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Rezension [Rezension] Degenesis: In Thy Blood

Dieses Thema im Forum "Degenesis" wurde erstellt von Atreju, 15. September 2015.

  1. Atreju

    Atreju breakfast epiphany

    Degenesis – In Thy Blood

    Anfang Oktober 2015 erscheint mit In Thy Blood der erste Kampagnenband zur Rebirth-Edition von Degenesis. Dabei handelt es sich um einen Hardcoverband von 104 vollfarbigen Seiten mit einem Preis von 29,90€.

    Der Band kann auf der SPIEL erworben oder direkt beim Verlag Sixmorevodka vorbestellt werden, wobei Vorbesteller noch eine Überraschung erhalten, die Ende September bekannt gegeben wird.

    Diese Rezension basiert auf der PDF-Version, die als Rezensionsexemplar vom Verlag zur Verfügung gestellt wurde, ein Nachtrag zum Buch wird dann entsprechend geliefert.

    Wer nicht weiß, worum es sich bei Degenesis oder der Rebirth-Edition handelt, dem sei der Überblick über die Welt oder die Rezension zur Rebirth-Edition empfohlen.

    Da es sich um einen Abenteuerband handelt, sei hier nochmal vor SPOILERN gewarnt. Ich versuche, sie gering zu halten, aber das ist nicht immer möglich.

    Die Aufmachung
    Der Band kommt in gewohnt sehr guter Designqualität einher und folgt der mit der Rebirth-Edition vorgegebenen Richtung.
    Der weiße Einband zeigt den Degenesis-Schriftzug, dem Titel des Bandes und einigen Blutschlieren. Auf der Rückseite findet sich der Schriftzug „Wenn Täufer sterben“, der schon den Inhalt verrät, sowie einige Quadrate, denen auch eine Bedeutung innewohnt, über deren genauen Zweck aber noch spekuliert werden darf. Schließlich haben erfahrungsgemäß auch so kleine Dinge wie Schmuckleisten bei Degenesis eine Bedeutung.
    Die Vorsatzseiten enthalten Karten, vorne findet sich der Norden Purgares, hinten eine Karte von Lucatore und der näheren Umgebung, dem Handlungsort der Geschichte.
    Die Texte sind zweispaltig angeordnet, werden aber durch Textboxen oder Randtexte immer wieder aufgelockert und sind von angenehmer Lesegröße. Hintergrundtexte oder Werte für NSC sind dabei schwarz hinterlegt, was sich leicht von dem pergamentenen Seitenhintergrund abhebt.
    An die Art und Weise der Textgestaltung mit Randtexten, Boxen und Fließtext gewöhnt man sich, wenn man es noch nicht kennt, sehr schnell und kann den jeweiligen Zweck erkennen und nutzen.

    Die Bilder sind gewohnt großartig und unterstützen die Atmosphäre des Bandes ungemein. So kann man NSC sehr schnell wiedererkennen und auch die Landschaftsbilder und Ortschaften tun ihr Übriges, damit der Norden Purgares und seine Bewohner vorstellbar werden.
    Dabei sind die Bilder entweder halbseitig, sowohl links/rechts oder oben, ganzseitig oder doppelseitig, wobei letztere entweder über eine gesamte Doppelseite gehen oder über die obere Hälfte. Kleinere Zeichnungen oder Schmuckelemente sorgen auch hier wieder für Auflockerung und verstecken immer mal wieder Hinweise auf das Kommende oder den Hintergrund.
    Und auch wenn Bilder der NSC gut sind, um ihre Gemütslage auszudrücken oder ihr übliches Umfeld zeigen, finde ich die Bilder, in denen mehr Landschaft zu sehen ist, deutlich interessanter, denn dadurch wird die Welt zum Leben erweckt. Gerade das Bild des Klosters oder auch die Anreise nach Lucatore oder das Bild über den Marktplatz gefallen mir da ausnehmend gut und ich würde mir mehr davon wünschen!

    Der Schreibstil ist angenehm flüssig und die früher stark genutzten Ellipsensätze oder Doppelpunktverbindungen haben ja bereits in der Rebirth-Edition stark abgenommen und finden sich nun gar nicht mehr.
    Schreibfehler finden sich angenehm wenige. Das Wort „elysisch“ hat zweimal einen Buchstabendreher, reine Schreibfehler gibt es sonst nicht. Allerdings führt die bereits in der Rebirth-Edition auffallende falsche Worttrennung immer mal wieder zu unschönen Stolpereien im Lesefluss, wenn beispielsweise „Mis-tstück“ falsch getrennt wurde. Allerdings ist da wohl auch das verwendete Programm nicht ganz unschuldig und sorgt für ungewollte Worttrennungen.
    Ein weiterer Fehler, der nicht gravierend, aber auffällig ist, findet sich in der wörtlichen Rede. Folgt danach der Redebegleitsatz, endet die wörtliche Rede bei einem Aussagesatz ohne Punkt. Bei In Thy Blood findet sich dieser jedoch in jedem Aussagesatz wieder.
    Sehr gefallen hat mir aber etwas, das ich zunächst für einen Schreibfehler hielt, und zwar das Wort „Bokal“ Dachte ich erst, es handelte sich um einen „Pokal“ im Sinne eines Weinpokals, habe ich dann herausgefunden, dass es das kroatische Wort für Krug ist – passt auch prima in die Gegend, in der In Thy Blood spielt.

    Der Inhalt
    In Thy Blood behandelt die Ereignisse im Wiedertäuferkloster von Lucatore und die damit verbundenen Umwälzungen sowohl für den Norden Purgares als auch den Kult der Wiedertäufer, und die sind nicht gerade klein. Man hat also als Spieler Gelegenheit, an großen Ereignissen teilzuhaben und am Ende, soviel sei schon mal verraten, wartet noch etwas ganz Dickes.
    Die Handlung, auf die später noch genauer eingegangen wird, lässt sich folgendermaßen zusammenfassen: Altair, einer der acht Täufer und Führer der Wiedertäufer, wird im Kloster von Lucatore unter seltsamen Umständen ermordet. Die Liste der möglichen Verdächtigen ist sehr lang. Die Charaktere untersuchen den Mord und bringen dabei einige unangenehme Wahrheiten ans Licht. Der Plot ist vielschichtig und verwoben, immer wenn ein Geheimnis aufgedeckt wurde, wartet dahinter bereits das nächste, das wiederum mit anderen NSC verbunden ist. Und so geht es weiter und weiter...

    Das Buch ist in vier Kapitel eingeteilt, die von einem ganzseitigen Bild und dem Titel sowie der Kapitelnummer eingeleitet werden. Auch hier folgt man der Linie, die sich bereits im Grundregelwerk findet.

    Das erste Kapitel „Öl und Feuer“ gibt einen kurzen Überblick über das bisherige Geschehen und beschreibt sowohl die wichtigen Örtlichkeiten des nördlichen Purgare als auch die Stadt Lucatore und das dazugehörige Kloster der Wiedertäufer. Unterstützt wird das durch eine Kurzgeschichte (deren Bedeutung man im Verlauf des Buches erfährt) und einigen Auszügen aus der Geschichte des Ortes. Weiterhin findet man Einstiegsmöglichkeiten für die Spielcharaktere, die sich entweder bereits vor Ort befinden oder von ihren Kulten geschickt werden. Besonders diese Doppelseite ist sehr nützlich für frischgebackene Spielleiter und Spieler in der Welt von Degenesis, denn man hat hier versucht, einen plausiblen Einstieg für alle Kulte zu finden, was auch recht gut gelungen ist. Zwar sollten die Charaktere keinen allzu weiten Weg vor sich haben müssen, da die Zeit sonst nicht ausreicht, aber mit den Vorschlägen als Inspiration lässt sich gut arbeiten. Abschließend und ebenfalls sehr nützlich ist eine Übersicht über diverse Gerüchte, die nach Erfolgen und Triggern mehr oder weniger Nützliches auflistet.

    Diese Regionalbeschreibung nimmt Elemente aus dem GRW wieder auf, seien es die örtlichen Machtverhältnisse oder die vorgestellten Klans wie die Lombardi, Romanos oder Flagellanten, die auch im Abenteuer eine Rolle spielen. Dadurch werden die Informationen aus dem GRW ergänzt und plastischer.

    Kapitel zwei trägt den Namen „Die Sünden der Väter“ und bietet einen Überblick über den Hintergrund des Geschehens sowie auf 14 Seiten die wichtigsten NSC samt Geschichte, Motivation, Werten und einem Charakterbild. Dabei werden auch neue Potentiale oder Phänomene vorgestellt, von denen einige nur auf diesen NSC gemünzt sind, andere sich jedoch auch für SC verwenden lassen.
    Die Regeln und Charakterbeschreibungen finden sich wie üblich als weiße Schrift auf schwarzem Hintergrund.
    Die sehr ausführlichen Beschreibungen des Hintergrundes und der NSC sorgen dafür, dass man als Spielleiter auch sehr leicht nicht vorgesehene Szenen improvisieren kann. Die Motivation ist dabei stets sehr gut nachvollziehbar und wird sowohl durch die Texte als auch die Bilder ergänzt.

    Mir haben dabei besonders drei NSC gefallen: Carmino Ferro, Black Tom und Fernex, denn alle sind sie zwar mit der Handlung verwoben, aber auf eine ganz besondere Weise und stellen interessante Verbündete der SC dar – oder auch nicht, wenn sie auf anderen Wegen auf diese Spuren stoßen. Gerade aber ihr Hintergrund macht sie sehr interessant.

    Ich habe mir nicht die Mühe gemacht, die NSC oder Gegner nachzubauen um zu sehen, ob die Werte überhaupt regeltechnisch stimmen. Erstens halte ich das für sinnlose Zeitverschwendung, zweitens sind das schließlich keine Startcharaktere. Da vertraue ich den Leuten bei Sixmorevodka einfach mal. Wer auf sowas steht, kann es ja selbst nachrechnen und sich wundern, wie viele EP die NSC bereits haben...

    Kapitel drei lautet „In deinem Namen“ und stellt schließlich den Ablauf des Abenteuers bis kurz vor dem Finale dar. Die sich zuspitzenden Ereignisse sind chronologisch angeordnet, wobei Tag eins der Mordtag ist. Das, was an dem Tag passiert, wird beschrieben, ebenso mögliche Interaktionen, Hintergrundinformationen und NSC die nicht im vorigen Kapitel genannt wurden.
    Dabei spitzt sich die Stimmung immer mehr zu. Verschiedene Parteien, die mehr oder weniger stark in das Geschehen verwickelt waren oder sein werden haben ihren Auftritt und können Gegner oder Verbündete der SC werden.
    Die Beschreibungen sind eine Mischung aus Stimmungstexten und Informationen zu Hintergrund und Ablauf (ähnlich wie im Abenteuer „Embargo“ aus dem GRW), was sich ganz gut nutzen und an die Aktionen der SC anpassen lässt.
    Während die SC in und um Lucatore ihren Nachforschungen nachgehen und der hässlichen Wahrheit schließlich Schritt für Schritt näherkommen, braut sich über der Stadt ein ganz besonderes Unheil zusammen.

    Kapitel vier namens „Bluterbe“ stellt schließlich das furiose und gefährliche Finale dar und weicht von den bisherigen Beschreibungen ab. Während in Kapitel drei sich Stimmungstexte, Regeln und Optionen der SC die Waage hielten, gleicht das Finale eher einer Prosaerzählung, die dann an die Handlungen der SC angepasst werden muss.
    Soviel sei gesagt, nicht nur ein Psychonaut spielt eine sehr große Rolle in diesem Abenteuer.
    Es folgt der Epilog und eine Übersicht der offenen Handlungsfäden bzw. was sich daraus entwickelt (sehr gut!) sowie die Erfahrungspunkte und Hintergründe sowie die Veränderungen der Kultkarten, wenn man diese benutzt. Eine Erklärung der Effekte auf die Kultkarten wäre jedoch schön gewesen, denn nicht jeder hat diese oder weiß, was mit den Effekten gemeint ist. Positiv fällt jedoch auf, dass es je nach Wahl der SC auch unterschiedliche Reaktionen der anderen Kulte gibt.

    Und dann gibt es ja noch was, das angesprochene dicke Ende. Den SC fällt ein Artefakt in die Hände, das noch für große Aufregung sorgen wird. Der Hintergrund von Degenesis lädt sowieso schon zum Spekulieren ein und hält mit seiner Fülle an Querverbindungen und Geheimnissen jede Menge Potential bereit, wie man im Degenesis-Forum auch verfolgen kann. Es sei gesagt, dass hier neues Futter wartet und das Team mit einem ganz besonderen Bonbon aufwartet. Auch dazu wird es noch weitere Informationen auf der Homepage geben, es bleibt also spannend.

    Das Buch endet mit einer Auflistung an NSC-Gegnern und deren Werten sowie eine Zeitleiste für die bessere Übersicht.

    Fazit
    Alles in allem ist In Thy Blood ein sehr guter Einstieg in die Welt von Degenesis. Unerfahrenen Spielleitern und Spielern wird hier viel gutes Material gegeben, um sich zurechtzufinden und die alten Hasen können einige heftige Überraschungen erleben, welche die Spielwelt sicher verändern werden. Veränderungen wird es nach diesen Ereignissen nicht nur bei den Wiedertäufern geben...
    Auch die Regionalbeschreibung des nördlichen Purgare nimmt viele Sachen aus der Rebirth-Edition wie angedeutete Konflikte oder bestimmte Klans wieder auf und spinnt den Faden weiter. Ebenso sind die Beschreibungen des Psychonauten sehr hilfreich, um sich in die Gedankenwelt eines Homo Degenesis hineinzuversetzen, sofern das überhaupt möglich ist. Die entsprechenden Kapitel sorgen jedenfalls dafür, dass man ein besseres Verständnis für die Absonderlichen entwickelt.

    Die Handlung selbst ist spannend und verstrickt mehrere Elemente und Ebenen miteinander, wodurch sie vielschichtig wird, was vielleicht zu Beginn für Verwirrung bei den SC sorgen könnte, sich aber bei fortschreitender Handlung recht schnell wieder legt. Dabei tritt allerdings auch ein für Krimiplots typisches Element auf, denn die einzelnen Tage und ihre Ereignisse sind zwar in ihrer beschriebenen Grundlage ausreichend, müssen jedoch natürlich an das Verhalten der eigenen Spielgruppe angepasst und notfalls verändert werden. So kann es ja schließlich passieren, dass die SC früher als vom Abenteuer her vorgesehen auf eine Spur stoßen oder sich bereits zu Beginn in den Wäldern umschauen. Ebenso sorgt die recht feste Reihenfolge der Ereignisse in einem Krimiplot dafür, dass man auf weiterführende Ereignisse einfach mal warten muss. Das kann dazu führen, dass die SC ein Gefühl der Hilf-oder Tatenlosigkeit entwickeln, weil ihnen gerade nicht einfällt, was sie tun können oder sollen.

    An dieser Stelle hätte ich mir mehr Alternativen gewünscht, denn an einer Stelle sollen die SC die Stadt für mehrere Tage verlassen, um im Umland auf Spurensuche zu gehen. Was jedoch in der Zwischenzeit in Lucatore geschieht, wird nicht erwähnt. Auch bei anderen Beschreibungen der Tagesereignisse oder NSC wären einige mögliche Alternativen nett gewesen, so hat man halt den einen Handlungsablauf und muss entsprechend selbständig reagieren.

    Ebenso wünschenswert für zukünftige Publikationen ist eine Auflistung der neuen Regelelemente am Ende des Buches, wo noch einmal neue Potenziale, Phänomene oder Ausrüstung aufgeführt wird. So hat man alles in den Charakterbeschreibungen, aber zur besseren Übersicht wäre ein eigener Abschnitt nicht schlecht.

    Zwar habe ich oben die durchweg sehr gute Ausarbeitung und Motive der NSC gelobt, ein kleines Aber möchte ich dennoch hinterherschieben: Ein Shutter verhält sich an zwei Stellen etwas seltsam. Er verhilft einem Verdächtigen zur Flucht, weil er die ganze Geschichte herausbekommen möchte und achtet später nicht auf seine Tarnung. Ein klein wenig nach Plot-Device schmecken die Stellen schon, aber das ist Jammern auf hohem Niveau.

    Mir persönlich hat Purgare bislang nicht so zugesagt, dieser Band jedoch hat einiges an Interesse geweckt. Sowohl die nützlichen Regionalbeschreibungen als auch das Abenteuer selbst mit seinen gewaltigen Auswirkungen auf die Spielwelt stellen also eine klare Empfehlung dar. Degenesis-Fans werden sich das sicherlich nicht entgehen lassen, für diejenigen, die sich mal auf Primal Punk einlassen wollen sollte es zumindest eine Überlegung darstellen, denn es bietet einen leichten und übersichtlichen Einstieg in die Wel
     
    Zuletzt bearbeitet: 15. September 2015
    Drummelmuff und Skar gefällt das.
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