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[Sommer 2022] on the road so far...

Demagyar

Demagyar
Leise klang die Melodie von Kate Bushs Klassiker "Running up that hill" aus dem nachgerüsteten Autoradio des gepflegten Ford Escorts am Rande des Flugfeldes. Die zwei Menschen, welche sich auf der Rücksitzbank miteinander beschäftigten, wurden durch die Melodie beflügelt und nahmen kaum war, dass die ansonsten pechschwarze Nacht plötzlich von einem Lichtblitz erhellt wurde.
Die Streckenpositionslichter der Landebahn hatten ihren Betrieb aufgenommen und wiesen einem nahenden Flugzeug den Weg zurück auf den festen Untergrund.
In sanftem Staccato flammten die Lauflichter immer wiederkehrend auf und erhellten somit die Umgebung nur leicht.

Die nahende Honda HA-420 näherte sich beinahe geräuschlos dem Flugfeld Finstertals und setzte lediglich von einem leisen Quietschen der Gummireifen begleitet, auf dem Rollfeld auf. Sofort verringerte der Pilot den Schub, was dafür sorgte, dass die Triebwerke an Klang verloren.

Zügig rollte der nachtschwarze Privatjet über das abgelegene Feld und steuerte einen wenig frequentierten Hangar an. Dort kam das Flugzeug zum Stillstand. Leise rauschend drehten die Turbinen im Leerlauf und erstarben dann vollends.
Die Tür auf der linken Seite öffnete sich und eine kleine Treppe wurde ausgefahren.

Währenddessen rollte eine schwarze, sechs Meter lange, Edelkarosse vor. Lediglich das Abrollgeräusch der breiten Reifen war auf dem beschichteten Betonboden zu hören, als der vollends elektrisch betriebene Mercedes-Maybach 6 vor der Treppe hielt. Dass es sich bei dem Fahrzeug lediglich um ein Konzeptwagen von Maybach handelte, war dem Besitzer durchaus bewusst. Aber Einfluss und Geld regelten hier das Nötige und machten möglich, was andere sich nur erträumen konnten.

Im erhellten Dunklen des Privatjets tauchte plötzlich ein Schemen auf und warf einen langen Schatten auf den Hangarboden zu Fuße der Gangway.

Lange Zeit hatte die Stadt den Kainiten nicht mehr gesehen, der soeben auf heimischem Boden gelandet ist. Beinahe 14 Jahre war es nun her, dass Alexander das beschauliche Städtchen in Deutschland verlassen hatte, um auf Nachforschung nach der asiatischen Infiltrationsgesellschaft zu gehen. Seine Reise hatte ihn zunächst nach London, dann weiter nach Moskau und Taiwan und schlussendlich nach Honkong geführt. Hier hatte er schnell erfahren müssen, dass es alles andere als klug war dem Feind in seinem eigenen Land auf den Zahn zu fühlen.
Nach anfänglichen kleineren Scharmützeln kam es auf beiden Seiten zu horrenden Verlusten menschlicher sowie kainitischer Natur. Der Ventrue musste sich eingestehen, dass seine Ressourcen in Asien begrenzt war und sein Einfluss hier weniger weit reichte als erwartet. So schickte er sich, nach einer Explosion eines Bürogebäudes, welches ihm schwere Verluste bereitete, eigenhändig in Starre und verweilte dort vorerst. Er musste zu Kräften kommen und etwas Gras über die Sache wachsen lassen.

Dann war Ende letzten Jahres ein Erdbeben über die Südküste Chinas gerollt und hatte für schwere Schäden in der Metropole gesorgt. Unter anderem war sein gut gesichertes Versteck im Untergrund schwer beschädigt worden. Dadurch war es von Außen wieder für einige mutige Entdecker erreichbar gewesen.
Von dem sechsköpfigen Erkundungstrupp hatte man danach nie wieder etwas gehört.

Der Ventrue verließ das Flugzeug sicheren Schrittes und ging auf den Maybach zu. Die Flügeltüren öffneten sich und ein breit gebauter Anzugträger stieg aus. "Herr Stahl, willkommen zurück" begrüßte Mike den Ventrue und machte auf dem Fahrersitz Platz.

Alexander nickte seinem Bodyguard nur zu und schlug ihm auf die Schulter. Er hatte alles weitere bereits telefonisch mit seinen Untertanen besprochen.

Der Maybach beschleunigte gespenstisch schnell und sauste aus dem Hangar über das Flugfeld, um den Flugplatz durch ein sich öffnendes Stahltor zu verlassen. Vom Wachmann war nichts zu sehen. Dieser lag in seinem Stuhl und würde sich morgen früh über die starken Kopfschmerzen wundern, die ihn plagen würden.

Er hatte in der Zwischenzeit rein gar nichts mehr aus Finstertal gehört. Ob hier die Triaden die Herrschaft übernommen hatten? Ob die Assamiten den Prinzen gestürzt und die Akademie in einen Gourmettempel verwandelt hatten? Es wird sich zeigen...

So verließ Alexander Stahl, Ahn des Clans Ventrue, Erstgeborener Finstertals, das Flughafengelände und sauste in die finstere Nacht.

Währenddessen tönte aus dem Lautsprecher des Escorts "Never ending storry" über das wieder in vollkommener Dunkelheit liegende Rollfeld....
 

Eldrige

Zombie-Survival Experte
Für gewöhnlich brauchte es immer seine Zeit wenn aus dem geschäftigen Treiben einer Flugzeuglandung, bei dem plötzlich am Boden hektisches Gewimmel ausbrach und alles an das Summen und Schwärmen eines Bienenstocks erinnerte, wieder die sanfte Ruhe der Nacht wurde.

Dieser Besucher Finstertals hatte aber Mittel und Wege um die Nachwehen einer nächtlichen Ankunft auf dem Flugfeld auf ein absolutes Minimum zu reduzieren und er hatte sie gut genutzt. Wenige Minuten nachdem der Flieger, das Personal alle sonstigen Geräte, Menschen und Maßnahmen schon wieder verschwunden waren wie Nebel den ein Sonnenstrahl durchstochen und aufgelöst hatte, erstarben die Lichter der Landebahn und der Ort fiel zurück in die Nacht.

Kurz darauf kräuselte sich die Schwärze und mit einem Ruckeln und Zerren spie sie einen Schemen aus der sich mit schleppenden Bewegungen auf das Feld begab. Die Gestalt war stark verhüllt, aber man konnte erkennen das es eine Kapuze trug unter der sich wohl ein Kopf verbergen musste. Dieser fuhr ein paar Mal unruhig hin und her, so als würde das Etwas eine Witterung aufnehmen. Schließlich klappte es sich zusammen und schien sich zu hocken oder auf die Knie zu gehen. Wenn es einen Kopf hatte, hatte es schließlich sicher auch Knie, oder?

Dann begann es eine Art Fühler auszufahren, der sich schließlich an seinem Ende zu einer Hand auseinander faltete. Die sichtbare Haut, die aus braun gelblichen Bandagen herauslugt, war von einem blassem grau. Ein sehr langer Finger mit einem schwarzen, hartem Fingernagel der den stumpfen Glanz von schmutzigem, dunklem Glas hatte, kratze über den Asphalt.

Alexander Stahl also. Wenn es etwas bemerkenswertes an dem Köngiskind gab, dann das er für einen Ventrue erstaunlich unambitioniert war. So ziemlich jeder Blaublüter der in dieser Stadt aufgeschlagen war hatte sich in irgendein Amt gewanzt, gebissen, gebuckelt oder gedrängt, so war es nun mal die Art des Clans der Könige. Wer sich schon so nannte, konnte wohl auch kaum unter der Macht die dieser Titel vermittelte performen. Dieser hier aber hatte niemals einen Titel oder ein Amt ergriffen. Demzufolge war er für den Nosferatu auch immer ein wenig der Hutständer des Clans gewesen.

Allerdings war Lurker bereit einen Irrtum einzuräumen, wenn er denn einen begangen hatte. Vielleicht war das Kerlchen schlauer als all die anderen seines Blutes gewesen, denn dieser hier existierte immerhin noch und das in einer Stadt die sich als eine wahre Knochenmühle, gerade für Clan Ventrue, herausgestellt hatte. Finstertal hatte mehr Königspudel gefressen als eine Anarchenrevolte am ersten Mai in einer linken Hochburg. Diesen hier hatte die Dame an der Finster aber verschont. Möglich das er unter seinesgleichen keine große Nummer war, aber wer es bis hier her geschafft hatte, nach all dem was passiert war, der war kein Idiot. Oder wenn, dann ein verdammt vom Glück beseelter.

Tatsache war das Alexander seinen Teil beigetragen hatte als es gegen die Werwölfe gegangen war. Vermutlich gab es Könige die in feinen Laken durch viel Inzest und Intrigen entstanden und solche die auf den Schlachtfeldern gemacht wurden.

Es war sicher nichts schlechtes wenn Stahl wieder hier war. Zumindest nicht für den Verborgenen. Hoffentlich war er aber nicht hier weil es für die Stadt mal wieder dunkle Vorzeichen am Horizont gab.

Lurker erhob sich wieder und sah sich um. Seine Neugierde und die Investitionen der Vergangenheit machten sich bezahlt. Transportwege und Logistik waren in den letzten Jahren immer wichtiger geworden und die Tatsache das mittlerweile sogar ein verdammtes Päckchen voller Büroklammern perfekt nachvollziehbar von A nach B bewegt wurde, so als wären die verdammten Kronjuwelen auf Reise, machte es immer einfacher. In einem gewöhnlichen Linienflieger wäre ein anonymer Vampir sicher deutlich einfacher untergetaucht, aber die Hebel die man bewegen musste um mit einer kleinen privat Maschine hier mitten in der Nacht zu landen waren nun mal auffälliger und erzeugten ein Zittern im Netz das die fette Spinne anlockte. Der Nosferatu lächelte sanft in sich hinein. Nein, Alexander Stahl war nach seiner Einschätzung zunächst einmal kein Problem. Blieb zu hoffen das er nicht der Vorbote von irgendetwas war. Sein Bedarf nach Apocalypse war eindeutig noch ausreichend gedeckt und die letzten friedlichen Jahre waren eine willkommene Abwechslung gewesen.
 
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Nightwind

Erzketzer
#StandWithUkraine
Wenn man Vorboten der Apokalypse will (oder Gehenna, oder zumindest eines halben Weltuntergangs, einer schweren Katastrophe oder eines grandiosen tiefen Falls), dann lohnt sich ein Blick in eine andere Richtung, meistens eher abseits der Strassen. Denn allen Gerüchten, Unkenrufen oder vagen Hoffnungen zum Trotz ist Meyye auch noch da. Viktor Thorson ist fort, Enio Pareto ist fort, Alexander Stahl ist (oder war) fort, Lurker soll bleiben wo der Sabbat wächst; Meyye ist wie Unkraut.

Es ist ruhiger um sie geworden, vielleicht weil sie ihre verlorengeglaubte Angewohneheit, die grosse Gesellschaft zu meiden, wieder aufgenommen hat (und Lady Noir wahrscheinlich wenig Bedarf an ihrer kratzbürstigen Art hat). Das neue Gangrel-Gebiet ist abseits der wichtigen Orte, und vielleicht stromert diese Gangrel endlich mal ihrem Clanklischee folgend mehr durch die Natur als durch die Strassen von Tal oder Burgh; auch wenn sie das sicher nicht komplett aufgegeben hat.

Es gibt ja immerhin noch Orte die ihr wichtig sind oder die sie zumindest unter mißtrauischer Beobachtung hält. Der Stadtpark, der Tiergarten, das Hovel, diverse sakrale Bauten die einst Zacharii errichten hat lassen und die sie vielleicht besser kennt als viele andere, viel besser als ihr selbst lieb sein kann. World Science oder die Burgruine oder der südliche Wolfsforst sind Gegenden, die sie nur noch aus der Ferne betrachtet. Hin und wieder geht sie in die alte Bibliothek in Burgh und verbringt dort Stunden, vermutlich mit Libby dem Geistermädchen.

Das aber nur wenn sie überhaupt in der Stadt ist. Denn immer wieder mal verschwindet sie für Wochen oder Monate und geht irgendwelchen Spuren nach; wer es genauer wissen will kann sich wohl denken, dass sie noch immer so unvernünftig ist, nach ihrem menschlichen Geliebten zu suchen, der verschwunden ist und pikanterweise zur Verwandtschaft der Wolflinge gehört, mit ein Grund warum die Beziehungen zu diesen Bestien an einem Tiefpunkt angelangt sind. Die Hinweise dass er über die Welt der Geister zu finden wäre, hat sie wohl verworfen.

Ein zweites Ziel treibt sie immer wieder mal aus Finstertal heraus. Alteingesessene Finstertaler werden sich erinnern, als die Stadt von veränderten Tiere überschwemmt worden war, eine der vielen Katastrophen der Stadt (und eine der wenigen, die nicht Prinz Buchet anzulasten sind). Der menschliche Magier der dafür verantwortlich war nannte sich Jürgen, und er entkam. Mit ihm hat Meyye noch das ein oder andere Federvieh zu rupfen, und so nimmt sie jeden Strohhalm den sie bekommen kann um ihn aufzuspüren. Bisher ohne viel Erfolg, aber wer weiß.

Es ist jedenfalls schwieriger als früher, sie zu finden oder auch nur in Kontakt zu kommen. Gäbe es einen Chronisten ihrer verschlungenen Wege und unverständlichen Taten den man im Juni fragt ob man sie sprechen könnte, bräuchte er vielleicht bis November um eine Antwort abzuliefern. Und dann kann es wieder Schlag auf Schlag geben. Bei ihr muss man mit allem rechnen. Vor allem dass sie im unpassendsten Moment wieder auftaucht.
 

TR Gomer

Kainit
Es war eine Nacht mit mehreren Reisenden. In einer schwarzen Limosine war es eine interkulturelle Gruppe, die auf dem Weg nach Finstertal war. Drei Männer denen man das tatsächliche Alter größtenteils nicht ansah. Ein Fahrer, ein sehr kräftiger Mann auf dem Beifahrersitz und ein nachdenklich wirkender auf dem Rücksitz. Keiner sprach ein Wort bis eine Stimme die Stille durchbrach. Es war der Fahrer. Man hörte ihm gleich mehrere Dialekte an, sowohl das indische Elternhaus wie auch die britische Erziehung. Aber dabei blieb er sanft und klar.

"Wir haben noch eine Stunde Fahrzeit bis Finstertal."

Der Mann auf dem Rücksitz blickte stumm nach vorne und schloss für einen Moment die Augen. Finstertal. Auf diese Weise. Er sah sich schon immer als Experiment. Anfangs verstand er seinen Nutzen, aber nachdem er Jahrzehntelang Clan und Haus verstehen lernen musste war von seinen frühen Kenntnissen nur noch ein Teil übrig geblieben. Er konnte es sich nur so vorstellen das sich niemand die Schande des Fehlers anlasten wollte. So wurde er in den Kampf geschickt und kam wieder. Jedes Mal. Bis die Zeit kam zu der er nach Finstertal geschickt werden sollte. Anfangs nur als Unterstützung. Heute aber war seine Arbeit größer. Sogar groß genug um die Wahrscheinlichlichkeit des Scheiterns als sehr groß zu betrachten. Und damit wäre auch er als mögliches Problem gelöst. Natürlich konnte er sich auch als würdig erwiesen haben, aber aus irgendeinem Grund zweifelte er daran. Nur weniges war sicher, der Weg nach Finstertal war unausweichbar. Und niemand durfte ihm seine Zweifel ansehen.

"Meine Herren, im Falle des Scheiterns hoffe ich auf die Gnade der ewigen Ruhe für uns."

Es war ein tiefer Wunsch für Micheal Sean Balor. Er hatte seine Mitarbeiter aus Personen ausgewählt die wie er unter einem großem Leistungsdruck gebrochen waren und einen neuen Weg gehen mussten. Bisher hatten alle damit einen erfolgreichen Wechsel gefunden. Bis heute. Bis Finstertal.
 
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