Tango - ein Shadowrun-Charakter

Dieses Thema im Forum "Schreibstube" wurde erstellt von Niedertracht, 18. Januar 2006.

Moderatoren: RockyRaccoon
  1. Niedertracht

    Niedertracht Lebensretter

    Gleich vorweg:
    Dieses Charakterkonzept enthält Gewalt – und Sexdarstellungen und zeigt die Kehrseite einer kapitalistischen Welt. Personen, die damit ein Problem haben, sollten es meiden. Für Folgeschäden, wie Alpträume erkläre ich mich nicht verantwortlich.
    Desweiteren distanziere ich mich von Rassismus, Frauen- und Schwulenfeindlichkeit. Solche Dinge wurden lediglich nur im rollenspielerischen Rahmen verwendet.
    Und zu guter letzt strotzt der Text nur so von Kraftausdrücken. Jemand, der der Meinung ist, dies gehöre nicht in einen interessanten Text, sollte ebenfalls wertvolle Zeit seines Lebens sparen und seine Zierfische füttern gehen.

    Hinweis:
    Bei der Erstellung des Konzepts habe ich mich von dem Film "Sleepers" inspierieren lassen.

    Macht euch ein Bier auf, legt die Kippen in Reichweite, schmiert euch eine Stulle und auf geht's. Viel Spaß beim Lesen, ist nicht gerade wenig.


    [Szene – Das Hier und Jetzt]

    Seattle 2054, Sommer

    Ein Schuß kracht in der Nacht und weckt mich. Hm naja um geweckt zu werden, müßte man geschlafen haben und ob das schlafen nennen kann, was ich seit geraumer Zeit in der Nacht mache, wenn ich nicht grad meiner Arbeit (als ob ich geregelte Arbeitszeiten hätte) nachgehe, weiß ich nicht. Ich würde nein sagen.

    Ich streife mir meine roten Boxershorts über und steige aus meinem Bett oder sollte ich eher sagen, ich stehe von der Matratze auf? Ja ich denke es beschreibt meine Schlafstätte besser. Kurz fällt mein Blick auf die menschliche Schnalle zurück, die nackt in meinem Bett liegt. Keine wirkliche Schönheit, aber sie hat ihren Zweck für Nacht erfüllt und ich denke, sie kann sich auch nicht beschweren. Name? Keine Ahnung, ist mir auch egal, als ob der Name im Bett entscheidend wäre und mehr wollte ich nicht.

    Langsam gehe ich in Richtung des einzigen Fensters meiner Wohnung oder eher meines Rattenlochs und stütze mich auf die Fensterbank, also dem geraden Stück Plaststahl. Ein wenig Baumaterial bröckelt und fällt zu Boden. Kann ja mal renovieren lassen, was hier soviel heißt, wie ich beziehe eine neue Bude. Es regnet draußen, natürlich, was auch sonst. Hey ich lebe in Seattle, warum sollte es hier nicht regnen? Verdammte Scheiße.

    Ich schaue nach draußen, in weiter Entfernung kann man Leuchtreklamen erkennen. In ständigen Wechsel ändern sich die Bilder, von der Single des aktuell angesagten SimSinn-Stars im Bereich der Musik, bis hin zu einer neuen Biersorte, verfeinert mit irgendeinem komischen Gewürz aus Asien. Und wieder frage ich mich, wer braucht so einen Müll eigentlich? Und wieder lautet meine Antwort: Ich nicht.

    Mein Fenster steht offen, nur weil in dieser beschissenen Stadt nahezu jeden Tag regnet (zumindest kommt es mir so vor), heißt das ja nicht, daß es hier kalt wie eine Eskimomuschi ist. Schwül ist es draußen und am Tag weiß man gar nicht, wo man hin soll, um sich vor der Hitze zu schützen. Schon beim Rumstehen läuft die Suppe an mir herunter und ich kann es nicht leiden zu schwitzen, außer ich betätige mich gerade im Bett. Alles andere ist für mich unnatürlich. Von mir aus auch, wenn ich laufe, mich prügel oder was weiß ich.

    Hubschrauber kreisen über Redmond, ihre Scheinwerfer zucken wie Laserscheinwerfer in einer Disko durch die Nacht, um auch ja jeden Bewohner im Licht einzufangen. Redmond, hier trauen sich die Cops auch nur hin, wenn sie in gepanzerten Fahrzeugen sitzen und das auch mit Recht. Wieder kracht ein Schuß, gar nicht weit entfernt und wieder liegt eine weitere Leiche in den dreckigen Gassen dieses Bezirks. Es wird nicht die erste diese Nacht gewesen sein und wahrlich auch nicht die letzte. Die Netzhautuhr zeigt, daß es gerade mal 01:54:12 ist. Es ist noch genügend Zeit für die Raubtiere, bis sie wie Vampire vor dem Licht in ihre Verstecke zurückkriechen.

    Normalerweise wäre ich jetzt auch da draußen und würde nach irgendetwas jagen. Ich gehöre zu den Jägern, die Beutefraktion habe ich schon früh verlassen, als ich mit 13 meinen ersten Mord begangen habe. Drek ich bin in letzter Zeit immer so depressiv und denke viel an meine Kindheit und diesen ganzen Müll. Vielleicht hätte ich doch nicht aufhören sollen, mir ab und zu eine ordentliche Ladung Kokain zu genehmigen. Das hat mich in den Himmel gepumpt.

    [Szenenwechsel – Erster Mord]

    Seattle 2042, Herbst

    Draußen prasselt der Regen gegen das, was der Vermieter Scheibe in dem Fenster nennt. Es ist nicht laut genug, daß ich das Gestöhne aus dem Nebenzimmer überhöre. Es ist Dienstag und dieser schmierige Wichser von Pedro (wenn er denn so heißt) ist wieder da. Erst vögelt er meine Mutter und wenn sie sich ihre Spritze gesetzt hat, kommt er zu mir, doch heute wird alles anders sein.

    Seit mein Vater bei einem Überfall auf einen Lebensmitteltransporter gekillt wurde, als ich sechs war, arbeitet meine Mutter als Hure. Schon bald fing sie an, sich mit Drogen vollzupumpen, um damit klarzukommen, was dazu führte, daß sie nur noch mehr rumvögeln mußte, um das Geld zusammenzukriegen. Schon bald tauchte dieser Pedro auf und vergnügte sich nicht nur mit meiner Mutter, sondern auch mit mir.

    Schnell bin ich einfach abgehauen, wenn er gekommen ist, doch irgendwann hat er mich dann bei einem Laden um die Ecke erwischt. Wenn ich nicht so wollte, wie er, dann würde er sich meine Mutter mal richtig vornehmen und noch ein paar Freunde mitbringen. Würde sich doch eh keine Sau um eine tote Nutte in Redmond kümmern. Drek was sollte denn machen? Natürlich brachte er Freunde mit, die sich aber nur für mich interessierten. Wie viele? Ich hab irgendwann bei vier oder fünf aufgehört zu zählen.

    Heute wird er sterben. Mit mir im Zimmer steht ein Bekannter von mir, Steve. Er gehört zu den BulletStrikes einer kleinen Schlägergang hier in der Gegend. Früher hat er mal neben uns gewohnt und war auch öfter bei meiner Mutter. Er gehört aber wenigstens zu denen, die meine Mutter noch, wenn man denn so will, gut behandelten und sie auch wirklich bezahlten. Ich habe schon mitgekommen, daß sich der Stärkste alles erlauben kann, zumindest da, wo ich aufgewachsen bin. Später stellte ich fest, es ist überall so.

    Steve ist nicht viel älter als ich, 15 oder vielleicht 16. Er ist ein Ork und anscheinend entwickeln die sich schneller. Naja gut, im Kopf ist der Gute immer noch ein Kind, aber es ist mir egal, ich brauche jemanden, der stark ist. Ich erzählte ihm, daß meine Mutter immer wieder einen Freier bekam, der mächtig Geld dabeihatte oder zumindest eine ziemlich wertvoll aussehende Uhr trug. Steve war hellauf begeistert, als ich ihm sagte, wir könnten den Typen ja abziehen.

    So stehen wir also in meinem Zimmer. Steve hatte noch witzige Witze gerissen, daß der Kerl ja wie ein Schwein beim Ficken quieken würde. Wenn ich dieses Geräusch nicht direkt neben meinem Ohr gehört hätte und dazu noch andere, die ihn anfeuerten, hätte ich vielleicht gelacht.

    Die Tür geht auf (ich hatte Steve irgendeine Lügengeschichte aufgetischt, warum Pedro immer noch bei mir vorbeischaute und er kaufte sie mir ab, wie gesagt im Kopf ein Kind). Pedro hatte sich nicht einmal die Mühe angemacht seine Klamotten wieder anzuziehen. Verschwitzt mit einem halbschlaffen kleinen Penis. Er grinst mich an und entblößt seine widerlichen gelben Zähne. Anscheinend will er gerade etwas sagen, sicherlich, wie er sich freut mich zu sehen, doch da ist Steve schon vorgesprungen und hat ihm seine rechte Pranke in die Rippen gerammt. Luft wird aus den Lungen des Penners gepumpt und seine Wangen haben sich aufgebläht. Weit aufgerissene Augen zeugen von Schmerz und auch Überraschung. Noch bevor sich Pedro auch nur den Hauch einer Chance zur Erholung hat, pflanzt Steve ihm seinen rechten Ellbogen mitten und ungebremst ins Gesicht. Die Nase explodiert förmlich. Schnell packt Steve den schreienden Pedro an den Haaren, zieht ihn daran und schleudert ihn mit voller Wucht auf mein Bett.

    Schnell bin ich zur Stelle, hole das versteckte Küchenmesser unter dem Kopfkissen hervor und packe meinen jahrelangen Peiniger an den Haaren. Ich merke noch, daß Steve ihm ein ganzes Büschel herausgerissen haben muß, als er ihn weggeschleudert hat. Blut fließt auf mein Bett, mit einem kurzen Ruck ziehe ich den Kopf hoch, schaue Pedro ins Gesicht, der sich immer noch rumkreischt, wie ein kleines Kind, das hingefallen ist. Mit beiden Händen hält er sich die Nase und hat keinen Blick für mich. Mir ist es egal. Ich setze ich das Messer und ziehe es langsam an der Kehle entlang. Blut spritzt, wie bei einer abgestochenen Sau. Ich kann nicht mehr schnell genug weg und Blut sprüht in mein Gesicht und auf mein Hemd. Ich muß aussehen, wie ein Schlachter.

    Mein erster Mord, nicht mein letzter, aber der einzige bei dem ich etwas empfand. Wenn man jahrelang mißbraucht wird, lernt man Gefühle auszublenden.

    [Szenenwechsel – Das Hier und Jetzt

    Seattle 2054, Sommer

    Immer noch stehe ich am Fenster und schaue in die Nacht, immer noch schweben Hubschrauber in der Luft, immer noch stechen die Leuchtreklamen in der Nacht hervor, immer noch liegt die Schnalle in meinem Bett. Einiges ändert sich, manches nie.

    Ich latsche in die Nische meiner Bude, die man Küche nennen könnte, trete beiläufig ein paar Packungen selbsterhitzendes Soyfood zur Seite und öffne die Tür meines Kühlschranks. Seitdem ich mal in einem meiner ständigen Wutausbrüche wissen wollte, ob das Licht in einem Kühlschrank auch an ist, wenn die Tür zu ist, kühlt er nicht mehr. Ich war aber zu faul ihn rauszuschmeißen, also stapel ich da immer noch mein Bier drin.

    Ich hole mir ein Bier und gehe ich gleich weiter in Richtung des kleinen abgetrennten Raums, wo ich eine Kloschlüssel habe. Im Gehen öffne ich die Dose und fange an zu saufen, als ich mich mit meinem Arsch auf die Schüssel pflanze. Und wieder werde ich in die Vergangenheit katapultiert.

    [Szenenwechsel – Gangzeiten]

    Seattle 2042-2050, Jahreszeit wechselnd

    Mit dem Geld, das wir Pedro abgenommen hatten, habe ich mir dann etwas später eine Knarre gekauft. Nicht, daß ich sie brauchen würde, sondern ich wollte einfach cool sein. Eine Knarre macht schon mal was her. In den Barrens ist es kein Problem an Waffen zu kommen, vielleicht nicht gerade einen Raketenwerfer, aber Pistolen sind hier noch leichter zu bekommen als das tägliche Fressen.

    Steve biß zwei Tage später ins Gras, als er die Uhr verhökern wollte, geriet wohl an einen rassistischen Hehler, der einem Hauerschwein kein Geld geben wollte oder was auch immer. Mal gewinnt man und mal verliert man, so ist das Leben. Ich habe ihm keine Träne nachgeweint, ehrlich gesagt, mich interessierte es auch nicht.

    Ein paar Tage später kam ein Typ zu uns, ich öffnete die Tür, sah, daß er ein Neuer war, kein bekannter Freier und zeigte ihm, wo die Tür zu meiner Mutter ist, aber er wollte zu mir. Nein nicht so wie Pedro. Er war ein Elf, so wie ich (und wieder verstehe ich nicht, warum ich ein Elf bin, aber sei's drum, mir ist es egal) und dann sah ich auch, daß die Klamotten der BulletStrikes trug. Steve mußte wohl erzählt haben, was ich mit Pedro gemacht habe und Nick (so hieß der Elf, der ein hochrangiges Mitglied der BulletStrikes gewesen ist) zeigte sich beeindruckt. Nicht, daß ich mit 13 gemordet habe, sondern wie kaltblütig. Steve hatte ganz dick aufgetragen, keine Ahnung wieso.

    Nick wollte, daß ich bei den BulletStrikes mitmache. Mir war es eigentlich ziemlich egal, aber so hatte ich die Möglichkeit ein wenig Kohle zu verdienen. Dann hätte meine Mutter nicht mehr so häufig die Beine breit machen müssen (naja okay, irgendwo war ich auch noch ein Kind im Kopf). Es war nicht großartig aufregend. Ich müßte Päckchen von A nach B bringen, dort ein Päckchen nehmen und es wieder nach A bringen. Kurierjobs halt, aber es brachte immerhin ein wenig Geld.

    Irgendwann hatten sich die BulletStrikes wohl zu weit aus dem Fenster gelehnt oder an die falsche Wand gepinkelt oder was weiß ich. Zumindest gab einen kleinen Krieg mit einer anderen Gang. Auf der Straße kannte man die Jungs und Mädels als Last Ninjas. Wirklich einfallsreich waren Gangs noch nie. Wie dem auch sei, tobte in der Zeit ein Krieg und kein Tag verging, an dem es keine Schießerei gab. Mich interessierte es nicht, ich hatte damit nichts zu tun und wollte es auch nicht, also blieb ich einfach ganz stumpf zu Hause.

    Nur ein paar von den BulletStrikes überlebten, der Rest endete mit einer oder mehreren Kugeln im Körper. Auch wenn die Ninjas hießen, mit Schwertern hatten die soviel am Hut, wie meine Mutter mit der Jungfräulichkeit. Einer von denen, die sich früh genug zurückgezogen hatten, war Nick. Irgendwann stand er mit einer Schußwunde vor unserer Tür. Er kroch bei uns unter und leckte seine Wunden.

    Seine Wunde schien nicht weiter schlimm zu sein, schon nach einigen Tagen fing er an, irgendwelche wilden Verschwörungstheorien aufzustellen und schmiedete noch wildere Rachepläne. Mir war das alles viel zu abgehoben, aber ich machte einfach gute Mine zum bösen Spiel, weil Nick mir zeigte, wie man mit Waffen umgeht. Ballern war natürlich eher mäßig in der Bude, aber den Rest lernte ich schnell.

    Geld verdienten wir auch ganz okay. Er spielte sich als Zuhälter meiner Mutter auf, sorgte dafür, daß die Freier sie nicht verprügelten und vor allem sie bezahlten. Dafür kassierte er ein wenig was von dem Geld. Ich fand es ganz in Ordnung und meine Mutter war schon zu fertig, um zu raffen, was abging. Ich fand es einfach nur noch ekelig, wie Kerle sich immer noch an ihr aufgeilen konnten, aber mir sollte es egal sein.

    Kurze Zeit später war Nick dann der Meinung, er könne sich wieder auf die Straße trauen, ein paar Wochen waren vergangen, er erkundigte sich nach dem Stand der Dinge. Es war wohl so, daß noch zwei ehemalige Chummers von ihm sich mittlerweile einer neuen Gang angeschlossen hatten. Nick brauchte Geld, die paar Nuyen, die meine Mutter verdiente, reichten für seinen Lebensstil nicht aus. Er folgte seinen Chummers und nahm mich gleich mit. Im Handumdrehen brachte ich also wieder Päckchen durch die Gegend.

    Ich glaub es war irgendwann im Winter '43, als mich zwei Punks auflauerten. Früher oder später mußte sowas ja mal passieren, hatte mich schon gewundert, wieso ich erst jetzt überfallen werden sollte. Sie stellten sich äußerst dumm an und da ich nun auch mit meiner Waffe schießen gelernt hatte, ging zumindest für mich alles glatt.

    [Szenenwechsel – Überfall]

    Locker lässig mit einer Kippe im Mundwinkel, die Hände in der Jackentasche latsche ich die Straße entlang. Musik aus einer billigen Kneipe dringt nach draußen, der Besitzer hat sich noch nicht einmal die Mühe gemacht irgendwas aufzustellen, um dem Laden einen Namen zu geben. Ich halt kurz an mt der linken Hand nehme ich die Kippe aus dem Mund, asche kurz ab, spucke nochmal auf den Boden.

    Schon seit einiger Zeit merke ich, daß mich zwei Gestalten verfolgen. Irgendwann mußte es ja passieren, mir ist es egal. Die kurze Pause vor dem Laden nutze ich, um einen Blick in die Richtung meiner Verfolger zu werfen. Sowas habe ich im Trid sehen, wenn sich die bösen Jungs, immer nach den Cops umsehen, von denen sie verfolgt werden. Ich fand's immer lustig, aber ich habe keine Ahnung, was man sonst machen soll.

    Ich stecke mir die Kippe wieder in den Mundwinkel und latsche weiter. Ich habe nicht wirklich eine Ahnung, was ich machen soll, aber irgendwas muß ich machen. Ich dreh förmlich durch, wenn diese Typen noch länger in meinem Rücken rumturnen und ich nicht sehen kann, was sie machen. Bei sowas bin ich schon als Kind ausgerastet und jetzt rage ich grad mindestens 2 Kilo bei mir. Wenn ich die nicht abliefer, sehe ich bald meinen Vater wieder.

    Ich spucke Rotz mitsamt der Kippe auf den Boden und verschwinde in die nächsten Seitengasse. Ich hole meine Waffe aus dem Hosenbund, entsichere sie und drücke mich ganz eng kurz hinter der Ecke an die Wand. Ich kann eigentlich nur hoffen, daß die beiden Vögel nicht wirklich alte Hasen in diesem Geschäft sind und vor allem nicht allzu stark bewaffnet.

    Schritte nähern sich. Ich versuche so leise wie möglich zu atmen. Mein Herz schlägt wie verrückt, als ob der Drummer der TrogBastards sein Solo aus A Night with a ***** auf ihm spielen würde. Heißer Atem tritt an die kalte Luft und ergibt einen Nebel. Die Schritt sind ganz nah.

    Ich mache einen Schritt um die Ecke. Ich kann seinen warmen Atem in meinem Gesicht spüren und er auch meinen. Kurz sind wir wie angestarrt, als ich als erster den Ernst der Lage begreife, meine Waffe kurz anhebe und zweimal den Abzug durchziehe. In kurzer Folge verlassen sich zwei Kugeln den Lauf meiner Pistole und bohren sich in die Brust des Typen. Als er zu Boden geht, sickert schon Blut aus seinem Mund.

    Sein Chummer hat wohl nicht damit gerechnet, daß ich eine Schußwaffe bei mir habe. Wie ein Hase vor der Schlange sucht er nach einem Ausweg, sein Blick weitet sich, als er keinen sieht. Adrenalin wird Hochdruck durch meinen Körper gepumpt. Ich lege neu an. Der Überlebende hat sich für einen Rückzug entschieden, doch ich lasse ihn nicht entkommen.

    Mit der rechten Hand umklammere ich das rechte Handgelenk und drücke zweimal ab. Die erste Kugel trifft den Flüchtenden in die Schulter und läßt ihn stolpern. Die zweite Kugel verfehlt ihr Ziel und bohrt sich wenig später in einen Mauervorspung. Keuchend versucht sich mein Opfer kriechend in Sicherheit zu bringen.

    Langsam, aufreizend und theatralisch folge ich ihm. Hätte ich ein Ersatzmagazin gehabt und hätte es eingesetzt. Keine Ahnung wieso, ich hätte es stylisch gefunden. Nach ein paar Schritten erreiche ich mein Opfer, es ist eine Frau, wie ich jetzt erst sehe. Keuchend zieht sich die Schnalle über den kalten Boden. Schaum steht vor ihrem Mund. Ich hebe meinen rechten Fuß und ramme ihn mit voller Wucht in das Genick der Schlampe. Irgendwas knackt hörbar.

    Ich durchsuche beide Leichen, finde aber nur ein Mobiltelekom, das einigermaßen wertvoll ist. Es wandert in meine linke Jackentasche und dann mache ich wieder auf den Weg das Paket abzuliefern.

    [Szenenwechsel –Waise]

    Seattle 2036, Winter

    Ich komme gerade von einer langen Nacht nach Hause. Es ist schon wieder hell und wirklich nüchtern bin ich auch nicht mehr. Ich steige die fünf Stufen der Treppe zum Hauseingang hervor, gebe der Eingangstür einen leichten Kick mit der vorderen Sohle meiner Stiefel. Ich kann mich nicht erinnern, wann hier mal die Tür abgeschlossen gewesen ist, was aber auch daran liegen könnte, daß man sie gar nicht abschließen kann und auch nie konnte.

    Altes Laminatimitat knirscht unter den nassen Sohlen meiner Stiefel. Sprunghaft nehme ich die ersten Stufen der Treppe, was ein lautes Knirschen nach sich zieht. Ob das mal anders gewesen ist, kann ich nicht sagen, glaube ich aber eher nicht. Nachdem ich im ersten Stock angekommen bin, nehme ich immer zwei Stufen, bis ich dann endlich im vierten Stock bin und den Flur langlatsche.

    War wohl doch ein wenig mehr, als ich gedacht habe, denn ich torkel ein wenig über den Gang und suche meinen beschissenen Wohnungsschlüssel. Wir leben in der Zukunft? Ja genau. Das Schloß zu der Wohnung, wo ich immer noch bei meiner Mutter lebe, ist ein ganz altes, wo man den Schlüssel reinstecken muß und umdrehen, um es aufzuschließen oder abzuschließen.

    Ich brauch drei Versuche, bis ich endlich den verkackten Schlüssel im Schloß habe. Als ob sich das Abschließen wirklich lohnen würde, wer hier in eine Wohnung will, der geht da einfach rein. Die Nachbarn interessiert das doch eh nicht, Hauptsache es ist nicht ihre Wohnung. So ist das hier nunmal, jeder lebt für sich und mir ist das auch ganz recht.

    Meine Panzerjacke steife ich noch im Flur ab und lasse sie achtlos auf den Boden fallen. In meinem Zimmer ziehe ich den Manhunter aus meinem Hosenbund, werfe ich ihn auf einen Klamottenhaufen links neben meinem Bett und lasse mich hineinfallen. Schnell streife ich noch meine Stiefel ab, ziehe die Hose aus und penne dann ein.

    Als ich dann am nächsten Tag erwache, ziehe ich mich wieder an und werfe noch kurz ein Blick in das Zimmer meiner Mutter, wie ich es jeden Tag mache. Heute ist der Tag, den ich irgendwie schon seit längerer Zeit erwartet habe. Meine Mutter liegt in ihrem Bett, halb nackt und die Spritze noch im Arm. Weit aufgerissene Augen starren schräg nach oben.

    Ich kann nicht gerade sagen, daß ich vor Trauer eingehen würde, aber völlig kalt läßt mich das auch nicht, schließlich ist es meine Mutter oder zumindest das war sie mal. Nur schnell wird mir klar, was soll ich mit der Leiche machen? Ich kann sie hier schlecht liegen lassen und in irgendeine Gosse werfen, das bring ich noch nicht mal. Irgendwie sträubt sich da was in mir, keine Ahnung was, vielleicht sowas wie Liebe?

    Ich habe vor kurzem gehört, daß diese UB-Stiftungen auch die Entsorgung von Leichen übernehmen, wenn diese eines natürlichen Todes gestorben sind. Naja gut, eine Überdosis ist wohl ein natürlicher Tod, sie wurde ja nicht aufgeschlitzt oder sonstwas.

    Ein Anruf genügt und ich habe ein Auto zur Verfügung. Habe mir irgendwas einfallen lassen, von wegen hätte ne Schnalle kennengelernt, die es gerne im Auto treibt. Keine Ahnung warum, aber irgendwie glaubt mir jeder, jeden Scheiß. Mir ist es egal, ich lade meine Mutter in den Wagen. Vorher habe ich ihr noch einen alten Mantel angezogen, damit ich sie nicht halbnackt abgeben muß.

    Die Typen von UB sind sehr freundlich, mir zu freundlich, weil mir sowas auf den Sack geht. Hier sind die Barrens, wer hier freundlich ist, ist ein Weichei, ein Schwächling, ein Feigling. Ich habe gesagt, es wäre meine Nachbarin, sonst hätten die mich bestimmt noch stundenlange vollgequatscht, wie leid ihnen das doch tut und diesen ganzen Müll.

    [Szenenwechsel – Das Hier und Jetzt]

    Das Bild eines schleimigen, in einen dunklen Pullover gekleideten Menschen verschwindet und wird von einer vergilbten Decke abgelöst. Ich greife neben meine Matratze, muß ich ein wenig grabschen, bis ich endlich meine Kippen gefunden habe, steck mir eine an und stelle mich ans Fenster.

    Von draußen regnet es in meine Wohnung. Auf dem Boden am Fenster hat sich schon eine Pfütze angesammelt und die billige Laminatimitation wirft dort schon Wellen. Ich werde hier eh nicht für ewig wohnen, von daher kann mir das auch völlig egal sein.

    Mein Armbandtelekom klingelt, Caine ruft mich an. Caine kenne ich noch von früher, wir haben immer gut verstanden, sind aber nie wirkliche Freunde geworden. Haben wir beide keinen Wert drauf gelegt, aber Kontakt haben wir immer gehalten. Wir gehen ab und zu mal einen saufen, reißen zusammen Schnallen auf und was weiß ich. Soweit ich weiß, arbeitet er mittlerweile freischaffend, aber vielleicht hat sich das auch geändert.

    Ich habe aber im Moment keinen Bock mit ihm zu labern, also laß ich es weiterklingeln. Soll er mir eine Nachricht hinterlassen, dann rufe ich ihn heute nachmittag mal an oder so. Irgendwann nach ein paar weiteren Sekunden verstummt mein Kom. Caine hatte noch nie viel Geduld, wie ich auch.

    [Szenenwechsel – Karriereleiter]

    Seattle 2042-2050, Jahreszeit wechselnd

    Ab da ging meine Karriere dann los. In alten Western werden solche Leute, Revolverhelden genannt, keine Ahnung, wie man sowas heute nennen würde, vielleicht Gunman. Ich schoß mich bis '50 in vielleicht vier oder fünf Gangs bis fast nach oben. Kurier war ich schon lange nicht mehr, mehr so eine Art Leibwächter für die Bosse oder ich trieb Schutzgeld ein. Die Nuyen reichten zum Überleben und für ein bißchen Schnickschnack.

    Jede Gang, in der ich war, machte es nicht wirklich lange. An mir hat es sicherlich nicht gelegen, ich hab irgendwann aufgehört zu zählen, wieviele Leute ich für Gangsbosse verprügelt oder erschossen habe, es war mir egal. Mit jedem Mord wurde ich berühmter, man nannte meinen Namen, den Nick mir verpaßt hatte mit Respekt. Jeder wußte, wenn er mir dumm kommen würde, würde ich nicht zögern, ihn umzulegen. Respekt auf der Basis von Angst, gibt es was Schöneres?

    Aber Gangs haben es nunmal so an sich, daß sie irgendwann an ihre Grenzen kommen und jeder will immer mehr. Man hat seine paar Blocks, in denen macht man alles, womit man Geld verdienen kann, irgendwann wird man zu selbstsicher, geht in den nächsten Block und ZACK hat man einen Gangkrieg an den Hacken. Soweit es ging, habe ich mich da meistens rausgehalten, ich habe nie sowas wie eine Loyalität gegenüber irgendjemanden empfunden. Mir war es egal, wer gewinnt, ich konnte meine Fähigkeiten eh an die nächste Gang verkaufen.

    Anfang '50 hat es Nick dann erwischt. War grad bei irgendeiner Schnalle, als irgendwelche Typen das Zimmer, das Mobiliar, die Olle und ihn mit automatischen Waffen durchsiebten. Es sollte nur der Auftakt zu dem nächsten blutigen Gangkrieg sein, den die Gang, die Jokers, bei denen ich damals war, verlor. Wie gesagt, mir war es egal, auch um Nick tat es mir nicht leid. Er hat mir eine Menge beigebracht, aber ich hatte keine emotionale Bindung zu ihm. Sowas hatte ich irgendwie noch nie, auch die Weibern, die ich hatte, waren nur ein Stück Fleisch, das ich benutzte um mein Schwanzstück wegzustecken. Fertig aus.

    Ich hörte mich also ein wenig um, welche Gang noch einen "Revolverhelden" (Scheiße ich mag dieses Wort) brauchen würde, als ich von einem Typen hörte, der immer auf der Suche nach guten Talenten ist. In irgendeiner der unzähligen Hinterhofsbars trieb er sich rum und nannte Mr. Magoo. Was hatte ich schon zu verlieren, also suchte ich diesen Typen auf.

    Es war nicht schwer ihn zu finden, einen untersetzten, ständig schwitzenden, unglaublichen fetten Asiaten. Neben sich saßen zwei kleine Asiatinnen, von denen die eine, sich gerade mit dem Mund an seinem Schwanz zu schaffen machte. Ohne was zu sagen oder zu fragen, schwang ich mich auf die synthlederbezogene Bank gegenüber von ihm. Er verzog das Gesicht und schob die Asiatin zur Seite, hörte aber nicht auf, ihre kleinen Titten zu massieren.

    Er fand mein Verhalten wohl lässig und er kannte auch meinen Namen. Wir kamen schnell ins Geschäft und ab nun arbeitete ich für die Yaks. Daß ich ein Elf bin, hat wohl niemanden gestört, zumindest merkte ich es nicht. Selbst wenn sich jemand aufgeregt hätte, wär's mir egal gewesen, schließlich bin ich Tango, der beste Revolverheld hier in den Barrens. Auch änderte sich sonst nicht viel für mich. Ich hab Schutzgeld eingetrieben, bei größeren Drogendeals aufgepaßt, erst als ich den ersten wirklich Hit-Auftrag bekommen habe, ging es richtig los.

    [Szenenwechsel – Das Hier und Jetzt]

    Ich drücke die Spülung und verlasse mein Scheißhaus. Die Schnalle gibt irgendwelche undefinierbaren Laute von sich und dreht sich. Die hat echt die Ruhe weg, aber solche muß es auch geben. Ich hoffe morgen früh läuft das auch alles reibungslos, irgendwie habe ich kein Bock auf Streß. Die Dose fliegt scheppernd ins Bad zurück, doch das war ein Fehler.

    Kurz danach meldet sich die Tussi zu Wort.

    "Kannst du nicht schlafen?"

    Geht dich das irgendwas an, schießt mir sofort durch den Kopf, aber aus meinem Mund kommen andere Worte.

    "Das scheiß Wetter…"

    "Komm doch zu mir und leg deinen Arm um mich."

    Wat wat wat?

    "Hör mal Kleine. Ich wollte dich ficken, ich hab dich gefickt. Ich weiß nicht mal mehr deinen Namen und ich will ihn auch nicht wissen, also Fresse halten. Schlaf weiter, morgen früh verpißt du dich und gut ist."

    "Du blöder Wichser…," kommt schon mit einer leicht weinerlichen Stimme.

    Schnell zieht sie sich ihre Klamotten an und sprintet weinend und fluchend aus meiner Bude. Mit verschränkten Armen vor der Brust habe ich mir das ganze Schauspiel angeschaut und zucke mit den Schultern. Die Tür fliegt zu und das Bild verschwimmt und wird zu einer anderen Tür.
     
  2. Niedertracht

    Niedertracht Lebensretter

    AW: Tango - ein Shadowrun-Charakter

    [Szenenwechsel – Hit]

    Seattle 2051, irgendwann im Januar, nachmittags

    Ich bin jetzt ein halbes Jahr oder so bei den Yaks. Vor ein paar Stunden hatte Mr. Magoo mich angelabert, er hätte was Großes für mich und ich solle mich nachmittags bei ihm melden. Also stehe ich jetzt vor der Tür, zu seinem Büro, zumindest nennt er es so. Ich höre lautes Gestöhne aus dem Raum. Ist nicht das erste Mal, daß ich anscheinend zu früh bin oder Mr. Magoo einfach nicht fertig wird. Mit der Kippe im Mundwinkel lehne ich mich an die Wand und warte, daß er endlich fertig wird.

    Es dauert wohl noch so fünf Minuten, dann endet abrupt das Gestöhne in einem lauten Schrei. Wenihe Minuten später geht die Tür und eine kleine Asiatin kommt aus dem Raum gestöckelt. Die Klamotten hat sie nicht angezogen, sondern drückt sie gegen ihren nackten, verschiwtzten Körper. Im Augenwinkel fällt mir noch auf, daß sie auch noch ein Kind sein könnte.

    Ich spucke auf den Boden, verpasse der zufallenden Tür einen leichetn Schlag mit meiner linken Hand und latsche in den Raum. Mr. Magoo ist noch eifrig dabei sich anzuziehen und grinst mich dabei dreckig an. Anscheinend denkt er, er hätte grad eine Wundertat vollübt oder der Weltbevölkerung den Weltfrieden gebracht oder was auch immer.

    Ohne irgendeine Regung zu zeigen, schwinge meinen Arsch auf den zerschlissenen Sessel vor dem Tisch, der wohl vor wenigen Augenblicken noch als Spielwiese für die abartigen Fantasien Magoos gedient hat. Ich rutsche ein wenig zurück, lege beide Füße auf den Tisch und stecke mir die nächste Zigarette an. Hoffentlich fängt der Wichser bald mal an und erzählt mir, warum er mich hat kommen lassen. Ich kann den Penner nämlich nicht sonderlich gut leiden.

    Zum Glück merkt er wohl, daß ich nicht sonderlich gute Laune habe und mir was Besseres vorstellen kann, als ihm hier beim Anziehen zuzuschauen. Er fängt also an zu quatschen, als er fast vergebens versucht seine Hose zuzumachen. Die Hose über seinen Arsch zu bekommen, war schon ein Akt, der ihn wohl mehr Energie gekostet hat, als der Fick von gerade. Also schnaufend fängt er dann mir von einer Drogenküche zu berichten. Eigentlich kann er jetzt auch aufhören, ich kann mir schon denken, worum es geht.

    Irgendwo hier in den Barrens gibt es eine Drogenküche, wo genau wird er mir eh noch drillionenmal sagen, deswegen passe ich jetzt nicht auf. Irgendwelche Leute kochen da also und die Yaks sehen das nicht so gerne. Eine gütliche Einigung ist gescheitert (kann man auch verstehen, wenn die darin besteht, daß die Köche alles den Yaks übergeben und sich verpissen) und jetzt schickt man halt ein paar Jungs, die aufräumen. Wir sollen keine Rücksicht nehmen, wenigstens etwas Gutes an diesem beschissenen Tag. Heute abend soll es losgehen.

    Wir? Ja genau wir, ich soll mit zwei anderen Typen den Job übernehmen, naja mir ist es egal. Mr. Magoo sagt mir die Namen, ich kenne sie nicht und vergesse sie auch sofort wieder. Leute, die ich nicht kenne, wenn man mir ihren Namen sagt, sind Amateure und landen eh früher oder später in irgendeiner Gasse, werden durch neue Amateure ersetzt und so weiter. Warum sollte ich mir den Namen merken, wenn er nächste Woche eh anders lautet? Bin schließlich kein scheiß Telekombuch.

    Seattle 2051, irgendwann im Januar, abends

    Ich sitze also in diesem alten Van. Als wir abgeholt wurden, habe ich mich sofort auf den Beifahrersitz geschwungen und die anderen beiden, einen grobschlächtigen Trog und einen kleinen untersetzten Menschen hinten einsteigen lassen. Irgendwie scheinen sie sich zu kennen, kann mir nur recht sein, dann quatschen sie sich gegenseitig voll und lassen mich in Ruhe.

    Es folgt eine kurze Fahrt, auf der ich zwei oder drei Zigaretten rauche, keine Ahnung. Mehr in Gedanken, hole ich meine Pistole aus meinem Hosenbund, lade sie durch, sichere sie und stecke sie wieder an ihren Platz. Meine automatischen Waffen habe ich zu Hause gelassen, schließlich sollen wir da ein paar Köche hochnehmen und keine Schläger. Von dieser Idee haben die anderen nicht viel gehalten, der Trog hat eine Schrotflinte dabei und der Mensch fummelt an einer Maschinenpistole herum. Naja wollen mal sehen, ob die beiden Affen damit auch umgehen können.

    Der Van hält an der Straße, der Fahrer, ein asiatischer Mensch zeigt uns noch kurz, daß wir in eine Gasse gehen müssen und dort zu dem Eingang kommen. Ich glaube, ich höre das jetzt zum 100. Mal. Glauben die eigentlich, wir sind Vollidioten. Ein Blick verrät mir, daß die Vermutung gar nicht so abwegig ist. Ich öffne die Tür, springe heraus und öffne den beiden Clowns die Tür. Ohne was zu sagen, nehme ich meine Waffe in die Hand und trabe über die Straße. Die beiden folgen mir.

    Ich gebe dem Trog zu verstehen, daß er vorgehen soll und er kommt meiner Aufforderung auch nach. Der Mensch folgt ihm auf Schritt und ich schließe mich den beiden Schlägern an. Vor der kleinen Stahltür halten wir noch einmal an, irgendwas rennt durch die Gasse. Es ist eine Ratte, die von der Größe aber eher ein Köter sein könnte. Hier gibt's ja auch genug zu fressen. Unter dem Müll, der hier vor sich hinmodert, liegt eine Leiche, Geschlecht keine Ahnung, da sie schon stark angeknabbert ist.

    Der Trog und der Mensch holen etwas aus ihren Jackentaschen, halten es sich vor den Mund und ziehen Luft oder besser gesagt den Inhalt tief ein. Kampfdrogen, irgendwas was sie schnell machen soll, tippe ich. Ich habe zu Hause auch noch allerlei rumliegen, aber wir sollen immernoch ein paar Köche abziehen und keine Schlägergang.

    Das Weiße in den Augen des Trogs nimmt kurz Überhand, danach sind seine Augen etwas glasig, er holt weiter tief Luft und die Augen sehen wieder normal aus. Er grinst mich dreckig an. Ich grinse scheif, weil mir ein echtes Grinsen einfach nicht gelingen will.

    Der Trog reißt die Tür auf und wir stürmen schnell herein. Troggy ballert schon los und der Mensch läßt den Abzug seiner Maschinenpistole nicht los. Ich sehe zwei Typen, beides Menschen, sie werden von den Kugeln regelrecht zerfetzt. Nicht von der MP, der Mensch kann den Rückstoß nicht mehr abfangen, aber die Drogen lassen ihn das nicht raffen. Der Lauf richtet sich schon zur Wand, als das Magazin leer ist. Der Trog ballert gnadenlos, bis seine Schrotflinte ebenfalls leer ist.

    Monitore geben ihren Geist in einem Feuerwerk auf, Gläser und keine kleine Ampullen sind zersplittert, Flüssigkeiten vermischen sich und tropfen von den Tischen, wo sie dann nochmals mit den Blutlachen vermischen. Die gegenüberliegenden Wände sind in Blut gebadet, grobe Knochensplitter haben sich sogar in die dünne Wand gebohrt, wo ihr weiß einen netten Kontrast zum rot des Bluts bildet. Es sieht aus, wie ein Schlachtfeld und es ist auch eins.

    Ich habe bis jetzt keinen Schuß abgegeben, aber was soll's. Ich höre ein Geräusch schräg hinter mir. Eine Tür geht auf und jemand kommt herausgestürmt. Es geht schnell. Ich lasse mich fallen und liege hinter einem kleinen Metallschrank. Der Trog wohl noch nicht völlig weg von den Drogen, hört auf nachzuladen und will auf den Neuankömmling anlegen. Der Mensch will gerade seine Maschinenpistole durchladen, als ihn etwas am rechten Arm erwischt. Jetzt rächt es sich, daß der Penner nur eine Weste angezogen hat. Der Arm wird fast von seinem Rumpf gerissen und die Wand hinter ihm wurde so eben neugestrichen. Das lieblose Grün wurde rot gefärbt.

    Schreiend und sich die Wunde haltend geht der Mensch zu Boden und ich warte darauf, daß der Trog endlich losfeuert, doch er macht einen großen Fehler und schaut seinem sinkenden Kollegen nach. Dies nutzt unser Gegner, den Trog aufs Korn zu nehmen. Er scheint ein verdammt guter Schütze zu sein, seine Schrotladung zerfetzt das Gesicht des Trogs und läßt ihn wie einen nassen Sack zu Boden gehen. Gehirnmasse, kleine Knochenstücke kleben jetzt auch an der Wand.

    Sofort richte ich mich hinter meiner Deckung auf und feuer zwei Schüsse ab. Scheiße der Junge ist echt gut, nur im Augenwinkel muß er gesehen haben, wie ich hochgeschossen kam und das hat gereicht. Er dreht sich zur Seite weg. Die erste Kugel streift noch seinen Arm, aber die zweite geht an meinem Ziel vorbei. Ich ducke mich wieder, als erneut ein lauter Schuß aus der Pumpgun ertönt. Der Metallschrank ist nicht sehr groß und wohl auch nicht sehr schwer. Er bebt unter dem Treffer und wird in meine Richtung befördert und kracht gegen meine Schulter.

    Ich kann mich noch mit Mühe und Not auf den Beinen oder auf dem Fuß und dem Knie halten. Ein Kurzer Blick zu dem Menschen verrät mir, daß er am verbluten ist. Ich richte mich wieder auf, gebe ungezielt zwei Schüsse ab und wechsel meine Stellung. Ich springe hinter den massigen Körper des Trogs und sammel im Laufen noch die MP des Menschen auf. Leider klappt nicht alles, wie ich es gewünscht habe und beim Aufsammeln rutsche ich auf den sich vermischenden Blutlachen aus und stolper vorwärts, komme ins Straucheln und knalle mit meinen Eiern genau auf das Schulterpolster des Trogs.

    Adrenalin wird in meinen Körper gepumpt. Doch jetzt schaltet mein Körper endlich auf Betriebstemperatur und dem Adrenalin wird ein Beschleuniger beigemischt, Wut. Die Schmerzen in meinen Schritt lassen mich fast explodieren und ich brauche einen kurzen Augenblick, um mich wieder zu fassen. Diese Zeit hat unser Freund genutzt, um jetzt mich aufs Korn zu nehmen. Der Körper des Trogs zuckt, als ihn die Ladung Schrot erwischt.

    Ich entsichere die MP, nehme sie in meine linke Schußhand, die Pistole in die rechte Hand. Ich drehe mich, so daß ich auf dem Bauch liege und versuche mir unter knirschenden Zähnen einen Überblick zu verschaffen. Mein Gegner ist jetzt auch in Deckung gegangen, hinter einem Tisch, vor dem ein kleiner Metallschrank steht und zwei zerschossene Monitore. Mit meiner schwächeren rechten Hand gebe ich zwei Schüsse aus meiner Pistole ab. Scheiße der Rückstoß läßt mich fast die Waffe loslassen. Die Knöchel meiner Hand werden schon weiß.

    Ich benutze den Trog als Sprungbrett und spinge auf den Tisch, der vor mir steht. In diesem Moment kommt mein Freund aus seiner Deckung vor und feuert in meine Richtung. Kleine Schrotteile zupfen an meiner Panzerjacke, bringen mich jedoch nicht aus der Fassung und ich nutze seine kurze Verwirrung mich erhoben auf dem Tisch zu sehen, ihn umzupusten. Mit beiden Waffen feuer ich ohne Gnade auf meinen Gegner, bis von beiden nur noch ein Klicken zu hören ist.

    Die MP ist mittlerweile zur Decke gerichtet und zwei oder drei Schüsse sind dort auch schon eingeschlagen. Durch meine beiden Handgelenke wird Blut gepumpt und ich habe Schmerzen. Langsam gehe ich auf die Leiche des Gegners zu, lasse die MP fallen und lade meine Pistole nach. Er wurde von mindestens sechs Schüssen getroffen, einer sogar in den Kopf. Verdammte Scheiße, bin ich gut. Leicht grinsend beuge ich mich herab und fange an, die Leichen zu durchsuchen und alles was von Wert ist mitzunehmen.

    Der Mensch ist inzwischen auch krepiert. Ich nehme das letzte Ersatzmagazin an mich und lade die MP, die ich mir umgehangen habe nach. Bei Troggy finde ich noch zwei kleine Ampullen, die ich mir einstecke, sowie 50 Nuyen in bar. Alles wandert in meine Taschen, bevor ich mich vom Acker mache.

    Seattle 2051, irgendwann Januar, nachts

    Wieder sitze ich in dem versifften Van. Wieder sitzt neben mir der Asiate und steuert den Wagen. Wieder dauert die Fahrt ein paar Kippenlängen. Langsam komme ich wieder runter und mein Körper hört auf Adrenalin kübelweise auszuschütten. Mein Atem beruhigt sich langsam wieder und das Zittern in meinen Händen läßt nach. Immer noch fasse ich ab und zu an meine Handgelenke und reibe sie ein wenig.

    Der Asiate hatte keine großen Emotionen gezeigt, als ich ihm sagte, der Rest wäre tot. Naja eigentlich hat es ihn gar nicht interessiert, er bedeutet mir nur mit einem Nicken einzusteigen. Regen klatscht gegen die Windschutzscheibe und selbst ich habe Probleme etwas auf der dunklen Straße zu erkennen. Doch mein Fahrer scheint da nicht wirklich Probleme zu haben, zielsicher steuert er den Wagen, bis wir beim "Dragon and Tiger" angekommen sind, eine der unzähligen Hinterhofbars, aber in dieser hat Mr. Magoo sein Büro.

    Ich springe wieder aus dem Van, lasse die MP aber zurück. Bevor ich die Tür zumache, gebe ich meinem Fahrer zu verstehen, daß ich sie aber gerne wiederhaben möchte, ansonsten werde ich mir eine aus seinen Knochen schnitzen. Wieder völlig seelenruhig nickt er kurz und fährt weg.

    Rauch flüchtet aus der Bar, als ich die Tür öffne und vermischt sich mit dem Regen. Die Tür lasse ich hinter mir wieder zufallen und schaue mich kurz um. Magoo sitzt vor der Bühne, etwas zu fressen in der einen Hand und in der anderen etwas zu saufen. Auf der Bühne versucht sich gerade ein vielleicht zwölfjähriges Mädchen ihre nichtvorhandenen Reize darzustellen.

    Ich latsche zielstrebig auf ihn zu, schnappe mir im Gehen einen Stuhl, stelle diesen neben den Sessel von Magoo und pflanze mich. Ohne darauf zu achten, ob er mir zuhört, fange ich an zu erzählen, naja im Prinzip sage ich ihm in einem Satz, daß wir die Köche und einen Schläger hochgenommen haben, die anderen beiden Sprallos aber tot sind. Er nickt nur kurz und meint noch, er würde mich gerne morgen sprechen. Ich zucke mit den Schultern und verschwinde nach Hause.

    [Szenenwechsel – Das Jetzt und Hier]

    Ich schmeiße mich auf meine Matratze und starre an die Decke. Seid wann hab ich eigentlich diese Depressionen? Eigentlich hatte ich doch schon vor Ewigkeiten mit meiner Vergangenheit abgeschlossen, da gibt es auch nicht wirklich was, an was ich mich gerne erinnere. Wenn man jahrelang mißbraucht und teilweise auch mißhandelt wird, die Mutter nebenan als Nutte arbeitet, dann will sich daran nicht gerne erinnern.

    Ich gehöre zu den aufsteigenden Hitmen der Redmonder Yakuza. Wie paßt es zu einem Killer, daß er in alten Erinnerungen schwelgt. Früher hat mich der ganze Scheiß nicht interessiert, ich hab mein Leben gelebt, so wie ich es wollte. Ich hatte Geld, Frauen, ein geiles Bike, gute Verbindungen, um an so ziemlich alles zu kommen, was ich will. Damnit, das habe ich alles noch, aber jetzt kommen diese Erinnerungen wieder hoch, warum?

    Hätte ich die Tussi doch nur die ganze Nacht rangenommen, dann wäre ich eingepennt und würde mir jetzt nicht den Kopf über Sachen zerbrechen, die ich eh nicht mehr ändern kann. Als ich ans Ficken denke, schweife ich wieder ab und ich gebe mir geistig noch eine schallende Backpfeife.

    [Szenenwechsel – Aufstieg bei den Yaks]

    Seattle 2051, irgendwann Januar, nachmittags

    Ich stehe wieder der Tür zu Mr. Magoos Büro, diesmal fickt er wohl grad niemanden, also latsche ich einfach rein. Er ist bei seiner Lieblingsbeschäftigung, nein nicht Vögeln, sondern Fressen. Auf dem Tisch vor ihm stehen mehrere große Tüten. Gierig langt er immer wieder in die Tüten. Flüssiges Fett läuft an seinem Mund herunter, findet seinen Weg über das Doppelkinn auf sein Hemd.

    Ich schwinge meinen Arsch in den Sessel und schaue ihm interessiert beim Fressen zu. Ich habe mal irgendwann im dichten Zustand so eine Dokumentation über Schweine gesehen, die fressen sogar noch appetitlicher als Magoo. Mit einem Nicken bietet er mir auch etwas an, ich lehne ab. Nicht weil er mich anwidert, sondern weil ich vorhin noch in einer der Giftbuden hier war. Giftbuden, so nenn ich ich die Schnellimbißläden hier in der Gegend, ich finde es passend.

    Zwei Zigaretten meinerseits später, ist Magoo vorerst fertig mit dem Fressen. Er putzt sich sein Gesicht ab, er schwitzt wie sonstwas, Schweiß und Fett tropft immer noch auf sein Hemd, der Kragen ist schon schweißgetränkt und nicht mehr gelb, sondern dunkel. Die feuchte Stelle unter seinen Achseln ist so groß, daß sie sich schon fast in der Mitte seines Bauchs treffen.

    Er fängt mich für gestern zu loben. Sowas hört man doch immer gerne, von mir aus, kann er gerne weitermachen, hätte ich nichts dagegen. Schnell hat er diese Phase übersprungen und fängt an mich damit vollzuquatschen, daß dies ein Auftrag von oben gewesen ist. Achne, denke ich mir, meinst du, ich glaube, du bist eine große Nummer? Ich lasse ihn weiterquatschen, höre aber nur noch hlabherzig bis gar nicht zu, bis das Wort Cyberware fällt.

    Ich schaue in seine Richtung, mit schwabbelnden Wangen grinst er mich blöde an. Ich runzel ein wenig die Stirn und zeige meine Verwirrung. Er faltet seine Hände und fängt noch einmal an. Diesmal höre ich zu. Anscheinend war der Auftrag wohl doch nicht so ganz unwichtig, sondern sowas wie eine Prüfung und ich habe sie bestanden. Daß man uns ins offene Messer hat laufen lassen, interessiert mich nicht wirklich. Ich habe bestanden, was heißt, man wird etwas Mühe in mich investieren, was konkret heißt, ich werde Cyberware bekommen und irgendwelchen anderen Quatsch.

    Seattle, seitdem

    Heute gehöre ich zu den besten Hitmen der Yakuza in Seattle. Ich wurde in der Handhabung automatischer Waffen und ähnlichen Zeux ausgebildet. Hinzu kommt ein umfangreiches Arsenal an kampfoptimierender Cyberware und meine natürliche Begabung zu überleben…
     
Moderatoren: RockyRaccoon
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