Rezension Pandemie [B!-Rezi]

T.Dorst

THE BIG RED GOD OF ANGER
Pandemie


Nie war die Thematik des Spiels Pandemie aktueller als heute. Ständig erreichen uns Nachrichten bzgl. der in Mexico-City ausgebrochenen Schweinegrippe und selten zuvor ist der Begriff „Pandemie“ derart oft in den Nachrichten verwandt worden.

Ich kann jedoch Entwarnung geben: Beim Spielen dieses Spiels ist man nicht gefährdet. Naja, vielleicht doch: es besteht nämlich gesteigerte Suchtgefahr.

Pandemie ist ein kooperatives Spiel für 2 bis 4 Forscher (Spieler).

Fakten Fakten Fakten
Der große, stabile Karton kommt in coolem Design daher (hier beziehe ich mich sowhl auf das Design der ersten Version, als auch auf das Design der Neuauflage)
Nach dem Öffnen der Packung kommen viele schöne Spielmaterialien zum Vorschein.
Die raue Menge an Holzklötzchen, mit denen später die Verbreitung von Viren simuliert wird, macht einen guten Eindruck. Holzsteinchen liegen immer besser in der Hand als schnöde Pappmarker und sind zudem noch haltbarer.
Doch auch der Rest des Spielmaterials ist von hoher Qualität: Das Spielbrett ist gut verarbeitet und ist aus schwerem Karton, die Spielkarten machen ebenfalls einen sehr haltbaren Eindruck.

Nach dem Ausklappen des Spielbretts kommt eine große Weltkarte zum Vorschein, sowie einige Felder, auf denen im späteren Spielverlauf bestimmte Ereignisse markiert werden. Des Weiteren gibt es markierte Felder für die entsprechenden Kartenstapel (Spielerkarten- und Infektionskartenstapel)

Das Spielmaterial macht insgesamt einen gelungenen, stimmigen Eindruck.
Also bisher: Daumen hoch.

Zum Spielziel und Spielverlauf:
Es geht darum dass die Spieler in die Rollen von 4 Experten schlüpfen und gemeinsam versuchen die Ausbreitung von 4 Virenstämmen zu verhindern (eine Ausrottung wäre natürlich noch wünschenswerter)

Das Spiel beinhaltet 5 spielbare Rollen:
Arzt (kann infizierte Städte effektiver heilen, als die anderer Charaktere)
Betriebsexperte (kann jederzeit ohne die Abgabe von Karten Forschungslabore bauen
Dispatcher (ein Logistikexperte, der wenn notwendig die anderen Figuren während seines Zuges bewegen kann)
Forscher (kann seine Handkarten an die anderen Spieler abgeben, ohne bestimmte Voraussetzungen erfüllen zu müssen)
Wissenschaftler (benötigt weniger Karten um ein Heilmittel zu erforschen)

Nur durch den geschickten Einsatz aller Fähigkeiten in Kombination können die Spieler die 4 Virenstämme erfolgreich vernichten.

Ein detaillierterer Überblick:

Zu Beginn des Spiels werden über sog. Infektionskarten die Städte bestimmt, die bereits zu Spielbeginn infiziert sind (3 Städte werden mit 3 Seuchensteinen versehen, 3 mit 2 Steinen und 3 mit einem Stein)
Eine Stadt in der 3 Steine ein und derselben Seuche liegen ist hochgefährdet. Wird nur ein einziger weiterer Stein aufs Spielfeld gelegt, so kommt es zu einem Ausbruch. Dies bedeutet, dass auch alle angrenzenden Städte (über eine Linie verbunden) mit jeweils einem Stein infiziert werden. Eine Stadt kann nie mehr als 3 Seuchensteine auf sich liegen haben. Der 4. Stein führt immer zum Ausbruch auf die umliegenden Städte.

Zu viele Ausbrüche führen dazu, dass man das Spiel verliert.
Sollte es zu irgendeinem Zeitpunkt des Spiels zum 8. Ausbruch kommen, so gilt das Spiel als verloren.
Es gibt jedoch noch zwei weitere Arten das Spiel zu verlieren:
Muss man einen Seuchenstein einer bestimmten Farbe auf das Spielfeld legen, es sind aber keine Steine dieser Farbe mehr im Vorrat vorhanden, so endet das Spiel ebenfalls.
Gleiches gilt, wenn der Spieler nach seinem Zug Karten vom Spielerkartenstapel ziehen muss, hier aber keine Karten mehr vorfindet.

Jeder Spieler hat während seines Spielzugs 4 Aktionspunkte zur Verfügung, die er beliebig auf die möglichen Aktionen verteilen kann.
Für Aktionspunkte kann ein Spieler seine Spielfigur bewegen, die Seuche in einer Stadt behandeln, ein Forschungslabor bauen (falls man die Karte der Stadt zur Hand hat, auf der man gerade steht; Ausnahme: Der Betriebsexperte kann überall bauen, ohne die entsprechende Karte abgeben zu müssen), Karten an andere Spieler abgeben (wenn sich beide in der richtigen Stadt befinden; man kann nur diejenige Karte abgeben, welche die Stadt zeigt, in der man gerade steht. Eine Ausnahme bildet hier der Forscher, er kann jeder Karte an einen Mitspieler abgeben, der auf dem gleichen Feld steht) oder ein Heilmittel erforschen (wenn er genug Karten der entsprechenden Farbe auf der Hand hat(im Allgemeinen 5, der Wissenschaftler benötigt, aber nur 4 Karten).

Nach jedem eigenen Zug spielt man den Überträger: Man muss die entsprechende Zahl Infektionskarten aufdecken und die jeweiligen Städte, die auf den Karten zu sehen sind infizieren (jeweils 1 Seuchenmarker wird in die entsprechende Stadt gelegt).

Es ist gar nicht so leicht die passende Anzahl Karten einer Farbe zusammen zu sammeln, ohne dass immer mal wieder Städte ausbrechen. Es ist schwierig das richtige Mittelmaß zu finden, wenn es darum geht Karten zu tauschen und die Seuchen zu behandeln.
Neue Karten bekommt man nach jedem eigenen Zug. Zu diesem Zeitpunkt zieht man genau 2 karten vom Spielerkartenstapel. Meistens ist dies sehr positiv: Man bekommt neue Karten, die einen dem Ziel der Erforschung eines neuen Gegenmittels meist näher bringen oder man hat Glück und zieht eine der wirklich nützlichen Sonderkarten. Im Spielerkartenstapel befinden sind aber auch sog. Epidemiekarten versteckt (im einfachen Spiel 4 an der Zahl). Wenn eine dieser Karten gezogen wird, kommt es in einer neuen Stadt zur Epidemie. Man zieht die unterste Karte des Infektionskartenstapels und infiziert die neue Stadt mit 3 Seuchenmarkern (eine neuer Gefahrenherd), dann wird Karte mit dieser Stadt auf den Ablagestapel gelegt und dieser gemischt. Das Schlimme ist, dass der gemischte Ablagestapel danach wieder OBEN auf den Infektionskartenstapel gelegt wird, d.h. dass alle bereits infizierten Städte nun wieder im Spiel sind und Gefahr laufen neue Marker zu bekommen. Keine sehr rosige Aussicht.

Pandemie hat mich aber auf jeden Fall sofort in seinen Bann gezogen. Es gehört zu den Spielen, die man sofort neu aufbaut, wenn man die erste Partie verloren hat (meistens sogar, wenn man die erste Partie gewonnen hat). Dies wird dadurch begünstigt, dass eine Partie maximal ein Stunde dauert.

Das Spiel ist auch hervorragend zu zweit oder sogar alleine spielbar.
Der Spieler schlüpft dann einfach in alle Rollen. Es ist sowieso meistens so, dass alle Spieler einen Spielzug besprechen, bevor der entsprechende Spieler seine Aktionen ausführt.

Sollte man dem einfachen Spiel (4 Epidemiekarten) gewachsen sein, kann man den Schwierigkeitsgrad erhöhen indem man eine oder zwei Epidemiekarten mehr in den Spielerkartenstapel mischt. So wird es nie langweilig.

Ich kann Pandemie uneingeschränkt empfehlen, ich würde sogar so weit gehen und sagen, dass das Spiel ein absolutes Muss für jeden Brettspieler ist.
Mit meiner Meinung stehe ich aber nicht allein auf weiter Flur, denn Pandemie wurde vom Spiel des Jahres Komitee auf die Auswahlliste 2009 gesetzt. Leider konnte das Spiel aber schlussendlich nur den inoffiziellen zweiten Platz hinter Dominion erreichen.

Pandemie ist wohl das innovativste Spiel, das ich seit langem gespielt habe. Ich hätte nicht gedacht, dass man den Spielspaß bei diesem Spiel noch erhöhen kann, aber der Autor hat mich mit der gerade frisch erschienen Erweiterung eines Besseren belehrt.

Die Erweiterung „Pandemie – Auf Messers Schneide“ erweitert das Spiel nicht nur, sondern man erhält durch diese Erweiterung meines Erachtens ein zweites völlig anderes Spiel, falls man dies wünscht. In der Erweiterung sind nämlich 3 verschiedene Module enthalten, die entweder zusammen oder unabhängig voneinander gespielt werden können. Mit dem 3. Modul „Der Bioterrorist“ verändert man das Spiel drastisch. Die anderen Varianten machen das Spiel „nur“ schwieriger und interessanter.

Eine ausführliche Rezension der Erweiterung werden wir noch nachreichen.

Wertung: 9,7 von 10 Punkten (besser geht´s kaum, aber ein gewisser Spielraum nach oben sollte noch offen bleiben)Den Artikel im Blog lesen
 
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