Vier Tage (fantasy)

Ascaso

Partysan
Der Pass.

Die Freie Stadt Valin bot für den Neuankömmling einen gänzlich ungewohnten Anblick.
Die gesamte Bevölkerung schien heute auf den Beinen zu sein. Nein mehr noch. Die Stadt wimmelte von mehr als den nur knapp siebzigtausend Bewohnern. der grosse, von der Mittagshitze glühende Lotus Platz war bis zum bersten mit Männern, Frauen und Kindern ausgefüllt. Viele der anwesenden waren bewaffnet oder hatten bereits ihre Rüstungen angelegt.
Der Hafen bot eher den Anblick eines brummenden Bienenstocks. Die Docks waren zum bersten mit Schiffen und Booten aller groessen und formen belegt. Hunderte Karren, Lastenschlepper und umher eilender verstopften den zugang zu den Schiffen. Eins jedoch war klar ersichtlich. Die Schiffe wurden nicht gleichmässig beladen und entladen. Es wurden lediglich Güter auf die Schiffe verfrachtet. Unaufhörlich schleppten Menschen Werkzeuge, Möbel und Material an Bord der einzelnen Segler und Galeeren. Einige lagen bereits bedenklich tief im Wasser, doch der Strom an Gütern nahm kein absehbares ende.
Auf dem Lotus Platz war es inzwischen still geworden. Die Leute schienen allesamt bis auf das äusserste angespannt und die gesamte Atmosphäre schien zu knistern. Selbst die sonnst pfeilschnell dahin fliegenden Schwalben schienen den Platz nun zu meiden.
Vor den schweren mit Bronze beschlagenen Türen des Hauses der Kommune, tauchte nun eine kleine Gruppe auf. Die junge Frau in der mitte schluckte angesichts der Masse der auf sie gerichteten Augenpaare. Doch straffte sie die schultern und blickte die menge offen an. Als sie anfing zu sprechen hallte ihre klare helle stimme weit über die den Lotus Platz umgebenden Häuser hinaus.

>>Wir, das Deli-Plenum, für das ich hier spreche, haben folgendes erarbeitet. Die Myriaden der Goblins rücken schneller nach als wir alle dachten. Voraussichtlich werden sie bereits in neun tagen bei uns sein ...<<
Ein gemeinsames murmeln erfüllte kurz den Platz wie ein wütender Schwarm Hornissen, legte sich aber sofort wieder als die junge Frau weiter redete.
>>Nun ... Nun wisst ihr sicherlich das die Insel Frèr für die schnellen schiffe in vier tagen zu erreichen sein wird, für die langsamsten in fünf, wenn das Wetter mitspielt. Die meissten schiffe können noch heute aufbrechen, aber es sind nicht genügend für uns alle. Selbst wenn wir alles stehen und liegen liessen fänden wir nicht genügend Platz um gemeinsam zu fliehen.<<
Jetzt blieb die Menge diszipliniert. Keiner murrte oder geriet in Panik. Lediglich einige der grade in die Stadt gekommenen Flüchtlinge warfen ängstliche blicke in die runde.
>>Die Schiffe werden dreifach fahren müssen um uns alle aufzunehmen. Um uns die nötige zeit zu geben, werden die Milizionäre der Foren den Jover Pass zu halten versuchen. All jene die sich noch nicht eingeschrieben haben und sich rüsten können, kommen in den Morgenstunden an das südliche Tor.
Wir bitten euch noch einmal im Namen des Hafen Plenums, nur das aller nötigste mit zu nehmen. Ausserdem haben ich noch verschiedene dinge von der Ansiedlungs-Orga und der Versorgungs-Orga an euch weiter zu geben...<<

Nicht weit ab der Gruppe des Deli-Plenums lehnte ein Forums Jüngling an einer der weiss getünchten Wände, und schien von all dem keine notiz zu nehmen. Seine warmen braunen Augen blickten stumpf an einen weit entfernten Ort ohne Namen, und sein athletischer Leib schien sich vor unsichtbaren schmerzen gepeinigt zu krümmen.
Bekleidet war er lediglich mit einem Schurz und einem Schulterriemen an dem er sein Kurzschwert trug. Er hatte die gesunde bräune und Statur aller Forums Schüler. An seinen roten Handgelenks Bändern konnte man ihn als Mitglied des Camarillo Forums erkennen. Dieses war das härteste und begehrteste der Foren, und stelle alljährlich die meisten Sieger in den Foren Wettkämpfen.

Yaja rutschte langsam mit dem Rücken an der Steinfassade herab bis er auf dem Strassenpflaster sass.
Gab es denn gar keinen ausweg aus dieser Situation. Alle verhielten sich logisch und diszipliniert, aber ihm war zumute als liege eine bleierne Platte auf seinen noch jungen Schultern. Alles würde er aufgeben müssen.
Sein Glück, seine Zukunft, seine Heimat. Millionenfach hatte er das Problem durchleuchtet, nach irgendeiner Lösung gesucht. Das Ergebniss blieb das selbe. Valin war innerhalb der letzten zwei Jahrzehnte zur letzten freien Stadt an der Küste geworden. Alljährlich hatten die Goblins ihren einflussbereich erweitert und gefestigt.
Die Grosse Ratte hatte in ihrem treuesten Heerführer Neelak Kahn, dem Herrscher von Stroem, zweifellos einen grossen Anführer gefunden. Er einigte die Stämme unter seinem Kommando, und hatte nach und nach sein reich bis an die Küsten verschoben.
Bald waren alle Städte unter der Übermacht Stroems gefallen oder, wie es nun auch die Valiner machten, geflohen.
Er selbst wusste das es keinen anderen weg gab. Er hatte die Myriaden Stroems mit eigenen Augen gesehen. Sie bedeckten ganze Landstriche mit ihrer schieren Masse. Zogen sie durch ein Gebirge gingen die letzten lediglich noch über ein paar Hügel, zogen sie über die Eben mussten die letzten durch eine einzige lange Schlucht laufen. So unendlich war ihre zahl. Und nun zogen sie in Richtung Valin, seiner Heimat, seines Glücks, seines Lebens.
Langsam, ganz langsam, stand er auf. Morgen am südlichen Tor. Er hatte noch viel vor sich.

Der Jover Pass lag nicht wirklich in einem Gebirge. Sein strategischer wert lag vielmehr in dem riesigen Graben der sich bodenlos viele Meilen in beide Richtungen erstreckte. An den Rändern dieser spalte türmten sich auf beiden seiten ausserdem hohe Klippen auf, eben wie ein kleines Gebirge.
Der Pass über die Schlucht war nur etwa zweihundert Meter lang und fünfzig Meter breit, wurde aber durch die langen Schluchten die durch die Klippen führten, noch um sechshundert Meter auf der Valin zugewandten seite verlängert. Auf der anderen seite hingegen, machte die Schlucht bald einen jähen Knicks nach Westen, so das sich angreifende Truppen erst auf dem nur knapp fünfhundert Meter von der Schlucht entfernten geraden Stück formieren konnten.

Die Valiner hatten ihr Lager am ende ihrer Schlucht aufgeschlagen. Sie hatten in der Mitte ihrer seite der Schlucht einen etwa zwei Meter hohen Wall errichtet, der auf der ihnen abgewandten seite allerdings einen breiten Steg aufwies, damit die zurückziehenden diesen einfach hoch laufen konnten, und in Sicherheit waren.

Zwei Tage lang hatten Yaja und seine Freunde in der unbarmherzigen Sonne geschuftet um den Wall aufzuschütten. Danach hatte das Training angefangen.
Es gab drei Markierungen. Natürliche Felsformationen die aus dem Boden oder den Klippen ragten.
Die erste, der Bärenfels, benannt nach seiner form, war mitten auf dem Pass. Bis hier hin wollte man den Feind vorrücken lassen.
Die zweite war der Möwenstein. Hier sollten sich die Einheiten formieren die als ablösung für die front gedacht warfen.
Der Löwenstein, dem Wall am nächsten gelegen, war die gedachte stelle an der sich die Einheit sammeln sollte, welche als nächstes in das Kampfgeschehen eingriff.
Tagelang hatten sie die einzelnen Manöver geübt. Hatten erprobt wieviel Kämpfer in eine Reihe passten, wie man sich am besten zurück zog und wie man Schlachtreihe um Schlachtreihe nacheinander laufen liess.
Sie alle waren Krieger und kannten ihr Handwerk, aber es war wichtig sich mit dem Terrain vertraut zu machen.

Yaja genoss das zusammensein mit seinen Freunden. Aryas war der geübteste Kämpfer von ihnen. Seine starken Arme konnten unaufhörlich auf den Feind einschlagen. Die Zwillinge waren immer bester Laune und zusammen ein unschlagbares Team. Sie kämpften stehts neben einander, und immer mit vollem Einsatz und Hingabe. Myklea war die schnellste mit dem Kurzschwert, und vielleicht am furchtlosesten von ihnen allen. Ihre Haltung grenzte schon beinahe an Todesverachtung. Germo war von ihnen der beste Ringer und mit aussergewöhnlicher Körperkraft gesegnet. Sein ruhiges Wesen und seine ungekünstelte grosszügigkeit nahmen jeden schnell für ihn ein.
Und Yaya selbst. Er war stehts der schnellste Läufer der ganzen Stadt gewesen, und war mit dem Speer immer sehr zielsicher. Trotz seiner Jugend hatte er sich bereits die Routine eines erfahrenen Kämpfers zugelegt.

Die gesamte Streitmacht Valins betrug nur knapp 4000 kämpfende und noch einmal so viele Waffengehilfen und freiwillige Bauern und Dörfler aus den umliegenden Regionen, die selbst nach Drohungen nicht mit ihn der Stadt bleiben wollten.
Die Kämpfer trugen alle die typische schwere Rüstung, die Torso und Schultern bedeckte. Hinzu kamen die Ledernen Schurze die den Unterleib schützen sollten, Arm und Beinschienen, die hoch aufragenden Helme und den riesigen Schild, der vom Kinn bis zu den Knien reichte, am unteren ende einen Ledernen Schurz hatten gegen Stiche welche die Beine des Trägers verletzten sollten.
Aus den Zeiten als die Krieger aus Valin noch als Söldner durch die Lande zogen, waren sie als die beste Phalanx der bekannten Welt berühmt. Doch diese Zeiten waren vorüber. Zwar waren sie wahrscheinlich noch die beste Phalanx der Welt, die ständige Übung sorgte dafür, doch Krieger für Söldnerdienste konnte und wollte die Stadt schon seit langem nicht mehr entbehren.

Erster Tag ...

Eine trügerische stille hatte sich auf das Gebiet des Passes gelegt. Die Myriaden des Kahns rückten auf der anderen seite des Passes unaufhaltsam vor.
Yaja hielt sich mit der etwa siebenhundert Speeren starken Gruppe des Camarillo Forums noch am Löwenstein auf. Die ehre des ersten Zusammenstosses würden die Krieger des Terer Forums haben. Sie galten nach den Camarillos als die härtesten Krieger und Athleten. Wie auch der Kahn, würden die Valinier nicht sofort ihre Elite ins Feld schicken.
Yajas Platz in der Reihe war seines Erachtens zu weit hinten. Seinem alter gemäss hatte man ihn in die dreizehnte Reihe, möglichst weit links beordert. Vor ihm die Krieger von 40 bis 50 lenzen, dann die jungen Krieger von Mitte zwanzig und ganz vorn die Elite des Camarillo Forums, die erfahrenen und kraftvollen Dreissiger.

Yaja schwitze fürchterlich in seiner schweren Rüstung. Die Sonne brannte unbarmherzig auf die Valiner herrab, und nur die mit vollen Wasserschläuchen umher eilenden Waffengehilfen sorgten für etwas linderung.
Weiter vorne konnte er die stimme von Armira hören. Sie war die Deligierte des Terer Forums und in ganz Valin hoch geachtet.
>>Terer, schaut zu mir und nicht zu dem aufmarschierten Feind! Ich weiss eure Knie zittern und eure Kehlen sind nicht nur von der hitze ausgetrocknet.
Schaut mich an verdammt noch mal!
Ich werde euch nichts von Ehre und Ruhm, von der Rettung eurer Familien, eures Lebens oder euer Stadt erzählen. Wenn ich euch jetzt bitte hier und jetzt euer bestes und mehr zu geben. tut es nur für eins, den Mann oder die Frau an eurer Seite. Denn diese Teufel sind es die heute grossartiges leisten werden. Sie verdienen eure ganze Aufmerksamkeit und Hingabe. Lasst sie heute grosses vollbringen, damit ihr noch in der Hölle voller stolz sagen könnt, das ihr mit ihnen die gleiche Luft atmen durftet!<<

Für mehrere Herzschläge wünschte sich Yaja teil der vor ihm stehenden Terer zu sein. Was für eine Einheit!
Dann wurde seine Aufmerksamkeit schnell von der sich vor im ausbreitendem Staubwolke, und dem steigenden lärmpegel gefesselt.
Der Kahn liess seine Truppen aufmarschieren. Er konnte die durchdringenden schreie der Hauptleute hören. Das klirren und scheppern von Waffen und Rüstungen. Wie viele mochte der Kahn in das kurze Aufmarschgebiet gesannt haben. sechstausend oder vielleicht siebentausend? Und was für Truppen mochten es sein?
Er konnte nicht anders. Wie um auszutreten trat er aus seiner reihe. Dann sprang er auf den Löwenfels zu seiner linken, und blickte den Pass entlang. Als er wieder herrab stieg hatte sein Gesicht an Farbe eingebüsst, und er brauchte etwas um seinen platz in der Reihe wieder einzunehmen.
Bestimmt zehntausend hatte der Kahn in das enge Tal gepfercht. All überall drängelten sich die Grünen Horden. Nach dem was er erkennen konnte, handelte es sich bei ihnen um die Stämme der Hochebenen bei Tetis. Bewaffnet waren sie mit kurzen Speeren und Schilden aus Holz oder geflochtenen Weidenruten. Weiter hinten hatte er ausserdem hunderte Bogenschützen gesehen, die ab und an schon ein paar Pfeile durch die Luft sirren liessen. Alles begleitet von dem schimpfen und kreischen der Hauptleute.
Ihre sonstige Kleidung war ein wildes Sammelsurium, das jedoch meisst von blau und braun dominiert wurde. Die spitzen ihrer Speere waren aus glänzender Bronze und wogten wie ein einziges grosses Meer wild hin und her. Dazwischen immer wieder Banner mit Totenschädeln, bizarren Skeletten und Schildern.
Der Anblick allein war furchtbar.
Yaja musste sich fast zwingen daran zu denken wie ihr eigener Anblick wohl auf die Goblins wirken würde.
Erst gestern, als er mit seinen Freunden am Feuer sass, kam ihm in den Sinn wie kriegerisch sie doch mit den hohen geschlitzten Helmen aussahen. Myklea war mit ihren Grossen braunen Augen und dem stehts spitzbübischen lächeln für jeden ein angenehmer Anblick, setzte sie sich jedoch ihren hohen Helm auf, schien sie eine kriegerische und gefühllose Kreatur aus einer anderen Welt zu werden.
Und der Anblick von achtzehn dicht geschlossenen Reihen gepanzerter Kampfmaschienen musste für jeden Gegner ein schrecklicher anblick sein.

Jäh wurde er aus seinen Gedanken gerissen.
Die Terer setzen sich wie eine Welle in bewegung. Je drei Reihen auf einmal. Wie ein Mann hoben nun die vorderen reihen ihre Speere.
Von vorn kamen warnende rufe.
>>Pfeile!<< oder >>Es geht los!<<
Yaja fragte sich wie andere noch einen einzigen ton heraus bringen konnten, dermassen zugeschnürt schien ihm seine eigene Kehle zu sein.
Wie alle um ihn herum ging Yaya in die hocke und hob seinen Schild, um in gänze gedeckt zu sein. dann kam dieses Geräusch. Eigentlich nur als sanftes zischen vernehmbar, als reisse ein Stück Stoff im Wind, als unzählige Pfeile durch die Luft auf die Valiner zu schwirrten.
Hunderte Pfeile schwappten auf die Terer und Camarillos in hohem bogen nieder.

Die Terer mussten inzwischen beim Feind angelangt sein. Doch gab es nicht das typische Donnergrollen bei dem Bronzeschilder aufeinander krachten. Stattdessen gab es ein hässliches knirschen, so als würden trockene Zweige zerbrechen, als die schweren Bronzeschilder auf die leichteren Holz und Weidenschilder der Goblins prallten.

Der Feind taumelte und strauchelte. Die Valinischen Speere hoben sich über den reihen der Phalanx und stiessen nach vorn.
In wenigen Sekunden hatte sich der schmale Pass in ein wahnwitziges Totenhaus aus staub und dreck verwandelt.
Bewegungslos beobachteten die Valiner auf dem Wall das aufeinanderprallen der Fronten. Die ersten drei Reihen der Terer trafen mit der wucht ihrer masse auf die kleineren Goblins und stürtzten wie eine bewegliche Wand auf diese ein. Jetzt setzen die folgenden Reihen vier, fünf, sechs, sieben, acht und weitere nach, zwischen denen sich automatisch eine Gasse aufgetan hatte, die sich nun jeweils schloss, und dem Angriff immer neuen schwung verlieh.
Welle folgte auf welle und gewann mit jedem mal an wucht und schlagkraft, sobald jeder seinen Schild zum angriff hob und so kräftig wie möglich in den Rücken des vor ihm stehenden drückte, die linke Schulter kurz unter den Schildrand gedrückt, die Zehen in die Erde krallte und sein ganzes gewicht gegen den feind werfend.
Was noch kurz vorher eine feste Phalanx gewesen war, verwandelte sich nun in eine wogende chaotische masse aus Kämpfern. Nun konnten sich auch die Ersatztruppen der Terer nicht mehr zurückhalten, und warfen sich in das Getümmel. Dahinter die masse der Waffengehilfen die sich bald mit neuen Speeren durch die Reihen drängten, oder sich ihrerseits in die Rücken der vorne Kämpfenden stemmten.
Die feindlichen Bogenschützen schossen nun direkt in den Kampf der Terer hinein und töteten unzählige der eigenen Leute, doch für je zwanzig tote der Goblins, sank auch ein schwer gepanzerter Krieger aus Valin zu Boden.
Die Speerspitzen der Terer schlugen in unregelmässiger aber noch erkennbarer front, gleich einem wütendem Hornissenschwarm in die Formation der Feinde ein. Immer weiter drangen sie bis auf den schmalen Steg vor, welcher die Schlucht miteinander verband. Die Goblin Bogenschützen mussten in ihrem tun nachlassen um wieder mehr abstand zwischen sich und den wogenden Malstrom des Kampfes zu bringen. Doch wurden sie von der enge und den nachrückenden Truppen behindert.

Saris, der Deligierte des Camarillo Forums hob nun, den schlachten lärm übertönend, seine stimme. >>Freunde! Was passiert kann ein Tauber dem lärm entnehmen. Die Schilde der Feinde brechen unter dem ansturm der Terer. Die Helme der Terer ragen bereits über die unseren hinaus. Wie es aussieht steigen sie auf den Leichen der Erschlagenen nach oben!<<
Und wirklich, deutlich war zu erkennen wie sich die vorderen Reihen vor den Nachrückenden hoben.
>>Die Terer halten das nicht mehr lange durch, sie sind erschöpft. Wenn wir an der reihe sind, sind die Goblins schon weich gekocht.
Denkt daran, keine Toten, keine Helden. Wir gehen rein, kämpfen eine runde wie beim Faustkampf. Rein mit euch, tötet soviele wie ihr könnt, und lasst ab beim ersten Signal!<<
Auf dem Wall wo sich die dritte Angriffswelle, bestehend aus den Leuten des Ferris Forums formiert hatte ertönten Hornsignale.
>>Helme runter und Schilde hoch!<<

in geschlossener Formation rückten die Camarillos in achtzehn reihen gestaffelt, und in Blöcken auf den Feind zu, und ermöglichten es so den Terern sich duch die frei gelassenen Gassen, Reihe für Reihe zurück zu ziehen.
Kaum waren diese dem Schlachtfeld entgangen, als auch schon alle kraft von ihnen fiel. Wie leblose Puppen sanken sie am Boden in sich zusammen.
Die Angriffswelle der Camarillos rollte einfach über sie hinweg, und mit grimmiger Entschlossenheit auf den Feind zu.
Alles was Saris voraus gesagt hatte traf ein. Die leichteren Schilde der Goblins glitten einfach an den konvex geformten Schilden der Valiner ab, so das sie plötzlich mit entblösstem Kopf und Oberkörper vor den mechanisch zustossenden Kämpfern aus Valin standen.
Die Goblins waren die weiten Ebenen gewohnt, in der sie viel platz zum ausweichen hatten. Der Ansturm der kompakten tiefen Phalanx der Valiner war für sie die Hölle.
Und doch hielten sie stand. Krallten sich mit Klauen und Zähnen an ihre Gegner. Setzten selbst ihren Körper noch als Waffe ein, was sie Reihenweise den Speeren der Valiner zum Opfer fallen liess.
In kürze waren die Camarillos völlig erschöpft. Erschöpft von der Glühenden Sonne, vom töten, vom zustossen der Speere über ihren Köpfen, vom pressen in den Rücken der eigenen Leute, dem schnellen pochen des Blutes durch den Körper und der unglaublichen hitze erzeugt von den hunderten in Anstrengung aneinander gepressten Leiber.
Die Leichen der Goblins bedeckten nicht nur den Boden, sie stapelten sich auf ihm. Hinter den Camarillos liessen die Halbwüchsigen Waffengehilfen alle Hoffnung fahren selbst in den Kampf eingreifen zu können, so beschäftigte sie die aufgabe die Toten zum Rand der Schlucht zu zerren und sie in den Abgrund zu werfen.

Dann brachen die ersten Reihen der Goblins zusammen. Die schreie der Hauptleute gingen in dem Schlachtenlärm vollständig unter, und selbst wenn man sie gehört hätte, waren grosse teile der Goblins von der überwältigenden Angriffswelle der Camarillos wie gelähmt.
Andere warfen ihre Bögen, Lanzen oder Schilder beiseite. Griffen nach den Schilden und Lanzen der Valiner, zerrten sie nieder und warfen sich vor Panik kreischend auf die Camarillos. Jetzt begann in der vordersten Reihe der Kampf Mann gegen Mann. Die Camarillos kämpften nun mit den für dieses gedränge idealen Kurzschwertern. Bis die mittleren Reihen der Camarillos in das wüste Getümmel vorbrachen, und wieder eine mörderische Linie aus Stahl und tot vor den Goblins formierten.
Aber die Reserven an Goblins schienen schier unendlich, und so drängten immer neue, noch frische Goblins nach, ausserstande sich zurück zu ziehen. Dabei warteten noch Myriaden in den hinteren Reihen um sich auf die Camarillos zu stürtzen, und hinter diesen weitere unzählbare.
Allein angesichts der Reserven des Kahns begann sich die schlacht zu gunsten der Goblins zu wenden, und die reihen der Camarillos wankten vor anstrengung. Das einzige was die Goblins daran hinderte die Valiner einfach zu überrennen, war das sie nicht schnell genug ihre Truppen in das enge aufmarschgebiet schleusen konnten. Das, und der Wall aus Leichen der sich unter den Camarillos gebildete hatte, und von dem aus sie nun Kämpften als handle es sich um einen Wall aus Stein.

Yaja war inzwischen an vorderster Front und kämpfte Seite an Seite mit seinen gesichtslosen Freunden darum die Goblins nicht über ihren eigenen Leichenwall kommen zu lassen. Seine Füsse stemmten sich in die Körper der erschlagenen. Doch plötzlich verspürte er einen heftigen schmerz an seiner Wade und der Leichenteppich unter ihm schien sich zu bewegen. Mit den hacken trat er nach unten und der Boden war wieder eine leblose Masse.
Mechanisch stiess er immer wieder mit dem Speer in den endlosen Haufen der Feinde. Ein abgeschlagener Kopf, noch im Helm, flog an Yaja vorbei, verspritzte Mark und Blut wärend der schimmernde Rückenmarksknochen wie ein fixpunkt leuchtete. Zuviele Feinde stürmten über den wall.
Vor Wut und Verzweiflung stiess Yaja seinen Speer so tief in den nächsten vor ihm auftauchenden Goblin das dieser einfach durchbohrt wurde.
>>Speere!<< Brüllte er verzweifelt und der Panik nah. Ein namenloser Waffengehilfe drückte ihm einen in die Hand noch wärend er von zwei Pfeilen tötlich getroffen in der masse der Toten unter ging.
Yaja kämpfte weiter.
>>Neu Formieren! Neu Formieren!<< hörte er Saris weiter rechts brüllen. Wenig später stürmten die Ersatztruppen der Camarillos hinzu um die ausgedünnten abschnitte neu zu verstärken.

In wenigen Augenblicken wendetete sich die Schlacht, und mit den nachrückenden Truppen wurde die beinahe Katastrophe zu einem neuen vorstoss. Die jahrelange Ordnung und Disziplin der Camarillos zahlte sich nun aus. Jeder kämpfende der sich in vorderster Front befand, gleichgültig welchen Platz er sonnst inne hatte, übernahm die rolle eines Deligierten. Versuchte Lücken zu schliessen. Versuchte die Schilde in Position zu bringen, so das sich wieder überlappten.
Eine Wand aus Bronze erhob sich inmitten des getümmels, und verschaffte den hinteren Reihen wertvolle zeit.
Die Camarillos schöpften nun ihre kraft aus der Disziplin und der jahrelangen übung in der harten schule des Forums. Das normale vollbringen, wenn die Umstände alles andere als normal sind, war für die Camarillos stehts die höchste Kriegskunst. Aber nicht nur zum eigenen wohl, sondern als gleicher unter gleichen.
Das Gefühl in dem allgemeinen Chaos nicht allein zu sein, und eine ordnende kraft zu finden, versetzt die Krieger in ein unbeschreibliches Hochgefühl.
In solchen Momenten bildet die Phalanx eine so unerschütterliche unüberwindbare Einheit, das sie wie eine einzige Kriegsmaschiene, wie ein grosser Organismus mit eigenem Blutkreislauf und Herzen agiert.

in der ganzen zeit gingen pausenlos Schwaden von Pfeilen auf die Camarillos nieder, wärent die Kämpfenden halt auf dem blutigen und von Leichen übersähten Boden suchend in richtung der Goblins marschierten.
Die Goblins, solches schlachten und kämpfen nicht gewohnt, gerieten zu ungeordneten Haufen. Nichts war ihnen geblieben ausser dem willen zu überleben, und der war beträchtlich, doch reichte er gegen das vorrücken der gepanzerten Phalanx nicht aus.
Dreschflegel artig rotierten die Speere der Camarillos und trieben die Goblins vor sich her oder in den Abgrund der Schlucht. Manche von ihnen wurden einfach Bewustlos oder ihnen versagte das Herz vor lauter anstrengung und belastung.
Ein ruck ging durch den linken Flügel, als dort die Reihen der Goblins vollends in sich zusammen brachen.
Der Pulsschlag der Valiner gab nun den Rhythmus der zustechenden Lanzen vor, und die Truppen begannen zu jubeln. Auch die Goblins bemerkten was die stunde geschlagen hatte.
Die Speerwerfer der Goblins fielen zurück und sahen sich den nachrückenden Myriaden gegenüber. Verwickelten sich in zappelden Haufen. Krabbelten über die eigenen Leute oder schrien von den Körpern der fliehenden bedeckt nach Hilfe oder Linderung.
Weiter im Rücken der Fliehenden standen die Bogenschützen der Goblins. Fast vierzig reihen tief und an der front mit grossen Weidenschildern geschützt. Noch immer Blindlings in die Kämpfenden Reihen der Valiner und Goblins hinein schiessend, doch in ihrer Panik auch immer öfter zu kurz oder zu hoch schiessend, so das sie um so öfter die reihen lichteten die sie vor der tödlichen Walze der Camarillos noch trennte.

Die Wand aus Blut und Bronze stiess auf die Reihen der Bogenschützen zu. Bronzene Pfeilspitzen prallten von Schilden ab, so das es wie das vielfache Hämmern auf einen Amboss erklang. Und wurde nur von dem eklig schmatzenden Geräusch unterbrochen, wenn so ein Pfeil seinen weg durch eine der Rüstungen gefunden hatte.
Die Bogenschützen verdoppelten ihre anstrengung und schossen noch schneller ihre Pfeile in die Reihen der Camarillos.
In diese Wand aus Pfeilen rückte nun die geordnete Phalanx vor. Beschleunigte noch einmal ihre schritte vor den Weidenschildern der Schützen, um dann mit unwiderstehlicher Wucht in diese vor zu rücken.
Die Weidenschilder rissen aus ihren Verankerungen und stürzten mit samt der sich wieder wirbelnd senkenden Speere der Camarillos auf sie ein. Heillos war da der schrecken und die Panik. Schützen warfen Bogen und Pfeile zur Seite um schneller zu rennen, und hasteten davon, bestrebt die eigene Haut zu retten.
Die flucht erreichte ihren höhepunkt als selbst Einheiten zu fliehen begannen die noch garnicht die Waffen gekreuzt hatten. Zu hunderten wurden Goblins nieder getrampelt von der wilden Stampede der fliehenden.

Yaja hörte das Signal und liess sich augenblicklich zu Boden fallen. Seine Lungen pumpten, und aus im wich jeder letzte funken verstand und kraft. Kaum bemerkte er die Truppen des Ferris Forums die nun an den völlig erschöften Camarillos vorbei eilten.
Er wusste nicht wieviel zeit vergangen war seit er sich in das Lager geschleppt hatte. Ebensowenig wusste er noch wie oft jedes Forum heute in die schlacht gezogen war. Doch als er aufstand war der tag bereits zu ende und der Mond zeichnete sich am von Sternen übersäten Himmel ab.
Als er aufblickte stand nicht weit von ihm Myklea. Sie hatte einen Blutgetränkten Verband am linken Arm und schaute über den Wall in richtung der Goblins. Plötzlich richtete sie sich gerade auf und schrie für alle deutlich zu hören. >>Nicht heute, ihr Dreckfresser! Heute nicht mehr!<<
Weit hallte ihr ruf durch die Schlucht. Und wie sie so dastand, in fahles Mondlicht getaucht und mit stolz erhobenem Kopf, hätte sie eine der alten Göttinnen sein können. Mit einem unterschied. Götter waren unsterblich.

Zweiter Tag ...

Die ersten die der Kahn ihnen an diesem tage entgegen schickte, waren die Pliniks. Ein Stamm aus den östlichen Bergen und den Valinern wohl bekannt, da sich beide schon oft bekriegt hatten. Die Speerwerfer dieses Stammes waren allgemein gefürchtet und galten als die grausamsten in den Reihen des Kahns, was wohl vor allem mit ihrer vorliebe für Menschenfleisch begründet werden kann.

Yaja war inzwischen um einiges weiter vorn in der Schlachtordnung, da sich die Reihen der Camarillos gestern mit fast zweihundert Toten und verstümmelten am drastischsten gelichtet hatten.
Bevor er sich heute einreihte, hatte er für Minuten mit dem gedanken gespielt unehrenhaft aus dem Lager zu fliehen, und sich auf einem der Boote zu verstecken, nur um einer weiteren grausamen Schlacht wie der gestrigen zu entgehen. Doch dann hatte er Perya sich einreihen sehen, an seiner rechten nun ohne den geliebten Zwillingsbruder. Und er konnte nicht mehr fort. Doch als er sah wie sich Myklea den Schild um den Hals hängen liess und am linken Arm befestigte, wusste er das er wohl niemals einen besseren ort zum sterben finden würde als hier inmitten seiner Mitbewohner und Freunde.

Die Camarillos waren heute die ersten die in die Schlacht ziehen würden, und so sollte es bis zum ende bleiben. In mühevoller Arbeit hatten sie ihre Schilde und Rüstungen vom Dreck und Blut des Vortages befreit, und sah man von den unzähligen Wunden ab die fast jeder von ihnen hatte, waren sie für den Feind nun wieder die gleiche Einheit welche gestern tot und verderben über seine Reihen gebracht hatte.

Die vor Wut heulenden Pliniks versuchten Stehts abstand zu den anrückenden Valinern zu halten. Warfen mit ihren Speeren, grossen Felsbrocken oder gar Schildern um sich nicht in die alles niederschmetternde reichweite der Phalanx begeben zu müssen. Doch es half alles nichts. Das Terrain begünstigte lediglich die in dichter Formation kämpfenden Valiner, und verurteilten die taktik der Pliniks zum scheitern als die massive Phalanx immer wieder und wieder in nur wenigen herzschlägen den abstand überwand und in den ungeordenten Haufen der Goblins reiche Ernte hielt.

Als zweites, die Valinier waren bereits von den laufenden kämpfen erschöft, warf der Kahn seine Mutanten in die schlacht. Grässlich entstellte Geschöpfe die mit unheimlich Kräften und oft mehr als nur zwei Armen ihre Klingen führten.
Von allen Truppen die bislang gegen die Phalanxen der Städter anrannten, waren diese verzweifelten Kreaturen die schrecklichsten. Niemals wichen sie zurück, immer kämpften sie sich über die gefallenen Leiber der gefallen, um sich mit allem was an ihnen war auf die verzweifelt um geschlossenheit kämpfende Phalanx zu stürzen. Ihr Todesmut schliesslich war es der ihren Untergang herbei führte. In mitten der grössten not, die kämpfenden Ersatztruppen hatten sich noch kaum von ihrem letzten Einsatz erholt. Gelang es unter der Führung der drei Jèvil Schwestern des Gallindo Forums einen Keil in die Mitte der Mutanten zu treiben. Mit neuem mut setzten die Foren nach und stiessen immer weiter nach. Solang bis schliesslich die ersten Mutanten an den rand der Schlucht gedrängt wurden. Zu hunderten fielen sie in die tiefen der Schucht, wurden unerbittlich von den schwer gepanzerten Kriegern richtung Abgrund geschoben.
Keine der drei Schwestern erlebte den nachfolgenden Abend. Augenzeugen sagten das sie die Mutanten mit solcher Wildheit und stärke in den Abgrund trieben das sie von den verzweifelt um halt Kämpfenden Mutanten gepackt wurden, um sie mit sich in die tiefe zu ziehen, ganz so als wäre der eigene tot nichts im vergleich zum tot einer der drei Schwestern. Noch im fall, so sagen einige, sollen sie die Mutanten verflucht und aufgespiesst haben.
Die Heldentaten kamen wie im takt der Minuten, und fast ebenso häufig gingen jene die sie begingen mit ihnen unter.

Dritter Tag ...

Niemand im Lager der Foren hatte noch die kraft oder den willen seine Waffen und Rüstung zu putzen. Die Leute schliefen, aßen und starben in ihnen. Alles war gleich.
Das Lager glich immer mehr einer Ruine. Die Zelte waren längst für Verbände zerschnitten worden. All überall lagen Waffen und Rüstungsteile umher. Menschen schliefen an willkürlichen plätzen und der Boden war mit Dreck und Blut übersät.
Noch am ersten tag war eine Gruppe Gaukler in das Lager gekommen. Die Foren hatten sie auf dem weg zur Schlucht getroffen und ihnen geholfen ihren grossen Theaterwagen wieder flott zu machen. Sie waren nicht aus Valin und wollten partout nicht sagen wo ihre Heimat lag. Sie waren an allen Feuern gerne gesehen, machten ihre scherze und Kunststücke und wurden in kürzester zeit zu den Maskottien der gesamten Foren.
Nun, am dritten tag, sah man die Gaukler Gruppe in angelegten Rüstungen, es lagen genügend herum in den Reihen der Foren Kämpfer. Auch viele der noch so jungen Waffengehilfen hatten inzwischen ihre Tuniken gegen die schweren Panzer ihrer Schutzbefohlenen eingetauscht, und sich in die ausgedünnten Schlachtreihen eingeordnet.

An diesem morgen war Yaja in der dritten Reihe. Sein Unterschenkel hatte keinerlei Gefühl mehr und war geschient. Noch vor drei tagen war er der schnellste Läufer der Stadt gewesen, nun würde er nie mehr richtig rennen können.
Sein linkes Auge war fast unbrauchbar da er knapp daneben einen heftig angeschwollenen Bluterguss hatte.
Es kümmerte ihn nicht. Er konnte laufen, seinen Schild halten und über die Schulter auf den Gegner einstechen. Mehr erwartete er heute nicht von sich.
Als Saris die Reihen abschritt, er war gestern siebzehn mal verwundet worden und konnte kaum noch laufen, hallte seine stimme noch immer kraftvoll durch den Pass. Die meisten der anderen Foren Kämpfer hatten sich auf dem Wall eingefunden.
>>Freunde! Wir haben mehr geschafft als Menschen zu hoffen wagen dürfen. Ihr kennt mich alle, und ihr kennt mich nicht als Angsthasen. Doch wenn ich mich jetzt umdrehe werde ich erneut die tausenden des Kahns vor mir sehen, und wissen das ich hier sterben werde.<<
>>Aber!<< Er machte eine längere pause. >> ... aber schaut sie euch genauer an! Hört wie ihre Hauptleute sie mit Peitschenschlägen in die Schlacht treiben müssen. Wie sie schreien und kreischen wenn sie in die vorderen Reihen sollen. Wie sich ganze Einheiten weigern gegen euch zu kämpfen.
Und ich sage euch. Wenn sie könnten, würden sie heute lieber auf unserer seite kämpfen! Und ich meine nicht das Camarillo Forum, nein, ich meine jedes Forum dieser Stadt! Jeden der Kämpfer, ob aus Valin oder nicht, der heute in euren Reihen steht. Glaubt mir, jeder von denen dort drüben würde lieber bei uns in der ersten Reihe kämpfen als dort in der hundersten!
Nun löste sich vom Wall einer der Kämpfer des Ferris Forums. Machte sein Schild los und ging damit auf den ihm am nächsten stehenden Camarillo Kämpfer zu. >>Dieser Schild!<< sagte er laut. >>ist noch der meines Vaters, und ich hatte geschworen ihn meinem Kind weiter zu geben. Ich bin sicher er wäre stolz ihn jetzt an deiner linken zu sehen.<< damit hielt er ihm dem verblüfften Camarillo entgegen.
Zwei Herzschläge später schnallte dieser seinen Schild ab um ihn mit dem anderen zu tauschen. Die Zeichen des eigenen Forums abzugeben wäre noch vor so wenigen tagen undenkbar gewesen.
Nun kamen weitere Krieger der verschiedenen Foren vom Wall herab, solange bis fast keiner mehr seinen ursprünglichen Schild am Arm trug.
In den Augen der Kämpfenden sah man nun eine entschlossenheit gegen die selbst der tot noch trivial schien.

Yaja blickte auf den Pass vor ihm. Längst hatten die Valiner aufgehört die unendlichen Leichenbeige fort zu räumen. Überall lagen Tote, Waffen und über allem schwebte eine Millionen schwarzer Fliegen um sich am täglichen morden zu ergötzen. Dickliches Blut und schleim troff von den rändern des Passes in die tiefen der Schlucht, wie als würde selbiges täglich Eimer weise auf dem Boden ausgeschüttet.
Sie warteten nun schon seit einer Stunde in Schlachtordnung ohne das die Goblins angegriffen hätten. Worauf nur warteten sie. Dann sah er was der grund war. Ganz am ende hatten die Goblins ein grosses Podest mit einem schwarzen Thron aufgebaut, und nun begab sich der Kahn höchst persönlich auf das Podest und schwang sich auf den riesigen Thron.

Den ganzen tag über liess der Kahn seine Myriaden gegen die Foren anrennen. Welle um Welle krachte gegen die schwere Schlachtordnung der Phalanxen. Die Kämpfer waren mit unter zwei stunden im Gefecht, zogen sich für zwanzig Minuten wieder hinter den wall zurück um gleich darauf wieder den Schild zu schultern und dem tot entgegen zu gehen. Manche Kämpfenden weigerten sich auch rundweg die Phalanx zu verlassen. Verblutende die nur noch dreissig Minuten zu leben hatten reihten sich in die vordersten Reihen ein, nur um an der Seite ihrer freunde noch wenigstens einen Goblin mit sich in den tot zu reissen.
Längst brachte niemand mehr die kraft für lachen oder Jubel mit in die kurzen pausen. Die Kämpfer liessen sich einfach auf den Boden fallen, starrten stumm vor sich hin und bewegten sich keinen Finger breit von ihrem platz, nur um beim nächsten Hornstoss von den toten wieder auf zu erstehen und ihren platz in der Schlachtordnung ein zu nehmen.

Dreimal schien es dass die Myriaden den Sieg an diesem tag erringen sollten, einmal erreichten sie gar den Wall auf den sie mit blanken Fäusten eintrommelten und Stein um Stein daraus entrissen.
Die Krieger der Foren flohen in heilosem durcheinander, selbst die disziplinierten Veteranen vielen ungeordnet in den Rückzug mit ein. Erst als die ersten das ende des Passes erreichten und die fremde Welt sahen die in den letzten tagen nicht die ihre gewesen war, war ihre angst vor dieser neuen alten Welt noch grösser, und sie schlossen die Reihen ein weiteres mal.
Als die Goblins sahen wie die fliehenden nun in geordneter Schlachtordnung auf sie zu marschierten, hinter ihnen die untergehende blitzende Sonne, machten sie kehrt und drängten wieder zurück, stiessen mit den an den sieg glaubenden auf dem pass zusammen, wurden hunderte in die Schlucht gestürzt oder zu tode getrampelt, bis dann die anrückende Phalanx die zurückweichenden im Rücken traf und bis an das andere ende der Schlucht zurück warf.
Wärend dieser Szenen hielt es den Kahn nicht auf seinem Platz. Er stampfte umher und schrie befehle, aber niemand schien sich noch um ihn zu kümmern. Solange bis er seine Garde auf die fliehenden losgehen lies um wieder für Ordnung zu sorgen.
Als an späterer stelle eine junge Gauklerin von zwei Pfeilen durchbohrt fiel, entbrannte an der selben stelle ein ungewöhnlich gnadenloser Kampf um ihre Leiche. Fast eine stunde wogte der Kampf an dieser einen stelle weder voran noch zurück bis die völlige Übermacht der Goblins die Phalanx zum Rückzug zwang. Dennoch blieben vier junge Krieger über der Leiche der Gauklerin stehen um sie zu verteidigen. Sie kämpften mit dem Mut der verzweifelten. ihre Speere brachen, man sah wie ihnen der Kiefer oder die Schulter zertrümmert wurden, doch gingen sie nicht zu Boden. Um sich schlagend und tretend, Leichen auf die Angreifer werfend, behaupteten sie ihre Position. Als am ende nur noch zwei von ihnen standen, wollten die Goblins nicht mehr an sie heran und schossen mit ihren Bögen solange auf sie ein, bis beide nur noch ein einziges Nadelkissen waren.

Gerra, die Nachfolgerin von Saris sprach nun vor den im Halbkreis vor ihr stehenden Foren Kämpfern. >>Einmal freunde müssen wir heute noch in die schlacht. Und doch sage ich euch, im Gegensatz zu dem was bisher war, wird dies nicht mehr als ein lauer Spaziergang am Strand.
Der Kahn hat nun seine persönliche Garde antreten lassen. Die Stroem Garde. Die Elite seines Volkes. Seinen ganzen stolz und liebste Einheit.
Zehntausend werden es sein, doch fallen nur Tausend von ihnen, wird der Kahn aus angst um sie zum Rückzug blasen.
Und nun frage ich euch, können zweitausend von euch, eintausend von ihnen töten? Um mehr bitte ich euch nicht. Tötet mir eintausend von ihnen und wir können alle bis morgen durchschlafen.

Die Garde von Stroem bot einen prächtigen anblick. Ganz in ihre Metallrüstungen gekleidet, mache Rüstungsteile schimmernd, andere fast schwarz oder bunt bemalt, die Helme mit farbigen Tüchern umwickelt und mit den übergrossen Helebarden und gezackten Schildern war nicht nur ihre Ausrüstung ein starker Kontrast zu den übrigen Goblins. Auch ihre Haltung war die erfahrener Kämpfer die schon manche schlacht geschlagen hatten und sich täglich im Kampf erprobten. Geboren um ihre niederen Brüder anzuführen, standen sie stolz in der trockenen Hitze des beginnenden abends.
Bereits allein für sich eine Streitmacht die ihres gleichen auf der Welt suchte.

Das wievielte mal sie heute nun schon in den schnellen trab des Angriffs übergingen wusste Yaja schon nicht mehr. Jetzt rissen die Goblins ihre Hellebarden in die Luft und stürzten sich ihrerseits auf sie.
Der Aufprall war diesmal so dröhnend das er das gesamte Tal ausfüllte. War Yaja sonnst gewohnt durch sein eigenes gewicht ein stück weit in die Reihen der Goblins hinein getragen zu werden, wurde er hier fast wieder zurück geschleudert durch die ungeheure wucht des Aufpralls. Sein Speer zersplitterte an dem hochgerissenen Schild eines Goblins, doch versuchte er mit der nun zersplitterten Spitze den Kopf des Goblins zu treffen. Dann kam die zweite dritte und vierte reihe in seinem Rücken an. Der Goblin vor ihm wurde zu Boden gedrückt, der gesamte angriff der Stroem Garde geriet ins stocken.
So Fähig und gut ausgerüstet diese auch waren, den Ansturm einer massiven und disziplinierten Phalanx auf engem Grund hatten sie noch nicht erlebt.
Yaja hatte inzwischen seinen nutzlosen Speer fallen lassen. Der Kampf Mann gegen Mann war nun in den ersten Reihen ausgebrochen. Ein Goblin riss ihm mit seiner gezackten Hellebarde den Schild schmerzhaft vom Arm. Ohne zu denken packte er den Goblin unter seinem Helm, und riss mit aller kraft daran. Mit der anderen zog er sein Kurzschwert und rammte es ihm unter die Achsel.
Er bemerkte das sich hinter ihm wieder eine feste Kampflinie der Valiner gebildet hatte, als er einen gewaltigen hieb in den Magen bekam. Die Hellebarde musste direkt durch den Panzer gedrungen sein. Er ging mit einem gesichtslosen Goblin zu Boden. Wieder und wieder drosch er mit dem Knauf seines Schwertes auf den Helm des Goblins ein, als ihn die vorwärts Bewegung der Phalanx auch schon überrollte.

Als er aufwachte fand er sich in der Hölle wieder. Eine Gestalt, über und über mit Blut und Schleim bedeckt, beugte sich gerade über ihn, und zog an einem Seil das sich um seinen gesamten Bauch gewunden hatte.
Zu seiner Verwunderung fühlte er keinerlei Schmerz dabei.
>>Ach, ich wusste doch das du noch lebst.<< Es war Myklea. Ihr Gesicht war fast schwarz, und als sie müde lächelte wirkten selbst ihre Zähne grau. Wie ausgezehrt sie doch aussah. >>Wir haben dich unter einem Haufen Goblins hervor gezogen, deine Daumen noch in den Augenhöhlen der Kreatur. Wir haben dir deine Organe wieder in den Bauch geschoben und festgezurrt. Bleibst du liegen?<< noch wärend sie dies sagte ertönte hinter ihr das Sammeln Signal der Foren und sie stand auf.
>>Hilf mir auf.<< Stöhnte Yaja. >>Wie lange war ich bewustlos, wie sieht es aus?<<
>>oh ... Gerra hatte recht.<< Sagte sie matt. >>Kaum waren eintausend der Garde gefallen, rief der Kahn seine Lieblinge nach hause zu Papi. Ansonsten hast du die nacht durchgeschlafen.<<
>> ... Und bei uns?<<
>>Weniger, aber wir stehen noch. Sieh zu das du eine heile Lanze bekommst, viele gibt es nicht mehr ...<<
Schweigend halfen sie sich dabei ihre Rüstung anzulegen oder kaputte durch intakte teile zu ersetzen. Daran herrschte scheinbar kein Mangel.

Vierter Tag ...

Der Pass sah dieses mal mehr denn je nach einem Massacker, denn nach einem Schlachtfeld aus. die Foren hatten die umher liegenden Leichen dieses mal nicht so gut wie möglich beseitigt, sondern noch zu besonders schaurigen Haufen aufgetürmt. Kein Fussbreit des ursprünglichen Bodens war noch zu sehen. Oft lagen drei, vier oder gar fünf schichten Gefallener in wilden Knäueln umher.
Gerra lief langsam ihre Reihen ab. Sie waren so wenige geworden. Am morgen hatte man die verletzten, die Waffengehilfen und Bauern aus der Umgebung zu den Schiffen geschickt. Viele waren trotz Drohungen nicht gegangen, und waren nun teil der nur noch fünf reihen starken Phalanx der Camarillos oder der anderen Foren.
Der alte Bergo war seit dem letzten Tag geblendet und sollte heimgehen, doch stand er jetzt mit Schild und Waffe in der ersten Reihe, dicht bei Myklea und Yaja und liess keinen wiederspruch gelten. Er konnte gehen und zustehen, das musste genügen.
Die Foren hatten in regelmässigen abständen kleinere Lager für Waffen und Nahrungsmittel angelegt. Beides würde nicht bis zum mittag reichen.
>>Nun Freunde, so wie ihr ausseht möchte ich euch nicht geschenkt haben.<<
Die Kämpfer hatten nun aus der not eine tugend gemacht, und sich noch extra über und über mit Blut beschmiert. Der Anblick konnte in der Hölle nicht mehr viel schlimmer werden als es der ihre nun war.
>>Heute ist für uns der letzte tag. Wir müssen wenigstens noch den halben tag durchhalten wenn wir unseren Leuten genug Vorsprung verschaffen wollen.<<
>>Und, gehen wir dann nach Hause?>> Gerra lachte hohl. >>Nein, wir haben kein Zuhause mehr. Wir haben sogar kein leben mehr! Wer jetzt noch angst vor dem tot hat ist ein Narr. Seht euch um, schaut euch in die Augen und ihr wisst es. Wir sind schon längst in der Hölle!<<
weiter hinten fing ein Krieger an zu lachen. Weitere stimmten mit ein, und bald schallte durch das ganze Tal das grausige lachen der Totgeweihten ...
dann ging es dem feind entgegen.


Als nun die grausig lachende und ausschauende letzte Phalanx auf die überfüllten reihen der Goblins zu marschierte, fingen die ersten Reihen an zu kreischen. Wanden sich um, prügelten auf die hinteren Reihen ein und veranstalteten ein heilloses durcheinander.
Der Kahn hob die Hand und seine Bogenschützen verdunkelten den Himmel. Das kreischen in den vorderen Reihen verwandelte sich. Wurde höher, von schmerzen getrieben, brach nun langsam ein.
In diese stille brachen nun die Valiner. Ein kurzer spurt über den mit Leichen gepflasterten Untergrund. Ein weiterer Aufschrei aus den Reihen der Goblins, dann schlossen sich die fronten. Speere senkten sich, Körper gingen zu Boden, binnen kurzen war das Chaos wieder Herr der lage, und die Foren waren in ihrem Element.
Unermüdlich kämpften sich die Foren vorwärts. Gerade zu auf den Thron des Kahns.
Vorwärts ging es schritt für schritt, regnete es Pfeile, hielt der Tot reiche ernte. Noch dreihundert schritt, noch zweihundert, dann brachen die ersten Reihen der Foren in sich zusammen. Wurden weggedrängt.
Die Formation löste sich auf, konnte aus Mangel an Kämpfern nicht mehr geschlossen werden. Ersatz gab es nicht.
Es ging zurück.
Ganz hinten formierte sich eine neue reihe. Liess die eigenen Kämpfer hindurch, der Vormarsch der Goblins wurde gestoppt, die Reihe hielt, kämpfte bis zur auflösung und wurde überrollt.
Die anderen hatten sich nun neu formiert und bewaffnet. Marschierten wieder vorwärts. Doch die Goblins wussten das sie nun endlich siegen würden. Wie tollwütige stürmten sie auf die Valiner ein. Warfen sich einfach auf sie, versuchten sie unter sich zu begraben.
Während all dieser zeit regnete es unaufhörlich Pfeile, Pfeile, Pfeile. Ein stetiger strom in der jede unterbrechung bald das abnorme darstellte, und nicht der Pfeilhagel selbst.
Wieder zurück ging es schritt für schritt. Doch die Formation hielt dieses mal, und der Blutzoll den die Goblins zahlen mussten war grässlich.
Wie aus Wasserspeiern ergoss sich ein Blutstrom über die zackigen kannten des Passes.
Als sich die Foren geordnet auf den Wall zurück zogen, zuckten die Myriaden zurück. Brachte denn nichts diese Teufel zu fall. Es waren doch nur Menschen!
Jetzt brandeten sie, getrieben von den Peitschen ihrer Hauptleute an den Wall, und wurden ein ums andere mal gebrochen.
Die Leichen vor dem Wall waren wie eine eigene Rampe. Sie stürzte zusammen, und wurde neu errichtet. Unaufhörlich.
Dann gingen den Foren Kämpfern die Waffen aus. Vor dem Wall war eins der Nachschublager errichtet worden. In einer der kurzen pausen stürmten sie herunter.
Kämpften. Oft mit blossen Händen, abgebrochenen Speeren und zersplitterten Schwertern.
Die Goblins wichen vor diesem wilden ansturm zurück. Hielten den abstand vor den neu bewaffneten, wagten sich nicht mehr heran.
Gerade fünfzig Kämpfer waren noch geblieben.
Verschanzten sich beim Löwenstein. Warfen die Gegner wieder und wieder zurück. Dann kam keiner mehr.
Ein Halbkreis hatte sich um die letzten Kämpfer geschlossen. Bogenschützen waren aufmarschiert. Der starke Germo fiel, dann Myklea und weitere, dann rannten die Übrigen los.
Wurden im lauf gefällt oder rannten in die Speere vor ihnen. Yaja erreichte einen der Goblin Schützen und sprang ihm an die Kehle. Dann traf ihn etwas am Kopf, doch er würgte weiter. Kaltes eisen bohrte sich in seinen Körper. Doch er liess nicht los. Noch nach seinem tot krampften sich seine Finger um den Hals des Goblins bis dieser mit dem endenden Tageslicht erstarb.
...

Die Valiner verliessen die Stadt und arbeiteten an ihrer neue Existenz auf Frèr. Doch selbst als ihre Kultur schon fast vergessen war, kannte doch ein jeder die Geschichte über den letzten kampf der Foren.
Kein Goblin aus der Horde des Kahns sollte jemals Valin betreten. Seine Truppen weigerten sich, und machten vor der lehren Geisterstadt kehrt.
Und sogar die Ratten sollten das alte Valin für immer meiden.


Finè

(copyleft) by Ascaso
 
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