AW: Wer kennt sich mit transzendentaler Freiheit aus?
Doomguard schrieb:
interessantes thema, wenn du sie fertig hast, würd ich´´s gerne lesen

. bekommst dann gerne zum austausch auch einen aufsatz von mir, geht aber mehr in die filosofische selbstreflektionsecke, soll paralellen zu freud haben.
Klar, gerne.
Doomguard schrieb:
letztendlich ist es egal, ob alles deterministisch ist, oder nicht. da es einfach von zu vielen faktoren abhängt, die man nicht alle ermessen und zur "berechnung" heranziehen kann, ist es letztendlich für den einzelnen in der aktuellen situation, ob es nun tatsächliche freiheit gibt, oder es für uns nur den anschein macht, ob es frei ist.
Diese Kausalitätsketten, die man zwar nicht vollständig voraussehen, aber doch als gegeben erkennen kann, sind der Kernpunkt der transzendentalen Dialektik nach Kant. Er beleuchtet in der dritten Antinomie, ob es in diesen Kausalitätsketten so ist, dass jeweils ein Ereignis durch ein vorhergehendes Ereignis ausgelöst wird, oder ob es auch möglich ist, eine Ereigniskette "schlechthin anzufangen".
Hierbei gibt es ein Problem, das sich durch die theoretische Vernunft nicht lösen lässt: Wenn es einen Anfang einer Kausalitätskette ohne eigene Ursache gibt, ist ja das Gesetz der Kette (jede Handlung ist durch eine vorhergehende bestimmt) aufgehoben. Gibt es jedoch
keinen Anfang, wäre die Kette niemals vollständig und unendlich. Das ist aber (nach Kant*) unmöglich. Also muss - auf einer bestimmten Ebene, nämlich der Welt der Dinge an sich - ein erster Anfang möglich sein, was bedeutet, dass transzendentale Freiheit ebenfalls möglich ist.
In der Welt der Erscheinungen herrscht jedoch das Kausalgesetz, so dass hier keine Freiheit möglich ist. Alle Handlungen erscheinen als
Reaktionen und unterliegen den Naturgesetzen.
Der Mensch existiert somit auf zwei Ebenen: Der Ebene der Dinge an sich, wo er Handlungen frei hervorbringen kann, und der Ebene der Erfahrungswelt, wo er in Kausalketten "gefangen" ist.
Was ich nicht genau verstehe, ist die Trennschärfe der beiden Ebenen. Ist jede Handlung in der Welt der Erscheinungen (die ja auf Kausalketten beruht) auch auf der Ebene der Dinge an sich zu verstehen und damit gleichzeitig frei? :wiejetzt:
Doomguard schrieb:
wichtig ist letztendlich: fühlen wir uns frei? das scheint mir die wichtige frage bei der disskussion um die freiheit zu sein. letztendlich ist es dein gefühl, was den auschlag gibt.
Klar, für das persönliche Gefühl ist leztlich alle Philosophie sekundär. Aber - und das ist doch das Interessante - was ist denn, wenn Freiheit nur eine Illusion unseres Bewusstseins ist und wir am Ende von Trieben, Instinkten und Gelerntem fremdgesteuert sind, ohne es zu merken. Die Experimente von Libet haben ja auf so etwas hingewiesen, ebenso wie neuere Erkenntnisse über Hormone, gegen deren Einfluss wir uns nicht wehren können.
(So etwas wie das Internet durchkreuzt die Pläne der Natur zwar, aber sollten wir uns jemals tatsächlich treffen, würden in Sekundenbruchteilen kleinste, unbewusste Gesten und Gerüche darüber (mit)entscheiden, ob wir uns mögen oder nicht. Gruselig, oder?)
Doomguard schrieb:
in dem sinne fühle ich mich frei, wenn ich entscheidungen treffen kann, die mir den eindruck vermitteln ich habe die wahl und kann meine entscheidung nach meinem eigenen bedürfnissystem treffen (was ich in deutschland, wo man nicht verhungern lassen wird, auch annehme).
klar, man könnte sagen ich bin immer noch zwängen, wie hunger, liebe, trieb usw. ausgesetzt, aber wenn man diese bewusst wahrnimmt und ein gewisses mass an disziplin hat, bekommt man es hin, dieses zwar teil des entscheidungsfindungsprozesses werden zu lassen, aber diesem nicht hilflos ausgeliefert zu sein. (die frage der disziplin behandel ich z.b. in meinem aufsatz

)
Du triffst Deine Entscheidungen (nach Kant*) aber innerhalb der Welt der Erscheinungen und somit als ein Abschnitt in einer Kausalkette, was bedeutet, dass Du dabei nicht frei bist.
Und Du triffst Deine Entscheidungen (nach Kant*) auf der Ebene der Dinge an sich, was bedeutet, dass Du transzendental frei handeln kannst.
Und genau da hört´s bei mir auf. Ist der Mensch nun frei oder nicht?!?
Doomguard schrieb:
im übrigen ist selbst dem aktuellen forschungsstand in der physik nicht alles determiniert, da die genauigkeit der vorhersehbarkeit selbst im besten experiment durch die unschärferelation begrenzt ist, was einigen leuten als beweis der nichtdeterminiertheit unserer welt aussreicht. (gibt auch ne coole startreck tng-folge in der es viele paralelluniversen gibt, dei dies auch ein bisschen anschaulicher darstellt

)
Kannst Du die Unschärferelation genauer erklären? Ich finde Physik total spannend, hab aber leider kein gutes Hintergrundwissen, weil ich das Schulfach Physik ganz fürchterlich fand . . .
In einer Zeit, in der die Wissenschaft selbst das Ursache-Wirkung-Prinzip aufgehoben hat, kann man Kants Unterscheidung von Natur und Freiheit natürlich nicht mehr kritiklos stehen lassen (gut, man sollte nie etwas kritiklos stehen lassen, aber Ihr wisst ja, was ich meine . . . ), aber für mich tut es dem Gedanken keinen Abbruch.
Doomguard schrieb:
so, hoffe dich nicht gelangweilt zu haben und hätte nichts gegen vertiefende gespräche.
Hast Du überhaupt nicht und ich freue mich, hier selbst für so ein Thema Gesprächspartner zu finden. :]
*so wie ich ihn verstanden habe.