Die Macht der Klinge

Earin Shaad

Woge des Wahnsinns
Die Macht der Klinge

Winter, Winter in den Aranabergen. Eine harte, öde und kalte Zeit.
Winter. Wenn die Herzen der Menschen gefrieren, wenn man sich zusammenkauert am Feuerschein, wenn man Geschichten erzählt. Geschichten von Helden, Geschichten von Abenteuern, Geschichten von Dämonen. Viele Lieder kennen die Menschen von Westfall, am Fuße der Berge, versteckt in einem Tal mit heißen Quellen. Sie berührte der Winter nicht so sehr wie den Rest des Landes, doch auch sie litten unter der Kälte und den langen Nächten.
Wenn der Schnee kommt, der kalte Wind pfeift und alles bis auf die heißen Quellen gefriert ist auch für sie die Zeit gekommen sich in ihre Häuser zurückzuziehen.
Dann erinnern auch sie sich der Sagen und Lieder, von Abenteuern, Helden, Drachen und Dämonen. Sie sind weise, die Menschen von Westfall, doch auch sie haben eine Weisheit vergessen, eine manchmal sehr wichtige Weisheit. Jede Geschichte enthält ganz tief im Inneren ein Körnchen Wahrheit. Manchmal auch mehr als ein Körnchen, sehr viel mehr...

Urbane stemmte sich gegen den Wind, der an seinem fellbesetzten Umhang riss und zerrte.
Er hielt seinen Hut fest und versuchte gleichzeitig mit der anderen Hand den Umhang daran zu hindern, aufzuklaffen und so dem kalten Sturmwind Einzug zu gewähren, ihn an Urbanes noch warmen Körper heranzulassen.
Der Alte Urbane, so nannten sie ihn. Dabei war er noch gar nicht so alt, der alte Wanderer.
Noch keine fünfzig Sommer hatte er gesehen. Aber harte Arbeit und ein mühsames Leben hatten ihre Spuren in seinem wettergegerbten, zerfurchten Gesicht hinterlassen.
Doch Urbane war immer noch kräftig. Einer der wenigen war er, die es im Winter wagten, die schlüpfrige, vereiste Bergstrasse hinunter nach Westfall zu begehen. Schon viel jüngere Männer als er waren von dieser Reise nicht zurückgekehrt und ihre steifen Leichen hatte man dann im nächsten Frühling gefunden, wenn Asomi, der Wintergeist, dem Ansturm der Sonne hatte weichen müssen.
Eine Unachtsamkeit ließ Urbanes Fuß den Halt verlieren, plötzlich war er auf einer Eisplatte.
Erschrocken versuchte er, abzustoppen, doch es war zu spät. Seine Füße rutschten ab, voll schlug er auf den Boden. Dann begann er abzurutschen. Urbanes Hände krallten sich in das Eis, er versuchte seinen Sturz zu verlangsamen, doch es war vergeblich
Immer schneller begann er den Weg hinabzuschlittern. Sein Gesicht schlug auf das Eis, einmal, zweimal, sein Hut wurde ihm vom Kopf gerissen und der heulende Sturmwind trug ihn mit sich davon, Urbane pfeifend auslachend und beschimpfend.
Plötzlich landete Urbane in einer Schneewehe, sein Fall kam zu einem abrupten Ende.
Prustend und zitternd tauchte der Alte aus dem Schnee heraus, möglichst schnell auf den Weg springend. Fluchend klopfte er sich den Schnee vom Umhang und versuchte ihn wieder fester um die Schulter zu ziehen, denn ihm war eiskalt. Und doch hatte er Glück gehabt, er wusste das. Er hatte keine Ahnung gehabt das das Ende des Weges schon so nahe war, das er schon fast im Tal war. Hier unten war es wärmer, wenn auch nicht viel und der Sturmwind war nicht so beißend kalt wie in den Bergen. Urbane lachte auf. Er hatte es wieder geschafft!
Jedes Jahr ging er diese Strecke, er zog es vor den Winter in Westfall zu verbringen, die Kälte in Amerun tat seinen Knochen nicht mehr gut. Die warmen Quellen hingegen waren der perfekte Ort, den Winter zu verbringen und auf des Frühlings Einzug zu warten.
Oben in Amerun hatten sie ihn ausgelacht, diese Jungspunde im „Gehörnten Bären“, dem besten Gasthaus weit und breit, abgesehen natürlich vom „Eispalast“ unten bei den Quellen.
Verflucht seien sie alle, sie hatten gelacht als er gesagt hatte, er würde ins Tal hinuntersteigen.
Einen alten Narren hatten sie ihn genannt, der in den Tod lief.
Und hier war er! Unten im Tal angekommen und auf dem Weg zum Eispalast, zu einem warmen Feuer und einem warmen Mittagessen.
Andererseits, vielleicht war es auch schon das Abendessen, wer konnte im Winter schon so genau die Tageszeit bestimmen. Zu Mittag war es nicht viel heller als in der Nacht, der Schnee verschluckte jeden Sonnenstrahl. Urbane fehlte nichts, außer ein wenig Blut und auf seinem Gesicht waren einige frische Kratzer. Sei es drum! Er hatte schon schlimmeres überlebt in seinen sechsundvierzig Wintern, weit schlimmeres!
Und außerdem gab sein Sturz wieder eine amüsante Geschichte für die öden Winterabende die nun folgen würden. Man erzählte sich immer Geschichten, vor allem solche, die einen zum Lachen brachten. Nur spät am Abend, wenn die jüngeren längst schliefen, eingehüllt in wärmende Felle und Decken, hörte man die schaurigen Geschichten, die über Dämonen und Drachen. Giang-Shis Reiter der Finsternis und die gefürchteten Eistrolle, die Schattendrachen und die Schneeschlangen. Gestalten aus Märchen und Liedern!
Urbane fuhr herum. Er lauschte. Und da, einen Moment lang schien ihm als würde er das Näherkommende Dröhnen von Hufen auf der Straße hören. Er hörte genauer hin, und hörte nichts. Nur das Heulen des Windes. Keine Dämonenreiter, nichts.
Urbane schalt sich selbst. Man sollte auf solchen Straßen nicht über diese Geschichten denken, vor allem dann, wenn man alleine unterwegs war. Denn dann konnte die Fantasie eines Mannes anfangen verrückt zu spielen und er selbst erwies sich dann als sein gefährlichster Gegner. Schon viele waren Täuschungen und Einbildungen erlegen, waren in den Schnee gestürmt, fliehend vor einer Erscheinung. Die meisten waren umgekommen, hatten sich im Schnee verirrt, nur wenige überlebten eine Winternacht im freien.
Urbane hatte nicht die geringste Lust auf solch ein Erlebnis. Beherrsche dich! Ermahnte er sich. Denk an ein warmes Bad und ein warmes Zimmer! Nicht an irgendwelche Geistergestalten.
Hinter Urbane ertönte ein Schnauben, wie das eines Pferdes. Urbane stand da wie versteinert.
Erneut eine Einbildung? Langsam drehte er sich um. Sein Blick wanderte über die Straße hinter ihm. Nichts. Nur der Schneesturm.
Erleichtert aufseufzend wandte er sich wieder Richtung Westfall. Und unterdrückte mühsam einen Aufschrei.
Vor ihm war eine Gestalt aus dem Sturm aufgetaucht, ein Reiter auf einem schwarzen Pferd, in schwarzer Rüstung. Wie ein Gespenst war er aus dem Schneesturm erschienen, herbeigezaubert von irgendeiner finsteren Macht. Urbanes Blick wanderte wie von selbst über die Erscheinung, als würden seine Augen von etwas angezogen, gerufen.
Das Pferd war gewaltig, über acht Hand hoch und schwarz wie Ebenholz. Sein Augen, in seinen Augen brannte Feuer! Das Feuer der Hölle!
Urbane versuchte zu schreien, doch er konnte nicht, sein Körper gehorchte ihm nicht mehr.
Sein Blick wanderte zum Reiter. Die Gestalt trug eine schwarzgoldene, verzierte Rüstung gestaltet wie die der Samurai vergangener Zeitalter, aus dem Krieg der Legenden.
Ein dunkler Helm mit weißem Federbusch saß auf dem Kopf des Ritters und eine dämonische Maske bedeckte sein Gesicht. Doch nein, erkannte Urbane blinzelnd. Das war keine Maske! Es war sein Gesicht! Seine Augen...seine Augen...
Der Alte bekam nur flüchtig mit wie um ihn herum weitere Reiter auftauchten, ein Ring aus Gestalten auf schwarzen Pferden. Ein Geräusch ertönte, der auf Erden einzigartige Klang, der das Ziehen des Katanas aus der Scheide begleitete. Urbane sah die dunkle Klinge, sah eine Schneewolke auf ihr Landen und verdampfen, nur ein dünner Rauchschleier blieb von ihr.
Die Klinge hob sich, und sauste blitzschnell herab, zu einem diagonalen Hieb. Urbane versuchte auszuweichen, doch es war schon zu spät, viel zu spät. Er fühlte einen stechenden Schmerz und sah an sich herab. Verblüfft sah er die Klinge aus seinem Körper ragend, ein Riss klaffte in seiner Brust. Er fiel in den Schnee und fühlte nichts mehr.
Die schattenartigen Reiter wendeten ihre Pferde und eilten geräuschlos die Straße hinab, Richtung Westfall.


Es schneite und es war kalt. Der eisige Sturmwind pfiff durch das alte Kloster, das einstige Kloster, nun umfunktioniert in eine Schule. Der Nordwind pfiff durch die kalten Gänge, tobte in vielen Zimmern und dann, als würde er müde werden, flog er durch die Fenster hinaus in den Innenhof nur um dort mit wiedererwachter Kraft über die Schüler und Studenten herzufallen. Der Wind pfiff durch Lears Hose, umtobte seinen nackten, mit Schweiß bedeckten Oberkörper, riss an seinen Haaren und wehte ihm kalten Schnee ins Gesicht.
Der junge Mann stand mit nackten Beinen im eiskalten Schnee, doch er ignorierte dies, genauso wie er den Wind ignorierte. Leicht hielt er das Schwert beidhändig, hielt es vor seinen Körper und beobachtet den alten Mann ihm gegenüber genau.
Der Alte war eine eindrucksvolle Erscheinung. Langes, graues Haar fiel ihm über die Schultern, die, trotz des Alters, noch immer breit und kraftvoll waren. Das Gesicht war markant, mit vorstehendem Kinn und spitzer Nase, mit kraftvollen blauen Augen überschattet von dünnen, grauen Brauen. Die Jahre des Schwerttrainigs in seiner Jugend hatten ihm Muskeln verliehen, die er bis ins Alter behalten hatte, noch immer bewegte er sich rasch und geschmeidig. Auch er hielt ein Schwert, ähnlich wie das Lears, doch mit etwas kürzerer Klinge, der Griff war schwarz umwickelt. Auffallend war auch, dass die Nägel der zwei kleinsten Finger an jeder Hand lang waren und sorgfältig lackiert, wobei das den Greisen offenbar nicht daran hinderte, das Schwert sicher zu halten. Dies war Kensai, der berühmte Schwertmeister, der Held dutzender Abenteuergeschichten und nicht zuletzt auch Lears Lehrer.
All das nahm Lear in einem Augenblick war, und noch mehr, doch er beachtete es nicht.
Er konzentrierte sich, war eins mit seinem Schwert, eins mit Kensai, eins sogar mit dem Schnee unter seinen Füßen, ruhig und abwartend. Er spürte die Bewegungen seines Meisters mehr als er sie sah, machte jede Bewegung mit, oder konterte mit einer entsprechenden Gegenbewegung. Gefühllos und ruhig.
Kensai griff an, nur ein leichtes Verlagern seines Gewichtes den Bruchteil einer Sekunde vor seinem Angriff deutet darauf hin. Sein Katana blitzte auf, schwang in Richtung Lears Hals.
Blitzschnell wurde der Angriff pariert und Lear antwortete mit einer Riposte.
Elegant bog sich der alte Lehrer um dem Angriff seines Schülers auszuweichen, doch sofort erfolgte ein weiterer. Kensai trat einen kleinen Schritt zurück, die Klinge von Lears Katana zischte nur Zentimeter vor seinem Gesicht vorbei. Dann warf er sich erneut auf seinen Schüler, die beiden Klingen wirbelten durch die Luft. Parade, Riposte, Ausweichschritt, Angriff. Die den Zweikampf beobachtenden jungen Schüler verfolgten jede Bewegung genau, versuchten jegliche Änderung der Körperhaltung der Kämpfenden zu erkennen, oft war ihnen gesagt worden, wie wichtig dies sei. Kurzzeitig wurde der Kampf so schnell, dass die Schüler nur verschwommene Figuren erkennen konnten, das Klirren von Stahl auf Stahl übertönte sogar den heulenden Wind. Dann trennten sich die Kontrahenten wieder, sprangen auseinander.
Sekundenlang beobachteten sie sich, auf den nächsten Zug des jeweils anderen wartend.
Eine fast greifbare Konzentration und Spannung lag nun in der Luft, es schien als würde die Luft selbst knistern und Funken sprühen.
Mit einem Aufschrei aus den Tiefen der Brust stürmte Lear voran, entschlossen das Duell zu beenden, das nun schon einen halben Glockenschlag währte. Seine Klinge durchschnitt die Luft, prallte auf die seines Lehrers, zuckte zurück, stieß erneut zu, diesmal flach gehalten und tief. Kensai wechselte den Schwertgriff, schlug mit der flachen Klinge leicht auf die Lears, genug um seinen Angriff zu stören. Der jüngere Mann musste sich unter einem unerwarteten Rückhandhieb hinwegducken und strauchelte unter der Wucht des nächsten Schlages.
Seine Lippen verzogen sich zu einem lautlosen Knurren, er hatte die Konzentration verloren.
Zwei weitere Schläge vermochte er noch abzuwehren doch dann traf ihn seines Lehrers Klinge, streifte leicht seine Brust und blieb vor seiner Kehle stehen, verharrte mitten in der Bewegung.
Lear ließ sein Katana sinken. Es war vorbei. Sich leicht verbeugend trat er zwei Schritte zurück. Kensai erwiderte die Verbeugung und nahm seinen Schüler dann am Arm.
„Ein guter Kampf.“ Seine Stimme war melodiös und weich, doch unterlegt mit Stärke und Autorität. „So nahe wie heute warst du noch nie daran, mich zu schlagen.“
„Aber ich habe doch verloren..“ Lears Stimme klang verbittert, als wollte er seine Niederlage nicht eingestehen. „Wäre das ein echter Kampf gewesen, wäre ich jetzt tot.“
„Das ist wahr. Aber du solltest diesen Kampf nicht mit Verbitterung betrachten. Weißt du, warum du verloren hast?“
„Ich war zu langsam.“
„Und warum warst du das?“
„Meine Konzentration...hatte...nachgelassen.“
„Ja.“ Der alte Lehrer lächelte. „Nächstes Mal wirst du es besser machen. Das weiß ich.“
„Ja, Meister.“
„Auch Niederlagen sind wichtig, Lear, mein Sohn. Aus ihnen lernt man viel. Selbst ich habe oft verloren. Aber ich habe aus jeder Niederlage etwas gelernt, mit jedem verstrichenem Kampf machte ich weniger Fehler.“ Ein warmes Lächeln breitete sich auf Kensais Miene aus.
Er wandte sich an die um sie versammelten Studenten.
„Ich möchte das ihr den Kampf, den ihr gesehen habt, genau analysiert, denkt über alles nach.
In Ruhe. Heute wird es keinen weiteren Unterricht geben, ihr habt Zeit zur Meditation.“
Kensai klatschte leicht in die Hände und die Schüler erhoben sich, eilten mit leichten Verbeugungen von dannen.
Lear grinste. „Ihr habt wie immer recht, Meister. Ich werde aus dieser Niederlage lernen.“
„Natürlich wirst du das. Du bist mein bester Schüler. Du lernst schnell.“
„Ich danke euch, Meister.“ Der junge Mann fühlte sich geschmeichelt, denn der alte Schwertmeister machte nicht oft Komplimente.
„Würdest du heute Abend mit mir vielleicht einen Tee trinken, mein Schüler?“
„Natürlich, Meister. Sehr gerne.“
„Bei Sonnenuntergang. Ich habe dir etwas Wichtiges mitzuteilen.“
„Bei Sonnenuntergang“, wiederholte Lear. „Sehr gerne, ich werde kommen.“

Die jetzt durch eine dicke Wolkendecke beinahe verborgene Sonne verschwand schon fast hinter den hohen Gipfeln der Berge als Lear aus seiner Meditation erwachte.
Es war zu früh und das wunderte ihn. Er hatte vorgehabt drei Stunden zu meditieren doch irgend etwas hatte ihn früher aufgeweckt. Etwas plagte ihn. Er hatte so ein Gefühl im Hinterkopf, als würde etwas passieren. Etwas...
Verwirrt runzelte er die Stirn. Merkwürdig, sehr merkwürdig.
Langsam erhob er sich aus dem Schneidersitz und spazierte zum Fenster seines kleinen Zimmers. Er fühlte sich sehr wohl hier, hatte sich schon immer hier wohlgefühlt, schon als er dieses Zimmer vor acht Monaten zum ersten Mal gesehen hatte, hatte er es in sein Herz geschlossen. Es war einfach eingerichtet, man konnte es schon fast spartanisch nennen und doch fühlte Lear sich hier entspannt und wohl. Es war als sei jeder Teil des Zimmers mit ihm verknüpft, als würde jeder Gegenstand zu seinem Körper gehören.
Der kleine Tisch mit den drei einfachen, selbstgezimmerten Holzstühlen, das Bett mit der harten Matratze und der kleine Kasten in dem er seine wenigen Habseligkeiten aufbewahrte
waren ihm lieb und teuer, wie gute alte Freunde. Ein Lächeln stahl sich auf Lears Gesicht und seine Miene hellte sich auf, es schien, als würden ihm die Gegenstände zuzwinkern, mit ihm lächeln und ihn wie immer verstehen.
Grinsend riss Lear das Fenster weit auf. Sofort heulte der kalte Wind von draußen herein und die Temperatur des ohnehin schon kalten Zimmers sank rapide. Doch Lear beachtete es nicht.
In den letzten Monaten hatte er sich an die Kälte gewöhnt, hier oben, auf Robas, dem höchsten Gipfel der Aranaberge war es auch im Sommer kalt und der Sturmwind war hier immer schneidend und brachte fast immer auch Schnee mit sich.
Plötzlich verengten sich Lears Augen und sein Lächeln schwand, als wäre es nie dagewesen.
Er hatte etwas gesehen, eine Bewegung im Schneesturm, etwas Großes.
Angestrengt versuchte er mit seinem Blick die Schneemassen zu durchdringen, doch er konnte nichts erkennen. Der unendliche weiße Vorhang verbarg alles genau so gründlich wie die Decke der Nacht, wenn nicht gründlicher.
Und doch, da war etwas gewesen. Lear versuchte sich zu erinnern. Es war nur einen Augenblick dagewesen, eine große, schattenhafte Gestalt. Ein Mensch?
Vielleicht ein Verirrter im Schneesturm? Jemand der Hilfe brauchte?
Aber warum war die Gestalt dann zurückgewichen, als er sie erspäht hatte? Als würde sie nicht wünschen, gesehen zu werden. Vielleicht irgendein Tier? Aber hier oben gab es nicht viele Tiere von Menschengröße und keines von ihnen hatte ein dunkles, und schon gar kein schwarzes Fell. Merkwürdig...
Langsam wandte sich Lear vom Fenster ab und verschloß es um den Schnee daran zu hindern, weiter in sein Zimmer einzudringen. Er hatte noch fast eine Stunde bis Sonnenuntergang und bis er mit Kensai verabredet war. Also hatte er noch genug Zeit um zu trainieren.
Kensai würde seinen Eifer sicher begrüßen. Lear lächelte als er sich das Gesicht seines alten Lehrers vorstellte. Kensai! Kensai der gute, der reine, der weise, Kensai der Held.
Zu Lear war er stets wie ein zweiter Vater gewesen und wie ein Vater wurde er von jenem auch geliebt. Er hatte ihn hart rangenommen, hatte ihn lange trainieren lassen, über zehn Stunden täglich, harte Arbeiten.
Dann, erst nach drei Monaten, hatte er begonnen, Lear im Gebrauch der Katana zu unterweisen. Lear hatte schnell gelernt.
Sein Blick wanderte zu seiner Katana, ein Geschenk Kensais vor zwei Monaten zu seinem Tag des Namens. Lass-Hogai, so hatte er sie genannt. Schützer des Lebens.
Kensai hatte ihn sehr gelobt, er hatte es einen guten Namen genannt.
Lear schüttelte den Kopf. Er sollte aufhören über die Vergangenheit nachzudenken und mit dem Training beginnen! Langsam ging er in die Hocke, spreizte die Beine leicht, stand auf den Zehenballen, in der Stellung des Frosches. Langsam bogen sich seine Arme, er erhob sich, ging die fünfunddreißig Stellungen des Lebens durch. Das Ziel dieser Übungen war es, jeden einzelnen Muskel kräftig und geschmeidig zu halten, etwas Lebenswichtiges für den Schwertkampf. Langsam erhob sich Lear aus der Rabenstellung und streckte sich.
Die Übungen waren anstrengend, sehr sogar, und trotzdem schwitze er nicht. Er hatte dies schon zu oft gemacht, als das es ihn ermüdete, ganz im Gegenteil.
Diese schwere, körperliche Übung gab ihm Kraft, füllte ihn mit Energie.
„Lear“. Lear wirbelte herum. Wer rief ihn? Im Zimmer hielt sich niemand auf.
„Lear“. Die Stimme kam vom Fenster, von außerhalb, aus dem Schneesturm.
Eine fremde Stimme. Aus einem unerklärlichen Grund befiel eine merkwürdige Angst den jungen Mann. Langsam und vorsichtig, Zentimeter für Zentimeter, näherte er sich den Fensterläden, sein Katana war bereit. Nur noch ein paar Schritte.
Etwas kratzte von außen hart an den Fensterläden. Ein zischendes Geräusch ertönte, ein Ausdruck der Wut. Lear konnte sich nicht mehr halten. Mit einem Satz war er am Fenster, riss es blitzschnell auf und sah...nichts.
Dort draußen stand niemand. Niemand rief seinen Namen, nur der Sturm heulte.
Verwirrt untersuchte Lear die Fensterläden. Sie waren makellos. Keine Kratzspuren.
Hatte er sich die Stimme und das Kratzen nur eingebildet? Merkwürdig.
Lange Zeit stand er dort und starrte auf den Schnee hinaus, lauschte als würde er hoffen, im Gesang des Windes eine Antwort zu vernehmen oder wenigstens die Stimme, die seinen Namen rief.
Ein Klopfen an der Tür riss Lears Gedanken vom Schnee weg.
„Herein,“ sagte er.
Die Tür wurde geöffnet und Sansatsu, einer der jüngeren Schüler betrat den Raum.
Er verbeugte sich vor Lear. „Bruder, der Meister schickt mich. Er läßt euch ausrichten das er euch in seinem Zimmer erwarte.“
„Danke Bruder.“ Sprach Lear. „Ich werde sofort zu ihm gehen.“
Sansatsu verbeugte sich erneut und verließ leise den Raum. Lear grübelte. War es schon so spät? Hatte er so lange am Fenster gestanden? Ihm war es vorgekommen wie Sekunden.
Sollte er Kensai von der Stimme erzählen? Er beschloss dies nicht zu tun.
Eine sehr verhängnisvolle Entscheidung, doch vorherbestimmt.
Und so nahm das Schicksal seinen Lauf.

„Und in Nächten wie diesen, wenn der kalte Wind um die Häuser pfiff und die Dunkelheit über dem Land lag, zogen die Reiter des Schattens durch das Land. Sie suchten die Menschen heim und brachten ihnen Unheil, zerstörten und plünderten.“
Miraks Stimme war leise und geheimnisvoll, leicht zog sie seine Zuhörer in den Bann. Die vier Kinder, drei kleine Mädchen und ein schon etwas älterer Junge, drängten sich am Feuer zusammen und lauschten fasziniert. Mirak lächelte innerlich. Ihn hatten als Kind auch immer die gruseligen Geschichten am meisten fasziniert, vor allem wenn sie in solchen Nächten vorgetragen wurden. Seine Frau meinte zwar immer, er solle die Kinder nicht erschrecken, aber ein wenig Angst hatte noch niemandem geschadet, wenigstens war das Miraks Meinung.
Wie gut er den Ausdruck der Spannung und unterdrückter Angst in den Augen der Kinder kannte! Es machte ihm Spaß, Geschichten mit solcher Wirkung zu erzählen, und diese war eine seiner Liebsten. „Lange dauerte die Schreckensherrschaft Giang-Shis und seiner Reiter an, über viele Jahre hinweg, und die Menschen litten und jammerten und flehten das Licht an, ihnen einen Erlöser zu schicken. Und dann, als hätte die Sonnengöttin ihre Bitten gehört, ward in einer stürmischen Nacht ein Kind geboren. Im Herzen eines gewaltigen Sturmes erblickte es das Licht der Welt.“ Mirak hielt kurz inne, um die Kinder zu betrachten. Sie lauschten mit offenen Mündern. „Es war ein kräftiger Knabe, gesund und mit prachtvollem schwarzen Haar.
Er tat seinen ersten Atemzug am Fuße dieser Berge, vielleicht sogar in unserem Dorf. Er schrie und seine Stimme war wie Donner, während seine Augen leuchteten mit der Urgewalt eines Blitzes. Alle die das Baby sahen und hörten, sahen in ihm den Helden zu dem er werden würde.“
Filkal, der Junge, grinste und Mirak lächelte ihn an. Er kannte seinen Sohn, wusste welche Stellen ihm gut gefielen. Bestimmt sah er sich selbst in seiner Phantasie als strahlenden Helden. So waren Jungen in dem Alter nun Mal.
Mirak warf ein Stück Holz in den Kamin, um den Flammen neue Nahrung zu verschaffen. Gierig leckten sie empor, als würden sie ein ihnen angebotenes Opfer verschlingen und erfüllten erneut den Raum mit flackernden Schatten.
Dann setzte er sich erneut auf seinen alten Lehnstuhl und begann seine Pfeife zu stopfen.
„Komm schon, Papa, erzähl weiter,“ drängelte Filkal und die Mädchen schlossen sich ihm schnell an, bettelten ihren Vater an, weiterzusprechen.
„Schon gut, schon gut.“ Mirak legte seine Pfeife aus der Hand. Dafür war später auch noch Zeit, jetzt sollte er erzählen.
„Also, hört zu. Der Knabe ward Finrel geheißen und schnell wuchs er heran.
Die Monate flogen dahin und der Knabe wuchs und wurde stattlicher, zu einem kräftigen jungen Mann. Wenige Jahre waren vergangen und schon übertraf er seinen Vater und auch alle anderen Männer im Dorf an Größe und Kraft. Dann kam die Nacht der Entscheidung.
Als an des jungen siebten Geburtstag die Nacht hereinbrach, legte sich ein undurchdringlicher Nebel über das Dorf, etwas Schwärzeres als die Dunkelheit selbst. Die Dorfbewohner drängten sich furchtsam in ihren Häusern aneinander und sperrten die Türen und Fenster zu.
Doch diese Nacht sollten ihnen all ihre Vorsichtsmaßnahmen nichts nützen, denn die Schattenreiter kamen in ihr Dorf. Sie kamen schnell und sie kamen leise, wie Geister tauchten sie aus der Finsternis auf. Giang-Shi der Blutdurstige führte sie an, einer der hohen Dämonen der Jigoku. Schwarz gepanzert war er, von der Gestalt eines Samurais, eines Menschen, und doch war das das einzige, was an ihm menschlich zu nennen war.
Er hatte die Kraft eines Teufels und der Durst trieb ihn voran, er saugte den Menschen das Blut aus, nachdem er sie niedergestreckt hatte. Schon unzählige waren seiner Klinge zum Opfer gefallen doch in jener Nacht, sollte sein Untreiben ein Ende finden. Denn Finrel, der Junge, stellte sich ihm entgegen als er ins Dorf kam, mit dem Schwert seines Großvaters in der Hand, forderte er den Dämon.
Doch Giang-Shi lachte nur. Die größten Schwertmeister jener Zeit hatte er besiegt, er war seiner Kraft sicher. Spottend befahl er seinen Reitern Finrel zu töten und wandte sich ab.
Doch die Schattenwesen waren der Klinge des Jungen nicht gewachsen und er, der kleine, dessen Hand niemals zuvor ein Schwert geführt hatte, vernichtete sie.
Giang-Shi raste vor Wut und blitzschnell sprang er Finrel an, das Feuer der Hölle in seinen Augen lodernd. Er wollte ihm das Herz herausreißen. Doch es kam anders.
Finrel war schnell und geschickt und dem Dämon ebenbürtig. Der titanische Kampf dauerte die ganze Nacht durch. Mächtig tobte der Sturm und Blitze zuckten vom Himmel, wann immer die Klingen der Kämpfer einander berührten. Doch als der Morgen graute, war die Nacht besiegt und wie das Licht über die Finsternis, triumphierte auch Finrel über seinen dunklen Gegner und als der erste Strahl des Morgens auf das Dorf fiel, verging Giang-Shi unter der reinigenden Klinge des Helden.
Doch in seinen letzten Atemzügen sprach der Dämon einen mächtigen Fluch und schleuderte ihn auf Finrel. Durch den Kampf ermüdet und verletzt, konnte der Junge der teuflischen Magie nicht widerstehen und so fiel auch er neben die Überreste des Blutdurstigen. So war das Land befreit worden, doch der Preis war das Leben eines Helden.“
Mit diesen Worten beendete Mirak seine Erzählung und lies sich in den Stuhl zurücksinken.
In den Augenwinkeln der Kinder schimmerten die Tränen und die Mädchen sahen eindeutig verängstigt aus. Doch nicht Filkal. Er erwiderte den Blick seines Vaters mit stolzer Miene und einen Moment schien es Mirak, als würde seines Sohnes Gesicht von innen heraus leuchten.
Plötzlich schlug etwas mächtig gegen das Fenster. Das Glas zerbarst und eine dunkle Gestalt brach durch die Öffnung. Laut aufschreiend sprang Mirak zurück, während er versuchte seine Kinder mitzureißen. „Räuber!“ war sein erster Gedanke, denn die Gestalt war schwarz vermummt und schwang eine lange Klinge. Doch schon im nächsten Moment erkannte der Mann die furchtbare Wahrheit. Als die letzten Lichtstrahlen des erlöschenden Feuers das Gesicht des Unbekannten erhellten, sah er sich einem fleischgewordenen Albtraum gegenüber.
Die schwarze Katana in seiner Hand, sprang das Wesen die Menschen an.
Mirak sah, wie sich die roten Augen des Dinges auf seinen Sohn richteten und versuchte den erschrockenen Jungen fortzuziehen, hinter seinen Rücken zu verstecken.
Er sah, wie die dunkle Klinge auf sein Gesicht zusauste, und dann sah er nur noch Dunkelheit.
Als Miraks Körper zu Boden fiel, ertönte von überall aus dem Dorf plötzlich Schreie, als hätte der Tod ihres Vaters erst die Ohren der Kinder geöffnet. Angstvoll taumelten sie rückwärts, doch Filkal stellte sich schützend vor seine Schwestern.
Böses Feuer glomm in den Augen des Ungeheuers auf, dann sprang es den Jungen an.
Bald waren die einzigen Geräusche, die im Dorf noch zu hören war, menschliches Geschrei und unmenschliches Gelächter. Ein weiterer Faden des Schicksals war gesponnen, ein äußerst grausamer. Doch das Schicksal musste erfüllt werden.

„Du weißt, du bist mein bester Schüler. Du lernst schnell und hast die Wege der Klinge nun schon fast gemeistert.“ Kensais Stimme war leise und melodisch, sie schwang mit dem Wind, der gegen die geschlossenen Fensterläden heulte. Draußen war die Nacht herangebrochen, eine Dunkelheit hatte sich über die Berge gelegt, die soviel mehr war, als die bloße Abwesenheit von Licht.
Lear lächelte seinen alten Lehrer an, erfreut über das Kompliment. Sie saßen auf dem Boden von Kensais Zimmer, im Schneidersitz und mit entspannten Muskeln, und tranken Tee.
Zuerst war Lear etwas unsicher gewesen, der Meister hatte ihn noch nie in seine Gemächer eingeladen, schon gar nicht bloß um Tee zu trinken. Es musste etwas Wichtigeres dahinterstecken und Lear brannte förmlich darauf, den Grund zu erfahren.
Doch er durfte nicht ungeduldig sein, Geduld war eine der ersten Lektionen im Weg der Klinge. Man durfte nie überstürzt handeln.
Ein Lächeln huschte über sein Gesicht, als Lear an seine ersten Lektionen dachte. Er hatte sich sehr ungeschickt angestellt, hatte sich mehrere Male beim Üben mit der Klinge verletzt.
Er hatte so viele Fehler gemacht. Und immer war Kensai an seiner Seite gewesen, hinter ihm stehend und ihn ermutigend, weiterzumachen. Und dann, nach einigen langen Monaten, hatte Lear begonnen, die Klinge zu verstehen. Training war der Schlüssel, doch es reichte nicht, einen trainierten Körper zu haben, nein. Körper und Seele waren eine Einheit, sie arbeiteten miteinander. Vernachlässige das eine, und du hast beide vernachlässigt. Sei eins mit deiner Umgebung, eins mit der Klinge, eins mit dem Gegner. Viele Lektionen hatte Lear erhalten, doch an eine würde er sich immer erinnern. Arak anas, arak nu.
Schlage den Gegner, wie er dich schlägt. Dies war der Weg der Klinge.
Und Lear war fast am Ende des Weges angelangt. Ohne seinen Lehrer hätte er dies alles nicht geschafft, das war ihm klar. Ohne Kensai hätte er es niemals durchgehalten.
Der alte Schwertmeister war nun wie ein Vater für ihn. Lear hatte zwar auch einen anderen Vater, aber Kensai war der Vater seiner Seele. Lear liebte seine Familie und er dachte oft an sie, doch sie waren weit weg, unten, am Fuße der Berge. Westfall. Heimat.
Doch auch die Schule war seine Heimat geworden, in den letzten Jahren. Hier fühlte er sich wohl, war unter Freunden.
Die Augen öffnend traf Lears Blick den seines Meisters und sie lächelten sich zu. Es war eine Liebe zwischen ihnen, eine Liebe die auf Seelenbruderschaft basierte.
Während er Kensai betrachtete, wartete Lear geduldig darauf, das dieser erneut das Wort ergriff. Es geschah sogleich.
„Ich bin zufrieden mit dir, Lear. Du bist weit gekommen. Doch um die Wege der Klinge wirklich zu meistern, um den letzten Schritt zu tun, mußt du die Schule verlassen.“
„Ihr schickt mich fort?“
„Nur wenn du gehen willst. Und nur wenn du gehst, kannst du ein Schwertmeister werden.“
„Dann werde ich aufbrechen.“
Ein schmales Lächeln erschien auf Kensais zerfurchtem Gesicht. „Ich habe es erwartet. Du hast die Seele eines Kriegers. Du wirst den Weg meistern.“
„Ich danke euch, Meister.“ Kensai war ungewöhnlich voller Lob heute, er lobte ihn mehr als er es die letzten zwei Monate zusammen getan hatte.
„Doch wohin soll ich mich wenden?“
„Das bleibt ganz dir überlassen.“
Nun war es an Lear zu lächeln. „Was ratet ihr mir?“
„Geh nach Hause. Vermisst du deine Familie nicht?“
„Natürlich. Meine Eltern, meine Geschwister. Die Mädchen waren noch Babies, als ich Westfall verlies und ich würde auch gerne meinen Bruder sehen. Er muss gewachsen sein.“
„Dann geh nach Hause, geh nach Westfall.“
„Das werde ich, morgen früh breche ich auf.“
„Noch etwas Lear.“
Der Schüler horchte auf. Ein merkwürdiger Ton hatte sich in seines Meisters Stimme geschlichen, ein Ton den Lear bei ihm noch nie vernommen hatte. Würde er es nicht besser wissen, würde er es für Angst und Zweifel halten. Aber nein, nicht bei Kensai.
„Ich spüre das etwas passieren wird. Dreimal habe ich die Steine befragt, und immer erhielt ich das gleiche Ergebnis. Etwas Böses ist zurückgekehrt.“
Lear spürte eine eisige Hand, die ihm den Rücken hinabglitt. Plötzlich war ihm kalt. Die Stimme vorhin in seinem Zimmer... Sollte er es Kensai erzählen?
„Das Böse pervertiert den Weg, jeden Weg. Ein starker Schwertarm reicht nicht, um das Böse zu bekämpfen. Bekämpfe es mit deinem Mut, aus dem Inneren heraus. Nur aus dem Inneren heraus kann das Böse besiegt werden.“
Lear nickte. „Ich werde auf dem Weg bleiben.“
„Ja, dein Geist ist stark. Aber manchmal bricht Stärke schneller als Schwäche, sei dir dessen bewusst, mein Schüler. Das Böse ist mit dir verbunden, auch mit deiner Familie. Die Steine haben es gezeigt.“
„Mit meiner Familie?“
„Ja. Sei stark, Lear. Ich spüre Finsternis, ich spüre Tod. Die Dunkelheit legt sich über das Land. Gerade jetzt darfst du nicht vom Weg abweichen.“
Lear war sprachlos. Was war das für ein Böses, das sogar Kensai Angst machte? Kensai dem Helden, dem Bezwinger unzähliger Ungeheuer? Er erschauderte leicht.
„Dein Schicksal ist es, dich zu stellen. Egal was auf dich zukommt, bleibe auf dem Weg.“
„Das werde ich. Ich schwöre es.“
Kensai nickte. Er erhob sich und umarmte seinen Schüler. Lear verabschiedete sich liebevoll.
Es war für ihn nun Zeit, endgültig aufzubrechen. Er nahm nur wenige Habseligkeiten mit sich, Gewand und sein Katana. Nach einer ruhig durchschlafenen Nacht machte er sich auf Richtung Amerun, und dann nach Westfall, nach Hause.
 

Doomguard

wiedergeboren
AW: Die Macht der Klinge

sehr schöne geschichte. macht auf jeden fall lust auf mehr. wirkt sehr menschlich mit beschriebenen gedanken und gefühlen der charaktere, hat aber trotzdem den anklang des mystischen.

ein paar auch kritische gedanken gingen mir beim lesen durch den kopf:

"Urbane fehlte nichts, außer ein wenig Blut und auf seinem Gesicht waren einige frische Kratzer. "

urbane braucht blut? ist er ein vampir? die stelle wirkt bisschen missverständlich.
grundsätzlich fand ich es auch schade, dass bei einer so kurzengeschichte ein chrakter (urbane) aufgebaut wird, nur, um dann schnell zu sterben. wenn du die geschichte weiterschreibst, wäre es cool, wenn urbane irgendwie wieder auftauche und noch eine rolle spiele.

"Das Pferd war gewaltig, über sechs Hand hoch "

6 hände wirkt nicht wirklich beeindruckend ;) ellen fuss oder so schon eher. eine ahnd hat so 20-25 cm, nicht gerade gewaltig für ein pferd

"Die Klinge hob sich, und sauste blitzschnell herab. Urbane versuchte auszuweichen, doch es war schon zu spät, viel zu spät. Er fühlte einen stechenden Schmerz in seiner Brust und sah an sich herab. Verblüfft sah er die Klinge aus seinem Unterleib ragend,"

also, wenn er die klinge sieht, dann kommt sie nicht von hinten, warum sieht er sie nach dem hieb aus seinem unterleib ragen? wenn es ein stich wäre, nachvollziehbar, aber ein herabsausende klinge führt einen hieb aus, also warum steckt sie dann noch in ihm? oder wurde er von oben bis zum unterleib gespalten? würde ich evtl. nochmal bisschen überarbeiten die stelle.


"Mit einem Aufschrei aus den Tiefen der Brust stürmte Lear voran, entschlossen das nun schon zweistündige Duell zu beenden."

niemand kämpft 2 stunden konzentriert. es soll zu diesem zeitpunkt ja normale menschliche fertigkeit sein, oder? 2 stunden zu kämpfen ist übermennschlich. in einer geschichte als rhetorisches stilmittel etwas übermenschlich darzustellen ist gut, aber der teil deiner geschichte soll ja einen realistischen eindruck hinterlassen, oder? also imo: mach den kampf e halbe stunde lang, sowas geht gerade noch, oder lass den kampf der abschluss eines intensiven trainigs sein, würde mir realistischer und damit mit höherem identifikationswert erscheinen.

aber wie gesagt, das waren nur gedanken und es würde mich interessieren, wie die geschichte weitergeht, die du nun von drei seiten angefangen hast zu erzählen.
 

Earin Shaad

Woge des Wahnsinns
AW: Die Macht der Klinge

Dass ihm ein wenig Blut fehlte soll heißen, er hatte ein wenig Blut verloren. Aber du hast recht, das ist komisch ausgedrückt.
Dass Urbane stirbt ist...na ja, in meinen Prologen sterben fast immer Leute. Da die Geschichte recht lang werden sollte und nicht nur eine Kurzgeschichte würde das auch nicht so arg sein.
Sechs Hand bei dem Pferd, damit meinte ich die Schulterhöhe. Aber wenn eine Hand nur 20 cm ist muss ich das natürlich verändern, dachte es sei an die 30 cm. Es soll eben ca. 1, 80 Schulterhöhe haben. :)
Was den Hieb angeht, ich habe mir das so vorgestellt das die Klinge diagonal zuschlägt, tief von der Seite her in die Brust eindringt und dann nach unten schneidet, wo sie stecken bleibt. Deswegen "ragt sie aus dem Unterleib", wobei hier nicht die Spitze herausragt sondern der hintere Teil der Klinge. Sollte ich aber vielleicht noch überarbeiten.
Die zwei Stunden des Trainingskampfes sind wohl wirklich etwas übertrieben.
ändern wir das auf eine halbe Stunde.

Auf jeden Fall Dank für die konstruktive Kritik. Freut mich immer wenn Verbesserungsvorschläge kommen. Ich muss mir noch überlegen ob ich die Geschichte weiterführe, irgendwie würde es mich doch reizen habe sie aber vor über einem Jahr abgebrochen. Mal sehen... :)
Greets, Earin
 

Doomguard

wiedergeboren
AW: Die Macht der Klinge

ich würde jedenfalls weiterlesen und gerne auch weiter konstruktive kritik von mir geben.

@schwert durch körper. o.k. das geht natürlich,würde ich dann evtl so ausdrücken:

...und er starrte auf das blutüberströmte ende der klinge die ihn durch die schulter bis in den unterleib gefahren war.....

oder sowas in der art.

hab auch zwei kurzgeschichten in denen gekämpft wird hier, freu mich da auch gerne über rückmeldungen ("der kampf" und "blatt im wind", wenn ich mich nicht irre, wenn dus nicht findest, aber lesen willst, geb ich gerne nen link)

gruss
 
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