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Rezension Priest – Bände 1-16 [B!-Rezi]

T.Dorst

THE BIG RED GOD OF ANGER
alpha
Priest


Band 1 bis 16 [B!-Rezi]


Wir haben uns überlegt, dass wir Euch in unserem Rezi Bereich gern mit allen Facetten des Fantasy-Bereichs beglücken würden und haben mit Tokyopop einen kompetenten Partner in Sachen Manga und Manhwa gefunden. Bei (TOKYOPOP - Manga, Manhwa, Manhua und Cine-Manga) handelt es sich um einen international tätigen Manga- und Manhwa-Verlag (was sich hinter einem Manhwa verbirgt, werde ich für alle Nichteingeweihten später noch näher erläutern), welcher so ziemlich jedwede Art dieser schwarz-weißen, aber manchmal auch bunten, Bilderheftchen vertreibt. Wir picken uns für Euch natürlich jeweils die fantastisch oder mystisch angehauchten Serien heraus, die für das hier vertretene Publikum interessant sein könnten.

Gegenstand der heutigen Rezension ist die Manhwa-Reihe Priest. Hinter dem Begriff Manhwa verbirgt sich im Prinzip die koreanische Version des Mangas, der ja bekanntlich aus Japan kommt. Ein paar der Hauptunterschiede: Manhwas werden nicht wie Mangas von hinten nach vorn gelesen, sondern folgen der für uns normalen Leseweise von vorn nach hinten. Des Weiteren erkennt man schon beim ersten Durchblättern, das die Figuren nicht die typischen riesigen Manga-Augen haben. Für mich persönlich wirkt das ganze etwas ernsthafter. Die Zeichnungen sind ein wenig weiter weg von der typischen japanischen, übertriebenen, manchmal kindlich wirkenden Art der illustrierten Darstellung. Womit ich aber nicht sagen will, dass ich ein Feind von Mangas bin. Der Manhwa-Stil sagt mir persönlich nur ein wenig mehr zu. Wer noch ein wenig mehr über Manhwas erfahren möchte, dem hilft wikipedia bestimmt schnell weiter.

Aus aktuellem Anlass (Priest 3D sollte eigentlich immer noch in diversen Kinos zu sehen sein), schauen wir uns also heute die bis dato 16-bändige Priest-Reihe von Min-Woo Hyung an.
Wie immer würde ich gern mit der äußeren Gestaltung beginnen, bevor ich im weiteren Verlauf auf den Inhalt der Bücher eingehen werde.
Die Umschläge der Bücher sind ausnahmslos sehr ansprechend gestaltet und machen sofort Lust auf mehr. Passend zum Verlauf der Geschichte findet sich auf dem Cover jeweils eine Szene, aus dem jeweiligen Buch, welche mit viel Liebe zum Detail geinked und coloriert worden ist und thematisch den bisherigen Storyverlauf gut aufgreift. Auf der Rückseite findet sich jeweils ein sehr kurzer Teaser zum Inhalt des Buches, der aber nie zu viel verrät.
Was mir persönlich gut gefällt, ist dass der Buchrücken aufgemacht ist, wie ein altes ledergebundes Buch. Sämtliche Buchrücken der Reihe sind einheitlich gestaltet, was im Bücherregal recht schick wirkt. Zusätzlich wird auf dem Buchrücken noch einmal ein Teil des Coverbildes aufgegriffen, was beim Betrachter sofort impliziert um welchen Band es sich handelt, da der eigentliche Titel des jeweiligen Bandes nur im Inneren, auf den ersten Seiten zu finden ist. Das stylische Priest Logo auf dem Cover und dem Buchrücken runden den Gesamteindruck sehr zufriedenstellend ab. Die Seitenzahl der Bücher schwankt zwischen ca. 170 und 215 Seiten, was sich jedoch im Preis nicht niederschlägt. Kostenpunkt für jeden der Bände liegt bei 6,50 Euro, was ich durchaus als legitim erachte, obwohl ich für einen Band normalerweise nicht länger als 1,5 Stunden gebraucht habe, was vor allem daran liegen mag, dass die Priest Bände eher recht bildgewaltig als textlastig daherkommen, was Ihnen aber absolut nicht zum Nachteil gereicht.

Die Story:
Der Handlungsstrang von Priest ist episch und wird auch schon direkt im ersten Band als solcher aufgespannt. Freunde von linearen, simplen Handlungssträngen sind hier eindeutig an der falschen Adresse, denn der Autor lässt die losen Story-Fäden über nicht weniger als 3 verschiedenen Zeitepochen langsam zusammenlaufen und geizt auch nicht damit Flashbacks gezielt als Stilmittel zu verwenden um den Leser immer weiter und tiefer in die Motivationen der Hauptcharaktere hinein zu ziehen.

Womit wir auch schon beim Hauptcharakter der Serie wären:
Ivan Isaacs ist ein Priester, welcher zur Zeit des Wilden Westens gelebt hat. Als eifriger Student theologischer Dogmen und Geheimnisse wird er für eine geheime Organisation (Die Vertinez-Kirche) innerhalb der katholischen Kirche interessant, welche ihn anwirbt um das Rätsel einer uralten Säule (Domas Porada) zu lösen. Zu diesem Zeitpunkt weiß Ivan noch nicht, dass sich in dieser Säule der gefallene Engel Temozarela befindet, der durch den Dämon Belial dort eingekerkert wurde. Um dies zu vollbringen hat Belial sich aus freien Stücken selbst mit in die Säule gebunden um so dafür zu sorgen, dass die Säule ein ewiges Gefängnis bleibt.

Nachdem Ivan begriffen hat, was das Öffnen der Säule bedeuten würde, weigert er sich diese zu öffnen. Der Leiter der Operation benutzt Ivans Stiefschwester Gena, für die Ivan tiefe, verbotene Gefühle hegt, jedoch als Druckmittel um Ihn zu zwingen die Säule zu öffnen, da er vollkommen verblendete Erwartungen gegenüber dem Inhalt der Domas Porada hegt.
Als Vater Pietro von der Vertinez Kirche Gena schließlich tötet, setzt es bei Ivan komplett aus und er öffnet in seinem Wahn die Säule. Bei diesem Unterfangen wird Ivan getötet, doch in einem letzten klaren Moment schließt er einen Pakt mit Belial und gibt die Hälfte seiner Seele hin um sich in Zukunft durch tiefen Hass getrieben auf die Jagd nach Temozarela und seinen 11 Mitgefallenen zu machen. Diese wiederum versuchen in der gleichen Zeit einen „heiligen“ Ort zu erschaffen um Ihr verqueres Dogma in die Tat umzusetzen und die Menschen in Not und Elend zu stürzen (Sie verachten die Menschen, da Gott den Menschen einen freien Willen gab und er sie gegenüber den Engeln favorisiert hat). Dies kann aber scheinbar nur über die Vollendung des „heiligen“ Orts vollbracht werden, da Temozarela nur so zu voller Kraft aufsteigen kann.

Die Story umspannt, wie bereits erwähnt mehrere Zeitepochen und es wird unter anderem erläutert, wie und warum Temozarela und seine Schwergen aus dem Himmel gefallen sind und natürlich wird auch nach und nach aufgerollt wie Temozarela schließlich in der Domas Porada gelandet ist (Epoche der Kreuzzüge).
Ich persönlich fand den Dritten Band besonders interessant, da sich die Handlung hier auch kurz in der Gegenwart abspielt (die 3. Zeitepoche) und man erfährt, dass Ivan bei der Jagd auf Temozarela in der Wild West Epoche wohl erfolgreich gewesen ist (wenn wohl auch nicht final, da man hier auf eine neue Säule stößt). Wie es dazu gekommen ist, wird aber natürlich erst wieder im Verlauf der Reihe langsam aufgedeckt.

Die Priest Bände sind bewusst erst ab 16 freigegeben, da sie an vielen Stellen durch sehr explizite Darstellung von Gewalt bestechen: Sowohl Menschen, als auch Zombies werden im Laufe der Story erschossen, erstochen, komplett zerrissen, Ihnen werden Gliedmaßen und die Köpfe abgerissen und und und. Ich empfand die Gewaltdarstellung der Storyline entsprechend angebracht und nicht übertrieben, aber empfindliche Charaktere sollten auf die Lektüre von Priest vielleicht verzichten.

Des Weiteren weiß der recht mystisch und religiös angehauchte Hintergrund von Priest zu begeistern, der einen sehr interessanten Rahmen für den Handlungsrahmen darstellt. Viele verschiedene Gruppierungen mit vielen verschiedenen Motivationen sind in die fantastische Story verwoben. Seien es die Gefallenen oder auch nur die Anführerin einer Gaunerbande, die von einem Zombie gebissen wurde und nun Gefahr läuft sich zu verwandeln, die fanatische Vertinez-Kirche, der Vatikan selber und natürlich Ivaan Isaacs und der Dämon Belial, der seit der Paktschließung mit Ivan fest mit diesem verbunden scheint. Keiner der Charaktere in Priest ist belanglos und alle handeln schlüssig, zielgerichtet und durchdacht. Das ist es, was eine wirklich gute Story ausmacht. Die Idee eine Geschichte über gefallene Engel zu erzählen mag nicht neu sein, aber das Paket an Ideen, was geschnürt wurde, um diese Neuerzählung interessant zu machen, zieht den Leser sofort in seinen Bann.
Leider sind bis dato nur 16 Bände von Priest erschienen. Der letzte erschien 2007. Es wird aber gemunkelt, dass Min-Woo Hyung wohl an einem 17. Band und unter Umständen an weiteren Bänden arbeitet, da die Story leider noch nicht komplett zu Ende erzählt ist.

Trotz dieses Mankos ist die Priest Reihe in vollem Umfang zu empfehlen, da der ganz eigene Stil von Priest und auch die kleinen Gimmicks in den Büchern (der Autor hat beispielsweise ein Interview mit sich selbst gezeichnet und hinten als Anhang in einen der Bände mit einfließen lassen, in dem er erläutert, warum er sich mit einem „christlichen Thema“ beschäftigt; in den Bänden finden sich auch immer wieder Abbildungen von altertümlichen Engeldarstellungen oder religiösen Holzschnitten was stark zur Atmosphäre der Bücher beiträgt) einfach einen unglaublichen Spaß machen und viel Raum für Diskussionen lassen.

Die Manhwa Reihe hat glücklicherweise nicht viel mit der Priest 3D (2011) Verfilmung zu tun und ich kann ganz ehrlich nicht verstehen, wie Min-Woo Hyung zustimmen konnte, dass aus einer derart cleveren, epischen Storyline, ein so belangloser Vampirslasher gemacht worden ist. Der Film hat bis auf die Tatsache, dass er auch zu einem großen Teil vor einer Art Wild West Hintergrund spielt und dass der Hauptdarsteller ein Priester mit einem Kreuz auf der Stirn ist rein gar nichts mehr mit der Manhwa-Vorlage zu tun und ist im Höchstfall noch ganz lustiges Popcorn-Kino, kann aber der Tiefe und intelligenten Komplexität der Manhwa-Reihe nicht einmal annähernd mithalten.

Abschließendes Fazit:
Wenn Euch das, was Ihr gerade gelesen habt auch nur annähernd angesprochen hat, dann legt Euch doch zumindest den ersten Teil der Reihe mal zu. Für 6,50 Euro kann man an dieser Stelle eigentlich nicht verkehrt machen und ich denke Ihr werdet nicht enttäuscht werden. Unter Umständen könnte der Priest Meta-Plot dem einen oder anderen vielleicht sogar als Inspiration oder Vorlage für seine Rollenspielrunden dienen. Ich könnte mir vorstellen, dass ein Priest/Deadlands Crossover sehr gut funktionieren würde.

In diesem Sinne, bis zum nächsten Mal in unserer kleinen, neuen Manga/Manhwa-Ecke.

Titel: Priest - Bände 1 - 16
Autor: Min-Woo Hyung
Verlag: Tokyopop
Preis: 6,50 Euro pro BandDen Artikel im Blog lesen
 
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