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Dungeon Crawl Classics: Die sterbende Erde von Jack Vance

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Wer den Purpurplaneten bereist, der bemerkt schnell, dass es ein sterbender Planet ist. Die Welt die Harley Stroh hier erdacht hat, ist deutlich inspiriert von Robert E. Howard und Jack Vance. Gerade letzerer hat mit seinen Geschichten um die Sterbende Erde einen echten Klassiker der Phantastik geschrieben und es lohnt sich staubige Antiquariate danach abzusuchen. Denis Bökenkröger, einer unserer Purpurplaneten-Übersetzer, hat sich die Zeit genommen und einen kleinen Einstieg in die Welt der sterbenden Erde verfasst. Das könnte übrigens auch später noch einmal wichtig werden, wenn Goodman Games das DCC-Dying-Earth-Setting veröffentlicht
😉




Viele, viele tausend Jahre in der Zukunft taumelt die Erde der zu einem roten Riesen aufgeblähten Sonne entgegen, die sie in jedem Augenblick verschlingen kann. Die großen Zivilisationen sind schon lange zusammengebrochen und die Gesellschaften sind auf den Stand des Mittelalters zurückgefallen. Es gibt nur noch wenige Menschen, die dem Ende in tiefer Dekadenz und endloser Zerstreuung entgegen träumen. Doch es gibt auch wieder Magie und fantastische Kreaturen streifen über den in rotes Licht getauchten Planeten.

Das erste Mal habe ich von sterbenden Erde in in Liane, der Wanderer gelesen habe – das in Grüne Magie (eine Sammlung von Jack Vances Kurzgeschichten, die irgendwann in den 80ern bei Heyne erschien) und die ich vor allem wegen des tollen Covers gekauft hatte. Im ersten Moment war ich ein wenig schockiert von der Geschichte: Sie handelt von einem jungen “Troubadour-Banditen” namens Liane, der einen Handel mit einer schöne Zauberin eingeht, damit sie ihn… liebt. Der nicht nur mit goldenen Augen, sondern auch mit einem Zauberring gesegnete Liane ist nicht nur oberflächlich und arrogant, sondern auch ein gewissenloser Mörder, für den die Geschichte nicht gut ausgeht.
Dass der Held in einer Fantasygeschichte so ein ausgemachter Drecksack war – das war für mich neu. Selbst blutrünstige Mordgesellen wie Karl Edward Wagners Kane hatten so etwas wie einen Ehrenkodex. Plus, die Art wie die Gesichte erzählt wurde – die sprachliche Eleganz, die Unmengen grandiosen Ideen auf nur wenigen Seiten, der feine Humor und der tiefe Zynismus. Ich wurde nach wenigen Seiten ein Fan von Vance und bin es noch.
Es dauerte Jahre, bis ich überhaupt bemerkte, dass Vance mehr als eine Geschichte von der sterbenden Erbe geschrieben hat. Das geschah, als ich zufällig Turjan von Miir las. Die Titelfigur hat ganz sicher ein Gewissen – Turjan ist schwermütig, weil es ihm nicht gelingen will, in seinem Labor weitab von der Erde neues Leben zu erschaffen. All seine Kreaturen sterben bald nach ihrer Erweckung, oft qualvoll. Er macht sich also auf dem Weg zu dem einen anderen Magier, der das gesuchte Wissen haben könnte: Pandelume, der noch alle 1000 Zaubersprüche kennen soll. Turjan reist also auf die Erde, wohl wissend dass Pandelume sich nicht ohne einen Preis erweichen lassen wird. Gut also, wenn man vorher die Brillante prismatisch Berieselung, Phandaals Tarnspruch und Spruch der kurzen Stunde eingeprägt hat!
Es macht also viel Sinn, wenn man sich gleich eine ganze Reihe von Vances meistens kurzen Geschichten vornimmt, um Spaß mit der Sterbenden Erde zu haben. Die einzelnen Stories beleuchten oft nur eng umrissene Aspekte der ganzen Erde und ich finde, man kann längere Geschichten wie Cugels Abenteuer dann noch besser genießen.

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Die Sterbende Erde auf deutsch​


Es gibt eine Menge deutschsprachiger Ausgaben von Vances bekanntester Welt, einige davon wie viele Taschenbücher der 60er bis 80er Jahre gekürzt, davon leider auch viele in eher zweifelhaften Übersetzungen. Ihr findet immer wieder einige Gebrauchtexemplare für faires Geld auf den üblichen Plattformen.
Ich empfehle aber den kompletten Episodenroman Die Sterbende Erde, den Heyne 2015 in einer neuen Fassung herausgebracht hat. Die Übersetzungen von Lore Strassl haben mir immer am Besten gefallen, hier sind sie zwar hinter einem wirklich entsetzlich nichtssagenden Cover versteckt, aber das sollte euch nicht abschrecken. Die Stories sind in dieser Form zuerst 1950 (!) erschienen, aber sie sind wirklich kaum gealtert.
Danach würde ich mich Cugel dem Schlauen widmen – der übrigens ebenso wie viele andere Figuren von Vance selbst in seinen besten Momenten allerhöchstens als Antiheld durchgeht und der zudem lange nicht so schlau ist, wie sein Beinahe vermuten lässt.
Interessanterweise ist der Roman Cugel der Schlaue der zweite Teil seiner Abenteuer, die in Die Augen der Überwelt beginnen, das wiederum zuerst als Der Lachende Magier erschien.
Die einzige zu diesem Zeitpunkt neu lieferbare deutsche Version seiner Abenteuer in Papierform ist die 2006 von FanPro herausgegebene, mit Namen Cugel der Schlaue in: Cugels Irrfahrten. Hier sind alle Geschichten um Cugel gesammelt. Solange ihr die noch bekommt: Das ist was ihr wollt.
Wenn wir schon bei „wenn ihr sie bekommt“ sind: Die mit Abstand schönsten deutschsprachigen Ausgaben von Jack Vances Werk sind in der Edition Andreas Irle erschienen. Dort gibt es auch eine umfangreiche Bibliographie.

Dying Earth im Original lesen​


Solltet ihr aber das lohnende Wagnis auf euch nehmen, den Zyklus auf englisch zu lesen: Der Sammelband Tales of the Dying Earth bietet euch für faires Geld fast alles des Dying Earth Zyklus (The Dying Earth, The Eyes of the Overworld, Cugel’s Saga und Rhialto the Marvellous) für einen sehr fairen Preis. Eine besonders schöne Taschenbuchausgabe ist in vier Bänden von Spatterlight Press erschienen, die ich persönlich aber noch nicht angeschaut habe. Die Covergestaltung allein ist aber eine der schönsten, die ich kenne. Ach ja: Ein Wörterbuch ist bei Jack Vance immer empfehlenswert.



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