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[Sword & Sorcery] Sorrel, 1st Draft.

Dieses Thema im Forum "Schreibstube" wurde erstellt von Silvermane, 7. September 2005.

Moderatoren: RockyRaccoon
  1. Silvermane

    Silvermane Wahnsinniger

    Out Of Character:
    Eine kleine Kurzgeschichte, inspiriert von R.E. Howard, Ron Edwards, Lamia, Varsuvius vom Order of the Stick und einer Flasche Wick MediNait. Das Geschlecht der Hauptfigur ist bewußt nicht eindeutig festgelegt. Und nein, ich weiß nicht wie es ausgegangen ist. ;)

    P.S.: Ich sauge was Namen angeht, das habe ich während des Schreibens mal wieder nachhaltig gemerkt.



    ************************


    Sorrel


    „Und dann brach die schwere Reiterei durch ihre ungeschützten Flanken und veranstaltete ein wahres Blutbad in den Reihen der Scyther. Zwölftausend Männer fanden an diesem Tage den Tod, und ihr Blut färbte die Ebenen von Corynthis rot.“

    Mit einem tiefen Zug leerte der General den Pokal voll kostbaren Lotusweines, ein Geschenk der Fürsten von Corynthis an ihren Feldherren.

    „Eine meisterhafte Leistung, Mylord. Sagt mir, habt ihr eure Truppen von den hinteren Bereichen des Schlachtfeldes aus mit Signalen geleitet, oder habt ihr Meldereiter eingesetzt, wie es General Briyar in seinem Buch von der Kriegskunst rät?“

    „Im hinteren Bereich verstecken sich nur Feiglinge, die den Tod fürchten. Ich hingegen leitete meine Krieger durch Vorbild und stürmte voraus ins dickste Schlachtgetümmel. Nicht weniger als 40 Männer fanden durch meine Hand den Tod an diesem Tag.“

    Ich konnte ein gefährliches Funkeln in den Augen des Generals erkennen.

    „Fürchtest du den Tod, Sorrel?“

    „N-nein, Mylord…“

    „Das ist gut. Sehr gut.“


    Er erhob sich von seinem seidenen Lager und füllte seinen Pokal erneut. Der schwere süßliche Duft des lotusversetzen Weines erfüllte den Raum.

    „Hier, trink.“ Er hielt mir den Pokal hin.

    „Mylord, ich kann das nicht annehmen…“

    „Unsinn. Wo liegt der Wert eines Geschenkes, wenn man es nicht mit Freunden teilen kann?“

    Ich schluckte. Eine einzige Flasche dieser Essenz kostete mehr, als ein Offizier der Armee in einem Jahr verdiente. Dann nahm ich den Kelch in beide Hände. Der schwere Duft des Weines schien meine Sinne zu betäuben. Ich setzte den Kelch an meine Lippen und trank.

    „Nicht zu gierig, mein Kind. Dies ist ein starker Trunk, der in Maßen genossen werden will.“

    Eine wohlige Wärme machte sich in mir breit.

    „Ihr scheint nicht viel von Briyars Buch über die Kriegsführung zu halten, nicht wahr Mylord?“

    „Briyar war ein Narr. Nur sein unglaubliches Glück und die Unfähigkeit seiner Feinde haben ihm am Ende den Sieg beschert.“

    „Ihr redet fast, als ob ihr ihn kanntet…“

    „Sorrel, Briyar ist seit über 200 Jahren Tot und zerfallen. Woher sollte ich ihn wohl kennen?“

    Ich lächelte gequält. In der Akademie war Briyars Buch Zwangslektüre. Alle zukünftigen Offiziere mussten es gelesen haben, und die darin enthaltenen Taktiken wurden seit über drei Generationen erfolgreich verwendet. General Thyrion allerdings war kein corynthischer Offizier.

    Er war als Söldner an den Hof König Roans gekommen und hatte ihm seine Dienste als Feldherr angeboten. Zuerst waren wir alle skeptisch, aber seine militärischen Erfolge waren unbestreitbar. Schon bald hatte er sich das Vertrauen des Hofes und das Oberkommando über die Armee verdient.

    „Sagt mir, General Thyrion, wo habt ihr das Kriegshandwerk studiert?“

    „Willst du das wirklich wissen, Sorrel?“

    „Ja, Mylord. Ihr seid mein großes Vorbild. Vielleicht kann ich ein besserer Offizier werden, wenn ihr mich lehrt wie.“

    Er ging hinüber zu jener Ecke des Zeltes, in dem seine Rüstung und seine Waffen wie achtlos dahingeworfen lagen. Seine Hände hoben das gewaltige Zweihandschwert vom Boden auf und liebkosten es zärtlich.
    Ich konnte spüren, wie die Lotusessenz des Weines langsam meine Sinne vernebelte. Der Boden schien zu schwanken und meine Knie wurden weich. Ich stützte mich mühsam ab und ließ mich auf ein Kissen sinken.

    „Meine Lehrmeister waren grausam, und die Lektionen musste ich allesamt mit Blut bezahlen, Sorrel. Ich bin mir nicht sicher, ob du bereit wärst den gleichen Preis zu bezahlen.“

    Er rammte sein Schwert senkrecht in den Boden. Dann entledigte er sich seiner Tunika und ich konnte einen Blick auf seine nackte Brust werfen. Gewaltige Narben, wie von riesigen Klauen geschlagen, verunzierten den muskelbepackten Oberkörper. Beim Gedanken daran, was diese Wunden geschlagen haben konnte spürte ich, wie sich mein Magen zusammenzog.

    „Mylord, wer hat euch das angetan?“

    „Wie ich schon sagte, Sorrel: Meine Lehrmeister waren grausam, und die Lektionen zahlte ich in Blut. Nicht selten meinem eigenen.“

    Der Lotusnebel um meine Sinne wurde dichter und dichter. Mir schien es, als ob Dinge durch die Schatten des Zeltes huschten, und als ob sich die Flammen der Kohlebecken nicht mit dem Luftzug, sondern dagegen bewegten. Die schwere Wärme eines Arms, der sich um meine Schultern legte, riss mich für einen Moment aus meinem Rausch. Sein Gesicht war meinem ganz nah.

    „N-nicht, Mylord…“

    „Was denn, Sorrel…du wirst doch nicht etwa Angst vor mir haben, oder?“

    „N-nein, Mylord…“

    Seine Hand schob sich unter meine Tunika und begann, über meinen Bauch zu streichen. Panik machte sich in mir Breit und durchdrang den betäubenden Lotusnebel.

    „…bitte, hört auf!“, bat ich mit versagender Stimme. Seine Zunge glitt über meine Schulter.

    In diesem Moment sah ich es. Zwei glühende Augen starrten mir für einen Moment aus dem Kohlebecken entgegen. Ich schrie und sprang auf, strauchelte und schlug der Länge nach hin. Kräftige Hände zogen mich wieder auf die Füße.

    „Da! Im Feuer! Sehr ihr es nicht!“

    Aber da war nichts mehr. Nur Flammen, die unruhig hin- und herzuckten.

    „Mir scheint, der Lotuswein spielt deinen Sinnen einen Streich, Sorrel. Da ist nichts.“

    Er hob mich auf das seidene Lager; meine Knie waren immer noch nicht im Stande, mein eigenes Gewicht zu tragen. Ich konnte spüren, wie die dunklen Wellen des Lotus gegen die durch die Angst neu verstärkten Mauern meines Geistes schlugen.

    „Ihr habt meine Frage noch nicht beantwortet, Mylord. Wo kommt ihr her? Etwa aus den fernen Ländern jenseits der See?“

    „Ich könnte es dir verraten, Sorrel. Aber der Preis wäre zu hoch.“

    „Ich bitte euch, Herr! Wenn ihr mir schon nicht sagt, wer euch das Kriegshandwerk gelehrt hat, so lasst mich wenigstens wissen wo ihr es gelernt habt!“

    „Sorrel, der Preis ist zu hoch.“

    „Ich flehe euch an! Verratet mir, wo ihr herkommt, damit ich selbst dorthingehen und lernen kann!“

    „Du hast dreimal gefragt, Sorrel. Dreimal habe ich abgelehnt. Ich frage dich dieses einzige mal: Bist du bereit den Preis für diese Information zu bezahlen?“

    „Ich bin bereit, alles zu geben Mylord, Körper und Seele!“

    „Gut. Ich bewundere und belohne deine Hartnäckigkeit. Hör mir zu.“

    Die rote Glut des flackernden Kohlebeckens warf die Illusion eines dämonischen Auges auf die Klinge des gewaltigen Schwertes, welches der General aus dem Boden zog und nachdenklich in den Händen wiegte.

    „Ich war nicht immer ein Feldherr, Sorrel. Vor langer, langer Zeit war ich ein Gelehrter am Hofe König Ashlans. Du wirst nicht von ihm gehört haben, obgleich sein Reich nicht weit von hier entfernt lag. Oh, es war ein wunderbarer Ort, voller Glanz.“

    „Zuerst waren es einzelne Außenposten, zu denen der Kontakt abbrach. Ein Dorf hier, eine Siedlung da. Wir maßen der Sache kaum Bedeutung bei, denn es kamen nur selten Botschaften von außerhalb. Wir lebten in unserer eigenen Welt, unbekümmert von den äußeren Einflüssen. Dann kamen sie.“

    „Wer kam, Mylord?“

    „Die Menschen. Unzählige von ihnen, gekleidet in grobe Rüstungen, mit Waffen aus Bronze. Sie belagerten unsere Zitadelle, und obgleich sie armselig bewaffnet und ausgebildet waren, so waren sie uns doch zahlenmäßig überlegen. Zuerst konnten wir sie vertreiben, aber sie kamen wieder. Einer nach dem anderen fielen die Verteidiger der Zitadelle, bis nur noch wenige von uns übrig waren.“

    „Wir schickten Nachrichten zu den anderen Festungen und Städten, zu den Dörfern und Siedlungen, sie mögen uns Männer und Vorräte schicken. Aber es kam nie eine Antwort.“

    Ein eiskalter Schauer lief meinen Rücken hinunter. Gestrandet hinter den feindlichen Linien zu sein wünschte sich kein Soldat.

    „Einer nach dem anderen fiel, und die Belagerer nahmen ihnen ihre Waffen und Rüstungen ab als Trophäe. Wie Wilde sich mit dem Fell von wilden Bestien schmücken, so schmückten sie sich mit unseren Panzern und Klingen. Einer nach dem anderen starb, bis zuletzt nur noch eine Handvoll von uns übrig waren.“

    „Ich öffnete die verbotenen Archive, auf der Suche nach einem Mittel das es uns erlauben würde, den Belagerungsring zu durchbrechen und zu fliehen. Nacht um Nacht wälzte ich die verbotenen Bücher. Tag um Tag starben mehr und mehr unserer Verteidiger.“

    „Dann, am 167. Tag der Belagerung traf ich eine Entscheidung. Ich wollte, dass mein Volk weiterlebt, egal zu welchem Preis. Ich schloss mich in der großen Halle ein und Befahl, die Türen hinter mir zu verriegeln bis ich fertig sein würde. Dann trieb ich den letzten unserer Stiere hinein, und opferte ihn dem Verschlinger, einem der verbotenen Götter. Ich trank den Saft des schwarzen Lotus und schrie die uralten Beschwörungsformeln in die Dunkelheit.“

    Seine Augen fokussierten einen Punkt irgendwo jenseits des Raumes.

    „Die Dunkelheit im Raum kondensierte sich zu einer Säule absoluter Schwärze. Ich hatte die letzte Türe aufgestoßen und den Verschlinger gerufen. Seine Stimme war dünn wie das Rascheln trockener Blätter im Wind. Ich flehte darum, mir die Stärke zu geben meine Feinde zu besiegen. Er fragte, ob ich bereit sei den Preis zu zahlen und stürmte auf mich ein. Ich rang mit der nebligen Dunkelheit, rang lang und hart, nur um von ihr umhüllt und verschlungen zu werden. Der Verschlinger kam über mich und durchdrang mich, vernebelte meinen Geist stärker als die Essenz des Lotus es je vermocht hätte und betäubte meine Sinne.“

    Er ließ sein Haupt sinken.

    „Ich erinnere mich noch, das jemand die Tore öffnete. Ich erinnere mich, den Alarm zu hören als das Tor unter dem Rammbock der Menschen zerbarst. Als ich wieder zur Besinnung kam, stand ich mich über einem gefallenen Häuptling der Menschen, sein noch warmes Herz halb verspeist in meinen Händen. Um mich herum lagen die Gefallenen, Freunde wie Feinde. Ich hatte alle getötet. Brüder und Schwestern, Freunde und Verwandte. Alle tot. Niemand hatte überlebt. Nur ich, aber ich war schwer verletzt und nicht mehr alleine. Nie mehr.“

    „Zuerst begann ich die umliegenden Ländereien abzusuchen, in der vagen Hoffnung das wenigstens einige meines Volkes überlebt hatten. Aber die Menschen hatten ganze Arbeit geleistet. Unsere Siedlungen niedergebrannt, die Festungen geschleift, unsere Leute geschändet, versklavt, gebrochen und ermordet. Als das letzte Mädchen des alten Volkes starb, schwor ich der Menschheit bittere Rache.“

    Meine Hände glitten über das seidene Lager auf der Suche nach etwas, was ich als Waffe benutzen konnte.

    „Ich tötete euch wo ich eurer habhaft werden konnte. Junge wie Alte, Frauen wie Männer, Unschuldige wie Schuldige. Ich habe Dörfer niedergebrannt und den Boden vergiftet, auf das ihr nie wieder zurückkommen würdet. Aber ihr wart zuviele. Ich war nur ein Einzelner.“

    Meine Finger ertasteten den kühlen Metallknauf eines Schwertes.

    „Ich lernte rasch, das ich euch so nicht besiegen können würde. Also bot ich euch meine Dienste an, half euch, euch selbst auszulöschen. Ich lehrte euch die höheren Weihen der Kriegskunst, und ich sorgte dafür, das ihr niemals Frieden finden würdet. Ihr wart gelehrige Schüler. Wo ich hinginge, würden Kriege, Aufstände und Revolutionen folgen.“

    Ich riß das Kurzschwert aus seiner Scheide und sprang auf.

    „I-ihr seid ein Monster! Sterbt!“

    Aber meine Knie versagten, bevor ich den General erreichen konnte. Ich stürzte. Ein harter Faustschlag traf mich im Gesicht, dann entglitt das Schwert meinen kraftlosen Fingern. Er warf mich zu Boden und setzte sich Rittlings auf mich.

    „Macht, Sorrel, hat immer einen hohen Preis. Mehr als du oder ich zu zahlen bereit sein sollten.“

    Krallenartige Finger zerrissen den Stoff meiner Tunika und entblößten meine Brust. Eine kleine geflügelte Flammengestalt löste sich aus dem Kohlebecken und tänzelte durch die Luft. Ich sah ein glühendes rotes Auge auf der Klinge des gewaltigen Zweihänders. Ein weiteres starrte mich aus dem Brustpanzer in der Ecke des Zeltes an.

    Der General entblößte ein scharfes Raubtiergebiss. Neblige Schwärze schien aus seinem offenen Mund zu wabern.

    Ich schrie.








    ************************


    -Silver
     
  2. Silvermane

    Silvermane Wahnsinniger

    AW: [Sword & Sorcery] Sorrel, 1st Draft.

    [SCHILD]Los, kritisiert mich!
    Preist es, oder
    zerreißt es!
    [/SCHILD]

    -Silver
     
Moderatoren: RockyRaccoon
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