[25.04.04] - Audienz

Lurker spürte wie er beinahe sofort wieder zusammengeschrumpft wäre. Besonders als sich die Augen näherten.
Immerhin war er das Grinsen losgeworden. Aber er mußte jetzt standhaft bleiben. Er mußte ruhig bleiben.

Ich habe die Glocke nicht geläutet... das wissen sie auch... genauso wissen sie das ich nicht dem Sabbat angehöre und auch an keiner Vaulderie teilgenommen habe. Ich weiß nicht einmal genau was das ist. Wenn es so wäre wüßten sie es... nicht wahr ? Ich habe auch keine Pläne auspioniert. Ich sammele lediglich Informationen, solche die auch für die Cammarilla hilfreich waren und sind.

Ja... ganz recht. Ohne ihn und sein Wissen wären die Vampire Finstertals wahrscheinlich jetzt alle leblose Puppen.
Er wußte das dieses Verhör ihm Dinge entreissen sollte, aber er hatte gegen kein Gesetz verstoßen, dazu war er zu klug gewesen. Sollten sie doch toben, das war die Wahrheit. Er lächelte nicht mehr, aber sein Blick war immer noch klar und fest.
Er hatte vielleicht ein paar Grauzonen betreten, aber es waren besondere Umstände.
 
Der Archont sah ihn mit seinem stechenden Blick an. "Sie begeben sich hier in ein Gebiet, dass nicht gut für sie ist!" Er setzte sich wieder. Die Minuten vergingen, wo der Archont Lurker eingehend musterte.

"Wann haben sie das letzte mal etwas vom Prinzen und vom Sheriff gehört?" Er schlug ein anderes Thema ein ... Obwohl er sicher war, dass das Thema Sabbat noch lange nicht vom Tisch war. So viele andere Kainiten haben ihn beschuldigt, die Seiten gewechselt zu haben ... das können nicht alles pure Behauptungen sein.
 
Der erste Angriff war also vorbei und die Horden zogen hinter sich ihre Wälle zurück. Als der Archont wieder Platz genommen hatte und nun das Thema wechselte, spürte Lurker wie ein Teil der Spannung aus seiner Brust nachließ. Jedoch blickte er mit jeder Minute die er hier verbrachte mehr hinter die Fassade. Er kannte sich bestens darin aus wie man Leute manipulierte, das hier war eine sehr alte Verhörmethode. Ruhe und Sturm. Jetzt war wieder eine Ruhephase, aber er würde sicherlich gleich wieder bedrängt und später dann sogar offen bedroht werden. Aber irgendetwas wußten sie nicht, deshalb dieses Spiel. Er mußte nur darauf kommen was es war.

Den Sheriff sah ich zuletzt als wir gemeinsam Untersuchungen bezüglich eines Angriffes auf die Harpyie Price anstellten. Das waren auch die ersten Spuren des Sabbat die ich hier in dieser Stadt aufgenommen hatte.

Ja ganz recht... da schaut ihr was ? Der schreckliche Verräter kennt den Sheriff und hat mit ihr erfolgreich gearbeitet...

Langsam hatte er sogar sich selber überzeugt das er ein Opferlamm war.

Den Prinzen habe ich nur einmal, während eines Balls gesehen. Ich hörte aber Gerüchteweise das er nicht mehr in der Stadt war, als der Fluch begann. Wie gesagt... es waren eigentlich kaum noch ältere von uns hier...

Er strich seine Kleidung glatt und ordnete seine Schals.
 
Der Archont schien wieder etwas freundlicher zu werden. "Interessant." Auf was sich das genau bezog konnte Lurker nicht direkt feststellen.

"Wissen sie, wo ihre restlichen Clansmitglieder sind?"
 
Füe einen ganz kurzen Augenblick bröckelte die Mauer die Lurker um sich aufgeschichtet hatte, bekam Sprünge wie eine Maske aus Porzellan. Echte Sorge und wirkliches Leid blitzten auf, als er daran dachte was wohl mit seinen Brüdern passiert war.
Seine Augen blickten durch den Archonten hindurch.

Ich weiß es nicht, ich hatte Anfragen gestartet, aber noch keine Antwort erhalten...

Seine Stimme war leise und ein wenig gequält. Er schien gar nicht mehr mit seinem Gesprächspartner zu sprechen, sondern mit sich selbst. Entrückt und nachdenklich, mit gefurchter Stirn saß er da.

Konnten sie fliehen ? Oder hat der Fluch sie ereillt ? Reisser war die Geissel, er hätte hier sein sollen. Er hätte mir helfen müssen... ich hätte nicht alleine damit sein dürfen...

Er würde zu gegebener Zeit nach seinem `Erstgeborenem´suchen. Immerhin wußte er, wahrscheinlich als einziger, wo die Zuflucht des Anderen war. Er hatte auch schon eine Idee wie er dorthin finden würde.
 
Der Archont nickte nur leicht. "Hmmm ... schade, unsere Nachforschungen haben auch noch nichts ergeben ... aber um wieder auf ihre ... neuen Freunde zurück zu kommen ... Sie wissen, dass der Sabbat Möglichkeiten hat, eine Freundschaft vorzutäuschen. Lurker, sie sind den Einflüsterungen des Sabbat vollkommen erlegen. Wir helfen ihnen, aus diesem Sumpf wieder herauszukommen. Sie müssen den Kontakt zum Sabbat abbrechen." Der Mann blieb vollkommen ruhig und sprach eindringlich zu Lurker.
 
Lurker hätte beinahe laut aufgelacht bei dem `Sektenbefreiungs´Gequatsche. Konnte es wirklich sein das am Ende aller Weisheit solche Praktiken stehen sollten ? Es war lächerlich. Reisser und Schleicher hätten ihn verstanden. Aber alle Anderen hatten sich niemals um ihn oder seines Gleichen gekümmert. Jetzt auf einmal sollte er also in den Schoß der Familie zurückkehren ?

Ihre Sorge und die aller Beteiligten ehrt micht zutiefst..

Ein wenig entsprach das der Wahrheit, denn ein leiser, einsamer Funken in ihm war erfreut darüber das man sich Gedanken um ihn machte.

Aber es ist so das wir im Interesse gewisser Informationen, manchmal auch Grenzgänge hinter uns bringen müssen. Es kommt ja nicht nur mir uns meinen Brüdern und Schwestern zugute wenn wie die Ohren überall offenhalten, sondern durchaus auch Anderen Beteiligten.

Vorgetäuschte Freundschaft ? Er fragte sich ob dieser Archont damals dasselbe getan hätte wie Dimitri, als sie vor der Sonne geflüchtet waren. Wäre er stehengeblieben und hätte er seine eigene Existenz in Gefahr gebracht um ihn zu retten ?

Wasser predigen und Wein saufen...das ist der Weg, nicht wahr ?
 
Der Blick wurde etwas stechender. "Überschreiten sie diese Grenze nur nicht, Lurker ... Wir wollen sie nicht an den Sabbat verlieren. Wir werden dies auch nicht zulassen." Der Archont tippte mit den Fingerspitzen aneinander.

"Wissen sie etwas über den letzten Angriff auf Ashton Price? Hier soll auch der Sabbat für verantwortlich sein. Kennen sie eine gewisse Brenda Mc Millan näher?"
 
Es fühlte sich ein wenig wie eine Herrausforderung an. Aber er war ja nicht größenwahnsinnig. Mit diesem Kerl sollte man sich nicht anlegen. Deswegen nickte er einfach nur und nahm sich fest vor seine persönliche Grenze niemals zu überschreiten.
Bei der nächsten Frage war er sehr froh darüber das er Dimitri seither selten gesprochen hatte, denn deshalb war sein Wissen über den Vorfall bezüglich Price recht begrenzt.

Aber sehr interessant... mit dem Sabbat zu tun haben wollt ihr nichts, aber wenn es um Informationen geht, da bin ich wieder gefragt, was ?

Ein galliger Geschmack breitete sich auf seiner Zunge aus.

Ich weiß nur das er in die Gewalt eines Sabbat Kämpfers fiel, der später die Stadt verließ und das er befreit werden konnte. Brenda MC Millan ist mir bekannt, ja.

Seine Stimme wurde sanfter, beinahe fürsorglich.

Sie ist das Kind des Erstgeborenen Mondkindes der Stadt. Zuvor ging sie beim Sabbat ein und aus, doch auf bitten ihres Erzeugers hin, wurde sie zu ihm geschickt, wo sie hingehört.

Lurker hoffte inständig das sie Brenda wieder sehen würden, das sie die Kleine wieder mit seinem eigenem Kind vereinen würden... so wie sie als Menschen vereint gewesen waren.
 
Der Archont runzelte die Stirn, als hätte er gerade etwas neues erfahren. "Wer verließ die Stadt? Nennen sie bitte Namen. Wissen Sie, wer Ashton Price befreit hat?"

Dann war noch etwas anderes interessant ... "Sagt ihnen der Name Nikita Crow etwas? Oder Ernest Jakob Gellar?" Bleiben wir doch beim Thema Kinder ...
 
Es hatte wenig Sinn zu lügen, das wußte er, und bei einer so direkten Frage konnte er auch nicht ausweichen. Aber auch das sollte für ihn kein Problem darstellen, denn zum Einen hatte er mit diesem Vampir wenig bis gar nichts zu tun gehabt und fühlte für ihn weder Verantwortung, noch Verbundenheit, zum Anderen wußte er wirklich so gut wie nichts über diese Person.

Er wurde Wolf genannt. Sicher ein Deck- oder ein Spitzname. Näheres weiß ich auch nicht, er war nur für sehr kurze Zeit in der Stadt.

Sein Tonfall und sein Schulterzucken verrieten das er diesen `Wolf´für wenig interessant hielt.

Nikita Crow ? Ernest Jacob Gellar ? Nein, diese Namen habe ich noch nie gehört.. oder warten sie... ich erinnere mich das der Diener des Hexen Professors Ernest genannt wurde, richtig ?

Ernest Jacob Gellar also ? So hieß die Hexenbrut also mit vollem Namen. Es war überaus schwierig Informationen über die Mitglieder des Herxer Clans herrauszufinden, vielleicht würde ihm dieser Name nocheinmal nützen. Nikita Crow legte er zunächst einmal in eine Schublade und beschloß damit zu arbeiten wenn er irgendwann einen Zusammenhang dazu geliefert bekäme.
 
Der Archont lächelte wieder dieses Lächeln ... "Nun, ich muss sie etwas korrigieren. Ernest Jakob Gellar ist das Kind von Viktor Thorsson. Nikita Crow ist das Kind von Meyye. Beide wurden in der selben Nacht gezeugt. Als der Fluch gebrochen wurde. Wann haben sie ihr Kind gezeugt?" Die letzte Frage klang eher als harmloser Anhang. Also nur reines Interesse.

Out of Character
Ich liebe es Archont zu sein *g* ... könnte man sich dran gewöhnen ... Ich nehme deinen Aufhänger, dass du Brenda gerne bei deinem Kind sehen würdest ... Nur zur Erläuterung: Der Typ kann Gedanken lesen :]
 
Out of Character
Ich weiß.. der Aufhänger war reine Absicht ;) Du sollst ja gerade alles aufgreifen was sich so ergibt :D


So war das also ? Der Sklave war zu einem Untoten gemacht worden. Gut zu wissen. Dann fiel der Name. Meyye.
Sofort begann seine Angst wieder wie ein Vogel im Käfig herumzuflattern.
Absichtlich hatte er ihren Namen nicht genannt, bei der Gruppe die sich um diesen Fluch gekümmert hatte, hatte ihn verschwiegen, aber sie wußten scheinbar auch über sie bescheid. Seine May, seine Kleine.
Sie hatte nun ein eigenes Kind ? So wie er selber auch ?
Wenn der Beutel voller Schleim seiner Kleinen etwas tun würde, dann würde er sich, mächtiger Archont hin oder her, wünschen das er tot liegengeblieben wäre. Niemand legte Hand an seine May. In ihm zischte und brodelte es, seine Wut pochte die Fassade seiner Zurückhaltung ab und suchte einen Weg nach draußen.
Er bemerkte gar nicht seine nächste Antwort.

In der selben Nacht in der auch der Fluch endete.

Im gleichen Augenblick hätte er sich beinahe auf die Zunge gebissen und die Hände vor den Mund geschlagen. Was hatte er da getan ? Er war überrumpelt worden. Die Frage nach Meyye hatte ihn aus dem Konzept gebracht.
Aber Sein Junges war in Sicherheit, es wurde beschützt.

Was hast du mit May gemacht ? Ich werde dich aufschlitzen und mit deinen Därmen erwürgen wenn du ihr etwas angetan hast...
 
Das Lächeln wurde noch etwas breiter. Kurz war sogar ein Grinsen zu erkennen. Das lief alles wunderprächtig.

"Sie wissen, dass sie damit gegen die Traditionen verstoßen haben. Geriet ihr Kind etwa auch in diesen tödlichen roten Nebel? Oder warum haben sie ein Kind gezeugt, ohne sich vorher die Erlaubnis dafür zu holen? Nennen sie mir den Namen, ihres Kindes."

Warum machte sich dieser Nosferatu nur diese Gedanken um die kleine Gangrel? "Kennen sie die Gangrel Meyye näher?"
 
Lurker schüttelte panisch den Kopf und hielt sich die Hände auf die Ohren.

Nicht May, nein, nicht May.

Ich weiß nichts von ihr.

Seine Reaktion war viel zu heftig um ernst genommen zu werden, das wußte er selber, aber diese Sache geriet außer Kontrolle. Sie durften ihr nichts tun.
Genausowenig wie sie seinem Kleinen etwas tun durften. Er bemühte sich seine Wut und den Drang dem Anderen den Kopf auszuschaben unter Kontrolle zu bekommen und ihn von May abzulenken. Seine Nägel bohrten sich in das Fleisch seines Handballen, seine Augen glühten vor Hass.

Ich habe gegen keine Tradition verstossen, ich war zu diesem Zeitpunkt der Älteste meines Clans in der Stadt, denn alle anderen waren ja verschwunden. Also konnte ich mir beim Primogen schlecht eine Erlaubniss holen.

Er presste seine Zähne fest aufeinander. Wenn der aufgeblasene Archont jetzt nicht langsam Ruhe ab, vor allem mit DIESEM speziellen Thema über eine junge Angehörige des Tierclans, dann würde er sich vergessen.
 
Das Lächeln verging tatsächlich. Auf zur nächsten Runde. Der Archont stand wütend auf und stemmte mit lautem Klatschen beide Hände auf die Schreibtischplatte. "Hören sie endlich auf, mir etwas vorzumachen!! Nennen sie mir den Namen ihres Kindes! Außerdem wussten sie nicht, ob sie tatsächlich der Älteste ihres Clans in der Stadt waren. Reißen sie sich zusammen und hören sie auf, mir Dinge zu verschweigen!!" Die Autorität schwappte regelrecht über den Schreibtisch zu Lurker herüber. Sie war fast greifbar.
 
Lurker würgte laut und hörbar, der Mistsack hatte es doch wieder geschafft ihn aus der Facon zu bringen, obwohl er gedacht hatte das Spielchen mitspielen zu können. Er stemmte sich mit aller Macht dagegen etwas zu verraten, aber er konnte spüren wie es sich in ihm seinen Weg bahnte, er mußte etwas sagen.

Es hat noch keinen Namen...

Lurker keuchte schwer, er brauchte zwar keine Luft zu holen, aber der psychische Druck hatte ihm den Hals zugeschnürt und er bekam seine Worte nur mit Mühe daran vorbeigequetscht. Es tat regelrecht weh zu sprechen.

Noch nicht... es wird noch einen Namen bekommen, aber noch ist es nicht soweit.

Lurker faßte sich allmählich wieder, rang um seine Kontrolle und lockerte den Kragen seines Hemdes. Eine völlig sinnlose Geste.

Und ich wußte sehr wohl das ich der einzige meiner Art in der Stadt war.

Diese Information hatte er aus dem Nosferatu Netzwerk, aber das ging den Inquisitor da vorne nichts an.
 
Die grünen Augen schienen regelrecht Blitze auf Lurker abzufeuern. "Dann eben den bürgerlichen Namen!! Aus welchen Gründen haben sie ihm oder ihr den Kuss gegeben? Warum haben sie ein Kind geschaffen!?"
 
Lurker machte sich so klein es irgendmöglich war auf seinem Hocker. Warum wollten sie das alles wissen ? Warum liessen sie ihn nicht in Ruhe ? Er hatte nichts unrechtes getan, warum gingen sie nicht jemand anderen quälen ?
Lurker stammelte.

Raphael... sein Name war Raphael...

Aber den Grund brachte er nicht über die Lippen. Sie konnten ihn nicht verstehen. Wie sollte er ihnen das begreiflich machen ? Er schämte sich ja selber dafür.

Er... sein Blut... es war so süß... so kräftig.. ich hatte noch niemals etwas gekostet das so...

Er redete wirres Zeug. Das Blut dieses Menschen war einfach zuviel gewesen für ihn. Es hatte ihn überwältigt. So war es gewesen. Er war seinem Blut verfallen, deswegen. Ohne es zu wollen, hatte ihn der Mensch verführt und sich so unsterbliche Verdammnis erschlichen.
 
Der Archont setzte sich wieder. Um aus diesem stammelnden Häufchen Häßlichkeit irgendetwas vernünftiges herauszuquetschen, war wirklich harte Arbeit ...

"Sie zeigen nicht viel Kooperation. Das ist in ihrer Situation nicht besonders vorteilhaft. Das wissen sie, oder Lurker?" Er war wieder vollkommen ruhig und sachlich.
 
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