Rezension Der vergessene Friedhof (Saramee #1)

Nepharite

Erstgeborener
Markus K. Korb - Der vergessene Friedhof - Saramee 1


[User-Rezi] von Nepharite


"Saramee" ist eine auf vorerst auf sechs Ausgaben angelegte Romanheft-Serie, die den Leser monatlich in die fantastische Welt in und um den gleichnamigen Stadtstaat entführt, wobei sechs Autoren den unterschiedlichsten Rassen, Kulturen und Religionen Leben einhauchen sollen. Den Anfang macht Markus K. Korb, dessen Kurzgeschichte "Die Schlafgänger" aus der Konzeptanthologie "Grausame Städte" den Deutschen Phantastik Preis 2004 gewann.
Begleitet wird das Print-Projekt von einer übersichtlich gestalteten Website: unter Saramee - Stadt der Vertriebenen Fantasyguide findet der Interessierte eine Fülle an Informationen sowohl über die Fantasy-Welt selbst, als auch die Menschen "dahinter".

Doch genug der Vorrede, werfen wir nun einen kurzen und eher vagen Blick auf den Inhalt des ersten Romans.

Als Kronn auf der Kriegskaravelle Safir anheuerte, um vor der Küste Saramees Piraten zu jagen, ahnte er nicht, dass dieses der Anfang eines großen Abenteuers sein würde. Sein Schiff wird von Freibeutern aufgebracht und er -als einziger Überlebender seiner Mannschaft- zum Tod durch Ertrinken verurteilt. Gefesselt und mit einem Gewicht beschwert lassen die Piraten ihn über die Planke "gehen". Unter Mobilisierung seiner letzten Kräfte gelingt es ihm, dem nassen Grab zu entkommen und sich ans Ufer zu retten. Auf der Suche nach einem Unterschlupf führt ihn sein Weg in eine alte, verfallene Zitadelle. Dort gelangt er unter seltsamen Umständen an eine Schatzkarte, welche ihm verlockende Reichtümer in Aussicht stellt, verborgen in einem alten Grab auf einem vergessenen Friedhof. Dass das Labyrinth unter dem Friedhof weitaus größere Gefahren birgt, als Ratten und Ungeziefer, verrät ihm das Fundstück jedoch nicht.

Will man "Der vergessene Friedhof" einem bestimmten Genre zuordnen, so landet man fast zwangsläufig bei den Conan-Romanen Robert E. Howards und seiner Epigonen; und nicht ohne Grund scheint der Name des Hauptprotagonisten, Kronn, eine Reminiszenz an die düstere Gottheit des "klassischen Vorbildes, Crom, zu sein. Rein konzeptionell vermögen sowohl der generelle Hintergrund Saramees, als auch dieser erste Roman zu überzeugen, denn das Setting bietet Spielraum für alles, was das Herz eines hungrigen Sword&Sorcery-Fans begehrt. Korb nutzt diesen Raum, um eine klassische, temporeiche Abenteurer-Geschichte in sechs Kapiteln zu erzählen, wobei er naturgemäß kaum -und schon gar nicht auf knapp 60 Seiten- das Rad neu erfinden kann, sondern sich genretypischer Bilder und Elemente bedient -angefangen bei den Piraten über monströse Tiere bis hin zum "Dungeon-Crawling" und einer mysteriösen Rasse "schnabelköpfiger" Wesen.

Da einzig Kronns Auftritt länger als ein Wimpernschlag dauert, ist auch nur seine Zeichnung für den Leser von Interesse. Mehr als eine grobe Skizze des Söldners bringt der Autor bedauerlicherweise nicht zu Stande; der Charakter bleibt eindimensional und stereotyp: ein schatzgeiler Söldner, der (zu) gut kämpfen kann und der erst mit dem finalen Showdown einen Anflug von Menschlichkeit zeigt. Dieser Makel wäre eher zu verschmerzen, wenn die Handlung vor einem atmosphärisch dichten Hintergrund vorangetrieben würde. Bedauerlicherweise stellt der Roman auch in dieser Hinsicht keine Offenbarung dar, was meines Erachtens im wesentlichen auf stilistische Schwächen zurückzuführen ist: Stakkatoartig aneinander gereihte kurze Sätze, eine relativ simple, bildarme Sprache und eine unerklärliche Abneigung des Autors gegen das Personalpronomen "er", mit der Folge, dass zeitweise beinahe jeder zweite dieser kurzen Sätze abwechselnd entweder den Namen "Kronn" oder den Begriff "Söldner" enthält, lassen nur wenig Raum für eine phantastische Atmosphäre, einen "Sense of Wonder".
Hinzu kommt, dass der Autor gerade zu Beginn, bei Kronns unfreiwilligem "Unterwasserausflug", offensichtlich Probleme mit der Darstellung eines plausiblen Zeitablaufs hat und darüberhinaus einige unelegant wirkende Formulierungen und ungeschickt benutzte Worte zumindest meine Lesefreude merklich trüben. Es mag etwas kleinlich erscheinen, aber ich stocke nun mal bei Sätzen wie "Endlich fand er zwei Kieselsteine, welche seinem Nutzen zu entsprechen schienen [...]"[S.18] oder "Der Hunger verdeckte jegliche Vorsicht."[S.17].

Alles in allem erscheint "Der vergessene Friedhof" in seinem linearen Aufbau, der szenischen Gliederung, der knappen Sprache und der alles dominierenden Actionorientierung sehr reduziert und erinnert mich mehr an die Conan-Comics John Buscemas & Roy Thomas´, denn an das literarische Vorbild Howard.

Fazit: Ein durchaus kurzweiliger -weil kurzer- Abenteuerroman, der stilistisch nicht das hält, was der Name Markus K. Korb verspricht, der aber auch Appetit auf mehr "Saramee" macht.Den Artikel im Blog lesen
 
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