[4.5.06] Brot und Spiele...

Salazar

Vampierkiller
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26. Februar 2004
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Out of Character
eine reaktion seitens der SL ist nicht unbedingt erforderlich... ich schreibe weiter wenn ich mal wieder so eine kreative phase habe... soll aber keinen verschrecken, der sich dran beteiligen will...

Mehrere Minuten saß Michael einfach nur in seinem Wagen und blickte abwesend in den grauen Regen, der gerade wieder an Stärke zunahm und eifrig gegen die Windschutzscheibe ankämpfte.
Es schien als hätte der Himmel alle Schleusen geöffnet, in einem hoffnungslosem Versuch den ganzen Schmutz hier unten ein für allemal wegzuspülen.
Doch der saß porentief und lastete schwer auf Michael. Heute Nacht hatte er nach Jahren wieder die Augen geöffnet. Oder besser: sie sind ihm geöffnet worden.

Denn das, was Mahmud ihm da so selbstsicher präsentierte, war nichts weiter als das dreckige Lächeln dieser "ach so schönen heilen Welt", an die Michael sowieso nicht mehr glaubte, seitdem er zu denken angefangen hatte. Vampire, Wesen, die nicht sterben wollten, und sich seit Jahrhunderten von den Lebenden ernährten, kamen in so vielen Horrorgeschichten und -filmen vor, dass er ihre Existenz irgendwie akzeptieren konnte.
Nicht wirklich verstehen... sich selbst eingestehen... aber es war ihm sonderbar vertraut, wie eine gute Lüge.
Die beste Lüge ist doch letztlich die Wahrheit, die man nicht glauben kann, weil sie zu phantastisch und ... unglaublich ist.

Er startete den Wagen und fuhr gemächlich durch die graue, nasse Stadt.

Seltsam, dass keiner sie wahrgenommen hatte. Natürlich, es war klar, dass sie erstens sich Mühe gaben, und zweitens sicher genug Macht besitzen würden, um ihre Existenz zu verschleiern. Aber da war auch noch was anderes, und Michael spürte es. Er wusste als Sicherheitsmann, dass man jeder schmutzigen Lüge auf die Schliche kommen konnte... jedem gut versteckten Geheimnis. Die Zeitungen waren schließlich voll davon und die Masse konsumierte diesen Dreck mit einer Hingabe... Also warum hier nicht... seit Jahrhunderten?

Er musste plötzlich scharf bremsen, weil er beinahe einen Betrunkenen, der offensichtlich keinerlei Orientierung mehr besaß und auf die Straße getorkelt war, umgenietet hätte. Seine Reaktion kam spät, auf der nassen Straße kam der Wagen schwer ins Schlingern und für wenige Sekunden blickte er in das von Angst und Hilflosigkeit gezeichnete Gesicht.

Die Form war durch den Regen abstrakt aufgedunsen, Augen und Mund grotesk aufgerissen und eine Brille hing schief auf einer dicken Nase.

In diesem Moment, wo Michael eigentlich alle Hände voll zu tun hatte, seinen Wagen auf der Straße zu halten fiel ihm plötzlich die Lösung ein. Nein, sie traf ihn eher und er konnte sich gegen die Erkenntnis nicht wehren:

Diese Menschen, die mich täglich umgeben, und ihren kleinen persönlichen Schicksal nachjagen, sie wissen es... instinktiv. Aber sie wollen es nicht wissen. Sie wollen sich nicht damit auseinandersetzen müssen, ob nun ihr Boss oder Vermieter ein Mensch, Dämon oder Gott persönlich ist. Sie torkeln wie Blinde und suchen nach Sicherheit, die sie längst für Bequemlichlkeit und billige Ablenkung aufgegeben hatten. Wie immer... wie auch ich? ...

Aber dann war der Moment vorbei. Die Räder fanden endlich wieder den Kontakt zum Asphalt und mit einem beängstigenden Quietschen kam der Wagen ein paar Meter weiter zum Stillstand. Michael saß keuchend und wütend hinter dem Lenkrad und wäre am liebsten ausgestiegen, um dem Arschloch ne Abreibung zu verpassen. Seine Wut lies ihn die letzten so wichtigen Gedanken vergessen und ermerkte nicht, wie kurz er vor einer radikalen Änderung in seinem Leben stand.
Er schob es auf den Regen. Darauf, dass der Alki es nicht wert war, dass er nun auch noch nass werden würde und fuhr dann -noch immer vom Adrenalin berauscht- weiter.

Er brauchte jetzt Ablenkung. Gute Unterhaltung, und bloß nicht die üblichen sinnlosen Kneipengespräche.
Erst jetzt wird ihm schlagartig bewusst, dass er sich längst im Rotlichtbezirk aufhielt und er sich quasi die Entscheidung schon abgenommen hatte.
Aber bei dem Regen kann man nicht erwarten, dass an der Straße jemand auf ihn wartet. Also parkt er den schwarzen Van in der Nähe eines "Etablisements" und läßt alles wichtige ausser Personalausweis und 250 Euro im Wagen.

Das würde für eine gute schnelle Nummer ausreichen. Und letztlich war das alles, was er jetzt wollte, oder? Mit einem selbstkritischen Lächeln stieg er aus und lief schnell durch den Regen mit hochgezogenem Kragen.
Ekelhaft, diese Nässe.
 
Gleichzeitig mit der düstren Musik schwängerte der fast schon unangenehme Duft von Patrcholi die Luft und bildete eine plasmaartige Wand, die nur zögernd zurückwich als Michael eintrat.
Ein kurzer Rundblick bestätigte, dass er hier eher in einer Fetisch-Kneipe gelandet war, als in einem Puff... aber jetzt wieder raus in den Regen? Nein, danke. Nach den ersten Schocksekunden konnte Michael befreit aufatmen, denn gerade mit seinem Eintreten wechselte die Musik und der DJ legte, den Göttern sei dank, die Sisters of Mercy auf, wahrscheinlich, um den unverwüstlichen auf der Tanzfläche ein Atemfeld zu lassen, bevor er sie wieder mit einer Band, die Michael garantiert nicht mal aussprechen konnte in die Abgründe der dissonanten Klänge stürzte.

Ein freier Platz war so gut wie der andere und so knallte sich Michael mit seinem gerade bestellten Bier in eine der düster-schwarzen Nischen des Lokals...

Die meisten der Frauen und auch einige der Männer gaben sich offensichtlich ganz der exzessiven Schminklaune hin, für die die Szene so bekannt war und gliche damit beunruhigend jenen Gestalten der Nacht, an die Michael am heutigen Abend garantiert nicht mehr erinnert werden wollte.
Allerdings... es waren auffällig wenig Gäste da... und eben unterhielten sich zwei weitere so laut, dass Michael sie trotz der Musik verstehen konnte.

"Ja, verdammt. Georg hat grad angerufen... Mann, ist das geil!"
"Was hast du gesagt wo das sein soll?"
"Im "Hämmer", `n Sonderkonzert."
"Du willst mich doch verarschen... Hier in Finstertal?"
"Arschloch! Ruf ihn doch selbst an, wenn du mir nicht glaubst..."
"Ok wir fahren hin. Selbst wenn`s ne Coverband von Motörhead ist..."

Und damit stürzten die beiden ihr Bier hinter und gingen zielstrebig zum Ausgang.
Ein Rundblick in den Schuppen machte Michael deutlich das hier wohl nicht mehr viel ging. Es war immerhin schon nach 11 und kaum ein Schwein da.
Keine 10 Minuten später hatte der das Bier ausgetrunken, sich nach dem "Hammer" erkundigt und war bereits wieder auf dem Weg zu seinem Wagen. Der Regen hatte inzwischen nachgelassen.

Out of Character
zum hammer
 
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