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Dieses Thema im Forum "Midgard" wurde erstellt von RSS-Rollenspiel-Almanach, 26. Juni 2008.

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    „Magier wie mich gibt es nicht häufig, aber wir sind auch nicht so selten, wie Sie vielleicht denken.“

    (Alex Verus in Fated von Benedict Jacka)



    [​IMG]Nach der allgemeinen Einführung in die Magie von Abenteuer 1880 mag in so manchem der Wunsch entstanden sein, sich nun sebst an einer Spielerfigur versuchen zu wollen, die Magie ausüben kann. Die dazu nötigen Informationen geben wir hier. Sie bauen auf denen aus dem Einführungsartikel auf und ergänzen sie an den nötigen Stellen.

    Wir stellen ein vollständiges Grimoire aus dem Regelwerk mitsamt den sechs darin enthaltenen Zaubern vor. Zusammen mit den noch ausstehenden Regelmechanismen zu Paradigma, Magieart und Kategorie sowie einer Kurzfassung der Regeln zu Zauberduellen sollte das zum Spielen erst einmal ausreichen. Vorsichtshalber stellen wir mit Arkanologie zudem eine Fertigkeit vor, die für Magier nützlich ist.

    Es wäre sinnvoll, wenn der Magier die Fertigkeit Zaubern erlernt hat, die auf der Einführungsseite beschrieben ist. Es geht auch ohne (man kann mit dem universellen Bonus von +2 zaubern), aber eben nicht besonders gut. Der Spieler sollte sich Gedanken über einen Mentor machen, der/die/das der Figur das Zaubern beigebracht hat. Und er muss die Sprache beherrschen, in der sein Grimoire verfasst ist.



    Das erste Grimoire: Pistis Sophia


    Grundlegend für jede Art der Magieanwendung ist ein Grimoire, in dem die Zauber enthalten sind, die der Magier anwenden kann. Hier geben wir den Pistis Sophia als Beispiel. Die Angaben im Datenblock bedeuten:

    Autor: Wer hat das Buch geschrieben (oder soll es geschrieben haben)?

    Entstehung: In welchem Jahr ist die Erstfassung entstanden?

    Sprache: In welcher Sprache ist der Originaltext verfasst?

    Aussehen: Wie sieht das Buch aus?

    Inhalt: Welche Texte sind enthalten?

    Ort: Wo kann man das Grimoire finden?

    Paradigma: Welchem Paradigma der Magietheorie kann das Buch in seiner Gesamtheit zugeordnet werden?

    Zauber: Welche Zauber kann man aus dem Buch wirken?

    Fertigkeiten: Welche Fertigkeiten kann man aus dem Buch lernen oder steigern?

    Der Begriff des Paradigmas wird weiter unten erläutert. Die aufgeführten Fertigkeiten kann man lernen oder steigern, als stünde ein Lehrmeister zur Verfügung (s. Buch der Regeln, S. 115 und 116).



    Pistis Sophia


    Autor: unbekannt (möglicherweise der christlich-gnostische Lehrer Valentinus)

    Entstehung: 2. bis 3. Jahrhundert n.Chr.

    Sprache: Koptisch (das griechische Original ist verloren); es gibt auch eine lateinische Übersetzung

    [​IMG]Aussehen: eine Sammlung von Pergamentblättern

    Inhalt: Der Pistis Sophia (griechisch „Glaube und Weisheit“) ist einer der wichtigsten koptisch-gnostischen Texte. Er gibt Lehrgespräche wieder, die Jesus noch nach seiner Auferstehung mit den Jüngern gehalten haben soll. Diese Gespräche waren teilweise sehr anstrengend für alle Beteiligten. Die Überlieferung der Pistis Sophia beschränkt sich auf die koptische Übersetzung des ursprünglich griechischen Werks, die in einer einzigen Handschrift erhalten ist, dem Codex Askewianus, der nach dem britischen Arzt und Büchersammler Anthony Askew benannt ist.

    Ort: Der Abenteurer befindet sich bereits im Besitz des Buches

    Paradigma: Griechisch-Römisch

    Zauber: Aura der Selbstsicherheit, Beschleunigte Heilung, Eureka, Kraftraub, Morgenstund, Wasserwandeln

    Fertigkeiten: Arkanologie, Exorzismus, Lehren, Menschenkenntnis, Okkultimus



    Die Zauberformeln


    Der hier eingeführte Zauberdatenblock wird ergänzt durch:

    Magieart: Ist der Zauber energietheoretischen oder geistertheoretischen Ursprungs?

    Paradigma: Welchem Paradigma der Magietheorie ist der Zauber zuzuordnen?

    Kategorie: Welcher alten Klassifizierungskategorie gehört der Zauber an?

    [​IMG]Magieart beschreibt, ob der Zauber die magischen Kräfte der Welt nutzt (nennen wir sie Äther, Quintessenz oder Achu), die der Zaubernde manipulieren kann – dann ist er energietheoretisch. Oder er benutzt die Kräfte anderer Wesen (hauptsächlich Geister und Dämonen zurück – dann ist er geistertheoretisch. Ein Paradigma ist eine bestimmte Art, Magie zu sehen und anzuwenden, die mit einer Epoche, einer Religion oder einer Geisteshaltung zusammenhängt. Kategorie letztlich bezieht sich auf die aus der Antike ererbte Einteilung von Zaubern nach dem, was sie bewirken sollen. Die Paradigmata werden im Regelwerk ausführlich vorgestellt, sind aber für unsere einführenden Zwecke selbsterklärend genug. In der Welt des ausgehenden neunzehnten Jahrhunderts ist der Kategorienbegriff überholt, aber er hilft Spielern, sich eine schnellere Vorstellung von einem Zauber zu machen, als dies über das Paradigma möglich ist. Wir benutzen all diese Begriffe oft als Sammelbegriffe im regeltechnischen Sinne, wenn ein Zauber Auswirkungen auf eine ganze Gruppe von Zaubern hat.



    Aura der Selbstsicherheit


    Ermüdung: 6 AP

    Wirkbereich: psychisch (WW:Wk/10)

    Dauer: 30 Minuten

    Utensilien: Spiegel

    Auslösephase: 10 Sekunden

    Auslöser: Geste und Wort

    Prägung: Person

    Reichweite: Hörweite

    Magieart: energietheoretisch

    Paradigma: Griechisch-Römisch

    Kategorie: Illusion

    [​IMG]Während des Zaubervorgangs muss der Zaubernde 30 Minuten lang in einen Spiegel sehen und dabei seine Mimik und Gestik einstudieren. Löst er den Zauber aus, erhöht sich für die nächsten 30 Minuten seine Wirkung auf andere Menschen. Insbesondere steigt seine pA um 20 (allerdings nicht über 100), und er erhält +4 auf alle Erfolgswürfe für soziale Fertigkeiten. Dabei kann es sich um einzelne Gespräche oder eine Rede vor einer Gruppe von Zuhörern handeln. Der Auslöser ist in jedem Fall eine begrüßende Geste (z.B. ein Handschlag im persönlichen Gespräch oder grüßend geöffnete Arme zu Beginn einer Rede) zusammen mit einer freundlichen Begrüßung (z.B. „Mein lieber Graf!“ oder „Hochverehrte Gäste!“). Ein Widerstandswurf ist nur zulässig, wenn ein Opfer Verdacht schöpft, es ginge etwas nicht mit rechten Dingen zu („Normalerweise ist er aber nicht so eloquent!“). Der Zauberer muss während der gesamten Wirkungsdauer höflich und freundlich bleiben, sonst endet die Wirkung sofort.



    Beschleunigte Heilung


    Ermüdung: 9 AP

    Wirkbereich: psychisch (WW:Ko/10)

    Dauer: 2 Stunden

    Utensilien: 10 ml Blut des Zauberers (v), Wacholder (v)

    Auslösephase: 10 Minuten

    Auslöser: Geste

    Prägung: Person

    Reichweite: Berührung

    Magieart: energietheoretisch

    Paradigma: Vorderasiatisch

    Kategorie: Heilung

    [​IMG]Der Magier rezitiert die Formel, während er sich das Blut abnimmt und in eine Schale tropfen lässt; dnach verbrennt er den Wacholder. Am Ende des Zaubervorgangs fließt das Blut in einem dünnen, rötlichen Bogen in den Zauberer zurück.

    Der Auslösende konzentriert sich 10 Minuten lang auf sein Opfer und berührt es dabei. Eine Woche lang heilt das Opfer doppelt so schnell wie normal, d.h. es gewinnt jeden Tag 2 LP zurück, vorausgesetzt es verzichtet auf seinen Widerstandswurf. Dies gilt für alle Wunden, auch für die, die das Opfer erst nach dem Zaubervorgang erleidet. Die Heildauer schwerer Verletzungen (s. Buch der Regeln, S. 56) verkürzt sich durch die Beschleunigte Heilung auf die Hälfte (aufgerundet).

    Während Beschleunigte Heilung wirkt, kann der Zauber nicht erneut auf das Opfer angewendet werden. Nach Ablauf der 7 Tage kann jedoch, wenn nötig, erneut Beschleunigte Heilung auf das Opfer gezaubert werden.



    Eureka


    Ermüdung: 6 AP

    Wirkbereich:

    Dauer: 1 Stunde unter freiem Himmel

    Utensilien: Feuerwerk mit einem Wert von mindestens 5 Mark (v)

    Auslösephase:

    Auslöser:

    Prägung:

    Reichweite:

    Magieart: energietheoretisch

    Paradigma: Griechisch-Römisch

    Kategorie: Information

    [​IMG]Der Legende nach geht dieser Zauber auf den Geistesblitz des Archimedes zurück, als er im 3. Jahrhundert v.Chr., in der Badewanne liegend, das Prinzip der Verdrängung entdeckte, während er herauszufinden versuchte, ob die Krone König Hierons aus purem Gold bestand oder nicht, ohne dass er sie dabei zerstören durfte. Sein begeisterter Ausruf „Eureka!“ („Ich hab’s gefunden!“) gab dem Zauber den Namen.

    Die geistigen Nachfahren des Archimedes benutzen keine Amethyste und Bernsteine mehr und brennen auch keine gelben Kerzen ab; stattdessen müssen sie während des Zaubervorgangs unter freiem Himmel ein Feuerwerk entzünden und abbrennen. Danach prägen sie den Zauber in sich selbst. Im Unterschied zu den meisten anderen geprägten Zaubern können sie ihn aber nicht selbst auslösen – das übernimmt die Kraft der Magie für sie: Der nächste Geistesblitz, den der Abenteurer durchführen muss, gelingt automatisch, womit sich die Energie verbraucht.

    Es ist ungeklärt, wie genau der Zauber funktioniert. Im Neo-Griechischen Paradigma und im Barock ging man davon aus, dass er eine dämonische Ebene anzapft und sich eines Bruchteils der dort befindlichen Energien bedient. Neuere, insbesondere aus Wien stammende Erkenntnisse gehen davon aus, dass der Zauberer sein eigenes Unterbewusstsein aktiviert und es zu einer spontanen Höchstleistung bringt. Auf jeden Fall übersteigt die Auslösung von Eureka das normale geistige Potenzial des Magiers und zeigt ihm für eine ganz kurze Zeit gleichsam die Realität hinter der Realität. Von daher wirkt auch das Auslösen von Eureka noch einmal wie ein Angriff mit Grauen+5 (1W6).



    Kraftraub


    Ermüdung: 3 AP

    Wirkbereich: physisch (WW:Ko/10)

    Dauer: 10 Minuten

    Utensilien: 10 ml Blut des Opfers (v), 10 ml Blut des Auslösenden (v), ein Schierlingzweig (v), Kupferkessel

    Auslösephase: 10 Sekunden

    Auslöser: Geste

    Prägung: Person

    Reichweite: Berührung

    Magieart: energietheoretisch

    Paradigma: Germanisch

    Kategorie: Veränderung

    [​IMG]Während des Zaubervorgangs muss das Blut in den Kupferkessel gegeben und gründich vermischt werden. Nach Hinzugabe des fünfmal gebrochenen Schierlingszweiges muss der Magier den Sud trinken.

    Der Auslösende konzentriert sich 1 Runde lang auf sein Opfer und berührt es dann kurz. Kann der Zauber die Widerstandskraft des Opfers überwinden, verliert es Ausdauerpunkte, die dem Auslösenden zufließen – selbst über dessen normales AP-Maximum hinaus. Die Zahl der Ausdauerpunkte hängt von der Plausibilitäts-Indikation für Magie ab:

    [xx1x] 1W6+4

    [xx2x] 2W6+8

    [xx3x] 3W6+12

    [xx4x] 4W6+16




    Morgenstund


    Ermüdung: 20 AP

    Wirkbereich: psychisch (WW:Wk/10)

    Dauer: 30 Minuten, die entweder mit dem Betätigen eines Lärmerzeugers (Glöckchen, Pfeife, kleine Trommel oder ähnliches) oder dem Einüben von Weckrufen verbracht werden müssen.

    Utensilien: ein Lärmerzeuger (Glöckchen, Pfeife, kleine Trommel oder ähnliches)

    Auslösephase: 1 Sekunde

    Auslöser: Geste oder Wort (s.u.)

    Prägung: Person oder Gegenstand (s.u.)

    Reichweite: 20 Meter

    Magieart: energietheoretisch

    Paradigma: Christlich

    Kategorie: Bezauberung

    [​IMG]Dieser Zauber ist eine einfache Gegenmaßnahme gegen Sanfte Ruhe, der zudem den Vorteil hat, dass man Langschläger pünktlich zum Aufstehen bringt. Es nimmt deshalb nicht Wunder, dass er sich in Klöstern großer Beliebtheit erfreut. Er weckt in einem vom Plausibilitäts-Indikator der Spielwelt betimmten Umkreis innerhalb der Reichweite alle schlafenden oder bewusstlosen Lebewesen, deren WW:Wk/10 misslingt, unmittelbar auf. Dies geschieht durch eine lautliche Komponente, ist also unabhängig von der Wirkung auf die einzelne Person (deshalb die festgelegte AP-Ausgabe).

    Während des Zaubervorgangs muss der Magier festlegen, ob er den Zauber in einen Gegenstand oder in sicht selbst prägt. Benutzt er einen Gegenstand, muss dieser ein entsprechend lautes Geräusch abgeben können; je nach Ort und Auslegung sind kleine Glocken oder Pfeifen die bevorzugten Instumente. Wird der Zauber in eine Person geprägt, muss diese ihn durch eine verbale ‚Äußerung auslösen (wie „Aufstehen!“ oder „Raus aus den Federn!“, auch „Kikeriki!“ ist belegt). Wird der Zauber in einen Gegenstand geprägt, bleibt dieser nach der Auslösung erhalten und kann erneut verzaubert werden. Der Lärmerzeuger muss selbst dann als Utensil benutzt werden, wenn der Zauber in eine Person geprägt wird, der Auslöser also „Wort“ ist. Morgenstund wirkt nicht auf Taube, Wesen ohne funktonierenden Gehörsinn oder solche, die mit weniger als 0 LP im Koma liegen.

    Aufgeweckte Schläfer sind nach den üblichen 1W6 Runden handlungsfähig, sofern ihnen nicht ein Wurf auf Wachgabe gelingt. Misslingt der WW:WK/10, wird die AP-Regeneration beim Schlafen automatisch unterbrochen, eine Traumreise endet umgehend (wobei der Träumende +2 auf seinen WW:Magie erhält). Mauer des Schweigens blockiert diesen Zauber, ganz ohne Zauberduell.

    Der Bereich, der durch den Zauber beeinflusst werden kann, ist von der Plausibilitäts-Indikation für Magie abhängig:

    [xx1x] 5 m

    [xx2x] 10 m

    [xx3x] 15 m

    [xx4x] 20 m




    Wasserwandeln


    Ermüdung: 6 AP

    Wirkbereich:

    Dauer: 2 Stunden

    Utensilien: ein Behältnis mit mindestens zehn Litern Wasser, in dem sich während der gesamten Zauberdauer mindestens 10 Wasserläufer (v) aufhalten müssen

    Auslösephase: 10 Sekunden

    Auslöser: Konzentration

    Prägung: Zauberer

    Reichweite:

    Magieart: energietheoretisch

    Paradigma: Christlich

    Kategorie: Elementar

    [​IMG]Der Zauber erhöht durch eine Verstärkung der Wechselwirkung der Moleküle die Oberflächenspannung von Wasser (oder einer vergleichbaren Flüssigkeit) so stark, dass der Magier für 10 Minuten gleichsam auf dem Wasser wandeln kann. Er muss sich nach dem Auslösen nicht auf das Wasserwandeln konzentrieren, kann sich allerdings höchstens mit B/2 ohne Probleme fortbewegen. Will er seine volle Bewegungsweite erreichen, muss ihm pro Runde ein PW:Gw gelingen; will er rennen, muss ihm pro Runde ein EW:Körperbeherrschung gelingen.

    All dies gilt bei ruhigem Wasser und maximal leichter Strömung. Bei starker Strömung oder Wellengang erhält er Zuschläge von bis +40 auf seinen PW bzw. Abzüge von bis -8 auf seinen EW. Bei zu starken Strömungen oder zu hohem Wellengang kann der Zauber nicht eingesetzt werden: Als Faustregel mag gelten: Würde der Zauberer beim Schwimmen (s. Buch der Regeln, S. 87) keine Abzüge auf den EW.Schwimmen erhalten, gilt dies als „ruhiges Wasser“; würde er zwischen -1 und -3 auf den EW erhalten, gilt dies als „starke Strömung“ oder „Wellengang“. Ab einem Abzug von -4 auf Schwimmen kann der Zauber nicht mehr eingesetzt werden.

    Misslingt in Bedingungen, die schlechter sind als „ruhiges Wasser“ ein PW bzw. EW, endet der Zauber umgehend und der Zauberer fällt ins Wasser.



    Zauberduelle


    Da der Begriff in der Beschreibung von Morgenstund erwähnt wird, sei er hier kurz erklärt:

    [​IMG]Treffen die Wirkungen zwei Zauber direkt aufeinander, kommt es zu einem Zauberduell. Dies geschieht in der Regel, wenn ein gerade wirkender (passiver) Zauber durch einen Gegen- oder Bannzauber (aktiver Zauber) aufgehoben werden soll. Der aktive Zauber greift mit einem Erfolgswert von +10 an, der passive Zauber verteidigt sich mit einem Widerstandswurf. Dieser hat einen Erfolgswert von +6, wenn der passive Zauber auf einen Gegenstand wirkt; wirkt der zu bannende Zauber auf eine Person, verteidigt er sich mit einem WW auf Grundlage seines ursprünglichen Wirkbereiches, wobei die entsprechende Eigenschaft der verzauberten Person herangezogen wird. Dies gilt selbst dann, wenn diese von der Wirkung des Zaubers befreit werden möchte – es widerspricht ja der ursprünglichen Intention des Zauberers, dass die Magie gebrochen wird. Je nach Art und Paradigma der beteiligten Zauber können weitere Zuschläge oder Abzüge zum Tragen kommen; dies ist in den einzelnen Zauberbeschreibungen geregelt. Grundsätzlich gilt aber: Da das Christliche Paradigma in den „kultivierten“ Nationen Europas immer noch sehr stark ist und zu den Säulen des Kolonialismus zählt, erhalten passive Zauber dieses Paradigmas immer +2 auf ihren Widerstandswurf! Erzielt der aktive Zauber im Zauberduell mindestens einen leichten Vorteil, ist der passive Zauber gebrochen und endet umgehend. Sind am Zauberduell geprägte Gegenstände beteiligt, löst sich der aktive Gegenstand unmittelbar nach dem Ende des Zauberduells auf (ungeachtet des Erfolgs), der passive Gegenstand indes nur, wenn er das Zauberduell verliert.



    Die Fertigkeit Arkanologie

    Arkanologie (geistig – schwer)


    Plausibilitäts-Indikation [x1xx]In61, Zaubern+4; Erfolgswert+4

    [​IMG]Während Okkultismus grundlegende Vertrautheit mit der Welt des Übernatürlichen und der entsprechenden Literatur abdeckt, befasst sich Arkanologie mit dem Wissen über Ausführung und Wirkung tatsächlicher Zauber und Rituale. Insofern ist das Aneignen dieser Fertigkeit nur in Welten mit einer Plausibilitäts-Indikation von mindestens [xx1x] möglich – also in solchen, in denen man das Zaubern tatsächlich erlernen kann.

    Der Abenteurer weiß über Zauber und Rituale sowie ihre Anwendung ebenso Bescheid wie über magische Artefakte. Er kennt sich mit Magietheorie aus. Hierzu ist die Kenntnis des Zauberns von essenzieller Wichtigkeit – ohne diese wird man nie über die „Allgemeinplätze“ von Okkultismus hinauskommen.

    Mit einem EW:Arkanologie kann unter anderem entschieden werden, ob ein Zauberer aus sichtbaren Hinweisen die nötigen Informationen über einen Zauber erschließen kann. Insbesondere erschließt sich ihm bei der Beobachtung eines magischen Rituals oder Zaubervorgangs von mindestens 60 Sekunden Länge die Möglichkeit, zu bestimmen, um welches Ritual oder welchen Zauber es sich handelt. Ist die Prägung eines Zaubers an ein bestimmtes Medium gebunden (zum Beispiel ein Stück Mumienbinde bei Totenzwang), kann er auf dieser Grundlage auch einen geprägten Zauber identifizieren. Der Zauberer ist sich im Erfolgsfall zudem über mögliche Gegenmaßnahmen im Klaren (s. die jeweilige Zauberbeschreibung). Zudem weiß der Zauberer mit einem gelungenen Erfolgswurf, welche Zauber sich in einem Grimoire befinden bzw. in welchem Grimoire er einen bestimmten Zauber zu suchen hat.

    Das tiefere Verständnis der Magie, das sich aus einer arkanologischen Ausbildung ergibt, schlägt sich letztlich in einem persönlichen Bonus von (Erfolgswert von Arkanologie/4 – abgerundet) auf alle eigenen EW:Zaubern und WW:Magie nieder.

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    [​IMG]

    Von Blank_map_of_Europe_1914.svg: *Blank_map_of_Europe.svg: maix¿?derivative work: Alphathon /’æɫfə.θɒn/ (talk)Orient-Express_1883-1914.png: Devilm25derivative work: Pechristener (talk) – Diese Datei wurde von diesen Werken abgeleitet:Blank map of Europe 1914.svg:Orient-Express 1883-1914.png:, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=18406702

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  3. RSS-Midgard

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    „Für eine solche grundsätzliche, umfassende Art des Denkens habe ich, analog zur antiken griechischen Rhetorik, den Begriff des Paradigmas geprägt. Übersetzt bedeutet er „Beispiel“, „Vorbild“, „Muster“ oder ‚Abgrenzung‘, ‚Vorurteil‘; auch ‚Weltsicht‘ oder ‚Weltanschauung‘. Die Griechen verstanden darunter eine Begebenheit, die als positiver oder negativer Beleg für eine dogmatische Argumentation oder eine Morallehre angeführt wird. Seit den letzten Jahren des vergangenen Jahrhunderts steht das Wort in der Definition von Georg Christoph Lichtenberg für eine bestimmte Art der Weltanschauung oder eine Lehrmeinung. Nach Ludwig Wittgenstein sind Paradigmen Muster oder Standards, mit denen Erfahrung verglichen und beurteilt wird. Sie liegen vor der Erfahrung und geben eine Orientierung vor. Ich nun bezeichne damit die Gesamtheit von Grundauffassungen, die in einer historischen Zeit eine wissenschaftliche Disziplin ausmachen. Namhafte Beispiele für eine solche ‚grundlegende Weltsicht‘ wären das geozentrische Weltbild oder das heliozentrische Weltbild. Diese Grundauffassungen legen fest, welche Fragestellungen wissenschaftlich zulässig sind und was als wissenschaftlich befriedigende Lösung angesehen werden kann.“

    (aus Prolegomena zu einer unifizierten Theorie der industriellen Arkanizität von Dr. Friedhelm Federstiel, geschrieben um 1897)



    Urtümlich: nicht kodifizierte Magie seit der Entstehung der Menschheit, auch für spätere unklassifizierte Zauber benutzt

    Vorderasiatisch: beginnend etwa 3000 v.Chr., mit den ersten Kodifizierungen der mesopotamischen Zivilisationen sowie, um 2700 v.Chr., der Begräbnisrituale des Alten Reiches und endend mit den griechischen Pharaonendynastien ab 332 v.Chr.

    Jüdisch: hebräisch-wortmagische Tradition der Israeliten ab dem 6. Jahrhundert v.Chr. auf Grundlage der Tora, heute noch aktiv

    Griechisch-Römisch: beginnend mit den griechischen Pharaonendynastien in Ägypten, kodifiziert in der Zeit des Hellenismus im 4. Jahrhundert v.Chr. und endend mit der Christianisierung Roms ab 313 n.Chr.

    Druidisch: seit der zeitlich nicht näher bestimmbaren keltischen Vorzeit, parallel zum Griechisch-Römischen Paradigma entstanden und durch Julius Caesars De bello Gallico in das Licht der Öffentlichkeit gerückt, endend mit der europäischen Christianisierung ab dem 6. Jahrhundert nach Christus, als Neo-Druidismus ab 1781 wiederbelebt

    Germanisch: aus Sicht des Christentums eng mit dem Druidischen Paradigma verwandt, aber mit eigenständiger, geteilter Götterwelt und ausgeprägter Runenmagie, in vorchristlicher Zeit insbesondere in Nord- und Mitteleuropa verbreitet

    Christlich: europäisch dominierend seit dem 6. Jahrhundert n.Chr., ab etwa 1700 durch die Aufklärung aus seiner beherrschenden Rolle gedrängt

    Islamisch: kodifiziert ab 632 mit den ersten Niederschriften des Koran, inkorporiert vorislamische Elemente aus dem heutigen arabischen Raum, bis in die Gegenwart ungebrochen aktuell

    Neo-Griechisch: die Wiederbelebung des Griechisch-Römischen Paradigmas auf rationaler Grundlage im 15.und 16. Jahrhundert, also in der Renaissance

    Barock: die Mischung zwischen Lebensgier und Todesangst von etwa 1575 bis 1770, charakterisiert durch Betonung der Sinnesfreuden, aber auch der Regelhaftigkeit, die sich besonders stark auf die Magie ausgewirkt hat

    Romantisch: Gegenbewegung zum Rationalismus und später der Industrialisierung ab dem Ende des 18. Jahrhunderts, enthält auch Einflüsse des Schauerromans

    Neo-Paganistisch: Wiederbelebung alter germanischer Traditionen (insbesondere der Wikinger) ab etwa 1850 vor dem Hintergrund der Romantik

    Industriell: aktuelle Neuorientierung des Magieparadigmas nach den Umwälzungen durch die Industrialisierung, ab etwa 1850




    [​IMG] Zum Autor

    Doktor Friedhelm Federstiel ist Doktor der Thaumathologie und für alte Sprachen. Der Forschungsreisende ist durch eigenes Vermögen unabhängig und arbeitet an einem neuen, umfassenden Werk, mit dem er seine Thesen belegen möchte. Er lebt und arbeitet in seiner Villa tief im Wald am Fuße des Untersberges in den Berchtesgadener Alpen.


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    Die Compagnie Internationale des Wagons-Lits, zeitweise auch Compagnie Internationale des Wagons-Lits et des Grands Express Européens, ist das älteste europäische Unternehmen zum Betrieb von Schlafwagen, Speisewagen und Luxuszügen. Nach ihrer Gründung 1872 bzw. 1876 entwickelt sie sich zum größten Anbieter von Schlaf- und Speisewagendiensten in Europa. Ab 1881 führt sie zudem eigene Luxuszüge ein, zu deren bekanntesten der Orient-Express und ab 1922 der Train Bleu zählen. Über Europa hinaus wird die CIWL in Afrika und Asien aktiv.

    [​IMG]

    Das Wappen der CIWL auf einem Teakholz-Speisewagen im Bahnmuseum Kerzers/Kallnach.



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    „Wieder einmal ist es der ‚Königin des Okkulten‘, wie sie neuerdings in Paris und Wien bezeichnet wird, gelungen, uns zu überraschen.“

    (aus der britischen Morning Post, 20. Juni 1884)



    Da ja kürzlich einige letzte Exemplare von Riss in der Zeit in Umlauf gekommen sind und Madame Chalbert auf auf Seite 247 von Adel verpflichtet Erwähnung findet, hielten wir es für eine gute Idee, einige Anmerkungen zu veröffentlichen, wie dieses Abenteuer in die neuen Magieregeln im Cabinett der Curiositäten und Mirakel eingebaut werden könnte. Zu ihrem Verständnis ist die Kenntnis der Beiträge über Zauberei bei Abenteuer 1880 sowie Mein erster Magier auf dieser Seite notwendig.

    Warnung: Dieser Beitrag enthält “Spoiler” für das Abenteuer! Man sollte ihn nicht lesen, wenn man Riss in der Zeit mit seinem Abenteurer erleben möchte.



    Änderungen bei den Spieldaten


    Damit das Abenteuer nach den neuen Regeln funktoinieren kann, muss Madame Chalbert im Besitz des Grimoires The Booke of Jenla sein. Dieses sowie die in ihm enthaltenen Zauber sowie das Ritual zur Erschaffung von Ghulen präsentieren wir am Ende dieses Beitrags.

    Dem Spinnendämon auf Seite 16 des Abenteuers fehlt die für einen Exorzismus benötigte Angabe zur Willenskraft. Als Dämon des 3. Zirkels sollte sie zwischen 81 und 100 liegen. Erkennen von Leben gibt es im Cabinett nicht mehr; wir schlagen vor, statt dessen Hellsehen+6 (nur auf menschliches Leben, Reichweite die gesamte Insel) zu verwenden. Wird der Dämon ausgetrieben, verwandelt sich die Spinne in einen Menschen zurück. Laut den Regeln verfügt der Dämon zudem über drei zauberähnliche Fähigkeiten; das kann die Spielleiterin aber ignorieren, damit er für die speziellen Zwecke dieses Abenteuers nicht zu stark wird.

    Madame Chalbert (Spieldaten s. Seite 19 des Abenteuers) sollte über Zaubern+14 verfügen, aber nur aus ihrem Grimoire heraus zaubern können. Zudem sollte man ihr Arkanologie+12, Beschwören+16 und Exorzismus+12 geben.



    The Booke of Jenla


    Autor: unbekannt

    Entstehung: unbekannt

    Sprache: unbekannt (englische Notizen zur Übersetzung)

    Aussehen: dicke (in geschlossenem Zustand etwa einen halben Meter hohe) in Leder gebundene Handschrift mit schwarzem Ledereinband

    Inhalt: Das Buch beinhaltet in erster Linie Rituale, mit denen man eine mystische Spinnengottheit (einen Dämon des 1. Zirkels) aus einer längst vergangenen Zeit oder Welt beschwören kann. Darüber hinaus kann man dem Text ein Ritual entnehmen, das Menschen in einem langwierigen Prozess in Ghule verwandelt. Sein Ursprung ist ungeklärt, die Sprache vollkommen unbekannt. Das Buch wurde im Jahre 1874 im Taurusgebirge durch den britischen Archäologen Sir Geoffrey Hood gefunden. Es existiert eine stichwortartige englische Übersetzung mit recht genauen Angaben zur Struktur der unbekannten Sprache.

    Ort: Das Buch befindet sich im Besitz von Madame Chalbert.

    Paradigma: Urtümlich

    Zauber: Blick des Grauens, Botschaft, Kochendes Blut, Spinnenplage

    Fertigkeiten: Beschwören, Himmelskunde, Mantik, Tierkunde



    Mithilfe der Notizen kann man sich mit einer Komplexen Anwendung der Fertigkeit Linguistik (Zielwert 200, Zeitraum pro Wurf 1 Woche) eine nutzbare Übersetzung anfertigen. Ohne die Notizen reden wir von einem Zielwert von 400 und 1 Wurf pro Monat).



    Die Zauberformeln




    Blick des Grauens


    Ermüdung: 4 AP

    Wirkbereich: psychisch (WW:Wk/10)

    Dauer: 30 Minuten um Mitternacht

    Utensilien: 10 ml Angstschweiß eines Alpträumenden (v), Haar oder Haut des Opfers (v), 3 Büschel Raute (v)

    Auslösephase: 10 Sekunden

    Auslöser: Konzentration

    Prägung: Person

    Reichweite: Sichtweite

    [​IMG]Während des Zaubervorgangs muss der Magier das Haar oder die Haut des Opfers mit dem Angstschweiß und der gerupften Raute vermischen, während er die Formel rezitiert.

    Der Auslösende blickt dem Opfer 1 Runde lang starr in die Augen und versucht dabei, Bilder unvorstellbaren Grauens in sein Gehirn zu übertragen. Widersteht das Opfer dem Zauber, erleidet es keinerlei Auswirkungen. Hat der Auslösende Erfolg, wirkt der Zauber wie ein Angriff mit Grauen+15 (2W6) auf das Opfer, dem ein WW:Resistenz zusteht.



    Botschaft


    Ermüdung: 1 AP pro 10 Wörtern und 10 Kilometern

    Wirkbereich:

    Dauer: 30 Minuten, in denen man sich so genau wie möglich auf den Empfänger der Botschaft konzentrieren muss

    Utensilien: ein Gegenstand, der dem Empfänger der Botschaft gehört

    Auslösephase:

    Auslöser:

    Prägung:

    Reichweite:

    Magieart: geistertheoretisch

    Paradigma: Urtümlich

    Kategorie: Information

    Mit diesem Zauber kann man einer anderen Person eine Botschaft zukommen lassen – vorausgesetzt, man hat etwas aus dem Besitz dieser Person als Fokus in seinem Besitz. Nach Abschluss des Zaubervorgangs taucht vor dem Zauberer eine etwa 1 Meter hohe, durchscheinende, vage humanoide Gestalt ohne erkennbares Gesicht auf. Der Zauberer hat nun 1 Minute Zeit, seine Botschaft auszusprechen sowie den Empfänger zu benennen. Der Zauberer muss nicht wissen, wo genau sich der Empfänger befindet, sollte allerdings schon eine grobe Vorstellung von der Entfernung haben, da er eine maximale Reichweite für die Botschaft festlegen muss. Setzt er weniger AP ein, als die Entfernung beträgt, kommt die Botschaft nicht an. Die Länge der Botschaft sowie die Entfernung zum Empfänger sind allein durch die im Zaubervorgang verbrauchten AP beschränkt.

    Die Botschaft wird auf geistertheoretische Weise zugestellt. Man ist sich trotz des Alters des Zaubers in magischen Kreisen nicht ganz sicher, wie dies funktioniert, geht allerdings von einem niederen Elementarwesen als „Kurier“ aus. Die Botschaft bewegt sich mit einer Geschwindigkeit von 100 km/h.

    Am Zielort manifestiert sich die Botschaft in einer Art, mit der der Empfänger umgehen kann; er muss allerdings die Sprache kennen, in der die Botschaft abgefasst ist. In den meiste Fällen dürfte dies in Form eines Briefes (in der Handschrift des Auslösenden) oder einer von einem Boten überbrachten Nachricht sein. Je nach Kultur oder Umgebung könnten es aber auch Rauchsignale, Lichtsignale oder das Klingeln des Telefons sein. Auf jeden Fall erscheint die Botschaft in einem realen Medium. Wenn auch der Empfänger den Zauber wirken kann, kann er auf ähnliche Art antworten, ansonsten ist er auf konventionelle Mittel beschränkt.



    Kochendes Blut


    Ermüdung: 8 AP

    Wirkbereich: physisch (WW:Ko/10)

    Dauer: 10 Minuten

    Utensilien: 10 ml Blut des Opfers (v), offenes Feuer, Aschkrautöl (v)

    Auslösephase: 2 Runden

    Auslöser:

    Prägung:

    Reichweite: ansteckend

    Magieart: energietheoretisch

    Paradigma: Druidisch

    Kategorie: Elementar

    Zur Ausübung dieses Zaubers benötigt der Magier einige Tropfen Blut des Opfers und eine offene Flamme. Er träufelt das Blut auf seine zuvor mit Aschkrautöl eingeriebene Hand und steckt diese danach in die Flammen; der gesamte Vorgang dauert 2 Runden. Der dabei entstehende Schmerz für den Zauberer ist groß (daher der hohe AP-Verlust), doch bleibt die Hand unversehrt. Misslingt der Widerstandswurf des Opfers, so verliert dieses 4 Runden lang je 1W6 LP und AP. Der Schaden wird in jeder Runde neu ausgewürfelt. Bei gelungenem Widerstandswurf verliert es nur (einmalig) 2W6 AP.



    Spinnenplage


    Ermüdung: 3 AP pro 10 Spinnen

    Wirkbereich:

    Dauer: 1 Stunde an einem Ort, an dem auf natürliche Weise Spinnen vorkommen müssen

    Utensilien: für Spinnen passende Nahrung (v), Honig (v)

    Auslösephase:

    Auslöser:

    Prägung:

    Reichweite: 10 Kilometer

    Magieart: energietheoretisch

    Paradigma: Urtümlich

    Kategorie: Bezauberung

    Der Zauberer legt die Nahrungsmittel und den Honig vor sich aus und beginnt dann mit dem Zaubervorgang. Schon bei dessen Anfang bewegen sich aus einer Entfernung von bis zu 10 Kilometern die ersten Spinnen in Richtung des Zauberers. Die Tiere werden nicht auf magische Weise beschworen, sondern müssen sich an den Ort des Zaubers begeben. Solange keine natürlichen Hindernisse dem im Weg stehen, sind am Ende der Zauberdauer so viele Spinnen vor Ort, wie der Zauberer beschwören will. Diese umkreisen ihn in einem Schwarm, greifen ihn aber nicht an.

    Der Zauberer kann den Insekten nun einen einfachen Befehl erteilen, mit dem er ihnen in mentaler Form eine Richtung, eine Entfernung und eine vorzunehmende Handlung vorgibt, z.B. „Krabbelt 500 Meter nach Norden und fallt über alles her, was ihr dort findet!“ Da der Befehl auf geistige Weise und großteils in Form von Bildern erteilt wird, besteht keine Möglichkeit, dass der Schwarm den Befehl missversteht, solange er einfach und eindeutig genug ist. Die Spinnen können allerdings nur schwer zwischen einzelnen Wesen unterscheiden, so dass ein Befehl wie „… und fallt über die Abenteurer dort her!“ nicht umsetzbar wäre und die Tiere den Zauberer weiterhin ratlos umschwärmen. Der Schwarm löst sich auf und die Wirkung des Zaubers ist gebrochen, wenn die nicht innerhalb von 1 Minute nach seiner Bildung einen verständlichen und umsetzbaren Befehl erhalten.

    Ist der Befehl verständlich, begibt sich der Schwarm schnellstmöglich zum bezeichneten Ort, um den Auftrag auszuführen. Das Ziel darf sich nicht außerhalb der Reichweite des Zaubers befinden. Ist eine Zielfigur durch Insektenschutz geschützt, können ihr die Spinnen, die nach wie vor nicht-magische Wesen sjnd, nichts anhaben. Der Zauber hält so lange an, wie der Schwarm aus mindestens 10 Tieren besteht, maximal aber 6 Stunden. Sind am Ende dieser Zeit noch Spinnen übrig, löst sich der Schwarm auf und die Tiere verteilen sich über die Umgebung. Regeln zu Schwärmen finden sich hier.

    Ab einer Plausibilitäts-Indikation [x22x] kann man auch Spinnen rufen, die tatsächlich Fleisch fressen und in größeren Scharen einen Gegner förmlich „skelettieren“ können (wie, sagen wir, in Die Mumie oder Indiana Jones und das Königreich der Kristallschädel). Pro 10 Spinnen raubt der Schwarm 1 LP. Die AP-Kosten werden in der „fleischfressenden“ Variante des Zaubers verdoppelt. Ein Schwarm, der einem Opfer 15 LP rauben kann, verschlingt also 90 AP.

    Der Beitrag Riss in der Zeit nach den Magieregeln im Cabinett erschien zuerst auf Midgard-1880.

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    „Die Fliege, verehrter Herr, hat einen auffallenden Zug: ihre Flügel sind typisch für die Gewalt der Psyche über die Luft. Die Alten wussten recht wohl, warum sie die Seele als Schmetterling darstellten.“

    (Renfield in Dracula von Bram Stoker)



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    “Ich bin derselben Meinung wie Mr. Fogg. Die Erde ist kleiner geworden. Es ist heute möglich, sie zehnmal rascher zum umreisen als vor hundert Jahren.”

    (Gautier Ralph in Reise um die Erde in achtzig Tagen von Jules Verne)



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    Eine Erreichbarkeitskarte der Welt von Francis Galton, 1881. Der Text links unten heißt auf deutsch:

    Isochrone Seekarte für Reisende,

    welche zeigt die kürzeste Reisezeit in Tagen von London aus über die kürzesten Strecken und mit solchen weiterführenden Reisemitteln, die keine unbotmäßigen Kosten verursachen. Es wird davon ausgegangen, dass vor Ort Vorbereitungen getroffen worden sind und die übrigen Bedingungen günstig sind.”

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    Der Beitrag Erreichbarkeitskarte erschien zuerst auf Midgard-1880.

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    Wie im Artikel beschrieben, entstand das Bild in Hurghada. Da es aber Hurghada Ende des 19. Jahrhunderts noch nicht gibt (der Ort entsteht erst kurz nach der Jahrhundertwende als Fischerdorf), tun wir einfach so, als stamme es aus Luxor, der zweiten Heimat und dem Alterssitz des Doctor Nagelius.

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    Der Beitrag Doctor Nagelius in Ägypten erschien zuerst auf Midgard-1880.

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    “7 Day 7 wonder of Luxor”

    (Abdul)



    [​IMG]Diese Seite ist die bearbeitete Version einer Artikelreihe, die Rainer vor einigen Jahren auf seiner Homepage eingestellt hatte. Wir haben sie ein wenig überarbeitet, Tippfehler rausgeworfen, schöner formatiert, an die Konventionen der 1880-Seite angepasst und veraltete Links gelöscht.

    Die Geschichte spielt in Luxor in den Jahren 2005 bis 2009 und ist wahr, allerdings etwas länglich. Glücklicherweise sind nur wenige Ägypter so (zumindest nach unserer Erfahrung).

    Abdul der Betrüger hat uns zwar zu keinem Grab geführt (was aber gerade Ende des 19. Jahrhunderts bei geschäftstüchtigen Ägyptern sehr beliebt ist), doch ansonsten hatte er es faustdick hinter den Ohren.



    Der Geschichte erster Teil: März 2005


    Wir treffen Abdul im März 2005 bei einem Bummel durch Luxor. Es ist eine der vielen Begegnungen, wo man als Tourist halt angesprochen wird von Einheimischen. Manche sind einfach neugierig, andere freundlich, andere wiederum versprechen sich so ihre Vorteile – immerhin werden wir allein aufgrund der Tatsache, dass wir uns in Ägypten aufhalten, automatisch als ungemein reich eingestuft. So wie von Abdul.

    Man kommt dann ins Gespräch, und wie das halt so ist, stellt sich plötzlich heraus, dass Abdul eine ganze Menge Leute kennt: billige Cafés, billige Hotels (definitiv billiger als unseres), billige Läden, jemanden mit Taxi, jemanden mit Felukka, einfach alles … man kennt das ja. Oh, wir sind gar nicht im Hotel, sondern in El Ezba. Bei Hassan Maki? Oh. (Mit dem legen wir uns ‘mal besser nicht an.) Gehen wir doch ins Café am Bahnhof, das ist schön und sehr touristenfreundlich. Nein? Wir wollen lieber in das kleine Café mit den grünen Toren (das erst seit 2007 auch offiziell einen Namen hat)? Oh, aber das Café nix gut. Großer Bescheißer, der Besitzer. Wie? Wir gehen da seit Jahren hin? Oh. Sind aber teurer als “sein” Café am Bahnhof, oder? Halb so teuer? Ist aber nicht normal, weil der Besitzer … Oh, der mag uns? Oh.

    Ah… gut. Einkaufen dann. Was wir brauchen? Gewürze? Papyrus, Statuetten? Einer unserer hiesigen Freunde hat einen Laden für Souvenirs? Oh. Aber Gewürze? Ja, gern doch! Das und jenes, garantiert billig. Ist es auch, zumindest für unsere Verhältnisse. Für ägyptische ist es bestimmt teuer, und Abdul verdient gut dabei – aber egal, auf uns allein gestellt bekämen wir es nicht so billig, außer wir würden Hassan bemühen, aber der hat auch noch anderes zu tun, als sich Tag und Nacht um uns zu kümmern. Und ach ja, so ein paar Koraninschriften, auf Papyrus, wären nett. Na, so drei bis fünf, DIN-A-4. Vorkasse? Na, klar, Abdul gibt uns ja seine Visitenkarte und seine Handynummer (und fragt gleich an, ob er nicht mein Nokia 6610 haben könnte, weil so eines mit Kamera wollte er schon immer). Na, sage ich, vielleicht, wenn ich mir ein neues kaufe, schicke ich ihm das alte. Oder so. Inshallah. Scheint aber kein so guter Moslem zu sein, der Abdul, denn das findet er nicht so gut. Aber er schenkt mir brav einen Taschenrechner, weil ich seine Preise im Kopf nicht so schnell umrechnen kann. Und einen Umhängeriemen für mein Handy. Dafür trenne ich mich von der einen oder anderen Visitenkarte. Schadet ja nicht.

    Wir verabreden uns ein paar Tage später wieder. Da ich ein netter Mensch bin, komme ich sogar mit ihm zum Café am Bahnhof. Es ist in der Tat deutlich teurer als das mit den grünen Toren, und als wir da sind, stelle ich fest, dass ich Abdul eingeladen habe. Na, sei’s drum, bei einer Rechnung von etwa 3 Euro werde ich das überleben (und ich nehme an, Abdul wird 10 bis 20 Prozent davon als Provision einstreichen). Die Gewürze hat er mit, ganz wunderbar, alles etwas mehr als gewünscht und trotzdem zum gleichen Preis – war ja auch Vorkasse. Ob ich denn, wenn ich das eigens für mich ausgewählte tolle Touristencafé nicht möge, ‘mal ein “richtiges” ägyptisches Kleincafé sehen wolle? Nicht so eines wie das mit den grünen Toren, dessen Besitzer böse Dinge tun würde (an dieser Stelle entpuppte sich Abduls Englisch als leider nicht ganz so gut, wie er es gerne hätte, aber die Geschichte hatte wohl etwas mit betrunken gemachten und in die Prostitution verkauften Touristinnen zu tun; ich habe aber auch nicht so genau zugehört). Also tappen wir durch die Innenstadt von Luxor, auf Schleichwegen und durch Nebenstraßen, denn wenn die Touristenpolizei Abdul sähe, wäre das nicht gut. Immer diese blöden Missverständnisse. Na schön, denke ich mir, hat er halt keine Fremdenführerlizenz. Kann passieren. Die ägyptische Touristenpolizei ist eher strikt.

    Das Café (auch es hat keinen Namen) ist in der Tat ganz nett, fast so nett wie das mit den grünen Toren. Natürlich ist es teurer (wenn auch nicht ganz so teuer wie das am Bahnhof), denn von irgendwo her muss ja Abduls Provision kommen, also am besten aus meiner Tasche. Ich erfahre viele spannende neue Dinge: Abdul war beim Militär, und das war gar nicht gut für den armen Kerl. (Alle männlichen Ägypter müssen zum Militär, und kaum einer der ägyptischen Wehrpflichtigen hat großen Spaß dort; trotzdem bin ich angemessen beeindruckt.) Sein Bein (oder war’s das Knie?) ist dabeikaputt gegangen, und jetzt braucht er dringend ein teures Medikament vom Arzt; gut vorbereitet, zeigt er mir das Medikament, ganz auf Arabisch, mit Ausnahme des Preises, der steht da auf Englisch (er kann ja nicht wissen, dass ich arabische Zahlen lesen kann). Das sind 500 Pfund, die er dringend braucht. Habe ich aber nicht mehr, sage ich (stimmt zwar nicht, aber sei’s drum). Wir einigen uns darauf, dass ich ihm 300 Pfund (etwas über 40 Euro) leihe, die er mir am Tag vor unserem Abflug wiedergibt, zusammen mit den Koraninschriften. “Du bist ganz schön doof!”, sagt Alexandra, als ich ihr das berichte. “Das hast du gesehen, das Geld.”

    Der Urlaub geht weiter, und am Tag vor der Abreise treffe ich Abdul, wieder alleine, da Alexandra ihn irgendwie nicht in ihr Herz geschlossen hat. Er sitzt schon im Café, als ich komme, in dem am Bahnhof, ganz oben, weit weg von allen störenden Augen. Schade, denke ich mir, ich wollte doch sehen, ob er noch humpelt, und wenn ja, welches Bein er nachzieht. Na, gut. Ob er denn sein Medikament bekommen habe, eröffne ich das Gespräch, was ihn etwas verwirrt, und es dauert ein wenig, bis ihm einfällt, um was es geht – schlecht vorbereitet, der Gute. Aber dann fällt ihm ein, dass es ihm schon viel besser geht. Und dann gibt er mit eine Tüte mit zwei großen Papprollen, wie man sie in Papyrusfabriken bekommt. Darin sind viele Koraninschriften auf Papyrus – und ich meine viele. Um genau zu sein, 3 in DIN-A-3 und etwa 10 in DIN-A-4. Die sich anschließende Diskussion erinnert ein wenig an die zwischen Indy und Sallah in Indiana Jones and the Last Crusade, wobei die Papyri die Rolle der Kamele einnehmen. Abdul ist ganz verwirrt. Hätte ich denn nicht so viele Papyri gewollt? Er hätte nicht mehr kaufen können, denn das Geld, das ich ihm gegeben hätte, hätte nur für so wenige gelangt. Langsam dämmert mir, dass die 300 Pfund für die dringenden Medikamente offiziell in die Papyri geflossen sind, und siehe da!, schon bald liegt eine “Quittung” der Papyrusfabrik über 550 Pfund (etwas über 75 Euro) auf dem Tisch. Als ich dann böse werde, bricht Abdul in gekonnte Panik aus und schwört auf den Koran (in sehr schnellem Arabisch, von dem ich natürlich kein Wort verstehe). Letztlich denke ich mir, dass ich die in Deutschland schon wieder los bekomme, und lasse ihn im Café sitzen. Die Alternative wäre in der Tat die Touristenpolizei, und irgendwie habe ich ein (zu) weiches Herz. Seitdem macht das geflügelte Wort von “Abdul dem Bescheißer” die Runde.



    Der Geschichte zweiter Teil: April 2006


    Etwas über ein Jahr später sind wir wieder in Luxor. Die Papyri habe ich, soweit ich sie nicht als Geschenke verteilt habe, tatsächlich fast alle verkauft (nur zwei der großen habe ich noch – möchte jemand…?). Mittlerweile habe ich ein Nokia 6600, und man kann sich denken, wer mein Nokia 6610 nicht bekommen hat (es wird in diesem Urlaub bei Ali, dem ältesten Sohn von Hassan Maki, landen). Und eines schönen Tages, als wir auf dem Weg zum Café mit den grünen Toren sind, siehe da – da steht Abdul vor uns, frisch mit Bart und mit seinem üblichen traurigen Gesichtsausdruck. Er schenkt jedem von uns einen Taschenkoran, und wir schleppen ihn mit in “unser” Café (und zahlen dank seiner Anwesenheit gleich mehr, als wir alleine zahlen würden, und ich meine das jetzt nicht auf die Gesamtsumme bezogen).

    Abdul ist sehr traurig, da wir ihn ja so völlig vergessen hätten. Hätten wir denn kein DHL in Deutschland? Es wäre doch so einfach gewesen, ihm das Handy zu schicken – wo er doch jetzt keines mehr hat, da sein Sohn (wir wussten noch gar nicht, dass er einen hatte) es ins Wasser geworfen habe. Als Beweis zeigt er uns seine beiden SIM-Karten, die er in seinem Portemonnai aufbewahrt. Ach, das Handy… upps, völlig vergessen. Er schlägt vor, er könne mir Geld geben für mein 6600, und ich würde mir in Deutschland dann ein neues…? Schade. Aber Gewürze wären doch gut, oder? (Die Koraninschriften hat er sicherheitshalber vergessen, was ich auch ganz clever von ihm fand.) Keine Gewürze? Ehrlich nicht? Was denn dann? Er geht die ganze Palette seiner “Dienstleistungen” durch, und zehn Minuten später landen wir bei Visitenkarten, auf der Vorderseite in Englisch und auf der Rückseite in Arabisch bedruckt, 100 Stück für nur 100 Pfund. Das ist zwar für örtliche Verhältnisse teuer, aber in Deutschland ist so etwas kaum zu bekommen, also stimmen wir zu und geben jeder eine eigene Visitenkarte als Vorbild ab. Später kommen noch zwei Koranrezitations-CDs zu Preisen hinzu, für die wir sie in Deutschland nie bekommen würden. Wir verabreden uns ein paar Tage später im Café am Bahnhof, im obersten Stock, da Abdul dort in Ruhe sein Bier trinken kann. Sagte ich schon, dass er nicht gerade ein Vorzeigemoslem ist? Er hat zwar keine Handys mehr, aber trotzdem gibt er uns seine Visitenkarte: “7 Days 7 wonder of Luxor”, will heißen: mache alles, Hauptsache, es gibt Geld.

    Am verabredeten Termin bin ich ein wenig (na, gut, eine halbe Stunde… aber was ist schon eine halbe Stunde in Ägypten…) zu spät, und Abdul ist nicht (mehr?) da. Auch kein Problem, wir haben ja noch eine Woche und sind öfter in der Bahnhofsstraße (das Café mit den grünen Toren ist ganz in der Nähe). Wir sehen Abdul aber trotzdem nicht mehr. Tragisch. Also schleppe ich mich zwei Tage vor unserem Rückflug in das Café am Bahnhof und schwenke Abduls Visitenkarte mit einem klassischen “Haben Sie diesen Mann gesehen?” Der Eigentümer meint, der würde später kommen, so in ein, zwei Stunden. Tut er aber nicht. Oh, sage ich, das ist aber nicht gut (was ich sogar gerade noch so auf Arabisch hin bekomme). Der Eigentümer guckt bedröppelt und ruft einen anderen Ägypter herbei, der sich als Mahmoud vorstellt und gut Deutsch spricht. Was Abdul uns denn angetan hätte, will er sofort wissen. Ich sage es ihm in groben Zügen. “Also nichts Illegales?”, will Mahmoud wissen. Ich frage ihn, ob er Visitenkarten oder Koran-CDs für illegal hält, aber das tut er nicht. Neugierig geworden, hake ich nach, und es stellt sich heraus, dass Abdul “gerade gestern” Touristen betrogen hätte, “und das ist nicht gut für uns” (also den Rest der vom Tourismus lebenden Bewohner des oberen Teils der Bahnhofsstraße). Mahmoud jedenfalls erklärt sich sofort und mit entschlossenem Gesichtsausdruck bereit, Abdul aufzuspüren, damit wir dann mit ihm zusammen zur Touristenpolizei gehen könnten. Und unser Geld bekämen wir auch wieder. Ich wäre ja schon mit der Ware zufrieden, sage ich, und für die Polizei hätte ich auch nicht so wirklich Zeit oder Lust. Wir vereinbaren, dass wir telephonieren.

    Später am Abend klingelt das Telephon – und siehe da, es ist Abdul. Er ist recht hektisch und will wissen, was er mir denn getan habe, dass ich Mahmoud auf ihn gehetzt habe und was ich diesem für das Taxi bezahlt habe. Ich unterbreche ihn und leite das Gespräch in die richtigen Bahnen, nämlich zu unseren bestellten Waren und einem Treffpunkt zur Übergabe. Abdul unternimmt drei Anläufe, noch ein wenig zu jammern, aber nach dem dritten “When? And where?” versteht er dann, dass mir nicht wirklich danach ist. Wir machen einen Termin um 17 Uhr am nächsten Tag aus, in der Lobby eines Hotels in Bahnhofsnähe (anscheinend darf er nicht mehr ins Café).

    Am nächsten Nachmittag, so gegen 15 Uhr, sitzen wir in der Fähre zum Ostufer, da sagt Alexandra: “Guck’ ‘mal, ist das nicht Abdul der Bescheißer?” Ich gehe auf eine kurze Reise durch das Schiff und siehe da!, er ist es. Freundlich winkend, möchte er mich auf das Oberdeck entführen, aber wenn Alexandra schon einmal auf dem gleichen Schiff ist, kann sie sich das auch gleich mit anhören. Abdul kommt mit und jammert ganz fürchterlich, dass der Mahmoud ein böser, BÖSER Mann sei, der mit dem Taxi bei ihm zu Hause aufgetaucht sei und seinem Vater mit der Touristenpolizei gedroht habe. Er habe die Nacht vorsichtshalber außerhalb geschlafen. Ich erkläre ihm, dass wir ihn gesucht, aber nicht gefunden hätten, weshalb wir fragen mussten. Ah, aber er war doch im Krankenhaus, wegen eines fiesen … Irgendwas am Hals (die Narbe ist auf jeden Fall neu, aber irgendwie vergisst er das Humpeln vom Vorjahr). Er unternimmt einen kurzen, aber erfolglosen Versuch, mir die 30 Pfund für die Telephonkarte vom Vorabend in Rechnung zu stellen – und außerdem wäre er jetzt extra mit der Fähre zum Westufer gefahren und hätte uns gesucht, aber leider unser Hotel nicht gefunden (was daran liegt, dass wir nicht in einem Hotel wohnen und er das weiß, aber sei’s drum). Er könne sich jetzt gar nicht mehr in der Bahnhofsstraße, seinem alten Stammgebiet sehen lassen, und das wäre wirklich nicht gut. Und dieser Mahmoud wäre wirklich kein guter Ägypter.

    Wenn Abdul uns gesucht habe, habe er doch bestimmt auch die Waren dabei? Und siehe, er hat. Die Koran-CDs sind, ohne Preisaufschlag, von zwei zu drei mutiert, da sagt man nichts. Die Visitenkarten enthalten natürlich Fehler, und am Tag vor der Abreise lässt sich das nicht mehr direkt korrigieren. Abdul, sichtlich mitgenommen, verspricht händeringend, sie uns nachzuschicken. Wir würden ihm doch glauben, oder? Aber klar, sage ich, er ist ja unser Freund und will uns nur helfen, und wir haben ja seine Adresse und Mahmouds Handynummer. (Alexandra hingegen sagt, ich solle mich nicht darauf einlassen, sondern das Geld zurück fordern. Natürlich hätte Abdul “so viel Geld” nicht dabei. Und der Abstecher zur Touristenpolizei am Tag vor dem Abflug muss dann doch nicht sein. Geht ja nächstes Jahr auch noch.) Das mit Mahmoud, ein wirklich böser Mensch übrigens, lässt Abdul noch einmal sehr unruhig werden, und er will mehrfach wissen, was wir Mahmoud denn nun erzählen werden. Na, ja, sage ich, drei Mal, wir erzählen ihm, dass wir unsere Ware bekommen haben und alles in Ordnung ist – so mehr oder minder. Dann ist die Fähre auch schon da, und Abdul will uns unauffällig nach links lotsen, wo es wohl Cafés gibt, in denen er sich noch sehen lassen darf. Aber uns zieht es nach rechts, in Richtung Bahnhofsstraße und Café mit grünen Toren, und da darf der arme Abdul ja nicht mehr …

    Unterwegs telephonieren wir noch einmal mit Mahmoud und teilen ihm mit, dass wir unsere Ware bekommen haben und alles in Ordnung ist. Wir verabreden uns noch mit Mahmoud fürs nächste Jahr, und am Tag darauf geht es nach Hause.



    Der Geschichte dritter Teil: März 2007


    Und wieder vergeht ein Jahr. In dieser Zeit macht sich Abdul eher rar. Einmal klingelt das Telephon, und es ist Abduls Nummer – da muss er wohl sein Handy wieder gefunden haben (es war ja ins Wasser gefallen, wir erinnern uns). Natürlich gehe ich nicht dran, denn wie jeder gute Ägypter, der einen “reichen Freund” in Europa anruft, nutzt auch Abdul diesen Anruf ja nur dazu, mich dazu verleiten, ihn anzurufen – schließlich habe ich mehr Geld als er, und er hätte gern noch etwas davon. Da ich ja aber weiß, dass es Abdul ist, rufe ich auch nicht zurück. Ich weiß ja, was er will.

    Zwei Monate später ruft Mahmoud an. Der ist aber kein richtiger Ägypter, denn ich gehe nicht nur dran, sondern er telephoniert gar auf seine Kosten mit mir. Es gibt ein wenig Smalltalk, und wir versprechen, im März wieder in Luxor zu sein.

    Dann wird es März, und wir sind wieder in Ägypten, und siehe, Abdul setzt sich mit uns in Verbindung. Beim Bummeln durch die Bahnhofsstraße laufe ich ihm “aus Versehen” in die Arme. Na, Zufälle gibt’s … “Irgendwie” hat das noch nicht geklappt mit den Karten, weil es war zu teuer, sie zu schicken, und er hatte meine Adresse nicht, die ich ihm ein Jahr zuvor gegeben habe. Na, gut, kann ja passieren … Und ich hätte ihn ja auch ruhig mal anrufen können, jawohl, wo er doch extra angeklingelt hat, dass er einen Gesprächswunsch habe.

    Er hat die Sachen jetzt natürlich nicht dabei, und so verabreden wir uns später noch einmal, im bekannten grünen Cafe, damit dann endlich die Übergabe erfolgen könne.

    Zwei Tage säter treffen wir uns wieder, und Abdul möchte wissen, was er denn für uns tun könne. Ich sage, er möge uns doch bitte die korrigierten Karten geben. Ei, klar. Aber ob er denn sonst noch etwas …? Nein. Wirklich nicht? Nei-hein. Vielleicht Gewürze oder …? NEIN. So langsam dämmert es ihm. Ob es uns denn lieber wäre, wenn wir nichts mehr mit ihm zu tun hätten? Ah, gewonnen.

    Da zieht unser Abdul eine ganz traurige Miene, steht auf, holt von hinter der Theke (anscheinend hat sich sein Ansehen in diesem Lokal gebessert) unsere Visitenkarten und drückt sie mir mit den Worten “Ging nicht neu drucken, war euer Fehler” in die Hand. Man erinnere sich – das sind die gleichen Karten, die schon lange fertig sind und die er nur deshalb nicht schicken konnte, weil er ja meine Adresse nicht hatte. Welch wundersame Welt.

    Na, gut; wir hatten ohnehin nicht mehr damit gerechnet, die Karten ersetzt zu bekommen, und so sind wir bis heute im Besitz von jeweils 100 falsch gedruckten Visitenkarten, wie nachstehend abgebildet und freigegeben zur Fehlersuche (Alexandra meint, die arabische Rückseite sei in Ordnung).

    [​IMG]

    Das Letzte hingegen, was wir von Abdul sehen, ist wie er, leicht vornübergebeugt und sicherlich immer noch mit todtraurig-leidenem Gesichtsausdruck (er hat ja so ein schweres Leben, wie erinnerlich) das Kaffeehaus verlässt. Er humpelt sogar wieder. Aber da kommt auch schon unsere Wasserpfeife, und es gibt Wichtigeres zu tun.



    Der Geschichte vierter Teil: März 2008 und danach


    März 2008: Es zeigt sich kein Abdul, auch nicht in der Bahnhofsstraße. Wir vermissen ihn auch nicht. Ein ruhiger Urlaub. Mahmoud, der noch am 28.10.2007 eine SMS geschickt hatte, finden wir aber auch nicht.

    März 2009: Beim Bummel durch die Bahnhofsstraße fragen wir uns, was wohl aus Abdul geworden sein mag. Keine Spur von ihm. In der Wohnung finden wir Ausdrucke von diversen Homepages, die sich mit Luxor beschftigen, unter anderem auch von meinen Artikeln. “Jetzt sieht jeder, was Abdul für ein Bescheißer ist”, sagt Alexandra. Fein.

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    Der Beitrag Unser Freund Abdul erschien zuerst auf Midgard-1880.

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  14. RSS-Midgard

    RSS-Midgard RSS-Roboter


    “Dieses Abenteuer ist die ungewöhnliche und als Abwechslung reizvolle Kombination einer Fantasy-Handlung nach MIDGARD-Regeln mit einer Fortsetzung nach Abenteuer 1880.”

    (aus dem Vorwort)



    Wie schon gesagt: Man beachte das zweigeteilte Logo von Ulf Lehmann!

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