'ne nackte Olle und ein Treffen in einem Verbindungshaus? Viel mehr Klischee geht fast nicht mehr (fehlt nur noch die Werbung für den Saufwettbewerb.).
Kurz gesagt:
Ja du hast Recht.
Lang gesagt:
Du hast damit Unrecht.
Denn Erotik (erotische Bilder) und Phantasie sind zwei Dinge die zusammengehören. Du kannst schlecht einen Würfel fotografieren und damit die Phantasie anregen. Du kannst auch schlecht ein Monster oder einen unattraktiven Helden illustrieren und damit die Phantasie anregen, denn das Monster wird nicht unbedingt in seiner Aussage erkannt, der Held nicht als das wahrgenommen für das er steht. Es fehlt da die Attraktivität.
Wir müssen aber mit einen Flyer Aufmerksamkeit erregen und diese Aufmerksamkeit einfangen und lang genug binden um echtes Interesse und eine Handlung auszulösen.
Attraktivität ist der Blickfang. Die Mischung aus Nacktheit (Verletzlichkeit) und Waffen oder auch Wunden (Mut, Stärke) schafft ein Heldenbild und damit Spannung. Der zerbrechlichere weibliche Körper stärkt diese Aussagekraft.
Tradierte patriarchisch geprägte Hintergedanken, die unbemerkt beim Auftraggeber oder Illustrator während der Schaffung so eines Flyers aufgeblüht sind, sind nicht auszuschließen. Bemerkenswert ist hier ja aber, dass sie eben aufgrund der gleichen tradierten patriarchisch geprägten Gedankenwelt die Wirkungskraft der Aussage "zerbrechlicher weiblicher Körper vs. Held, Mut, Stärke" verstärken.
Und genau deshalb wird die Kombination von Erotik und Phantasie schon seit eh und je so genutzt: Siehe die Odalisken in den Harems- und Serailbildern des 19. Jahrhunderts, siehe Franz von Stuck mit den erotisch-mythologischen Abbildungen Ende des 19. Jhds, siehe in den 1920ern die Pulp-Cover, siehe ab den 1940ern die Comics, siehe in der 1960er-Hieppie-Zeit Barbarella, siehe den Fantasy Boom der 80er Jahre, siehe die Heavy-Metal-Szene oder das gleichnamige Magazin, siehe die Trash-Movie-Kultur, Teile der Gothic- und Fetisch-Szene, siehe die Manga-Bewegung und nicht zuletzt die digitalen Games.
Und während Text linear ist und den Leser auf beabsichtigte Gleise setzt, setzt ein Bild auf Stimulanz, auf Freiheit der Gedanken. Es regt den Betrachter an, mehr aus dem Bild herauszuholen. Eben seine Phantasie zu beflügeln.
Wie du siehst: Diese Flyer entstanden aus einem höchst kausal aufgebautet Konstrukt an Argumenten und Absichten.
Wir konnten also gar nicht anders.
