Rezension Bioshock 2 [B!-Rezi]

Tellurian

Ex-M0derat0r
Bioshock 2


Bioshock 2 von 2K Marin / Digital Extremes / 2K Australia ist ein Egoshooter-Rollenspiel Hybrid, der für Xbox 360, Playstation 3 und PC auf dem Markt ist. In Ermangelung eines Xbox Live! Gold Accounts berichte ich hier nur über den Singleplayer Part des Spiels.

Bioshock 2 spielt 10 Jahre nach den Ereignissen des Vorgängers, bei der der Spieler unwissentlich nach Rapture, einer gigantischen Stadt am Grund des Atlantischen Ozeans, gerufen wurde, um dort eine heikle Mission zu erfüllen. Rapture wurde nach den Plänen des Multimillardärs Andrew Ryan gebaut, der hier einen Ort schaffen wollte, an dem weder Kirche noch staatliche Willkür die schöpferische Kraft von Künstlern, Wissenschaftlern und Unternehmern bändigen können sollte.
Das Experiment ging natürlich schief, die Leute fingen an mit einer süchtig machenden Substanz, dem Adam, zu experimentieren, die tiefgreifende genetische Modifikationen möglich machte.
Es kam zum offenen Krieg zwischen Ryan und seinen Widersachern, denen es gelang Ryan zu töten.

10 Jahre später hat die Psychologin Sophia Lamb das Ruder in Rapture übernommen, und herrscht über ihre „Familie“ mit eiserner Hand. In diesem Rapture wacht ein Big Daddy Prototyp aus seinem Jahrelangen Schlaf auf und macht sich auf, seine einzig wahre Little Sister zu finden.

Zentral in Bioshock 2 sind Big Daddies, Little Sisters und Big Sisters. Big Daddies sind die monströsen großen Gestalten in archaischen Taucheranzügen, die die kleinen, gehirngewaschenen Mädchen beschützen, deren Körper Wirt für Adam produzierende Schnecken ist.
Big Sisters sind eine Ergänzung zu diesen beiden, sie sind groß, schlank und extrem agil, und dienen als Vollstrecker von Dr. Lamb.

Bioshock 2 ist ein sehr schönes Spiel, dass so ziemlich sämtliche Stärken des Vorgängers aufgreift, und einige Schwächen im Gameplay ausbessert und ergänzt.
Die Produktionsqualität ist sehr hoch, wobei sich die Entwickler etwas mehr Zeit zum Aufpolieren hätten geben können, das Spiel weißt ein paar sehr kleine aber auffällige Bugs auf, die nicht weiter ins Gewicht fallen, bei einem Titel dieser Größenordnung aber eben doch auffallen.

Das Gameplay ist im Prinzip dem des Vorgängers gleich, man erkundet große, detailliert gestaltete Levels, bekämpft die von Adam Missbrauch entstellten „Splicer“, bekämpft Big Daddies um ihnen die Little Sisters zu klauen und so an Adam zu kommen, mit dem man neue Superkräfte kaufen kann, und erfüllt natürlich Missionsziele um die Geschichte weiter voranzutreiben.
Neu ist das gleichzeitige Benutzen von Plasmid und Waffen, was sehr zum herum Experimentieren einlädt, wobei es wieder ein paar Kombinationen gibt, die zumindest bei den simplen Gegnern fast immer gut funktionieren.
Was auffällt, ist wie sehr man im Vergleich zum Vorgänger mit Adam überschwemmt wird, und was für eine enorme Masse an verschiedenen aktiven und passiven Powers es gibt.
Man kann sich für jede Gelegenheit und jeden Spielstil aus- und aufrüsten und richtiggehend Charakterentwicklung betreiben.
Es gibt auch wieder eine Kamera, und je kreativer man Gegner umbringt, desto mehr Boni bekommt man aus der Benutzung selbiger.

Charakterupgrades sind deutlich häufiger geworden, es gibt gleich zu Anfang eine riesige Menge an zu kaufenden Plasmids in den Gatherer's Gardens, und an so gut wie jeder Ecke eine Power to the People – Station an der sich die Bewaffnung aufrüsten lässt.
Besondere Neuerungen im Vergleich zum Vorgänger sind zum einen das völlig überarbeitete, in Echtzeit laufende Hacking, sowie die neue Little-Sister Mechanik.
Wenn man eine Little Sister erobert hat (den Big Daddy ermordet), kann man sie entweder gleich töten um Adam zu ernten, oder sie adoptieren und durch die Gegen schleppen und auf Leichensuche gehen. Hat man eine gefunden, sollte man sich gut vorbereiten. Kameras und Geschütze in der Umgebung hacken, Fallen platzieren, denn wenn man das kleine Mädchen ihre Arbeit an der Leiche tun lässt, was eine Weile dauert, versuchen Welle auf Welle von Splicern sie sich zu schnappen. Das Spielchen macht man pro Mädchen zwei Mal, dann sind sie "voll" und müssen zu einem Schacht gebracht werden. Dort kann man sich dann wieder entscheiden ob man die kleine Umbringt oder zu einem normalen kleinen Mädchen macht und rettet.
Wenn man eine Little Sister gerettet / voll geerntet hat besteht außerdem die Möglichkeit, dass eine Big Sister vorbeischaut.
Big Sisters sind wie gesagt im Prinzip umgedrehte Big Daddies, indem sie ausgesprochen agil sind, und eben auftauchen NACHDEM man sich an einer Kleinen "vergriffen" hat.

Das Leveldesign ist am Anfang etwas gradlinig, und braucht etwas um in die Gänge zu kommen, aber später bekommt man deutlich offenere Spielwiesen als die sehr gradlinigen Anfangslevel geboten.
Die Levels sind auch immer noch der Star des Spiels. Sehr viele schöne Ideen.
Was lässt sich dazu sagen, es ist ein -Shock Titel. Ein guter. Der sich stärker noch als der Vorgänger von der System Shock 2 + Big Daddies löst.
Die letzten Levels sind mal wieder mit die besten des ganzen Spiels. Insgesamt ist es vor allem das großartige Leveldesign, was das Spiel als ganzes trägt. Rapture hat weitere 10 Jahre nach Bioshock hinter sich, und das merkt man vor allem daran, dass viele Bereiche teilweise überflutet waren und jetzt vor Korallen und anderem Meeresgedöns nur so strotzen und der gesamten Optik einen noch ranzigeren, noch verfalleneren Charme geben.

Durch die enorme Auswahl and Waffen + Munitionsarten, Plasmids und Gene Tonics lässt sich vor allem das Gameplay sehr stark anpassen. Ob schleichender Bohrermeuchler oder Feuerball schleuderndes Ungetüm, lässt sich alles zusammenstellen.
Das macht das Gameplay erfrischend flexibel. Außerdem machen die Cyclone Trap Plasmids und die Fallen-Munition gerade mit den Little-Sister-Beschützer Einlagen enorm viel Spaß.
Im Prinzip lohnt es sich sowieso das Spiel mindestens zweimal durchzuspielen, einmal wegen verschiedener Herangehensweisen, und dann nochmal wegen der Schlüsselentscheidungen die zu anderen Endsequenzen und Konsequenzen im letzten Level führen.

Was sich allerdings wirklich stark bemerkbar macht, ist wie stark das ganze nach Sequel schmeckt.
Nur um es von vorn herein klarzustellen, Bioshock 2 ist ein SUPER Sequel, wie man es sich als Fan kaum ein besseres wünschen kann. Das hat aber diverse Nachteile. Bioshock war an sich eins der wichtigesten und besten Spiele der späten 00er. Es war groß, hatte eine einzigartige Spielwelt und eine Geschichte zu erzählen. Die Welt in Bioshock 2 ist dieselbe, es hat eine andere Geschichte, eine ebenfalls ziemlich gute Geschichte, die sich in ganz anderer Weise als die des Vorgängers um die Konsequenzen er eignen Handlungen und der (vor)gelebten Moral dreht. Im Vergleich mit anderen Spielen die ein gut/böse Schema benutzen fällt positiv auf, dass die Mechanik zwar vorhanden ist, durch bestimmte moralische Handlungen den Spielverlauf in die eine oder andere Richtung zu verändern, diese Mechanik aber dem Spieler nie genau vor Augen gehalten wird, so dass sich nicht erschließt wie man sie in die eine oder andere Richtung beeinflussen kann um zu einem wie auch immer gearteten Ergebnis zu kommen.

Und damit ist Bioshock 2 wieder ein Spiel dass sich um philosophische Themen im Hintergrund dreht, während die Hauptmöglichkeit zur Interaktion mit anderen Mensche darin besteht, einen sich schnell drehenden Felsenbohrer in ihrem Gesicht zu versenken...
Die moralischen Entscheidungen beschränken sich eben auf Little Sisters und eine Hand voll Schlüsselbegegnungen, während man davon abgesehen alles und jeden zu kleinen Stückchen drischt.
Bioshock hat die -Shock Formel in die aktuelle Generation von Spielen geholt. Bioshock 2 verfeinert die Formel und hämmert ein paar Details aus, bringt aber an sich gar nichts neues dazu. Bioshock war die Erfindung des Rads, Bioshock 2 packt fancy Felgen und Radkappen drauf.
Das macht es nicht zu einem schlechten Spiel, beleibe nicht. Aber es bietet eben "nur" mehr von dem was Bioshock großartig gemacht hat.

The Good
- Erstklassige Präsentation: Wie nicht anders zu erwarten großartiges Art Design, grandioser Sound, Soundtrack... Das Spiel sieht super aus, ohne dass am Klang gespart wurde.
- Sinnvolle Erweiterungen: Das ohnehin schon sehr gute Gameplay von Bioshock wird durch sinnvolle Neuerungen erweitert und ergänzt.
- Story Matters: Neuer Teil, mehr Geschichte, mehr Hintergrund zu Rapture, mehr Charaktere, neue Charaktere, neue Probleme. Und alles exzellent geschrieben.

The Bad
- Langsamer Start: Ungewohnt lineare und etwas lange Tutorialsektion
- Fehlende Politur: Trotz des insgesamt überragenden Looks, hätte es dem Spiel nicht geschadet, wenn die Entwickler noch ein paar Monate am Feinschliff gearbeitet hätten.

The Ugly
- Protectors' Galore: Gleich DREI Digital Rights Management Systeme aktiv bei der PC-Version.

Fazit: Ein ausgesprochen gutes Sequel zu einem der besten Spiele der letzten 10 Jahre, das keineswegs im Schatten seines Vorgängers steht, aber auch bei weitem nicht so innovativ ist, was dem Spiel als solches jedoch keinen Abbruch tut.Den Artikel im Blog lesen
 
Oben Unten