anderen Worten wenn man erst mal einen wirklich mächtigen Herrscher beleidigt hat wird er dafür sorgen das ein hetzender Blutdämon dich verfolgt-praktisch unbesiegbar und nur für kurze Zeit abzuschütteln. Vielleicht sollte man sich doch einfach entschuldigen. :)

    Wenn ich mir anschaue das in der Jungsteinzeit/Bronzezeit Handelsware durch ganz Europa wanderte (Bernstein aus der Ostsee in iberischen Hügelgräber und sowas) werden sich auch Nachrichten verbreiten, auch Wissen über Nachbarreiche und Staaten wird bekannt sein.

    Oder du machst das andere Extrem, du beschreibst den Spielern die bekannten Gebiete (vielleich so groß wie Griechenland) und alles andere ist böses Barbarenland voller Dämonenanbeter und Kanibalen. Dann können sie nicht einfach immer weiter wegrennen.
     
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  12. Arlecchino

    Arlecchino Very S.P.E.C.I.A.L.

    Bisher 16 :D - hat mir tatsächlich gute Dienste gleistet, ist aber natürlich nicht so wirklich zugänglich.

    "Die Etrusker" von Frederike Bubenheimer-Erhardt (da ist auch was zur Blitzdeutung und zu den Kalendern drin)
    "Etrusker und Tyrsener" von Richard Elste (geht auch auf mögliche Ursprünge ein, interessante Theorien)
    "Homer und Mykene - Mündliche Dichtung und Geschichtsschreibung" von Barbara Patzek
    "Babylon - Das Siegel des Hammurabi" von Hanns Kneifel (ist ein historischer Roman aber gut recherchiert und bietet einen ziemlich genialen Einblick auf die altertümlich-mesopotamische Gesellschaft. Hanns Kneifel hat auch in "Darius der Große" über die Perser geschrieben, könnte für dein Imperium interessant sein).

    "The Sea Peoples and their World" - University of Pennsylvania Press und
    "The Philistines and "other" Sea Peoples in Text and Archeology" von Ann E. Killebrew bieten ganz nette Einblicke in die Kultur und den möglichen Ursprung der Seevölker, die deutlich näher an deiner sehr urtümlichen Gesellschaft und Epochenvorstellung dran liegen, als die klassischen Griechen und sogar als die Mykener (von denen auch spekuliert wird, dass sie zum Teil zu Selbigen gehörten).

    "Myths from Mesopotamia: creation, the flood, Gilgamesh and Others" Oxford Press und
    "The Evolution of the Gilgamesh Epic" von Jeffrey H. Tigay sind gute Einstiege in die mesopotamische Vorstellungswelt, vor allem was die Pantheone betrifft (könnte auch ne gute Inspiration für dein Reich sein, oder einige der Stadtstaaten.. vor allem Enkidu als "wilder Mensch")

    Und noch etliches mehr, im Grunde alles über Troja und die möglichen Ursprünge der Etrusker in Kleinasien und was das für die Kultur bedeutet, sowie alles über die frühen Stadtstaaten in Griechenland und die minoische Kultur / Kaptar. Und sonst natürlich wie gesagt (vor allem die englische) Wikipedia und was man so über Google findet.
     
    Zuletzt bearbeitet: 14. August 2015
  13. Chrisael

    Chrisael Gott

    Wird da auch beschrieben wie diese Siegel benutzt wurden? Das war ja scheinbar eine recht komplexe Sache mit den Siegeln. Hab da nie as wirklich brauchbares gefunden.
     
  14. Arlecchino

    Arlecchino Very S.P.E.C.I.A.L.

    Sehr ausführlich sogar. Das Rollsiegel war wohl so eine Art Multifunktionswerkzeug: Visitenkarte, Stempel, Unterschrift, Ausweis, Glücksbringer etc. .. vermutlich oft mit Familiensymbolen oder mythischen / göttlichen Segnungen verziert und wurde für so ziemlich jede Transaktion und Identifikation benutzt, deswegen trugens die Babylonier vermutlich einfach direkt um den Hals. Man kann auch davon ausgehen, dass das übliche Geschenke an Kinder waren, die langsam erwachsen wurden und das einige vermutlich mehrere fortunes dafür aufgebracht haben, besonders wertvolle und schöne Siegel anfertigen zu lassen. Waren immer hin auch familiäre Statussymbole. Ziemlich geniale Teile.
     
    Zuletzt bearbeitet: 14. August 2015
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  15. Kowalski

    Kowalski Man kann an menschlicher ignoranz verzweifeln

    Schau Dir mal "The Dead Lands" an.
    Jeder Stamm ist zwar erst mal auf sich gestellt, aber man steht füreinander ein. Tust Du einem Mitglied was an und das kriegt jemand mit, dann hast Du den ganzen Stamm gegen Dich der Rache/Genugtuung fordert.
    Das ist bei den Germanen oder Kelten auch nicht anders.
    Prähistorisches Griechenland ist auch nicht soooo anders hier.

    Zwischen den Stämmen bestehen mal freundliche mal weniger freundliche Beziehungen. Da es nun nicht gerade SOOO viele Touris gibt ist man herumziehend immer ein Fremder.
    Entweder eine Gefahr, oder Gast.
    Und wehe wenn mal den Schritt von Gast zu Gefahr macht. Dann kann man nur ab in die Wildnis.

    Naja. Freiheit im Sinne von wenig bekannt im Mainstream.
    Menschen sind komplexe soziale Wesen. Das ist vor 40000 Jahren nicht anders gewesen als heute.
    Das es nicht so viele, überlieferte(!), "Institutionen" gibt bedeutet nicht das es nicht so viele Regeln gibt.

    Also unrealistisches Fäntelalter? Oder in Deinem Falle unrealistische Pseudo-Porn-Prä-Antike? So im Stile von 300?
    Urks....

    Niemand kämpft gerne und viel. Dazu ist das ein zu blutiges und zu unsicheres Terrain.
    Man wird für den Kampf trainiert haben, aber meistens sind es Jagdfähigkeiten die man als nicht-Soldat übt.
    Es steht Dir natürlich frei Conans Cimmerien herbei zu sehnen.

    Auch hier, wozu? Entweder ist Nackheit normal, alltäglich, und dann ist halt wenig sexuelles dabei, sieht man in Kulturen mit wenig Kleidung, da wird nicht auf die Geschlechtsmerkmale gestiert.
    Ich finde wenn Sexualität in Rollenspiel reingebracht wird ist das meist ziemlich verkrampft.
    Im Zeitalter des Free Online Pr0n absolut unnötig.
    Ich brauch auch keinen Gewaltporno, mir ist es egal welche inneren Organe ich gerade beim Gegner weggemäht hab, und wieviel Leid ich da zufüge muss ich nicht auch immer wieder lesen.

    Ich hab jetzt nichts dagegen das SCs und NSCs sich gegenseitig umschmeicheln und verführen. Aber kurz vor dem TrippleX darf es dann auch aufhören und danach wieder anfangen.
    Kann sich dann jeder ausmalen was er will, ich brauche und WILL vor allem die Vorstellungen der anderen nicht in meinem Kopf. Vielen Dank.

    Umm. Das liest sich so als bestünde die Antike aus der Venus von Milo und dem Denker von Rodin

    Du meinst die Institutionen. Die Strukturen waren schon damals komplex....

    Das liegt nicht am Setting. Glaub mir.

    Also das wichtigste wäre das man statt SCs als Inseln zu nehmen sie in die sozialen Strukturen der Welt ein zu betten.

    Man ist Sohn von X aus dem Nachbarort/-stamm.
    Man hat im Zielort Bekannte/Verwandte.
    Dabei ist es wichtig das man das Beziehungsgeflecht den Spielern mitteilen kann und auch Auswirkungen verdeutlicht wenn sie bestimmte Aktionen unternehmen.
    Wenn den SCs z.B. klar wird das eine Überführung des Bösewichtes besser als sein Tod ist, dann hat man viel erreicht.

    Die Frage ist halt:
    Will ich ein Conan-artiges Metzelgenre, oder eher was realistisches, aber dafür halt komplexeres?
     
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