[Silvesterabend 2006] kein besonderer Abend?

Discordia

B! scheuert
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7. Januar 2005
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Eigentlich sollte es ein ruhiger und entspannter Abend zu Hause werden. Keinen Rummel, keine Party, kein anderes Gesicht, das er ertragen mußte und kein Blut. Enio hatte schon viel zu viele Silvester erlebt als das er diesem einzelnen Tag im Jahr noch etwas besonderes abgewinnen konnte. Was sollte er da draußen auf der Straße schon unternehmen. Anderen Leuten um den Hals fallen und ihnen ein glückliches neues Jahr wünschen... auf das seines ebenso glücklich sein soll? Pah! Die Bräuche der Sterblichen waren so albern und bedeutungslos. Niemand hatte jemals mehr Feste gefeiert als Enio zu seinen Lebzeiten. Letztendlich gab es damals für Enio fast nichts anderes als Feste und Saufgelage. Was sollte man auch anderes machen, wenn man sich jede Nacht damit beschäftigen mußte das Geld des Vaters durchzubringen? Einfach war das nicht und an die körperliche Substanz ging das sowieso. Enio war damals jedoch unerschütterlich gewesen. Er hatte nicht aufgegeben und war sogar mit Kopfschmerzen vom Tag zuvor wieder auf irgendeiner anderen Feier erschienen. Letzten Endes war das auch sein Verhängnis. Hätte er sich damals nicht mehr dem Nachtleben zugewandt als das Tageslicht genossen wäre er wahrscheinlich niemals Salgari begegnet. Dieses verdammte Arschloch!

Heute brannte kein Feuer mehr in Enio. Keine Party konnte mehr die Leidenschaft erwecken, die damals seinem Körper und seiner Seele Antrieb gegeben hatten. Also wozu sich ins Silvestergetümmel stürzen? Das einzig Gute war an solchen besonderen Tage, daß es für ein Raubtier ein leichtes war in solchen alkoholgeschwängerten Menschenansammlungen an seine Beute zu kommen. In solchen Nächten konnte selbst ein Vampir mit einem ordentlichen Zacken in der Krone nach hause schwanken. Aber Enio verspürte keinen Durst und schon überhaupt kein Verlangen sich auf irgendeine Art und Weise mit Menschen auseinander zusetzen. Deshalb hatte er sich vorgenommen in seiner Zuflucht zu bleiben, sein Handy abzustellen und endlich wieder einmal bei guter Musik ein wenig zu entspannen. Soweit der Plan.

Zugegeben... Enios Zuflucht bot nicht unbedingt einen besonders einladenden Anblick. Die drei Zimmer waren nicht sonderlich üppig eingerichtet und von Dekoration verstand der Brujah offensichtlich überhaupt nichts. Immerhin hatte sich Enio aufraffen können ein wenig Ordnung zu schaffen und damit war für ihn eigentlich schon genug für eine gemütliche Atmosphäre getan. Enio stand vor seinem CD-Regal und grübelte was wohl heute abend am besten zu seiner Stimmung passen würde. Es dauerte nicht lange und die Wahl war auf Puccinis "Tosca" gefallen. Eine der wenige Dinge, die Enio aus seinem früheren Leben geblieben sind war die Leidenschaft zur italienischen Oper und das war sicherlich das Letzte was man bei dem Turiner vermutete, wenn man sich erst einmal an seine liebevolle und sensible Art gewohnt hatte. Enio lehnte sich in seinen Sessel zurück und nahm eine bequeme Haltung ein, während bereits die ersten Klänge aus den Lautsprecherboxen erklangen. Die Handlung des Stückes spielte nur kurze Zeit vor Enios Geburt in Rom und gaben in der für die "Verismo"-Oper typische Art ein Drama wieder in der Krieg, Eifersucht, Totschlag und politische Unruhen gleichermaßen eine große Rolle spielten. Wer der italienischen Sprache mächtig war und es verstand einer Oper zu folgen, wurde bei diesem Stück in kürzester Zeit in eine thrillerähnliche, explosive Handlung gezogen und sah sich gezwungen seinen Platz nicht zu verlassen bis der letzte Ton verklungen war. Jedenfalls ging es Enio normalerweise so.

Aber diese Nacht nicht! Enio saß noch keine 10 Minuten in seinem Sessel als er bemerkte wie seine Gedanken abschweiften und er sich nicht richtig auf das Stück konzentrieren konnte. Das war nicht richtig. Dem Brujah gelang es normalerweise mühelos sich bei dieser Art der Unterhaltung zu entspannen und völlig in das Stück einzutauchen. Heute war sein Kopf voller Gedanken und Überlegungen was er in welcher Reihenfolge in nächster Zeit alles zu erledigen hatte. Die ersten Gespräche und Verhandlungen wegen des Hammers hatten mittlerweile begonnen und Enio war jetzt schon genervt von dem vielen Geplapper der Sterblichen. Es half nichts! Der Italiener mußte einsehen, daß er heute Nacht einfach keinen Kopf zum Abschalten und entspannen hatte. Er erhob sich und drückte die „Stop-Taste seines CD-Players. Enio blieb reglos stehen und lauschte. War da nicht eben ein Geräusch? Der Brujah drehte seinen Kopf in Richtung Tür und erstarrte erneut. Es war nichts ungewöhnliches Geräusche zu hören, die von Flur oder dem Treppenhaus stammten aber Enio hatte im Lauf der Zeit gelernt, den Lärm seiner Mitbewohner herauszufiltern und teilweise sogar bestimmten Personen zuzuordnen aber das was er gerade gehört hatte – oder sich zumindest eingebildet hatte – passte nicht zu dem was er als alltäglich bezeichnen würde. Da! Wieder das Geräusch. Diesesmal war es deutlich wahrzunehmen. Ein heller fiepender Ton mit einem unrhythmischen Poltern gefolgt von etwas das als Schaben bezeichnet werden konnte. Der Ursprung des Geräusches war unmittelbar vor Enios Tür... was die ganze Sache überhaupt nicht besser machte. Ohne weiter zu zögern ging der Brujah auf die Eingangstür zu und hatte schnell ein Messer zur Hand. Falls sich jemand hier Zutritt verschaffen wollte, würde er sein blaues Wunder erleben und das nächste Jahr ganz bestimmt nicht erleben. An der Tür angekommen verharrte Enio wieder und lauschte noch einmal. Aber Geduld war ein Prüfstein an dem Enio sich schon sehr oft abgewetzt hatte. Kurzentschlossen riß er die Tür auf und stand in kampfbereiter Pose in seiner Eingangstür, das Messer bereit für einen tödlichen Schnitt.

Enios Augen konnten im Gang nichts erkennen aber der Turiner machte reflexartig einen Satz zur Seite als etwas seinen Fußknöchel berührte. Ohne bewußt zu handeln zog Enio seine Klinge nach unten und schaffte es gerade noch rechtzeitig seinen Hieb umzuleiten als er erkannte was ihn letztendlich so erschreckt hatte. Es war diese verdammte schwarze Katze die dem Brujah schon viel zu oft über den Weg gelaufen war und es immer geschafft hatte rechtzeitig auszuweichen, wenn Enio nach ihr getreten hatte. Wer zur Hölle hat dieses verdammte Mistvieh hier hereingelassen? Und warum jammert es ausgerechnet vor meiner Tür? Es war zum ersten Mal, daß Enio der Katze im Hausgang begegnete. Bisher hatte sich das scheinbar herrenlose Tier damit zufriedengestellt ihm vor dem Haus zwischen den Füßen herumzuschleichen. Das alleine war schon eine Tatsache, die Enio von Anfang an etwas erstaunt hatte. Eigentlich war er es seit jeher gewohnt, daß Tiere einen weiten Bogen um ihn schlugen. Wahrscheinlich erkannten sie instinktiv das Raubtier in ihm und wußten um ihren Platz in der Nahrungskette. Bei Katzen verhielt es sich meistens noch extremer und der Brujah hatte sich schon oft eingebildet, daß er trotz Verdunkelung von Katzen wahrgenommen wurde. Vielleicht kein großes Wunder. Im Grunde traute er Katzen was die Wahrnehmung anging sowieso viel mehr zu als Menschen. Die schwarze Katze nutzte den Moment als Enio etwas ratlos und verblüfft an der Türschwelle stand hemmungslos aus und versuchte sich an dem Italiener vorbei in seine Wohnung zu schleichen. Der Brujah wollte gerade nach den Tier fassen und es wieder nach draußen befördern als ihm auffiel in welchem erbärmlichen Zustand sich die Katze befand. Enio stand noch ein paar Sekunden reglos an der Tür und sah dem angeschlagene Geschöpf zu wie es langsam in seine Wohnung humpelte. Schließlich schloß er kopfschüttelnd die Tür. Ich muß total bekloppt sein. Was in Teufels Namen mache ich hier eigentlich? In einer für ihn völlig fremde Anwandlung hatte sich Enio dagegen entschieden das Vieh aus der Wohnung zu schmeißen oder sogar in einem zweifelhaften Akt der Milde ihm den Rest zu geben. Stattdessen hatte sich der Turiner dazu durchgerungen einmal einen Blick auf die Katze zu werfen um herauszufinden ob er vielleicht etwas für das kleine Wesen tun konnte. Gewiss er war kein Tierarzt und eigentlich hatte er von Tieren im Allgemeinen absolut keine Ahnung aber letztendlich hatte ein Kainskind immer eine Möglichkeit Verletzungen von sterblichen Geschöpfen zu heilen.

Enio näherte sich der Katze, die nicht sehr weit in seine Wohnung hineingegangen war, und versuchte es zunächst mit einer vorsichtigen Berührung. Das Tier unternahm keinerlei Gegenmaßnahmen als schien es zu wissen, daß der blasse Italiener ihr heute keinen Tritt verpassen wollte und hielt still. Enio brauchte nicht allzu nahe herangehen bis ihm ein beißender Geruch in die Nase stieg, der im Normalfall bei keinem Vampir ein besonders gutes Gefühl erzeugte. Schwarzpulver! Das Tier roch nach Schwefel als ob es direkt vom Schoß des Satans gesprungen war. Das Bein, das es nachzog, war im oberen Bereich offen und man konnte deutlich erkennen, daß ein kleines Stück Fleisch fehlte. Enio mußte tatsächlich ein paar Sekunden überlegen bis ihm wieder einfiel was für ein Tag heute eigentlich war und das es an Silvester ziemlich offensichtlich war was der Katze passiert sein mußte. Es war wohl etwas unglücklich in Kontakt mit einem Knallkörper gekommen oder irgend ein Idiot hatte absichtlich auf die Katze gezielt. Es würde Enio nicht mal wundern, wenn ein paar beschissene Teenies die Katze gefangen und ihr einen Kracher angebunden hätten. Menschen machten so etwas.

Mit einem Achselzucken an die Katze gerichtet wandte sich Enio in Richtung Küche. Er sah nur eine Möglichkeit ihr vielleicht zu helfen. Es mußte nach Vampire-Style ablaufen und selbst dabei war Enio im Grunde ziemlich ungeübt. Der Brujah hatte noch niemals freiwillig einem Menschen oder einem anderen Kainiten etwas von seinem Blut abgegeben. Vielleicht lag es da nahe den ersten Feldversuch bei einem Tier zu unternehmen? Enio öffnete den Kühlschrank und hoffte, daß bei den Lebensmitteln, die er natürlich nur um den Schein zu wahren in seiner Wohnung hatte, etwas brauchbares dabei war. Sein Blick wurde sofort von der Milch im Seitenregal angezogen und wanderte anschließend weiter auf das Verfallsdatum. Glück gehabt! Die Milch war noch haltbar... was man von dem Joghurt im oberen Fach mit der merkwürdig grünlichen Farbe leider nicht mehr sagen konnte. Enio machte sich eine innere Notiz. Er würde wohl nicht drumherum kommen in den nächsten Abenden seinen Kühlschrank neu zu sortieren und das Ding einmal ordentlich zu putzen.

Der Brujah nahm eine kleine Schüssel aus dem Schrank und goß ein wenig Milch hinein. Danach führte er sein Handgelenk an den Mund und brachte mit seinen ausgefahrenen Fängen das Vitae und seinen mystischen Fähigkeiten zum fliesen. Enio hatte überhaupt keine Ahnung ob das Tier diesen unappetitlich aussehenden Cocktail überhaupt anrühren würde und ob sein Blut oder die Milch darin eine größere Verlockung für die Katze darstellen würde. Enio spekulierte nicht lange darüber, sondern stellte die Schüssel neben die Katze auf den Boden.

„Hier felina. Wenn du das trinkst wirst du schon bald wieder um den Block springen... und Hunde jagen.“
 
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Natürlich trank die Katze.
Und wie sie das tat.
Gierig hatte sie die Schüssel bereits nach wenigen Minuten geleert und erklärte Enio mit einem bestimmten Maunzer, der keinerlei Widerspruch duldete, das die ihr angebotene Menge sicher noch nicht ausreichend genug gewesen war!
Auffordernd sah sie zu ihm hoch.
Vielleicht war sie ja tatsächlich eine dieser herrenlosen und ausgehungerten Straßenkatzen?
Ihre Verletzungen und ihr allgemeiner Zustand unterstrichen ja deutlich diese Vermutung und ihr übermäßiger Hunger tat sein übriges. Vielleicht würde Enio sogar irgendwann bemerken das Milch nichts war das einen ausgewachsene Katze sättigen könnte?
Wie dem auch sei.
Enio hatte eine neue Mitbewohnerin.
Und zumindest momentan noch eine die ihren eigenen Kopf besaß und energisch auf mehr Futter bestand!
 
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Enio sah dem kleinen Tierchen fasziniert zu, hielt aber ein wenig Abstand. Leider hatte der Brujah nur sehr kurz das Vergnügen des unbeteiligten Zuschauers, da die Katze die Schüssel unheimlich schnell geleert hatte und unverholen nach mehr verlangte. Enio sah seine neue Mitbewohnerin einen Moment ratlos an und ging noch einmal den Inhalt seines Kühlschrankes im Geiste durch. Er hatte nicht wirklich eine Ahnung was Katzen so alles fressen können aber er ging davon aus, daß ungekochte Spagetti nicht unbedingt dazu gehörten.
Enios stand auf und öffnete mehrere Schränke und Regale in der Küche aber er fand einfach nichts was er der Katze anbieten konnte. Lebensmittel waren einfach etwas über das sich ein Kainskind keine Gedanken machen brauchte und Enio wollte eigentlich heute Nacht nicht damit anfangen. Die Katze schien ihn aber eines Besseren belehren zu wollen. Anscheinend war es ein leichtes für sie die anfängliche Scheu übergangslos in eine nachdrückliche Erwartungshaltung zu ändern. Der Brujah hatte nicht unbedingt den Wunsch heute nacht eine Kampf auszufechten und zog sich kurzerhand seine Jacke über um noch schnell etwas Essbares zu organisieren. Spätestens an der Tankstelle würde er wohl etwas finden... zumindest hatte die noch offen. Der Italiener drehte sich an der Tür noch einmal zu seinem neuen Gast um. "Hey Stronzo... verkack mir ja nicht die Bude bis ich wiederkomme, sonst bekommst du was zu fressen was sich sehr schwer verdauen läßt."

Ungefähr eine 1/2 Stunde später tauchte Enio auch schon wieder auf. Er hatte kein Katzenfutter gefunden, sich statt dessen aber mit mehreren Büchsen Tunfisch eingedeckt. Eine Frau an der Tankstelle hatte ihm den Tip gegeben und mehrmals darauf hingewiesen das die Viecher verrückt darauf seien, er aber immer darauf achten müsse, daß sich der Fisch im Wasser eingelegt in der Büchse befand und nicht in Öl oder Salzlacke. Eigentlich hatte er von der Tussi viel mehr Info erhalten als er gewollt hatte aber so waren Menschen nunmal... vor allem Frauen.

Die Katze hatte ganz offensichtlich den Braten gerochen und begann um Enio herumzuschleichen obwohl ihr das anscheinend noch nicht ganz leicht viel, da sie ihr Bein immer noch ein bißchen nachzog. Aber sie wirkte bereits ein bißchen agiler als zuvor... zumindest bildetet sich Enio das ein. Der Italiener schaufelte zwei komplette Büchsen Tunfisch in dieselbe Schüssel wie die Milch vorher und gab abermals ein wenig Blut von sich selber hinzu. Dann stellte er dem Tier die Schüssel wieder hin. Die Tante an der Tankstelle hatte nicht zuviel versprochen. Der Geruch des Fisches schien das Raubtier in der Katze ein wenig zu wecken. Sie begann hastig zu essen und machte dabei penetrante Eß- und Schmatzgeräusche. Währenddessen machte sich Enio auf die Suche nach einem Schlafplätzchen für das Viech. Er holte eine ausrangierte Decke und legte sie an eine Ecke des Sofas. Es würde sich zeigen ob die Kleine so viel Zutrauen in ihr neues zu hause aufbringen konnte, daß wenigstens sie heute Nacht noch zum Entspannen kommen würde.
 
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Als Enio wieder in die Küche kam um nach seiner neuen Freundin zu sehen, hatte diese ihren Napf bereits gierig geleert und war nun unter dem Tisch dabei, das selbe mit ihrem Darm zu tun.
Vorwurfsvoll maunzte die kleine Lady dabei Richtung Brujah und warf ihm Blicke zu, die unter anderen Umständen hätten tötlich sein können.
Ihr gesamte Körpersprache signalisierte deutlich, das er mit dem kleinen Haufen auf den Fliesen noch sehr gut weggekommen war und zukünftig gut daran täte, für eine ihr angemessenere Privatssphäre zu sorgen. Ein missgelaunter Blick auf seine Stiefel beantwortete auch die letzte offene Frage nach der Ernsthaftigkeit ihrer Forderungen. Offensichtlich wusste sie ganz genau wo sie ihren neuen Herren schmerzlich treffen konnte.

Mit stolz erhobener Nase kratzte sie nutzlos, aber dennoch nicht minder energisch, etwas Fliesenstaub zusammen und warf ihn über den kleinen feuchten Haufen der trotz seiner minimalen Größe eine beeindruckende Geruchsintensität entwickelte und stolzierte dann an dem Italiener vorbei ins Wohnzimmer.

Aber sie wäre keine echte Dame wenn sie ihrem neuen Herren nicht auch ein Hintertürchen offenhalten würde, deshalb strich sie mit einem verliebten Schnurren langsam an seinem Bein vorbei, bevor sie mit zwei wuchtigen Sätzen außer Sicht im Nebenraum verschwunden war.
Das einzige was Enio erkennen konnte war, das ihre Wunden beinahe vollständig verheilt waren. Sein Blut half besser als er sich je hätte vorstellen mögen!
 
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Enio schlug sich mit der Hand vor das Gesicht. „Merda!“ Früher oder später wäre dem Brujah schon noch eingefallen was eine Katze im Haus so alles benötigt aber das Vieh machte leider sehr früh und auf höchst unangenehme Weise darauf aufmerksam, daß dieser Haushalt bisher für eine Katze noch nicht viel zu bieten hatte. Vor wenigen Augenblicken hätte Enio das Tier warscheinlich noch mit einem Fußtritt nach drausen befördert aber jetzt war es bereits zu spät. Der Italiener schüttelte nur den Kopf und begann zu lachen. „Hey Amica... du hast wirklich ne ziemlich beschissene Art „Vielen Dank für die Hilfe“ zu sagen.“ Enio sah der Katze hinterher wie sie sich auf den Weg ins andere Zimmer machte und seufzte. Er wußte wieder warum er Katzen schon immer mehr respektiert hatte als Hunde. Sie hatten ihren eigenen Kopf und einen unbeugsamen Charakter, der sich von Menschen normalerweise nicht kleinkriegen ließ. Enio selbst hatte nicht vor zu versuchen das Tier zu erziehen... obwohl natürlich sein Blut in ihrem Kreislauf zwangsläufig eine Zuneigung entwickeln würde und sie sich ihm gegenüber nicht mehr so verhalten würde wie eine normale Katze.

Enio begann die Sauerei zu entfernen und war froh, daß er mitlerweile Reinigungmittel im Haus hatte. Während er am wischen war und sich erneut dazu beglückwünschen mußte, daß er nicht gezwungen war zu atmen, stockte der Brujah kurz und runzelte die Stirn. Hatte Kamal ihm nicht irgendwann einmal erzählt, daß es noch andere Gestaltwandler gab auser den Werwölfen? Gab es nicht auch soetwas wie Katzenwandler? Enio konnte sich beim besten Willen nicht erinnern. Er schüttelte den Kopf und mußte selber über seine paranoiden Gedanken grinsen. Er konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, daß eine normale Hauskatze etwas anderes sein konnte als eine normale Hauskatze. Falls es Werkatzen tatsächlich gab mußte ihre Katzengestalt anders aussehen. Auserdem hätte sie dann bestimmt nicht sein Blut zu sich genommen und er hätte warscheinlich längst irgendein übergroßes Monster in seiner Wohnung, daß ihm den Garaus machen wollte.

Enio setzte sich auf seinen Sofa und verschrenkte die Beine. Er wollte seiner neuen Freundin Gelegenheit geben die Wohnung zu inspizieren. Sie würde selber entscheiden ob sie sich zu ihm auf die Couch legen wollte oder nicht. Enio war sich natürlich bewußt, daß Wunden unter Einnahme vampirischer Vitae recht schnell heilten aber eigentlich hatte er damit gerechnet, daß die Katze etwas länger benötigen würde um zu genesen. Letztendlich hatte aber der Italiener in dieser Sache nicht sonderlich viel Erfahrung. War es nicht ein Witz? Jetzt wandelte er schon über 150 Jahren auf Erden und hatte noch niemals einen Ghul gezeugt oder gar den Kuß weitergegeben und ausgerechnet bei einer Katze hatte er sich entschieden seiner bisherigen Linie untreu zu werden.
 
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Und ausgerechnet sein erster Versuch ein Wesen durch sein Blut an sich zu binden schien jetzt schief zu laufen. Die Katze hatte es sich auf dem gemütlichsten Platz im Wohnzimmer bequem gemacht und sah mit einer eindeutig herrischen Miene zum Fernsehapperat die klar verdeutlichte das ihr nun der Sinn nach etwas Unterhaltung stand.
All die Geschichten die Enio bezüglich der Liebe eines blutsgebundenen Ghuls zu seinem Meister gehört und ja auch selber miterlebt hatte, schienen sich letztlich nicht zu bewahrheiten? Aber ging das überhaupt?
Oder lag es einfach an der Tatsache, das Katzen ein anderes Verständnis zu dieser Art Gefühlsleben hatten.
Konnten Katzen lieben?
Sich ihrem Herrn ergeben?
Wenn ja, wie drückten sie ihre Zuneigung aus?
Nun, diese zumindest schien ihr neues Zuhause zu mögen und Enio als fähigen Dienstboten zu akzeptieren. Alles weitere würde die Zeit zeigen.
 
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Tja... die Katze schien ganz offensichtlich anders zu reagieren als ein Mensch. Irgendwie wunderte das Enio überhaupt nicht. Eigentlich freute es ihn sogar ein bißchen, daß das Wesen der Katze dominierte und sich ihr Wille nicht so einfach der Macht des Blutes beugte. Letztendlich war diese unnatürliche Hingabe, die menschliche Ghule ihren Meistern entgegenbrachte, einer der Hauptgründe warum sich der Brujah bis jetzt immer dagegen entschieden hatte sein Blut auf diese Weise weiterzugeben. Er fand es einfach zum kotzen jemandem seinen natürlichen Willen zu beugen und eine völlig bizarre Art der Liebe zu erschaffen. Letztendlich war das keine Liebe die ein Ghul seinem Herrn gegenüber empfand. Es war als wenn man auf der Suche nach liebevollem und leidenschadftlichen Sex war und sich dann entschied in den Puff zu gehen und für die Nummer zu bezahlen. Aber bezahlt wurde in Blut... wie immer wenn es um die Machenschaften der Kainiten ging.

Auf Enios Gesicht schlich sich abermals ein Lächeln ein, das nicht nur den Mund für sich in Anspruch nahm, sondern die Augen ebenfalls befallen hatte. Schade! Man hätte eigentlich ein Foto davon machen sollen. Die meisten hätten ihn warscheinlich nicht darauf erkannt. Enio betrachtete die Katze und versuchte sich vorzustellen wie es für einen Vampir sein mochte sich mit Tieren zu unterhalten. Bisher gab es für diese Disziplin keinerlei Nutzen für den Turiner. Vielleicht jetzt? Nach kurzer Überlegung schüttelte Enio den Kopf. Es war wohl doch das Beste, wenn man nicht wußte was im Kopf einer Katze so vor sich ging. Der Brujah hatte ja bereits oft genug Probleme die Menschen zu verstehen, was sollte er sich da ausgerechnet mit der Gedankenwelt einer Katze auseinandersetzen. Falls er aus irgendwelchen Gründen einmal darauf angewiesen sein würde mit seiner neuen Mitbewohnerin zu kommunizieren, könnte er immer noch Cat oder Marie darum bitten.

Der Brujah nahm die Fernbedienung und schaltete die Flimmerkiste an. An Silverster kam für gewöhnlich noch mehr Mist im Fernehen als für gewöhnlich. *Zapp* Irgend eine Sendung lief in der ne ganze Meute von Prominenten den Versuch unternahmen in Form von sogenannter Unterhaltung die Zeit bis Mitternacht zu verkürzen. Lief das nicht schon letztes Jahr? Zumindest saßen die gleichen Hackfressen wieder auf der anderen Seite der Mattscheibe. *Zapp* ... Enio brauchte noch ein weilchen bis er einen brauchbaren Sender gefunden hatte. Er blieb letzten Endes auf Terranova hängen und begnügte sich damit ein paar Tauchern beim erforschen der Unterwasserwelt zuzuschauen. Vielleicht fand sein Gast ja auch gefallen daran Er warf noch eimal der Katze einen Blick zu. Sie wirkte als ob sie sich wohl fühlen würde.

Vielleicht war das doch kein so schlechtes Silvester dieses Jahr.
 
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