AW: Witzko: Die Kobolde
Sooo, habe es gestern beendet.
Mhhh... mhhhh.... ;(
Naja, das war eher nichts.
Von Witzko las ich bisher alle DSA-Romane inklusive "Westwärts, Geschuppte" und wo die einen durch ihre vielfache Verknüpftheit innerhalb der Geschichte und die interessanten Charaktere herausstachen, überzeugte "Westwärts, Geschuppte" mit einer wahnwitzigen Komik, die ihresgleichen sucht.
Doch leider muss ich eingestehen, dass ich den mir bisher bekannten Autor nicht wiedererkannte. Das sprachliche Feingespür ist in "Die Kobolde" durchaus bereits von jungen Schülern ereichbar und mit denen scheinen Humor und Verständnis der Protagonisten auch ungemein viel gemein zu haben. Das Verhalten der Hauptcharaktere ist sehr eintönig und gewollt komisch, ohne wirklich witzig zu sein, sofern man nicht bereits bei einem Zirkuselefanten mit rosa Mützchen in Lachkrämpfe verfallen würde (obwohl ein solcher mich vermutlich wirklich zum Lachen brächte!

).
Die Streiche der Kobolde sind oftmals banal bis einfallslos und das Buch wäre hervorragend als Kinderlektüre geeignet, subtrahierte man die brutaleren Komponenten vorher. Unter DEM Gesichtspunkt hielte ich es für nicht schlecht.
An der Beschreibung der Welt stoßen auch die abstrusen und überhaupt nicht witzigen Namen der Menschen in der Menschenwelt bestenfalls auf Unverständnis. Ritter Krieginsland, Holla die Hexe, der Knappe Bückling und wie sie nicht alle heißen mit ihren Göttern wie Spratzquetschlach und den unlustigen Ortsnamen usw.
Natürlich kann man eine Fantasywelt witzig darstellen, aber dann sollte es eine sein, die sich wenigstens selbst ernst nimmt, damit der Leser sie nicht mehr ernst nehmen kann und sich über sie amüsiert! Diese hier dargestellte Welt ist jedoch bereits so grotesk und banal, dass kein noch so witziger Aspekt irgendwie verwunderlich wirkt, denn sie wirkt ohnehin stark gekünstelt und aufgesetzt.
Offensichtlich hatte der Autor versucht, die Brutalität der normalen Welt mit der Beschreibung dahingemetzelter Menschenleiber in starken Kontrast zur märchenhafte Welt der Kobolde darzustellen, doch die Fanatiker Spratzquetschlachs mit den spitzen Zähnen beispielsweise überzeichnen eine solche Darstellungsart viel zu sehr, als dass sie auch nur ansatzweise plausibel angenommen werden kann.
Besonders bedrückend erscheinen die häufigen Versuche, Witze in das Werk zu integrieren, indem die Protagonisten sich angeblich pfiffig oder witzig verhalten. Die charakterlosen Türen (sprachbegabt!!!) sind ebenfalls überaus einfallslos und flach beschrieben (hehehe... flach!!) und fragwürdig ist, wieso sie manches mal getragen werden müssen und manches mal nicht, wie in ihrer Kneipe beispielsweise.
Interessanter wären sprachlich unbegabte Türen, die jedoch über geringfügiges Eigenleben verfügten und ebenfalls über geringfügige Mobilitätsfähigkeiten wie dem plötzlichen Zuschlagen, sofern sie sich in einer Angel befinden, oder das Zuhalten des Knaufs, um jemanden nicht hineinzulassen. Tja, die Kobolde spielen halt so viele Streiche, dass selbst die Türen schon den einen oder anderen fiesen Streich spielen und das auch noch nur zu gern zu den unbeliebtesten Zeitpunkten wie auf der Flucht o.ä. ...
Wie hätte man es anders handhaben können?
Böse Kobolde wären zum Beispiel schon eine Spur interessanter und böten mehr Möglichkeiten. Die herzensguten Kreaturen aus "Die Kobolde" sind jedenfalls märchenhaft lieb wie Pumuckl.
Streiche, die anderen Lebewesen Schaden zufügen und das Opfer bisweilen Schmerzen zubereiten, wären willkommener gewesen. Nein, töten muss man die Opfer nicht, aber mal ein paar blaue Flecken oder gezogene Haare sollten in Ordnung gehen. Und statt des Ausrufs "was ein herrlicher Streich beim König Raffnibaff" vom Geschädigten müssten Schmerzensschreie oder Gezeter und Gefluche in übelster Koboldmanier ertönen, so dass selbst der hartgesottenste Sölder schamrot anlaufen würde. Ja, DAFÜR könnten Kobolde doch bekannt sein! Sie müssten den Menschen Streiche spielen, deren Konsequenzen ihnen zum einen völlig Schnuppe und zum anderen auch gar nicht unbedingt klar sind. Da mag der Müller halt heulen, weil sein Ziehesel in der Mühle heute übelsten Durchfall hat und er die wichtige Ladung Getreide für den Grafen nicht mahlen kann, die Kobolde haben trotzdem ihren Spaß und lachen lauthals und dreckig!
Kleine Menschenkinder könnten nach Strich und Faden veräppelt werden und vor allem die Einfältigen, bei denen es so schön einfach ist, wären willkommene Opfer, deren Einfalt ein stattlicher Kobold in Perfektion auszunutzen imstande ist, als sei es ein Volkssport, gerade bei solchen die hanebüchesten Streiche zu probieren.
Kobolde sollten nicht brutal sein, sondern feinsinnig und perfide und deren handwerkliches Geschick würde vornehmlich zum Bau findiger Fallen oder für Gegenstände mit Sollbruchstellen verwendet, obwohl die Konsequenzen natürlich schon brutal sein können. Der Ritter, der unter dem schreienden Gelächter einer Schar Kobolde im Zweikampf mit einem feindlichen Ritter sein Schwert in etliche Stücke zerfallen sieht, mag kurz darauf kalten Stahl in seinem Bauch verspüren, doch die Kobolde schütteln über so viel groben und unwitzigen Schabernack seitens des feindlichen Ritters nur das runzlige Haupt oder bekommen es vor lauter Lachen gar nicht richtig mit...
Meines Erachtens wäre es nicht schlecht gewesen, in dem Werk zwei Geschichten miteinander zu verknüpfen. Zum einen die Geschichte eines ernsthaften Charakters (Ritter beispielsweise) in einer sich selbst ernst nehmenden Fantasy-Welt, der eine bestimmte Aufgabe hat und zum anderen die Geschichte der Koboldprotagonisten, die sich hier und da mit der Geschichte des Ritters kreuzt und aus solchen Kollisionen könnten durchaus feine Scherze entstehen, wenn zum Beispiel gerade der Ritter bei einem äußerst peinlichen, aber scheinbar willkürlichem Unfall beschrieben wird und er aus der näheren Umgebung Gelächter zu hören vermeint.
Oder ein Kobold könnte "der Erfolglose" sein und seine scheinbar genialen Ideen und Scherze gehen nie auf, weil irgendetwas völlig Zufälliges gerade immer im Zeitpunkt des Streiches auftauchte und den Kobold selbst trifft, was zu schamlosen Hohngelächter seitens der Kameraden führt.
Naja, jedenfalls musste ich beim Lesen dann und wann bestenfalls ein bisschen schmunzeln, aber auch NICHT im direkten Vergleich mit "Westwärts, Geschuppte" schneidet es einfach nur schlecht ab und lässt sich somit wunderbar in Zusammenhang mit dem furchtbaren Werk "Die Orks" bringen.