[6.5.08] interner Bericht für das Gildenhaus und die Regentin über die Ereignisse

Regine

Tremere
Es war bereits früher Morgen als Anna sich an ihren Laptop setzte und ihren Bericht für das Gildenhaus verfasste. Natürlich war sie bei so einer Angelegenheit sehr pflichtbewusst. Wohl war ihr wiederum nicht. Sie kämpfte sogar gegen die bleierne Müdigkeit des Sonnenaufgangs an, um den Bericht der Regentin gleich am nächsten Abend vor legen zu können. Diese Stadt war fürchterlich. Bevor sie nach Finstertals gekommen waren, glichen ihre Tage einem trägen Fluss, obschon er mit Aufgaben und Hindernissen gespickt war. Aber obwohl sie eigentlich alle Zeit der Welt hatte, überkam sie in dieser Stadt ein anderes Gefühl: Sie hatte viel zu wenig Zeit.

Noch bis in den Morgen hinein bei fest verschlossenen und verdeckten Fenstern war aus ihrem Raum das chinesische Sprachlernprogramm zu hören, bevor es irgend wann endete. Sie würde am Abend alles noch einmal lesen und korrigieren müssen um es von Fehlern zu bereinigen, aber wenigstens würde so die grobe Fassung stehen und sie am Abend nicht zu viel Zeit damit verlieren. Sie musste noch viel zu viel tun.

Kurz schloss sie die Augen um sich zu konzentrieren, bevor sie begann. Wieder hatte sie sich nicht mit Ruhm bekleckert. Wie sollte sie es nur schreiben? Es gab zu viele Mitwisser!

Am besten begann sie einfach mal am Anfang.

Bericht der Ereignisse vom 6.5.2008 in Finstertal, Anna Lisa Reeben, nur für interne Zwecke
Schlagworte: Werwolf, Tsimisce, Koldune, Zacharias Lady Magdalena 'Noir' Buchet

[Längerer Text über die Ereignisse während des vorangegangenen Abends ab dem Eintreffen im Café ausschließlich mit Bezug auf die Aktion in der Ruine]

...Als wir dem Sheriff und seiner Gruppe dabei halfen, die Tür des Labors zu verbarrikadieren, geschah etwas ungewöhnliches. Ein lautes „Genug!“ erscholl in meinem Geist und andere sagten mit später innerhalb der Geistreise 1 dies sei die Stimme des Koldunen Zachariis gewesen und sie sollte mir später noch wieder begegnen.

Ich befand mich gegen 0.17 Uhr wieder im Café de Trois innerhalb einer festlichen Gesellschaft mit Menschen. Ich war in teure Garderobe gekleidet und tanzte mit Herrn von Rothschild. Weder ich noch die anderen besaßen anscheinend unsere üblichen Dinge wie Rucksack oder Handies. Während ich noch versuchte mich zu orientieren, während ich ganz automatisch weiter tanzte, kam Herr Pareto auf uns zu und forderte uns auf ihn zu begleiten. Wir folgten ihm zu einem Tisch an dem die Gräfin von Liebenstein saß und die mir bis dato unbekannte Anelotte de Vries vom Clan des Malkav. Nach kurzem Hin und Her bei dem Herr von Rothschild seine Ernennung zum Ahn und Primogen seiner Familie erwähnte, entschieden wir nach draußen zu gehen, nachdem beim Personal und den Gästen keine Ansätze zur Lösung unserer Situation zu finden waren.

Dort begegnete uns Frau Raabe. Sie war durchscheinend wie ein Geist. Die Umgebung war sehr merkwürdig. Alles war still. Es waren keine Autos auf den Straßen und es war keinerlei Verkehrslärm zu hören. Die andren vielen sogar die fehlenden Vogelstimmen auf, aber ich vermisste sie nicht wirklich zu dieser Zeit, war es doch erst mitten in der Nacht und sie wachen normaler Weise erst anderthalb Stunden vor Sonnenaufgang. Wahrscheinlich war es einfach die Unnatürlichkeit der Stille, die die anderen an das Fehlen von Vogelstimmen denken ließ. Die Fenster der Häuser waren wie üblich beleuchtet, jedoch erschien die Straßenbeleuchtung matt.

Frau Raabe informierte uns, das unsere Körper ungeschützt in der Ruine lägen – später stellte sich heraus, das Herr von Rotschilds Körper wohl im Café gewesen war, wo ihn auch die Ohnmacht erfasst hatte - und wir sollten den Feind schwächen, indem wir 'die vier' finden. Er habe die Macht hier in diesen Gefilden, ohne die vier könne sie jedoch gebrochen werden. Die Gräfin erhielt einen Zettel in fast kalligraphischer Schrift 2 Das Symbol für das weibliche Geschlecht wurde von einem unsichtbaren Quadrat eingerahmt in dessen Ecke oben links 'Das Opfer' or 'Der König' ul 'Der Krieger' und ur 'Der Bettler' stand. Nach einigem fruchtlosen Rätselraten beschlossen wir auf mein Anraten zunächst den Bahnhof aufzusuchen in der Hoffnung durch die Stadtmission dem 'Bettler' näher zu kommen. Ebenfalls auf mein Anraten blieben wir zusammen, obwohl der Sheriff aus Gründen der Effektivität eine Trennung vorgezogen hätte. Ich versuchte den Herrschaften das Konzept der Geisterebene, auf der wir uns scheinbar befanden, zu erklären. Mir selbst half als Erklärungsansatz die moderne Filmkunst, die einigen meiner Begleiter jedoch nichts sagte. 3 Jedenfalls bewog die Möglichkeit von Plagen als Feinden und insbesondere die Möglichkeit des Verirrens und des unter Umständen nicht mögliche zusammen führen der Gruppe, den Sheriff dazu, uns nicht aufzuteilen.

Da die Akademie auf dem Weg lag, gingen wir zu nächst dort hin. Hier fiel mir das erste mal auf, das Teile der Gebäude nur gemalt waren, kunstvoll zwar aber dennoch nicht echt. Dies betraf auch Fenster und Türen. Im Inneren trafen wir anscheinend auf Herrn Romero, den angeblich verstorbenen Ghul des Prinzen, der uns alle inklusive mir selbst mit Namen ansprach, obwohl wir uns nie zuvor begegnet waren. Auch bei ihm kamen wir mit unseren Fragen nicht weiter. Wir versuchten ihn, auf die Ungewöhnlichkeiten aufmerksam zu machen. Er schien jedoch draußen nur normale Umstände – interessanter Weise inklusive Vogelzwitschern, weil er direkt danach gefragt wurde, obwohl es immer noch viel zu weit vor Sonnenaufgang war – wahr zu nehmen. Herr Romero nannte uns das richtige Datum, wähnte Prinz Buchet jedoch in Warschau und wunderte sich sehr darüber, das wir diese Dinge überhaupt fragten, als müssten wir alle es wissen.

Die Gräfin drang gegen den Einspruch von Herrn Romero in den Empfangsbereich der Akademie vor. Herr Romero versuchte Herrn Pareto und Herrn Rothschild zum Einschreiten zu bewegen. Diese unternahmen nicht und er eilte der Gräfin hinterher. Seine Drohungen und sein Echauffieren waren bis in seinen Raum hinein zu hören. Nach kurzer Zeit kam die Gräfin wieder, wollte sich jedoch noch einmal in den Flur umwenden. Herr Romero versperrte die Tür mit seinem Körper. Sie trat ihm kurzer Hand in seine Weichteile, worauf hin er zusammenbrach und den weg frei gab. Am Ende des Flures war eine Tür geöffnet, die alle anwesenden Kainiten bisher wohl immer nur ausschließlich geschlossen erlebt hatten. Auf der Treppe war es nicht möglich Licht einzuschalten. Herr Pareto wollte mich als Vertreterin des Clans Tremere und unserer Möglichkeiten Dinge wahr zu nehmen, voran schicken. Ich wollte meine Sinne verfeinern und musste feststellen, das mir dies nicht möglich war. Trotz diesen Umstandes wollte er, das ich voran ging und ich fügte mich seiner Anweisung als obersten anwesendem Amtsträger. Herr von Rothschild und Frau de Vries folgten etwas später. Zunächst war noch zu hören, wie Herr Romero anscheinend mit Herrn Stahl telefonierte um sich über das Verhalten der Gräfin zu beschweren. Interessanter Weise schien er sich nicht mehr an dem Vordringen von uns anderen zu stören. Zu mindest belästigte er keinen von uns.

Der Treppe folgte ein schwach rötlich beleuchteter Flur. Ich sollte weiterhin die Führung übernehmen und mich Bildern bis auf Höhe des ersten Bildes nähern und berichten, was ich dort sehe. Die Gräfin berichtete derweil dem Sheriff, das im Büro des Prinzen zwar alle äußeren Details bis auf das genauste stimmten, Einzelheiten wie der Inhalt von Schubladen jedoch völlig vernachlässigt waren. Konnte Zacharias also nur Dinge abbilden, die er auch kannte, und sollten wir uns vielleicht lieber auf Orte konzentrieren, die ihm auch wichtig waren?

Die Bilder waren sich bewegende, infame und verbal hörbar beleidigende Bilder. Während wir einen weiteren Abschnitt des Flurs betraten, wurden die Bilder immer schlimmer. Ich nehme an, das nicht nur in Bezug auf mich die empfindlichsten Punkte heraus gesucht wurden und auf das Übelste verunglimpft wurden. Jedoch war es für mich nicht heraus zu hören, welche Dinge sich wohl auf die anderen bezogen. Ich bezweifele, das es einem der anderen gelang.

Wir gelangten zu einer Panzertür, vor der ein schmutziges Mädchen mit dem Namen Libby stand. Herr von Rothschild schien sie bereits zu kennen, aber das Mädchen erkannte ihn nicht. Sie trug einen Krug und forderte Blut von uns, damit sie die Tür öffnen könnte. Sie sagte des weiteren, sie diene dem Herren, den sie nie gesehen und gesprochen habe. Insbesondere Herr Pareto und Frau deVries waren sehr skeptisch, gaben letztendlich jedoch meiner Argumentation, die von Herrn von Rothschild und der Gräfin unterstützt wurden nach, als die Kleine darauf bestand, von allen Blut zu brauchen. Als sie alles erhalten hatte – von jedem ungefähr einen halben Liter, ging die Tür auf, Gleichzeitig züngelten kalte Flammen aus dem Kelch und verschlangen das Mädchen. Für sie selbst waren sie augenscheinlich brennend heiß, denn ihr Körper verbrannte vor unseren Augen, bevor die Leiche verschwand. Hinter der Tür fanden wir Lady Noir, die an einem mäßigen Porträt des Waffenhändlers Ziegelkowski, kurz 'Ziege' genannt malte. Bei unserem Eintreten ließ sie die Pinsel fallen, bedankte sich und verschwand. Zurück blieb ein Kalenderblatt vom April. Der 24. war eingekreist und mit der Bemerkung 'Grüße senden! Nordamerik. Schreibwiese beachten. Wichtig!' versehen. Keinem von uns sagte dieses Rätsel zu diesem Zeitpunkt etwas. Lady Noir dürfte den König dar gestellt haben und damit die erste der vier, die wir finden mussten. Ich konnte spüren, wie ein Teil meiner Fähigkeiten, die meine kainitische Natur ausmachen, zurück kehrten und konnte sogar aktiv beeinflussen, welche Fähigkeit ich zurück erlangte.

Ich berichtete den anderen von Lady Noirs früherer Ohnmacht als der unseren nach dem Ritual und fragte sie nach weiteren Personen, die bereits im Vorfeld auf ähnliche Weise in dieses Reich gelangt sein könnten und somit Teil der Vier wären. Herr Pareto erwähnte Jennifer Färber, die bei dem erneuten Besuch der Gruft gestern auf dem Südfriedhof nach einer geistigen Attacke durch Zacharias bewusstlos blieb, während andere wieder erwachten. Der Sheriff nannte mehrere mögliche Aufenthaltsorte.


Der nächste Ort war der Stadtfriedhof, auf dem wir bis auf leere Grabsteine und ein umgedrehtes Kreuz in der Mitte nichts bemerkenswertes fanden. Da der Bahnhof auf dem Weg lag, gingen wir auch dort vorbei. Wir fanden dort einen Bus, der einen Herrn Hansen als Fahrer hatte. Den anderen war er offensichtlich bekannt. Er sagte uns, er sei da, um genau eine Fahrt – Hin und Rücktour - mit uns machen zu können und auch er diene dem Herren Wir entschieden, diese Fahrt für später aufzubewahren, weil die nächsten Ziele recht nah gelegen waren. Im Bahnhof drang Herr Pareto auf mein anraten in ein Tabakgeschäft ein. Die dortigen Messer waren jedoch stumpf und mit abgerundeter Klinge, wie ich nach kurzer Prüfung fest stellte. Her Pareto steckte sich trotzdem ebenso wie ich eines der Messer ein. Zusätzlich nahm er sich auch Tabak mit, fand aber in dem gesamten Geschäft kein Feuer.

Auf dem weiteren Weg kamen wir an dem Black Hammer vorbei, einem Club im Besitz von Herrn Pareto. Wie er erzählte, war der Club im Gegensatz zur Realität abgebrannt. An Waffen war hier also nicht zu kommen. Er sagte weiterhin, früher habe der Club ebenfalls einer Brujah gehört, die den Club bei ihrem Weggang in Brand gelegt hatte. Hier trafen wir auch einen Hund, der seltsame Kommentare von sich gab – ja, er sprach – und Tabak vom Sheriff fraß.

Unterwegs trafen wir noch auf einen Karnevalsumzug mit einem Festwagen, der laut der anderen eine Karikatur von Prinz Buchet dar stellte. Darunter stand: 'Er hat es sich verdient'. Als wir die feiernden ansprachen, was sie feierten, konnten sie zum Wagen selbst nicht viel sagen, luden uns aber ein, bis zum Sonnenaufgang mit ihnen zu feiern. Ob damit gemeint war, Buchet habe den Tod in der Sonne verdient oder ob sie den nahenden Sonnenaufgang feierten um unseren nahen Tod zu begrüßen, erschloss sich mir nicht eindeutig.

In einem Fabrikgelände im Osten der Stadt gingen wir in einem verlassenen Gebäude auf ein Dach4. Dort befand sich ein Lager der Caitiff mit Matratze und einer Decke so wie Frau Färber selbst. Um diesen Ort verlassen zu können, müssten wir sie besiegen, sagte sie und ging bereits in Kampfposition. Herr Pareto nahm den Kampf nur zögerlich und mit Unbehagen auf. Auch als es darum ging, zu überlegen, wer die weiteren Personen sein könnten, fragte hinterfragte er zu nächst genauestens meine Motivation, bevor er den Zustand von Jennifer Färber preis gab. Insgesamt vermute ich eine positive Verbindung zwischen den beiden. Der Kampf verlief äußerst schleppend. Zunächst war ich die einzige, die mit eingriff und versuchte, dem Sheriff zu helfen. Frau Färber konzentrierte ihre Angriffe zu meinem auf Herrn Pareto. Wenn ich sie mit meinen Tritten nur ein wenig abgelenkt habe, hat es jedoch bereits geholfen. Wie schon zuvor auf dem Südfriedhof half es mir, mich auf die Bewegungen der Tänze zu besinnen und ich konnte mit einigem Schwung zu treten, auch wenn der Erfolg wahrscheinlich eher mäßig war. Dennoch erfüllte es als zusätzliche Ablenkung einen Sinn. Den anderen drei fehlte es zu nächst an Entschlußkraft, in den Kampf einzugreifen. Selbst wenn man nicht kämpfen kann, sollte man versuchen, in solchen Situationen, den Kämpfer wenigstens zu unterstützen und ihn nicht alleine lassen. Die Gräfin versuchte sich noch erfolglos in ihrer Kunst der gedanklichen Kontrolle an Frau Färber, aber das war es auch schon zunächst.

An einem Punkt des Kampfes gebot eine Stimme Frau Färber Einhalt und sie durfte nicht mehr weiter kämpfen, was sie nicht darin hinderte, sich zu verteidigen, aber sie griff nicht mehr aktiv an, obwohl sie im Verlauf des Kampfes auch Krallen ähnlich denen der Gangrel ausgefahren hatte. Dieses Mal zögerte Herr Pareto nicht merklich, was unter Umständen Rückschlüsse auf seinen Charakter zu lässt.

Erst auf meinen Hinweis ergriff Herr von Rothschild die Initiative und griff nach der Decke um Frau Färbers Sicht damit zu behindern. Leider rutschte die Decke wieder von ihr und sie passte darauf auf, das wir sie nicht erneut greifen konnten. Jetzt kam jedoch Bewegung in die drei. Sie nahmen sich die Matratze, rannten damit auf Frau Färber zu und schafften es gemeinsam, sie auf diese Weise umzurempeln. In dieser Lage konnte Herr Pareto die finalen Tritte gegen Frau Färbe führen. Auch sie verblasste und hinterließ uns einen weiteren Hinweis. Ein Spielzeugpolizeiauto spielte immer wieder folgenden Text ab: 'Hier Wagen Dolly Sheep. Haben den Verdächtigen in Gewahrsam genommen. Glaubt es oder nicht, es war der Osterhase. Wer hätte das gedacht. Ausgerechnet. Kommen jetzt rein und liefern ihn ab.' Auch dieses Rätsel vermochten wir zu diesem Zeitpunkt nicht zu lösen. Frau Färber stand für den Bettler. Es kristallisierte sich heraus, das wir mit jeder Befreiung etwas von unseren kainitischen Kräften regenerieren konnten, jedes Mal noch ein kleines Stückchen mehr als zuvor. Eventuell ist dies auch für die Abnahme der Macht Zachariis in dieser Welt über uns gewesen oder einfach Zeichen für seinen generellen Machtverlust. Auch 'mystische Belohnung' für das Lösen der Aufgaben wäre denkbar, aber aus meiner Sicht weniger wahrscheinlich.

Vor dem Gebäude wartete ein Bettler auf uns, der uns verhöhnte. Er sagte, wir könnten die Aufgabe niemals lösen, denn die Geiseln seien zweifach gebunden und wir könnten nur eine Fessel lösen. Dann würde uns die Zeit davon laufen und wir würden nie gewinnen, weil wir noch ein Geheimnis lüften müssten, das Rätsel sei verborgen tief unter den Gebeinen des menschlichen Herren, verborgen unter dem Kreuz. Diese Aussagen und Ausführungen Paretos führten uns zu dem Dom. Dort wurde vor meiner Zeit eine Salubri gefunden 5 Auf dem Weg dorthin passierten wir noch die Polizeiwache, in der man uns erkennbar an diversen Rufen augenscheinlich als Feind betrachtete. Trotz des zu vorigen Rätsels näherten wir uns dort nicht, vor allem, weil Waffen aus den vergitterten Fenstern auf uns zielten.

Am Dom angekommen versuchten wir uns ihm zu nähern. Es war im höchsten Maße unangenehm und es setzten so starke Kopfschmerzen ein, dass ich nicht mehr klar denken konnte. Frau deVries drang noch etwas weiter vor als wir, kehrte dann aber auch ergebnislos zurück. Offensichtlich mussten wir zu nächst die Macht Zacharias weiter schwächen, bevor wir den Dom betreten konnten. Der Hund erschien wieder und kommentierte wieder unser Vorgehen.

Ohne großartig weitere Hinweise, denen wir weiter nachgehen konnten, entschieden wir, uns von dem Bus zum Schauplatz des Kampfes bei der Ruine fahren zu lassen.

Auf dem Weg zum Bus passierten wir erneut die Polizeistation. Frau deVries lief in Begleitung von Frau Färber – woher sie erschien, ist unklar – auf das Gebäude zu und sie wurden beschossen und getroffen. Frau deVries überlebte das zurück laufen, Frau Färber nicht und sie verschwand wieder. Was für eine Vergeudung von potentieller Kampfkraft.

Es war die richtige Entscheidung, denn dort fanden wir Silva Marx, eine der Werwölfe, angebunden auf einem Scheiterhaufen und bewacht von einer Plage. Wir versuchten sie zu nächst zusammen zu umgehen, was erfolglos blieb. Herr Pareto entzündete sich im übrigen eine Zigarette an einem noch schwelenden Feuer. Hinweis auf Sucht? Als er mit einem glühenden Scheit nach der Plage warf, giftete sie ihn an. Jetzt, da ihre Konzentration abgelenkt war, achtete sie nicht mehr auf Leute, die sich seitlich bewegten. Ich zog die Stöckelschuhe aus und rannte an ihr vorbei. Zum Glück behielt Herr Pareto die Ablenkung aufrecht. Frau Parx war mit Handschellen an den Pfahl gekettet. Herr Rothschild folgte mir. Mit gemeinsamer Kraft gelang es uns, ihre Ketten zu sprengen. Ich nahm sie zunächst auf die Schulter, aber auch sie verschwand und hinterließ uns ein weiteres Rätsel: Eine Flasche 4711 mit einer Geburtstagskarte. 'Finstertal Happy Birthday! Für dich! Du weißt schon, für unten rum.' Auch diese Gegenstände barg ich zu nächst schlicht. Die Plage griff uns nicht mehr an, was auch an den brennenden Holzscheiten zwischen uns liegen konnte und bewachte weiter ihren nun leeren Scheiterhaufen, der Krieger war befreit.

Wieder zurück in der Stadt waren wir ziellos. Die Gräfin wollte zum Schrottplatz um diesen Ziegelkowski kennen zu lernen, da sie sein Gesicht nicht kannte. Der Sheriff stimmte zögernd zu, da er auch keine bessere Idee hatte. Frau deVries war die einzige, die sich mit diesem Mann unterhielt. Wahrscheinlich war er absichtlich provozierend derangiert, wie es heute auch in so mancher Jugendkultur üblich ist. Das Bild der Seneschall erhielt nun Wiedererkennungswert. Seine Art sich zu äußern entsprach seinem Erscheinungsbild. DeVries erhielt von ihm ein Messer und ich machte Herrn Pareto auf diese Gelegenheit aufmerksam. Der Sheriff verlor auf Grund der Schmähungen des Mannes jedoch seine Geduld und wollte ihn angreifen. Dieser jedoch löste sich vor unsere Augen auf.

Wir gingen durch die Innenstadt weiter und trafen dort auf einen Ballonverkäufer, der besondere Ballons für 5 € verkaufen wollte oder für alle unsere Ringe. Auf Handel wollte er sich nicht einlassen und körperliche Drohung durch den Sheriff beeindruckten ihn wenig. DeVries war es, die letztendlich seinen Preis bezahlte, aber natürlich wollte sie nicht selbst heraus finden, was es mit dem Ballon auf sich hatte und wollte ihn an mich weiter reichen. Er sollte allerdings laut Aussage des Verkäufers nur für sie 'toll' sein und er könne es ihr zeigen. Letztendlich wurden ihre bisherigen Wunden geheilt. Nach dem Sheriff hatte sie es wohl auch mit am nötigsten. Allerdings hatte mich die Befreiung der Werwölfin auch einiges an Blut gekostet. Jedoch waren jetzt nur noch 'gewöhnliche' Ballons erhältlich. Kurz darauf trafen wir auf einen Hütchenspieler, der uns Blut gegen Hosen oder Schuhe bot. Hose trug ich keine, meine Schuhe lagen noch bei der Ruine, Strumpfhosen wollte er nicht, doch Rothschild tauschte sowohl Hose als auch seine Schuhe ein und erhielt dafür Blut. Keiner der anderen nahm dieses Angebot an.

Letztendlich entschieden wir uns in das Gildenhaus zu gehen. Zu meiner Erleichterung deckte sich das scheinbare Innere nur in Bruchteilen mit der Realität. Die Erinnerung meiner Begleiter wird deswegen nicht verändert werden müssen. Die Ankunft im Gildenhaus fühlte sich wie eine echte Heimkehr an. Selbst den anderen war anzusehen, wie sie sich entspannten und Kraft tankten. Eine merkwürdige Begebenheit.

Uns wurden mehrere Rätsel aufgegeben. Zwei Kindersudoku, die, so bald sie als solche identifiziert waren, für mich kein größeres Problem mehr darstellten. Allerdings gab es eine eindeutige Warnung, keine falsche Antwort zu geben, weil sie eine dauerhaft negative Folge haben würde. Die gute Gräfin glaubte sich jedoch zu sicher und fiel auch sogleich auf die Falle herein, die im zweiten Rätsel aufgestellt worden war. Das dritte Rätsel war ein Mathematisches und das vierte ein Logikrästel. Auch für dieses Rätsel war die Kenntnis der Trivialfilmkunst unabdingbar. Ohne dieses Wissen wären wir an dieser Stelle nicht weiter gekommen. Keiner der anderen konnte die Zahl benennen, die nun gebraucht wurde. Wieder war die Gräfin voreilig, lag dieses mal aber wenigstens richtig. Interessanter Weise ließ jedoch auch sie mich jetzt das vierte Mal die Lösung laut aussprechen.
Nun kam der für Anna schwierige Teil und sie hielt kurz inne um zu überlegen, wie sie es schreiben sollte. Verschweigen durfte sie auf keinen Fall, was sie getan hatte und sie hoffte inständig die richtigen Worte zu finden.

Der Raum hatte sich mit jeder Lösung eines Rätsels verändert und nun erschien der verbrannte, leblose Körper Judiths, der auch sogleich erkannt wurde. Natürlich hakte der Sheriff bei mir sofort nach, da bisher ausschließlich Wesen betroffen waren, die in irgend einer Form am Leben waren. Ich teilte ihnen mit, das Judith nun durch ein Ritual genehmigtes Kind Johardos sei und wir sie nun wohl mit Blut erlösen müssten. Dieses Wissen werden sie kaum noch Verwenden können, denn ich ging nicht näher auf die Art des Rituals ein und Judith selbst ist bereits bei der Seneschall angemeldet und steht kurz vor ihrer Vorstellung. In Anbetracht der hervorgegangenen Ereignisse, die ich unmöglich den anderen offen legen konnte, bat ich Herrn Pareto Judith zu fixieren. Ich konnte nur hoffen, das seine Kraft ausreichte, aber sie wurde nicht benötigt. Natürlich gab ich ihr in dieser merkwürdigen Welt zunächst von meinem Blut. Auch dies ist schon eine Undenkbarkeit, aber das Blut von Clansfremden zu lassen – nicht ohne zwingende Notwendigkeit. Nach nur einer Einheit meines Blutes verschwand sie und hinterließ ein neues Rätsel: eine Buchseite, deren Seitenzahl 1131 unterstrichen sei und mit dem Text: 'Das soll ein Western sein? Spinner!'war. beschriftet. Judith stand offensichtlich für das Opfer. Von ihr erhielten wir auch den Hinweis 'den schwarzen Raben' zu suchen, womit Frau Raabe gemeint war.6

Wir versuchten es zu nächst an der Akademie bei einem gut gelaunten Herrn Romero, der uns begrüßte als sei zuvor nichts geschehen. Für Herrn Rothschild hatte er sogar ein Paar Hosen und er konnte uns sagen, dass wir Frau Raabe im Café de Trois treffen könnten.

Sie wirkte sehr nervös und rauchte. Sie sagte uns, wir müssten nach der portugiesischen Witwe suchen und sie könne nur noch eines für uns tun: Uns eine weitere Stunde schenken, da wir kaum noch Zeit bis Sonnenaufgang hatten. Sie schoss sich in den Kopf und die Nacht draußen wirkte wieder dunkler. Auch unsere Uhren passten sich an.

Dieses mal konnten wir den Dom ohne größere Probleme betreten, obwohl es unangenehm war. Besonders in den unteren Gängen fühlte ich mich permanent beobachtet. Der Sheriff kannte den Weg und führte uns zu einem Himmelbett, hinter dem verborgen die Frau lag, deren Körper ich früher schon untersucht hatte. Sie nannte keinen Namen, sich selbst aber die 'portugiesische Witwe' oder 'die Braut des Teufels'. Sie gab uns eine Karte Finstertals und eine Messlatte. Wir hätten nur sechs Minuten, die vorherigen Rätsel zu lösen. Mit diesen Mitteln war es ein leichtes. Auf jedem der vier Hinweise war eine Himmelsrichtung, der nur noch jeweils die richtige Zahl zu geordnet werden musste und schon bekamen wir mit einer Kreuzpeilung den Übergangspunkt. Sie gab uns noch mit auf den Weg, wir sollten benutzen, was wir erhalten haben, wenn wir auf Zacharii treffen, sonst seien wir verloren.

Wir zögerten nicht weiter und eilten zu der Ruine, in deren Nähe der Übergang war. Die Plage war inzwischen verschwunden und wir entdeckten eine bläulich schimmernde Tür in der Luft. Ein Mann mit langen blonden Haaren, Kleidung nach Art des 16. Jahrhunderts, scheinbar Mitte 40 trat durch die Tür und sprach uns an. Die Stimme ließ bereits erahnen, dass es sich um Zacharii handeln musste und nachdem er uns verhöhnt hatte, wechselte er in eine Kampfgestalt, die den Tzimisce eigen sein muss. Die Flasche mit dem Kölnisch Wasser erinnerte mich doch sehr an Weihwasser, auch wenn sie nach diesem scheußlichen Parfüm roch. Eingedenk der Worte der Lasombra versuchte ich, sie nach ihm zu werfen, als er angriff, während der Sheriff auf ihn los ging. Der Unhold war unberechenbar. Leider verfehlte ich und die Flasche kam in der Nähe der Malkavianerin zu liegen. Die Gräfin versuchte, ihn mit diesem fürchterlichen Blick einzuschüchtern, erreichte damit aber nur, selbst zum Ziel zu werden. Wenn ich schon mit Parfüm warf, konnte ich es genau so gut mit einem Spielzeugauto versuchen, wobei ich zugeben muss, mehr aus Mangel an Alternativen gehandelt zu haben, denn die Bißattacke des Sheriff verlief vollkommen erfolglos. Dieses mal traf ich besser und ich hatte damit auch für dieses Problem die Lösung gefunden, denn die Haut des Koldunen überzog sich schwarz und ihm wurde damit offensichtlich geschadet. Die Gräfin erkannte wohl, was ich getan hatte, denn sie nahm die Buchseite zur Hand um damit nach ihm zu schlagen. Der Sheriff wurde so schwer geschlagen, das er in Starre fiel, doch mit unseren neuen 'Waffen' gelang es uns sehr schnell, den Koldunen auszuschalten. Die Gräfin landete den Schlag, nachdem der Koldune verging. Ihre Hand wirkte schwarz danach. Herr von Rothschild und ich nahmen den Sheriff auf wie ich zuvor gemeinsam mit der Hüterin die Seneschall getragen hatte und wir gingen alle gemeinsam durch die Tür.

Die Gräfin, der Sheriff und ich selbst erwachten in der Ruine. Herr von Rothschild war nicht mehr in dem Café, als ich dort ankam. Wo Herr von Rothschild und Frau deVries erwachten und warum sie dabei waren, kann ich nicht berichten. Auch die anderen erwachten gleichzeitig mit uns. Von den Werwölfen, weder den verbündeten noch den verfeindeten war auch nur eine Spur zu entdecken. Auch Herr Mentesse befand sich nicht mehr in unserer Nähe. Wenn ich genau darüber nachdenke, kann ich mich nicht daran erinnern, ihn noch an der Ruine gesehen zu haben. Die Versammlung löste sich schnell auf, da es bereits 5 Uhr morgens war. Natürlich war auch wie zu erwarten Vogelzwitschern zu hören und ich hoffe sehr, dieses Detail als Anlass zur Hoffnung nehmen zu können, das wir dem Koldunen tatsächlich aus der Gedankenwelt entkommen sind.


1 Ich wähle diesen Begriff lediglich, da er das Geschehnis gut beschreibt. Ob es sich tatsächlich um eine 'Geistreise' oder etwas anderes handelte, kann ich derzeit noch nicht genau abschätzen. Es sollte jedoch für das Verständnis der Ereignisse ausreichend sein.

2 Anlage A Gedächtniskopie der Zeichnung

3 Matrix – Ich kann immer wieder nur anraten, sich mit zeitgenössischer Kunst und Freizeitgestaltung auseinander zu setzen. Es hilft einem interessanter Weise in den ungewöhnlichsten Situationen weiter und hilft auch dabei, sich unauffälliger unter den Menschen zu bewegen.

4 Anlage B Ausschnitt des Stadtplans von Finsterburg mit Markierung des Gebäudes

5 Handelt es sich um die gleiche Salubri, die die Nachricht in dem Labor unter der Burg hinterließ? Was ist mit ihr geschehen? Angeblich brauchen wir die Kräfte dieses Clans, um endgültig gegen Zacharii siegen zu können.

6 Rätsel aus dem Gildenhaus in exakter Kopie inklusive der anfangs vorgegebenen Buchstaben bei den Sudoku Rätseln
 
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