[Mai 2008] - auf dunklen Pfaden

Eldrige

Zombie-Survival Experte
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Out of Character

Es waren nur wenige Schritte die kleine Leiter aus Eisen hinab, wo Kiera Mc Kinney, Schwester der Regentin von Haus und Clan und seit kurzem Verbündete auf ihn wartete. Nachdem sie seinerzeit Lurkers Adoptivtochter Unterschlupf und Schutz gewährt hatte, ebenso wie es der Clan der Verborgenen selber getan hätte, war die Caitiff in das zweifelhafte Vergnügen der Gunst des Nosferatu gekommen.
Später hatte sie sich als pragmatische und handfeste Alliierte bewiesen und obwohl sie sich noch nicht wirklich lange kannten hatte die kurze Zeit und natürlich die Intensität des gemeinsamen Einsatzes gereicht um eine Verbindung zu erzeugen, die der Nosferatu nicht wirklich genauer hätte erklären können. Natürlich würde er vor sich selber immer schnell die Rechtfertigung ziehen, dass sie sich eben um Stray gekümmert hatte, als es darauf ankam und das sie mit ihm zusammen in die verlassene Mine hinabgestiegen war und das dort erlebte einen nun mal zusammenschweißte, wie das nur gemeinsame Zeit an der Front gegen einen Feind tun konnte, aber das wäre zwar richtig, aber nicht die ganze Wahrheit gewesen.

In Wahrheit hatte sie ihm angeboten ihn auf einem neuem Weg zu begleiten, von dem Lurker bislang nur das diffuse Gefühl hatten, das er die Welt und seine Sicht auf die Dinge verändern würde und ohne genauer zu wissen warum, hatte er beschlossen ihr zu folgen, so wie er ihr gefolgt war, als es hieß in eine Höhle voller Monster zu klettern und sie wiederum beschlossen hatte ihm zu folgen und zu vertrauen, dass er sie sicher und versteckt dort hinein führen würde.
Natürlich wusste er aber aus welchem Grund er zugesagt hatte. Die Bedrohungen denen er und jene die er beschützte sich bislang gestellt hatten und die damit gedroht hatten sich in Zukunft abzuzeichnen, hatten alle gemein, dass sie aus einer Art Schattenwelt, einer geheimnisvollen Welt hinter dem Horizont des Verstandes und der Rationalität stammten. Bislang hatte Lurker bei seinem Kampf gegen diese Dinge immer nach dem Credo gehandelt, dass alles was seinen Weg in seine Welt fand, am Ende auch in seiner Welt vernichtet werden konnte, aber wenn er sein Blut und seine Heimat weiterhin verteidigen würde wollen, dann mochte es nicht Schaden sich mit 'dem Feind' näher zu beschäftigen. Zweimal hatte er Zacharii erst bemerkt, als dieser nicht nur an der Tür geklopft hatte, sondern sich schon im Wohnzimmer auf der Couch breit gemacht hatte. Das nächste Mal, so war seine Hoffnung, würde er vorbereitet sein.

Was wusste er über Geister, Götter und Dämonen, hatte die Mambo eingangs gefragt und damit den ersten gemeinsamen Schritt getan. Nun folgten sie gemeinsam einem dunklem Weg, unterhalb der Welt der Lebenden.

Ich habe mich schon einmal mit derartigen Dingen befasst bevor....nun...bevor..du weißt schon. Ich gestorben bin.

Der Nosferatu vermied Formulierungen wie 'als ich noch ein Mensch war' oder 'vor der Verwandlung'. Für Sein Blut war der Tod und die Rückkehr als Untoter ein furchtbarer, qualvoller Prozess und die Form mit der man am anderen Ende wieder heraus kam, lud nicht gerade dazu ein sich oft daran zu erinnern wie es war am Leben gewesen zu sein.

Wie sich später herausgestellt hat, habe ich nicht nur einen Ticken zu tief gegraben, sondern auch entdeckt, das viele der alten Legenden wahr sind, wenn auch nur im Kern. Zu den Konzepten von Geistern, Göttern oder Dämonen weiß ich aber nur, dass es schon sehr lange, praktisch zu allen Zeiten in denen irgendeine Form von Gemeinschaft, oder Zivilisation bestanden hat, bestimmte Entitäten angebetet worden sind und bis heute angebetet werden. Früher aus rein praktischen Gründen, weil die Menschen Jagdglück und gute Ernten herbeisehnten und glaubten so einen Einfluss zu haben, später dann aus rein spirituellen Gründen. Ich selber war immer so religiös wie alle es zu meiner Zeit waren. Man wurde mit bestimmten Werten und Ideen erzogen und das hat man dann für sich verinnerlicht. Aber Gott spielte keine wirkliche, echte Rolle. Man schwankte immer so zischen Aufklärung und Osterhase, wenn du verstehst was ich meine.

So war es wohl bei den Meisten. Man behielt die Geschichten vom gütigen, großem Gott gerne im Hinterkopf, aber war jederzeit sich davon zu distanzieren, wenn ein schlauer Kerl daher kam und einem auf den Zahn fühlte ob man denn wirklich an die ganzen Märchen glaubte. Nein, natürlich nicht, aber das sind ja auch, wie man als moderner Mensch heute weiß, alles nur Metaphern und gut gemeinte Ratschläge und so weiter.
Vielen war es heute unangenehm wirklich zu zugeben wenn sie glaubten. Es war ein wenig wie in die Hose machen. Man hatte es früher getan, man würde es in Zukunft wieder tun, aber es war halt doch peinlich.

Wenn man allerdings von einem Monster in die Nacht hinausgezerrt wurde und dann in einer schrecklichen Verwandlung zu seinesgleichen gemacht wurde, dann änderte das in der Regel die Meinung radikal. Nach Lurkers Meinung war es egal ob es Gott gab. Offensichtlich hatte er einen Rattenschiss auf ihn gegeben.
 
Man könnte sagen, es hätte Kiera auch nicht gestört, irgendwelche Schmutzstellen zu durchqueren, für was gab es Wasser und Seife um den Dreck wieder loszuwerden.

Sie lief den Weg den Lurker vorgab und mit geschärften Sinnen auf die Augen war es auch nicht schwierig was zu erkennen. Mancher hätte vielleicht Angst gehabt, hier verschleppt zu werden und nie wieder rauszukommen, doch daran dachte Kiera im Moment garnicht, sicher, er könnte sie hier festsetzen und damit ihre Schwester bedrohen, aber wirklich bringen würde ihm das auch nichts.

"Ja, das ist es, wenn weniger Menschen und auch andere Wesen an solche Dinge glauben, dann verschwinden die, ziehen sich zurück und die Wirkung verschwindet, nicht um sonst sagt man im Voodoo, wenn genug dran glauben, wird es wahr", begann sie. "So war es früher, als es noch mystische Wesen wie Drachen gab und viele mächtige Wesen auf der Erde weilten, aber dann haben die Menschen gedacht, sie brauchen es nicht mehr und sie haben sich zurück gezogen in ihre Ober- und Unterwelten.

Ich denke, so ist es auch mit Gott, die Menschen haben angefangen zu denken, sie brauchen ihn nicht und er ist gegangen. Aber das nur mal so als Exkurs. Voodoo ist also sehr lebendig und die Geister, weil viele Millionen Menschen und einige hundert oder tausend von uns dran glauben und mit den Wesenheiten interagieren, würden wir das nicht tun, würden sie irgendwann auch verschwinden und ein weiteres Stück Zauber würde verschwinden."

Sie war weitergegangen.

"Aber das ist nicht alles, es gibt auch Geister, die nicht gehen, weisst du, es ist mehr belebt, als man denkt. Die Bäume, selbst die Felsen sind belebt und es gibt Geister von allen Tierarten, die sind aber harmlos, so lange man ihr Revier nicht verletzt. Die meisten Geister sind auch nicht in der Lage einen Körperlichen, also Menschen oder uns wirklich zu verletzten.

Soll ich mal versuchen, es dir anhand von Mina zu erklären?"
 
Links und rechts an den Wänden waren deutliche Schmutzränder zu sehen, die aussahen wie alte Male einstiger Wasserstände. Kaum jemand wäre wohl auf die Idee gekommen sie eines zweiten Blickes zu würdigen. Tatsächlich hätte einem ansonsten auffallen können, dass die breite der Streifen sich immer innerhalb bestimmter Werte bewegte und dadurch ein 'dicker' und 'dünner' Muster, oder wenn man so wollte ein 'kurz-lang' Muster ergaben. Zusammen mit einer in ein Rohr eingestanzten Seriennummer, die natürlich eigentlich gar keine Seriennummer war, ergab das für den Nosferatu eine recht eindeutige Vorgabe für die beste, Route die im Augenblick als normaler Fußweg passierbar war auf ihrem Weg. Mit einem zufriedenem Blick wandte er sich wieder Kiera zu.

Es war ein interessanter Gedanke von einer Wechselwirkung zwischen Entitäten und Weltlichen auszugehen. Immerhin passte das auch zu Minas Verhalten, die zwischendurch immer wieder einen irritierten Eindruck auf ihn gemacht hatte. Wenn man dem Es genug Charaktereigenschaften zugestand, dann begann das Es vermutlich irgendwann dies aufzugreifen und am Ende davon auszugehen, dass es wirklich so etwas wie eine Persönlichkeit hatte.

Bei einer derartigen, gegenseitigen Einflussnahme entstand für Lurker beinahe sofort die Frage wo denn der Ursprung dieser ganzen Idee liegen mochte. Hatten irgendwann ein paar Höhlenmenschen angefangen den Wind und den Regen anzubeten und dadurch wurden die weniger greifbaren Dinge auf der anderen Seite der Realität aufmerksam?
Oder hatten sich diese Dinger hinter der Wand bemerkbar gemacht bei einigen wenigen, die durch Zufall empfänglicher waren und sich dann anbeten lassen weil sie sich dadurch immer mächtiger gefühlt hatten?
Oder vielleicht beides? Auch wenn Lurkers Rationaler Verstand rebellierte, gärte irgendwo in den schummerigen Ecken seines Verstandes die Möglichkeit das die wunderbar einfache Logik von Aktion und Reaktion bei diesen Dingen nicht so greifen wollte wie man sich das wünschte und das so ein Paradox durchaus möglich war.

Du meinst das Licht wirft einen Schatten, und die einen wenden sich daraufhin dem Licht zu, während wieder andere glauben der Schatten wäre das eigentliche Phänomen und beide haben irgendwann recht?

Es war immer noch schwierig seine Gedanken und Vorstellungen mit seinen laienhaften Begriffen fest genug zu nageln, damit er alles einem Gespräch unterbringen konnte.

Ja, nehmen wir das Mina Ding als Beispiel. Es glaubt es wäre 'die Herrscherin unter dem Berg' oder so ähnlich, also muss es irgendwann diese Idee eingepflanzt bekommen haben und gleichzeitig ist es möglich, dass es diese Idee überhaupt erst ausgesät hat, damit es eben 'Jünger' bekommt?

Wann immer der Weg schmaler wurde, oder sie die Seiten über den kleinen Kanal wechseln mussten bot der Nosferatu der Caitiff eine helfende Hand an. Hier Unten schien er weniger darüber nachzudenken das sich sein Gegenüber ekeln mochte, daher gingen ihm seine Bewegungen hier deutlich natürlicher von der Hand.
 
Kiera sah sich immer wieder um, passte auf wo sie hintrat und musterte interessiert die Umgebung. Nun es war schon irgendwie interessant, was sie hier sah und so sammelte sie ihre Gedanken, während sie sich Lurkers Antwort anhörte.

"So kann man es stark vereinfacht sagen", meinte sie dann. "Einige dieser Wesenheiten waren mal Menschen, andere waren auch nur zum Leben erweckte Elemente, so was wie die Geister von Quellen oder heiligen Bäumen oder sowas."

Sie dachte ein wenig über Mina nach.

"Mina war mit Sicherheit ein Mensch gewesen, was sie im Leben war und wer, weiss ich natürlich nicht, was ich aber mal denke, sie ist keinen schönen Tod gestorben und hatte bestimmt kein sehr glückliches Leben. Vielleicht wurde sie ermordet, dann in der Höhe abgelegt oder vielleicht sogar dort lebendig verscharrt oder was anderes mehr als nur unangenehmes und vermutlich sind auch die Täter ohne Bestrafung davon gekommen, das müsste man nachforschen.

So ein armer Geist, möchte dann eigentlich nichts anderes als erlöst werden, zumindest am Anfang, nach einiger Zeit lernte sie dann die Geister des Berges kennen, eine andere Sorte, Naturgeister, Elementare, was auch immer. Du kannst es dir vorstellen, wie bei einem unserer Art, irgendwann entwickeln sich besondere Kräfte. Vielleicht war es bevor das Bergwerk begonnen wurde, ich kenne mich mit deren Geschichte nicht aus.
Jedenfalls braucht ein solcher Geist auch Nahrung, das kann alles mögliche sein, mancher mag das Rauschen von Wasser zur Erfrischung, meine Gaben, die mit reinem Herzen als Opfer dargereicht werden, ganz viele Gefühle von Menschen.

Mina hat sich auch ein ziemlich breites Spektrum für sich erschlossen, so wie ich es sehe, vermutlich waren es am Anfang nur wenige Menschen, die sich hierher verirrt haben und sie merkte, dass es am besten schmeckt, wenn sie sie erschreckt, aber dann hat das nicht gereicht und sie hat sie gequält, Werwölfe und Guhle waren da schon besser.

Ich könnte mir vorstellen, der alte Prinz hatte sich zu gut uner Kontrolle und war daher nicht so besonders schmackhaft, vielleicht war er auch nur gut, um mit seinem Blut den Guhl am Leben zu erhalten, keine Ahnung. Dann hat die Anwesenheit von Buchet uns angelockt und ich bin sicher, wir waren ein Festmahl, vorallem wenn sie sich bewußt war, dass die Emotionen hochkochen, wenn sie die unterschiedlichen Intensionen hochkocht, eigentlich sollte sie jetzt satt sein, aber ich denke, Vampire sind nur ein kürzeres Vergnügen, weil sie uns nicht auf Dauer in Todesangst versetzen kann.

Ich bin sicher, sie ist schon jetzt auf der Suche nach neuen Opfern."

Es war schwierig so etwas zu erklären, vorallem da sie davon ausging, dass sich der Nosferatu noch nie mit solchen Ideen befasst hatte.
 
Abgesehen von wenigen Malen, bei denen der Wasserstand sie dazu zwang größere Schritte über einige Stiege hinter sich zu bringen, blieb ihr Weg problemlos begehbar. Allerdings endete er dann plötzlich recht abrupt an einer Wand, an der sich dicke Rohre mit tropfenden Algen und verkrustete Handräder zum drehen, in einem scheinbar gewachsenem Wirrwarr erstreckten. Der Nosferatu machte sich ein wenig klein, griff mit einer Hand eines der Handräder und hielt sich daran fest, während er mit angezogenen Knien unterhalb eines quer verlaufenden Rohres in eine Art Schacht verschwand, dessen Eingang geschickt im Schatten verborgen lag und der in dem Wust von Leitungen kaum aufgefallen wäre. Wieder hielt er der Mambo eine helfende Hand hin und sie würde bemerken, dass sie in der Hocke dort hinein passen würde Auf allen Vieren wäre es vermutlich einfacher gewesen, aber es würde auch abgehockt gut gehen. Es waren vielleicht nur zwei Meter durch die enge Passage und der Weg führte in einer Schlangenlinie einmal rechts herum und dann wieder links herum.
Am Ende des Durchganges stiegen sie aus einem Rohr, mit etwas über einem Meter Durchmesser, hinaus in einen anderen Bereich der Kanalisation. Die Wände waren aus glattem Beton, der Boden war ebenfalls glatt und hatte alle paar Meter einen Abfluss. Grün schimmernde Not Beleuchtung tauchte alles in eine Art diffuses Dschungellicht, ganz so als würde die Sonne durch ein dichtes Blätterdach scheinen und kaum den Boden erreichen. Der Gang war allerdings im krassem Gegensatz dazu völlig karg und gerade so breit, dass eine Person, vielleicht mit einer Schubkarre, gerade hindurch passte. Aufgrund der Beleuchtung war es nicht zu erkennen, ob er schnurgerade, oder in leichten Bögen verlief. Möglich das dies ein Wartungsschacht war. Oder etwas das die Kanalratten selber anlegen hatten lassen.

Es brauchte ein paar Sekunden bis der Nosferatu schließlich zu einer Antwort ansetzte, aber er war es nicht gewohnt anstelle von Fakten seine Phantasie gegen das gehörte zu halten und seine Überlegungen eher abstrakt, als konkret zu halten.

Das wäre dann aber das Klischee vom Spuk an sich, oder? Der Geist im Brautkleid, vom Bräutigam in der Hochzeitsnacht vergiftet, weil der an ihr Geld wollte.

Kiera unterteilte also zwischen Entitäten die ein Bewusstsein praktisch 'erbten', weil sie als Lebewesen schon eines hatten und solchen die eines entwickelten. So etwas wie der spirituelle Schatten eines Ortes zum Beispiel. War es das, was Finstertal selber war? Die metaphysischen Strahlungsreste der Stadt, sowie der Dinge die hier passiert waren?
Offensichtlich konnte so ein Ding sich etwas ähnliches wie ein Bewusstsein 'abgucken', wenn es oft genug mit Menschen Umgang hatte und so wie die Caitiff es erklärte bezog es dann dadurch wiederum möglicherweise Energie.

Zum nachforschen bist du ja nun beim Richtigem.

Der Verborgene legte etwas wärme in den Ton seiner Stimme um ein amüsiertes Schmunzeln durch das grün glühende Zwielicht zu senden.

Ich werde sehen was sich herausfinden lässt. Vielleicht haben wir Glück und es findet sich in der Geschichte der Mine etwas das mit einer 'Mina' zu tun hat. Allerdings ist 'Mina' nur ein Kosenamen. Das macht es schwer in Archiven etwas zu finden und es ist außerdem möglich das sie lediglich dorthin verschleppt wurde, wenn es denn eine Frau war, und es ansonsten keinen Zusammenhang zwischen der Toten und diesem Ort gibt. Aber mit Sicherheit gibt es einige lokale Gespenstergeschichten über diese Mine, das scheint mir eher der richtige Ansatz zu sein. Ich werde alles prüfen. Mikrofilme in der Bibliothek und lokale Sagen.

Wenn nicht ein Nosferatu, wer könnte so etwas sonst herausfinden.

Auf die Gefahr hin das du mich für verrückt hälst... aber so wie du es erklärst, wäre es eigentlich..nun...'richtig' wenn wir noch einmal Kontakt zu dem Ding aufnähmen und versuchen die Sache so zu klären, bevor wir los ziehen und sie einfach....exorzieren?

Er wusste nicht ob dieser eher christliche Begriff an dieser Stelle passend war, aber es fehlte ihm halt das rechte Vokabular.

Dabei gebe ich zu bedenken das dieses Ding wirklich boshaft und verrückt wie eine überbuchte Gummizelle im Hochsicherheitstrakt war. Zumindest hat es sich so angefühlt.

Das war nun wahrlich keine sachliche Analyse, aber wenn man schon anfing über Geister und Gespenster zu plaudern und diese ernsthaft in Erwägung zog, dann war es auch egal wenn man so formulierte. Gut das sie unter der Oberfläche waren, wo alles Gesagte zur Not in der gnädigen, alle Geheimnisse bewahrenden Dunkelheit der Unterwelt bleiben konnte.
 
Kiera folgte Lurker, passte auf, wo er durchging und blieb dann dicht dran, wer wollte sich schon in der Unterwelt von Finstertal verirren und wenn der Nosferatu sie hätte verschwinden lassen wollen, hätte er es auch schon früher tun können. Es war hier sehr kompliziert und sie stellte sich gerade vor, wie gewisse Leute hier nach Ziege suchten, na gut, dass sie da nicht dabei sein musste.

Sie kannte Lurkers Gedanken nicht, aber die Schlussfolgerung war richtig, darauf kam es an.

"Ja, im Grunde genommen ist ein Poltergeist genau das, was er in den Geschichten ist, denn solche Dinge gibt es auch schon sehr sehr lange", sagte sie dann. "Wir müssen wirklich so vorgehen, wie es in den Filmen und Büchern beschrieben wird.

Nein, ich denke nicht, dass sie Mina hiess, es kann auch Wilhelmina sein oder was ganz anderes, wenn du auf die Suche gehst, suche die Frauen heraus, die auf unerklärliche Weise verschwunden sind, vielleicht im Zusammenhang mit der Mina. Wenn es Bilder oder Zeichnungen gibt, dann schau sie dir an, meistens sehen die Geister sich ähnlich, manches Mal kann man es auch der Art der Kleidung identifizieren."

Es ging irgendwie schon wieder ans Eingemachte.

"Am liebsten wäre es mir, wenn wir mit ihr reden könnten, allerdings machte sie mir nicht den Eindruck. Sie wird uns bestimmt nicht sagen, so oder so könnt ihr mich erlösen, ich fürchte, wir werden da schon zu anderen Mitteln greifen und die Lösung selber und alleine finden müssen. Und ja zur Not exorzieren, in meinen Büchern habe ich passende Rituale, vorausgesetzt wir bringen in ihrer Gegenwart genug Glauben auf."

Ja, es war gut, dass sie hier waren, denn was sie hier besprachen, hätten die meisten als Unfug abgetan oder denken, sie wären verrückt geworden, denn selbst die Tremere oder Giovanni betrachteten Geister anders.
 
Es war leicht sich in der Tiefe über seinen Aufenthaltsort zu irren, aber noch waren sie nur wenige Meter unterhalb der Straßen der Stadt und damit immer noch vor den Toren der eigentlichen Unterwelt in denen die Verborgenen sich bewegten. Von hier aus wäre es ein leichtes wieder an die Oberfläche zu finden. Eine simple Leiter und zwei Meter Aufstieg würde sie wieder zurück führen. Stieß man dagegen in das Herz des Nosferatu Reiches vor, konnte man sich bald nicht mehr sicher sein ob man vor einer Wand oder vor einem Durchgang stand. Tatsächlich gab es Bereich dort, in denen 'nach Oben' die falsche Richtung sein konnte, weil man dabei an Orte kommen konnte die keine Verbindung zur Oberfläche hatten.

Da es aber keine Notwendigkeit gab der Mambo die Unbequemlichkeiten zu zumuten die einen auf einer solchen Reise erwarteten und sie ihr Ziel auf derartigen Wegen ebenso erreichen würden, blieb Kiera das Unbehagen der echten Unterwelt erspart.
So folgten sie weiter dem grün schimmernden Tunnel.

Vielleicht hilft es mir beim Verstehen wenn ich versuche dir dabei zu helfen. Dann hat diese Sache wenigstens noch etwas gutes.

Irgendwie war es nämlich auch traurig, wenn auch Mitleid bei Lurker eher ein seltenes Gut war. Aber es klang durchaus so als wenn die Geschichte die hinter der Erscheinung namens 'Mina' steckte durchaus ebenso tragisch sein mochte wie seine eigene.
Natürlich würde es gefährlich werden, aber schwimmen lernte man nun mal am besten im Wasser.

Meinst du es bringt etwas wenn du mir erzählst wie du 'so'...geworden bist? Also..wenn du möchtest. Natürlich erzählst du das dann nur mir.

Wieder war seine Formulierung unbeholfen, denn es klang beinahe so als wäre Kiera eine Absurdität, oder als leide sie an einer Krankheit. Das er extra erwähnte die Sache dann für sich zu behalten lag natürlich am Ruf seines Clans. Was man einer Kanalratte erzählte, das erzählte man im Grunde allen. Zumindest wenn man Pech hatte.
 
"Du meinst, wie ich zu dem geworden bin, was ich heute bin?" fragte Kiera zurück. "Gelernt habe ich es von einem Clan oder einer Blutlinie eher, die sich Samedi nennen, ist wohl wie es scheint das letzte Übrigbleibsel eines alten Clans, der sich Kappadozianer nannte und die sich mit dem Tod und danach befassten.
Das ist jetzt so 60 oder 70 Jahre her, als ich mit den Leuten meines Mannes vor den Nazis fliehen musste und es uns nach Louisiana verschlagen hatte, auch dort war es nicht friedlich und während einiger Strassenkämpfe während des Madi Gras hatte ich einigen Leuten geholfen, die wie Zombies verkleidet waren und die von irgendwelchen Vampiren verfolgt und angegriffen wurden. Dadurch, dass ich eben mehr sehe als andere habe ich sie retten können und sie brachten mich in ein Haus in French Quarter, dass mir zuerst sehr sehr seltsam vorkam."

Sie gingen weiter.

"Jedenfalls, meinte der Anführer der Zombies, dass er mich jemandem vorstellen wollte. Auf meine Fragen erklärte er mir, dass es noch andere Magie gab als die der Tremere und er die Nachricht von seinem Meister erhalten hätte, dass er mich in diese einführen dürfte. Nachdem sie mir ihren Glauben erklärt hatten, wurde ein grosses Fest vorbereitet, im Verlauf von diesem wurde ich Baron Samedi vorgestellt, der zuerst mal darum bat, meinen Geist zu erforschen. Was dabei geschah kann ich bis heute nicht sagen, aber ich muss bei Tag unterwegs gewesen sein, wie man mir erzählte und ich bin nicht vom Sonnenlicht gestorben und ich erhielt das Okay, dass ich aufgenommen würde und der Baron mich als eine seiner Priesterinnen akzeptiert. Ich habe mit ihm den Preis der Gegenleistung ausdiskuttiert und dann wurde ein winziger Teil meines Geistes in ein kleines Gefäss getan, damit dort eine Verbindung geschaffen werden konnte. Das Gefäss sollte man gut verstecken, denn wenn es geöffnet wird, solange man lebt, schwindet die Verbindung und alle erworbenen Fähigkeiten.

Die Fähigkeiten bekommst du übrigens direkt, also kein Bucher lesen wie bei den Tremere oder Giovanni, du bekommst es erklärt und du verstehst und kannst es, die letzte Lektion war mit einem schönen Urlaub an einem Strand verbunden, hat zwar in unserer Realität nur 10 Minuten gedauert, aber gefühlt waren es 2 Wochen. Ach und du bekommst ein oder zwei Geister an die Hand, wenn du das willst, die dir helfen oder dich unterstützen, so lange du sie gut behandelst."

Ob das so ganz das war, was Lurker hören wollte.
 
Man konnte sich gleichzeitig völlig fehl und doch seltsam zuhause fühlen. Zumindest wenn man solche Freunde wie Lurker gehabt hatte. Was Die Mambo von sich gab, war ein wilder Mix auch völlig Nachvollziehbarem und absoluten Hirngespinsten. Zumindest klang es danach. Es war ein wenig wie ein Gespräch mit dem altem Erstgeborenem der Mondkinder. Die Dinge machten irgendwie keinen rechten Sinn und ein Zusammenhang wollte sich nicht so recht ergeben, während der eigene Verstand verzweifelt hinterher lief, weil er dringend nach dem Aktion - Reaktion Schema suchte, das er brauchte um zu funktionieren. Allerdings war Kieras Erzählung angenehmer, weil die Dinge immerhin in der richtigen Reihenfolge passierten. Wie so oft in der Vergangenheit, beschloss die Ratio des Verborgenen also erst einmal damit zu leben, dass hier unlogische Dinge passierten, nahm Hut und Mantel von der Garderobe und ging eine Runde spazieren, bis sie wieder gebraucht werden würde.

Die Samedi...ja. Benannt nach diesem Baron, diesem Voodoo 'Gott'?. Ich kannte auch mal einen der Leichen. Leider wurde er hier in der Stadt vernichtet. Ich habe Geschichten gehört. Darüber das sie so etwas wie Vettern meines Clans sind.

Leider hatte er keine Zeit gehabt seine Bekanntschaft mit der damaligen Geißel, Dominic Dargol, zu vertiefen. Nur zu gerne hätte er Kontakte in diese Nische seiner Verwandten gehabt.
War er vielleicht deshalb jetzt mit der Caitiff hier? Gab es eine Strömung die ihn in diese Richtung manövrierte? Wenn es so war, hatte ihm die McKinney deswegen angeboten ihm zu helfen, weil sie ebenfalls eine Ahnung hatte?

Das Gefühl aufgestellter Nackenhaare kroch pricklend am Rückgrat des Nosferatu hinauf. Diese 'Sache' war beunruhigend, sogar wenn man sich noch gar nicht weiter damit beschäftigt hatte und nur am Rand kratze.
 
Die Samedi waren wohl eher die Überreste der Kappadozianer, aber das behielten sie dann doch besser für sich, denn die Leichenschänder aus Venedig würden das vermutlich eher nicht akzeptieren und man mußte sich nicht absichtlich mit der Mafia anlegen.

"Ob sie Vettern sind, na das ist nicht so ganz klar, es gibt auch andere Geschichten, aber das wollen sie lieber nicht in die Welt getragen haben", erwiderte Kiera und ging weiter mit Lurker durch die Kanalisation. "Vielleicht sind sie doch eher Überlebende vom alten Clan des Todes, aber das sollte man nicht zu laut sagen, würde jedenfalls den Bezug zum Tod und dem Interesse daran erklären."

Sie dachte ein wenig darüber nach.

"Du wirst einen Atutanten brauchen, ich kenne Dr. Thürmer ein wenig und der weiss auch über meine Verbindungen, vielleicht würde er es machen. Wenn du willst werde ich mit ihm reden und ihm versprechen, dass meine Schwester auf keinen Fall dabei sein wird, denn genau das wird sie mit Sicherheit nicht gut heissen."
 
Es gab Gerüchte über so gut wie Alles und Jedes. Die Wahrheit war häufig nichts weiter als ein theoretisches Konzept und hing an so vielen unsichtbaren Fäden, dass eine wahnsinnige Spinne das Gewebe angelegt haben musste. Lurker hatte bisher nur einen einzigen vom Clan der Zombies kennengelernt und dieser hatte sich als Verwandter betrachtet. Vielleicht so etwas wie ein untoter Cousin aus Übersee. Wie nett.
Zumindest als Verwandte im Geiste konnten sich die beiden Clans wohl betrachten, wenn das Blut der Verborgenen auch häufig die größere Rolle spielte in der alten Welt. Möglich das er sich bald in Kreisen bewegen mochte in denen er nochmal diesen ewig verwesenden Burschen begegnete.

Dr. Thürmer?

Tatsächlich war ein wenig Überraschung aus der Stimme des Anderen zu hören. Gepaart mit mildem Amusement. Es lag allerdings kein Spott in seiner Frage. Wenn die Sprache auf seine Clans Geschwister kam war der 'ehrwürdige Erstgeborene Lurker' immer gut auf seine Mit-Nosferatu zu sprechen. Allein der Gedanke das der stets korrekte und angenehm zurückhaltende und höfliche Bruder sich bereits mir derartigen Mächten und Abgründen beschäftigt zu haben schien.

Respekt Herr Doktor.

Was genau ist denn die Aufgabe eines solchen Adjutanten? Aber grundsätzlich ist Dr. Thürmer verlässlich und bestimmt zu allem zu gebrauchen, aber wieso musst du ihm gegenüber extra erwähnen das deine Schwester nicht dabei sein wird?

Das die Regentin es im Augenblick nicht gut heißen würde das Kiera mit den Kanalratten verkehrte war natürlich klar. Aber Lurker wusste nicht darum, dass sein Clansbruder bereits Opfer eines versuchten Übergriffes gewesen war. Vermutlich besser so, denn sein Versprechen Kiera gegenüber wäre mit Sicherheit schmaler ausgefallen, wenn er von einem Angriff auf einen seiner Schützlinge gewusst hätte.
 
"Sagen wir mal so, die beiden sind ein wenig aneinander geraten, irgendwie war es etwas ungeschickt von mir, sie zusammen zunehmen, solange der Konflikt da ist", erwiderte Kiera und ging dann nicht näher darauf ein.

"Es könnte sein, daß beim ersten Kontakt nicht alles so ganz glatt läuft und es dann eventuell sein muss, den anderen aus der Trance zu holen, da ich aber selber den Kontakt und die Konzentration halten muss, sollte er eingreifen, das werde ich euch dann erklären, es ist nicht schwierig, aber es sollte schon jemand machen, dem man auch traut und ich denke, da kann und würde ich Dr. Thürmer vertrauen."

Ja, vermutlich war noch nie eine Stadt so am Abgrund gestanden wie Finstertal und vermutlich würde das auch in Zukunft nicht besser werden.
 
Nur kurz hatte der Nosferatu auf ihre Aussage hin verharrt. Dann folgte ein Nicken, durch die Kapuze so gerade noch zu erkennen. Offensichtlich war Lurker mit der Wahl einverstanden. Der Doktor gehörte zur Familie, natürlich vertraute er ihm. Das kurze Stutzen war eher auf die Tatsache gemünzt, dass die Schwester der Mambo möglicherweise versucht hatte sich an dem Anderen zu vergreifen. Lurker würde seinen Clans Bruder wohl noch einmal genauer fragen müssen was dort vorgefallen war und es war durchaus möglich das dabei herauskommen musste, dass ein Denkzettel nötig war. Einen Angriff auf einen Verborgenen würde Lurker nicht unbeantwortet lassen. Da die Regentin als direktes Ziel nicht in Frage kam, stand sie doch unter dem Schutz ihrer Schwester, bliebe wohl nur übrig einen anderen Hexer an die Wand zu nageln. Aber zuerst galt es zu hinterfragen was genau eigentlich passiert war.

Dann erreichten die beiden das Ende des Ganges. Dort liefen sie zwar auf eine Türe zu, jedoch ließ der Nosferatu diese links liegen und wandte sich anstatt dessen einem Gitter zu, das auf dem Boden lag und dort anscheinend einen Abfluss abdeckte. Ohne ersichtliche Mühen hob Lurker das Gitter hoch und machte damit den Durchgang zu einem Loch frei, durch das ein ausgewachsener Mensch so eben hindurch passte. Nachdem Kiera hinab gestiegen war, folgte der Verborgene ihr auf dem Fuße. Mit einem leisem Schaben setzte er Das Gitter über sich wieder ein.

Dann lag die unterirdische Passage wieder still da. Glühte sanft in ihrem diffusem, grünlichem Licht und würde niemandem verraten wohin die Beiden verschwunden sein mochten.
 
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