Zornhau
Freßt NAPALM!
- Registriert
- 18. März 2004
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Wie schon zum ersten Teil des zweibändigen Engel-Romans "Der Schwur des Sommerkönigs" auch hier weitestgehend SPOILERFREI!
(Soweit es in meinen Möglichkeiten liegt. Wer sich als Spieler nicht sicher ist, sollte IMMER zuerst seinen Spielleiter fragen.)
Zur Aufmachung:
Taschenbuch mit einer Karte der Britonischen Inseln, auf der leider nicht alle Schauplätze der Geschichte eingetragen sind. Es wäre nett gewesen, wenn hier die Orte aus dem Roman zu finden gewesen wären, statt eine allgemeine Übersichtskarte über Britannien zu finden. Wobei ich letztere für Neugierige, die das Erscheinen des Buches zum Britannien-Feldzug nicht abwarten können, ja schon ganz interessant finde.
Der "neue Stil" der aktuellen Engelpublikationen ist mir immer noch zu zerfuselt und nicht mein Fall. Was im Buch aber ganz nett ist, ist das Unterlegen der Kapitelanfänge mit dem jeweiligen Symbol der angelitischen Kirche für Kapitel um die Engelsschar bzw. die angelitischen Spione, und mit einem - nicht erklärten - Symbol für die Kapitel, wo die Britonen selbst zu Worte kommen.
Die Seitenzahlen sind wie im ersten Teil in einem unleserlichen Font gehalten, der ein Ärgernis ist. Aber nur ein kleines.
Zum Inhalt:
Die beiden separaten Handlungsstränge laufen weiterhin zeitlich parallel nebeneinander her, bis es den Autoren gelingt diese beiden miteinander durchaus plausibel zu verknüpfen. Schön. Das wirkte ganz natürlich und nicht gezwungen.
Der Handlungsstrang um die Engelsschar führt in besetzte Gebiete, Gefangenenlager und in Schlachten, wobei auch der innere Kampf in der Schar gleichrangig mit dem äußeren Geschehen beleuchtet wird. Die Urielitin, die schon im ersten Teil unser Auge in die Schar hinein war, ist auch im zweiten Teil die Person, deren Empfindungen wir aus der Innenperspektive miterleben dürfen (wozu auch ein netter "Bonus" gehör: wir dürfen eine Scriptura-Weihe miterleben).
Die Schar hat interne Spannungen, da ein neuer Charakter eingegliedert werden muß und der Michaelit alle Hände voll zu tun hat, daß ihm unter dern ganzen Kriegswirren nicht der Zusammenhalt seiner Geschwister verloren geht. Da fühlte ich mich sehr an eigene Erfahrungen als Michaeliten-Spieler erinnert.
Der andere Handlungsstrang verläuft ebenfalls in bekannter Besetzung, doch kommt hier ein wenig mehr Lokalkolorit in Gestalt diverser Britonen hinzu. Die Perspektive von George, dem Angeliten in der Diaspora, wird beibehalten. Das ist auch gut so. Denn so bekommt man als Leser die Pläne und Überlegungen des Sarieliten nur indirekt mit. Das macht manche Verhaltensweisen besonders mysteriös, da ja der uneingeweihte Mensch nicht versteht, was dieses himmlische Wesen wirklich bewegt. Für mich ein schönes Vorbild für eine Mater Ecclesia Runde: die normalen Menschen müssen Engeln förmlich mit Ehrfurcht begegnen, da sie deren Motivation und deren Entscheidungen oft überhaupt nicht begreifen können. Das kam hier gut heraus.
Die Brutalitätsschilderungen hielten sich im weitesten Verlauf der Geschichte in Grenzen. Wohl in der Wirkung so beabsichtigt, aber für mich bedenklich nahe an unserer eigenen Geschichte war jedoch die "Selektionsszene". Die hätte es nicht in der breiten Form, in der sie förmlich zelebriert wurde, gebraucht. Wir haben in Deutschland gerade dieses Jahr das Holocaust-Mahnmal eingeweiht. Wir haben dieses Jahre 60 Jahre nach Kriegsende immer noch genug Arschlöcher, die mit entsprechenden Parolen herumblöken. Da erwarte ich mir von einem deutschen Autoren-Duo mehr Gespür und mehr Respekt für die ganz und gar nicht fiktiven Opfer ähnlicher Selektionen. Das war für mich der Tiefpunkt eines ansonsten sehr erfreulich gut am Rollenspiel orientierten Romans. - Dieser Teil der Geschichte ist aber für mich typisch für die Schwächen, die man bei den Engel-Publikationen findet: die Autoren wissen nicht, wann es genug ist mit dem billigen Zurückgreifen auf Menschenverachtungsdarstellungen. Man kann andeuten, man kann einen kurzen Blick erlauben, aber das breite Zelebrieren finde ich zu billig und zu unreif.
Mir hat das den Eindruck von sehr gut auf bestenfalls gut geschmälert (ja, es war "nur" eine Szene, aber eine lange und eine breit dargebotene - das war nicht nötig, auf alle Fälle nicht in der Breite. Wie gesagt: zu billig und zu unreif. Und natürlich hat hier neben den Autoren auch das Lektorat versagt, da zu so einem Griff in die braune Masse immer ein ganzes Team gehört, daß zusammen überfordert war.)
Im weiteren Ablauf wird - zwar erträglich, aber doch nach der Tagespresse insbesondere aus dem Irak wiederum zu billig - der Widerstand der Britonen geschildert und die Handlungsstränge kreuzen sich.
Am durchaus sehr spannenden Ende vereinigen sie sich sogar, da sind dann alle "SCs" beisammen und bekommen mit, was es so mit dem Sommerkönig auf sich hat (nicht den Hintergrund, wohl aber das Offensichtliche).
Da, so hoffe ich, wird der Band zum Krieg in Britannien mehr und tiefere Informationen liefern. Neugierig macht dieser Roman auf die Hintergründe allemal.
Zum Schreibstil:
Wie schon der erste Teil von "Der Schwur des Sommerkönigs" liest sich auch dieser zweite Band flüssig, die Handlungsstrangwechsel sind wohl plaziert und unterstreichen die zeitliche Parallelität der Vorgänge. Die inneren Motivationen der Charaktere werden hier noch weiter herausgearbeitet, die Wechselbäder der Gefühle für den Angeliten-Agenten bzw. die Urielitin kommen gut rüber. Die Aktionsszenen und dabei auch der - vom Rollenspiel ja vertraute - konsequente Einsatz der Mächte kommt in einer Weise vor, daß man als Rollenspieler seine Freude hat (so ganz anders als die - wohl nicht mehr so ganz kanonische Hiob-Trilogie).
Wie im ersten Band - da wiederhole ich mich gerne: Alles in allem gut geschrieben, sprachlich auch gerade die Dialoge der Engel untereinander an das Alter der Charaktere auf Erden angepaßt. Gut fokussiert auf wenige, einem bald vertraut wirkende Charaktere und deren innere Zerrissenheiten - bei dem Britonischen "under cover"-Angeliten in puncto Glaubenskonflikte und bei der Urielitin in ihrer Beziehung zu ihren Schargeschwistern.
Der "Griff ins Klo" bei der Selektionsszene ist jedoch ein dicker Makel, der von mangelndem Gespür, mangelndem Respekt vor den Toten und von mangelhaftem Lektorat zeugt. So etwas trübt leider den Gesamteindruck, der - die mir schwer an die Nieren gehenden Seiten ausgenommen - eigentlich sehr gut gewesen wäre. Hier kann ich nur empfehlen mal ein paar Bücher zur aktuelleren deutschen Geschichte zu lesen und sich ein paar Werte anzuschaffen, die der Respektlosigkeit und Gefühllosigkeit ein Gewicht gegen die Lust am billigsten Schockeffekt bar jeglicher Verantwortung der Autoren verleihen können. Für diese Szene sage ich so betroffen, wie sie mich gemacht hat: Schämt Euch.
Für den Rest des Buches: Gut gemacht.
Zum Rollenspielbezug:
Da muß ich nichts mehr dazu sagen, oder? Was ich zum ersten Band gesagt hatte, das gilt auch hier - und fast noch stärker: nach Mater Ecclesia kann man sich sehr gut vorstellen auch mehrere Handlungsstränge - Menschen, Engel - parallel zu spielen und diese dann eventuell immer mal wieder sich kreuzen zu lassen. Mir erscheint das eine reizvolle Konstellation, wenn jeder Spieler einen Engel und einen Menschen als SC hat und im Spiele die Szenen-Übergänge zum Wechsel zwischen den SC-Gruppen führen. Wie man das macht, kann man ja z.B. hier in den beiden Bänden lesen.
Ist das Buch "spielergeeignet"?
JEIN. - Das hängt davon ab, ob der Spielleiter den Engel-Spielern den Schock, den der Sommerkönig im Buch bei der Engelsschar ausgelöst hat, als Überraschung bieten will, oder ob nicht. Falls nicht, dann kann das Buch schon an Spieler gehen. Falls doch, dann eben besser nicht.
Hoffen wir mal, daß der Invasionsband zum Britannien-Feldzug baldigst erscheint, so daß man nicht allzulange auf mehr Informationen warten muß.
Fazit:
Meine Empfehlung (trotz der obengenannten Selektionsszene). - Kaufen.
(Soweit es in meinen Möglichkeiten liegt. Wer sich als Spieler nicht sicher ist, sollte IMMER zuerst seinen Spielleiter fragen.)
Zur Aufmachung:
Taschenbuch mit einer Karte der Britonischen Inseln, auf der leider nicht alle Schauplätze der Geschichte eingetragen sind. Es wäre nett gewesen, wenn hier die Orte aus dem Roman zu finden gewesen wären, statt eine allgemeine Übersichtskarte über Britannien zu finden. Wobei ich letztere für Neugierige, die das Erscheinen des Buches zum Britannien-Feldzug nicht abwarten können, ja schon ganz interessant finde.
Der "neue Stil" der aktuellen Engelpublikationen ist mir immer noch zu zerfuselt und nicht mein Fall. Was im Buch aber ganz nett ist, ist das Unterlegen der Kapitelanfänge mit dem jeweiligen Symbol der angelitischen Kirche für Kapitel um die Engelsschar bzw. die angelitischen Spione, und mit einem - nicht erklärten - Symbol für die Kapitel, wo die Britonen selbst zu Worte kommen.
Die Seitenzahlen sind wie im ersten Teil in einem unleserlichen Font gehalten, der ein Ärgernis ist. Aber nur ein kleines.
Zum Inhalt:
Die beiden separaten Handlungsstränge laufen weiterhin zeitlich parallel nebeneinander her, bis es den Autoren gelingt diese beiden miteinander durchaus plausibel zu verknüpfen. Schön. Das wirkte ganz natürlich und nicht gezwungen.
Der Handlungsstrang um die Engelsschar führt in besetzte Gebiete, Gefangenenlager und in Schlachten, wobei auch der innere Kampf in der Schar gleichrangig mit dem äußeren Geschehen beleuchtet wird. Die Urielitin, die schon im ersten Teil unser Auge in die Schar hinein war, ist auch im zweiten Teil die Person, deren Empfindungen wir aus der Innenperspektive miterleben dürfen (wozu auch ein netter "Bonus" gehör: wir dürfen eine Scriptura-Weihe miterleben).
Die Schar hat interne Spannungen, da ein neuer Charakter eingegliedert werden muß und der Michaelit alle Hände voll zu tun hat, daß ihm unter dern ganzen Kriegswirren nicht der Zusammenhalt seiner Geschwister verloren geht. Da fühlte ich mich sehr an eigene Erfahrungen als Michaeliten-Spieler erinnert.
Der andere Handlungsstrang verläuft ebenfalls in bekannter Besetzung, doch kommt hier ein wenig mehr Lokalkolorit in Gestalt diverser Britonen hinzu. Die Perspektive von George, dem Angeliten in der Diaspora, wird beibehalten. Das ist auch gut so. Denn so bekommt man als Leser die Pläne und Überlegungen des Sarieliten nur indirekt mit. Das macht manche Verhaltensweisen besonders mysteriös, da ja der uneingeweihte Mensch nicht versteht, was dieses himmlische Wesen wirklich bewegt. Für mich ein schönes Vorbild für eine Mater Ecclesia Runde: die normalen Menschen müssen Engeln förmlich mit Ehrfurcht begegnen, da sie deren Motivation und deren Entscheidungen oft überhaupt nicht begreifen können. Das kam hier gut heraus.
Die Brutalitätsschilderungen hielten sich im weitesten Verlauf der Geschichte in Grenzen. Wohl in der Wirkung so beabsichtigt, aber für mich bedenklich nahe an unserer eigenen Geschichte war jedoch die "Selektionsszene". Die hätte es nicht in der breiten Form, in der sie förmlich zelebriert wurde, gebraucht. Wir haben in Deutschland gerade dieses Jahr das Holocaust-Mahnmal eingeweiht. Wir haben dieses Jahre 60 Jahre nach Kriegsende immer noch genug Arschlöcher, die mit entsprechenden Parolen herumblöken. Da erwarte ich mir von einem deutschen Autoren-Duo mehr Gespür und mehr Respekt für die ganz und gar nicht fiktiven Opfer ähnlicher Selektionen. Das war für mich der Tiefpunkt eines ansonsten sehr erfreulich gut am Rollenspiel orientierten Romans. - Dieser Teil der Geschichte ist aber für mich typisch für die Schwächen, die man bei den Engel-Publikationen findet: die Autoren wissen nicht, wann es genug ist mit dem billigen Zurückgreifen auf Menschenverachtungsdarstellungen. Man kann andeuten, man kann einen kurzen Blick erlauben, aber das breite Zelebrieren finde ich zu billig und zu unreif.
Mir hat das den Eindruck von sehr gut auf bestenfalls gut geschmälert (ja, es war "nur" eine Szene, aber eine lange und eine breit dargebotene - das war nicht nötig, auf alle Fälle nicht in der Breite. Wie gesagt: zu billig und zu unreif. Und natürlich hat hier neben den Autoren auch das Lektorat versagt, da zu so einem Griff in die braune Masse immer ein ganzes Team gehört, daß zusammen überfordert war.)
Im weiteren Ablauf wird - zwar erträglich, aber doch nach der Tagespresse insbesondere aus dem Irak wiederum zu billig - der Widerstand der Britonen geschildert und die Handlungsstränge kreuzen sich.
Am durchaus sehr spannenden Ende vereinigen sie sich sogar, da sind dann alle "SCs" beisammen und bekommen mit, was es so mit dem Sommerkönig auf sich hat (nicht den Hintergrund, wohl aber das Offensichtliche).
Da, so hoffe ich, wird der Band zum Krieg in Britannien mehr und tiefere Informationen liefern. Neugierig macht dieser Roman auf die Hintergründe allemal.
Zum Schreibstil:
Wie schon der erste Teil von "Der Schwur des Sommerkönigs" liest sich auch dieser zweite Band flüssig, die Handlungsstrangwechsel sind wohl plaziert und unterstreichen die zeitliche Parallelität der Vorgänge. Die inneren Motivationen der Charaktere werden hier noch weiter herausgearbeitet, die Wechselbäder der Gefühle für den Angeliten-Agenten bzw. die Urielitin kommen gut rüber. Die Aktionsszenen und dabei auch der - vom Rollenspiel ja vertraute - konsequente Einsatz der Mächte kommt in einer Weise vor, daß man als Rollenspieler seine Freude hat (so ganz anders als die - wohl nicht mehr so ganz kanonische Hiob-Trilogie).
Wie im ersten Band - da wiederhole ich mich gerne: Alles in allem gut geschrieben, sprachlich auch gerade die Dialoge der Engel untereinander an das Alter der Charaktere auf Erden angepaßt. Gut fokussiert auf wenige, einem bald vertraut wirkende Charaktere und deren innere Zerrissenheiten - bei dem Britonischen "under cover"-Angeliten in puncto Glaubenskonflikte und bei der Urielitin in ihrer Beziehung zu ihren Schargeschwistern.
Der "Griff ins Klo" bei der Selektionsszene ist jedoch ein dicker Makel, der von mangelndem Gespür, mangelndem Respekt vor den Toten und von mangelhaftem Lektorat zeugt. So etwas trübt leider den Gesamteindruck, der - die mir schwer an die Nieren gehenden Seiten ausgenommen - eigentlich sehr gut gewesen wäre. Hier kann ich nur empfehlen mal ein paar Bücher zur aktuelleren deutschen Geschichte zu lesen und sich ein paar Werte anzuschaffen, die der Respektlosigkeit und Gefühllosigkeit ein Gewicht gegen die Lust am billigsten Schockeffekt bar jeglicher Verantwortung der Autoren verleihen können. Für diese Szene sage ich so betroffen, wie sie mich gemacht hat: Schämt Euch.
Für den Rest des Buches: Gut gemacht.
Zum Rollenspielbezug:
Da muß ich nichts mehr dazu sagen, oder? Was ich zum ersten Band gesagt hatte, das gilt auch hier - und fast noch stärker: nach Mater Ecclesia kann man sich sehr gut vorstellen auch mehrere Handlungsstränge - Menschen, Engel - parallel zu spielen und diese dann eventuell immer mal wieder sich kreuzen zu lassen. Mir erscheint das eine reizvolle Konstellation, wenn jeder Spieler einen Engel und einen Menschen als SC hat und im Spiele die Szenen-Übergänge zum Wechsel zwischen den SC-Gruppen führen. Wie man das macht, kann man ja z.B. hier in den beiden Bänden lesen.
Ist das Buch "spielergeeignet"?
JEIN. - Das hängt davon ab, ob der Spielleiter den Engel-Spielern den Schock, den der Sommerkönig im Buch bei der Engelsschar ausgelöst hat, als Überraschung bieten will, oder ob nicht. Falls nicht, dann kann das Buch schon an Spieler gehen. Falls doch, dann eben besser nicht.
Hoffen wir mal, daß der Invasionsband zum Britannien-Feldzug baldigst erscheint, so daß man nicht allzulange auf mehr Informationen warten muß.
Fazit:
Meine Empfehlung (trotz der obengenannten Selektionsszene). - Kaufen.