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The Witcher - Aus dem Reisebericht des allzu menschlichen Arztes

(Der Anfang der Seite ist durch Feuchtigkeit spröde geworden, eingerissen und nicht mehr gut zu entziffern.)

…ein gewisser Kilian Krasniqi, der sich den Hexenjägern auf verwerfliche Weise zur Rettungs seines eigenen Überlebens dergestalt anbiederte, dass er dem Stande nach noch zur verruchtesten Prostituierten aufblicken müsste. So war es sein Verdienst, dass ein Herr, der sich der recht einfallsreichen Beschaffung und Veräußerung von Dingen aller Art widmete, einen elenden Tod am Strang erlitt, was den Consorten überaus verdrießlich aufstieß.

Doch der Grund unseres Aufbruchs aus Ochsenfurt war das elegant codierte Schreiben Katinkas, der Blauen Rose, die mit einer Dame namens Ravenna zusammen arbeitete und sich in einer unpässlichen Situation zu befinden schien.

Shani nahm mein Aufbruchsgesuch gelassen – aber mit leicht resignativem Seitenblick – zur Kenntnis und wie zur Wiedergutmachung forderte sie von mir die Beschaffung von Sonnentau und Sumpfdornblüten, die es in den Sümpfen von Velen, wohin es uns verschlagen soll, gar reichlich geben mag und die curativen Zwecken dienlich seien (Memo: Konsultation von Ad Flora et Fauna Veleniensis, Bnd. III).

Der Aufbruch geschah früher als gedacht. Wir einigten uns auf reines Personengepäck ohne Gefährt und ohne Gefährten (mein treues Maultier Feo wird dem Stallburschen hoffentlich keine Finger abbeißen), denn der Sumpf ist ebenso unwirtlich wie tödlich und obendrein schwer begehbar auf morschen und teils nicht erkenntlichen Holzbohlen, die irgendeine arme Seele einst zur Hilfe oder zur sinistren Vortäuschung von Sicherheit angebracht hatte (Katinka konnte natürlich nicht in wärmeren Gefilden voller Gesang und Gespielinnen sein; nein, modriger Morast erwartete unser).

Ebenso erwartete uns eine Bande heruntergekommener Halsabschneider, die uns wohl mehr aus Not als aus Habgier mit dem Tode bedrohten und unser Hab und Gut forderten (wiewohl mir diese Unterscheidung erst im Nachhinein klar wurde und sie die aufkeimende Furcht nicht zu beseitigen vermochte). Danach folgten einige rasche Momente, denen das Auge kaum folgen konnte (und eine kräftige Verletzung an meinem Hinterhaupt überschattet die Szenerie mit einem grau-schwarzen Schleier)… die Skellige machte ihrem Unmut tösend und gewaltbereit Luft, woraufhin jeglicher Versuch der friedlichen Beilegung des Konfliktes in einem wütenden Rausch aus Schweiß, Blut und Waffengeklirr zu einer irrelevanten Randnotiz degradiert wurde. Bevor jemand auch nur einen Hieb führte, traf mich etwas überaus schmerzlich in der Brust und sofort darauf auch am Hinterkopf (waren wir umzingelt?) und es senkte sich gnädige Schwärze vor meinen Augen.

Die Tatsache, dass ich selbige wieder öffnen durfte (die Skellige strahlte glücklich über das ganze, blutverschmierte Gesicht und schien unverletzt), brachte mir ins Bewusstsein, dass unser Trupp siegreich verblieb. Der Barde erlitt ebenfalls eine schwere Verletzung am Arm, um die ich mich an folgenden Tagen kümmerte, aber ansonsten waren allesamt wohlauf und schienen mich dann und wann nicht ohne leichtem Spott in den Mundwinkeln zu betrachten. Ich bin halt ein Heiler. Ich heile. Ich habe das Mordhandwerk nie erlernt!
Wie dem auch sei…

Wir erreichten eine Taverne an einem Scheideweg zwischen Wyzima, der Hauptstadt Temeriens und Gorsvelen, der Hauptstadt Velens. Bauern, Händler, eine resolute Wirtin samt mannenneugierigen Töchtern und gar ein Zwerg ergaben ein interessantes Potpurri an Auskünften über hiesige Leut' und Sitten.

Angeblich sei die „Dame des Waldes“ (Herrin der Sümpfe) die Herrscherin dieser Gefilde. Sie sei ewig (wie natürlich alle mystischen Wesenheiten) und der Grund für Nilfgaards Abmarsch (die Trostlosigkeit dieser feuchten Ödnis kann natürlich unmöglich der Grund für das Desinteresse sein). Die Nilfgaarder jedoch würden wahllos Einwohner verschleppen mit unbekanntem Ziel und ohne Gründe zu nennen (sind wohl doch nicht komplett fort von hier). Der eigentliche, weltliche Herr dieses matschigen, moskitoversuchten Landstriches (noch keine Blutegel! Hurra!) sei Graf Visserath (der Bedauernswerte) auf Burg Krähenfels. Die Götter mögen ihn für eine furchtbare Tat verachten, dass sie ihn hier residieren ließen.
Der Marktvogt einer beliebigen… aber damit schweife ich zu weit ab.
Jedenfalls war weder die Wirtin noch die meisten anderen Einwohner sonderlich glücklich mit ihrem Herrscher und man sah den Unmut förmlich in Velen schwelen.

Der Angehörige des kleinen Volkes – nicht der der unsrigen Truppe – kündete von einem überaus hartem Winter, dem ein schlimmer Krieg mit Nilfgaard folgte und nun seien die Vorräte weitestgehend aufgebraucht (wieso versuchen sie ihr Glück nicht in Ochsenfurt? Was hält sie hier?). Er warnte uns vor einem Ort in den Sümpfen, den er den Buckelsumpf nannte, dem mit Abstand gefährlichsten Teil der Sümpfe (als sei der Rest ein vergnügliches Tête-à-tête im luxuriösesten Bordell einer Stadt). Dort gingen angeblich Nebelinge (Neblinge?) umher; unsichtbare, bösartige Geschöpfe, die… Tod und Verderben und so weiter (Bestiarium Veleniensis, Bnd. I-IV konsultieren nach Rückkehr). Melitele möge verhindern, dass dort sowohl Katinka wie auch die von Shani begehrten Sumpfpflanzen befindlich wären…

Die reisenden Händler wurden von den Consorten über die betrügerischen Machenschaften des Kilian Krasniqi informiert, die sich interessiert zeigten und die der Händlergilde Auskunft erteilen wollten. Zudem trügen die Zwerge Marakans (Teil Nilfgaards nach Eroberung) am Verfall der Getreidepreise Schuld. (Als wenn uns diese Auskunft weiter brächte…)

Der teils überraschend findige, skelliger Barde Erik (der Schaden?) vermochte am Scheideweg im Stamm des Pfadschilds eine eingeschnitzte Rose entdecken auf der Seite, die Richtung Gorsleben wies. Das war uns Hinweis genug. Katinka musste (hoffentlich) in diese Richtung aufgebrochen sein. Neblinge können bestimmt nicht schnitzen (hoffentlich). Der Weg führte Richtung Burg Krähenfels und wir entschieden uns… doch ich greife vor.

Eine Begebenheit unterließ ich zu erwähnen.

Ein beinloses und schwer gezeichnetes Abbild von einem Elfen betrat… gelang in die götterverlassene Schenke. Mir war er gänzlich unbekannt, doch schlagartig breitete sich eine fast körperlich spürbare Anspannung unter meinen Gefährten aus und löschten jedes Gespräch wie ein Eimer Wasser eine Nachtkerze. Ich erfuhr, dass es sich um den Mörder von Pinnchen, Klainsaites Schwester (beide waren amouröse Bekanntschaft des Barden) handelte. Als der gepeinigte und offensichtlich bettelnde Elf der ihn mit unverhohlenem Hass anstarrenden Bewaffneten ansichtig wurde, ergriff er die Flucht, so schnell er vermochte, was das Elend seiner Existenz noch in besonderem Maße unterstrich. Der sonst eher geschäftstüchtige Herr Quint(?) nahm sich seiner nach dem Verlassen der Schenke an. Melitele mag seine Seele richten, wie sie es gutheißt.

Die Bauerstöchter plauderten aufmerksamkeitsheischend – mit starrem Blick auf jede Regung des Barden gerichtet – über die Dame des Waldes, die da drei (selbst erschaffene?) Töchter gehabt habe und man hielt sie für verschwunden bis zum Eintreffen Nilfgaards. In Velen stünden viele Altäre ihr zu Ehren mit Opfergaben jeglicher Art (ob Melitele DAS gutheißt?). Aus mir unerkannten Gründen opferte der Barde tatsächlich an einer solchen Stätte etwas vom Blute der Ältesten (mit solchen Dingen sollte man tunlichst keine Experimente wagen, aber ihn schien es in besonderem Maße zu reizen).

So begaben wir uns nach Gorsleben bzw. in Richtung Burg Krähenfels, als uns schwer gerüstete Reiter an sechsen an der Zahl entgegen kamen (die acht verachtenswerten Moorräuber waren mir eigentlich schon genug). Der Anführer stellte sich als Hannes Großkinn vor und erkannte die Kriegerin (ich muss mir endlich mal ihre Namen merken… Elena oder so...) aus Wyzima, wo sie einst gemeinsam gegen Nilfgaard fochten. Und verloren.

Das machte mir klar, dass dieser Trupp durch gemeinsame Erfahrungen bereits zu einer Einheit zusammengeschmiedet wurde, neben der ich wie ein Bauerntölpel neben im Gleichschritt marschierenden Soldaten wirke.
Der Anführer und sein Trupp hätten den Auftrag, Nahrung, Waffen und Medizin, die zum Zwecke des Handels mitgeführt wurden, umgehend zu beschlagnahmen. (Was für ein barbarischer Befehl mag hier die abgründige Verdorbenheit der hiesigen Herrscher offenbaren!) Wir hatten zu unserem Glück nur das dabei, was wir (größtenteils) für uns selbst brauchten (wenn allen Reisegenossen auf verschiedene Arten zeitgleich schwerste Unbill zuteil würden).
Die (vielleicht einst innige) Bekanntschaft mit einer unserer Gefährten tat ihr Übriges, um zumindest Nachsicht walten und uns ziehen zu lassen. Im Übrigen seien für entschlossene Genossen bei (nicht auf?) Burg Krähenfels lukrative Aufträge zu vergeben. (In diesen Sümpfen?? Lieber nackt auf dem Ochsenfurter Markt zur höchsten Stunde des Markttags einen Veitstanz aufführen!!!)
Die etwas heruntergekommenen, alten Rüstungen mit temerischen Hoheitswappen verrieten uns, dass es um die Instandhaltung der Ausrüstung dieser Soldaten nicht zum Beste stand (was Wunder!).

Später erblickten wir des Wegs säuberlich aufgehängte und nicht allzu offensichtliche Ohren von Menschen und Anderlingen an verschiedenen Büschen; manche Ohren waren bereits Opfer der Zeiten Zahn, andere noch blutfrisch. Zudem sahen wir einen Schrein, der Dame des Waldes gewidmet, der recht schaurig anzublicken war. (Uns wurde erst später der Sinn offenbart, doch das wäre hier vorausgegriffen.)

Burg Krähenfels offenbarte sich als bewaffneter Gutshof mit einem Lager ca. 30-40 temerischer Soldaten vor dem Hof (nicht innen residierend), angeführt von einem Major. Jener tat öffentlich und frei von der Seel kund, den Grafen durch sich selbst zu ersetzen, um dem Lande auf seine Weise zu dienen, doch der bewaffnete Angriff sei nicht möglich, weil – Melitele sei gnädig – die Catrjona-Seuche innerhalb der Anlagen wüte (Shani berichtete von ihren Heilversuchen dereinst in Wyzima und wie dort Mann, Frau, Greis und Kind jedweden Standes elendiglich hingerafft wurden).

Der Major lässt in der Umgebung patrouillieren und konfiszieren und blockiert die Wege zur Burg bestmöglich, um die Insassen zur Aufgabe zu bewegen. (Dass außer dem Grafen viele unbescholtene Einwohner leiden würden, erscheint ihm entweder einerlei oder – was schlimmer wäre – er sieht es als akzeptablen, zu entrichtenden Preis an.)
Wir erfuhren, dass sowohl eine Blondine als auch eine Gesandte Ochsenfurts zur Burg gelangten und bisher nicht mehr heraus kamen. (Vielleicht Katinka und Sofia Slowik?) Uns war klar, dass wir beim Grafen soweit möglich eine Audienz erbitten sollten und wurden vorstellig, jedoch vom Majoren auch vorgewarnt, dass er uns der Seuche wegen keinen Zutritt mehr zum Lager gewähren würde (wenn er bereit wäre, Unschuldige zu opfern, was tut er dann in seinen Augen Aussätzigen erst an?).

Wir beschlossen, der Sache selbst auf den Grund zu gehen und betraten den Gutshof, der in einer überraschend ruhigen und harmonischen Verfassung zu sein schien. Keine Verzweifelten, die sich gebrochenen Blickes mit wimmernden Lippen an Fremde um Nahrung bettelnd wandten, keine Leichen in den Straßen, kein scharfer Geruch, der an Höllenbrodem und Schwefel erinnerte, es schien alles in bester Ordnung zu sein, sah man von den Belagerern vor der Türe ab. Wir erfuhren von den Gemeinen, dass die Gräfin an der Seuche erkrankt sei und einige Bewohner dort ebenso, doch ein Magier namens Alexander aus dem Süden (Nazaîr?) sei zugegen und hülfe mit einer kostenlosen(!) Salbe (anscheinend erfolgreich). Einmal alle Körperöffnungen morgendlichst eingesalbt, bewahre sie vor der Ansteckung gegen die Seuche. (Das muss Shani erfahren, wenn es stimmt!!!!)
(Probe erhalten: weißlich, strenger Geruch unbekannter Art, cremeartige Konsistenz feinster Geschmeidigkeit ohne Fremdstoffe… was hat er da kreiert und hilft sie wirklich?)

Die Blondine sei vor ca. einem Monat erschienen, aber Händler seien keine mehr zugegen. Der Magier wurde der erkrankten Gräfin wegen noch vor dem Winter um Hilfe gebeten und residiert seitdem auf der Burg. Auf der Quarantänestation erklärte uns Schwester Lysanna aus Krähenfels die Anwendung der Salbe (ABER NICHT DEN INHALT ODER DIE HERSTELLUNG!!!!) und… auch wider besseren Wissens, dass es nichts – GAR nichts – gegen die Seuche gibt, wandten wir die Salbe an und hofften auf einen ausreichenden Schutz – Melitele sei uns gnädig.
Neben Lysanna kümmerten sich Schwarzzweig-Anni und die alte Dörte – deren Erscheinungsbild tatsächlich an gedörrtes Obst erinnerte – gar rührend um die an der Seuche Erkrankten, bei denen nach dem Ausbruch die Salbe nicht mehr hülfe (Pottstausend… eine leichte Note an Wismut scheint mir im Geruch mitzuschweben… und redanische Myhhre… oder Grünstöckel…).

Ihre Gnaden, der Herr Graf Visserath, gestattete uns tatsächlich eine Audienz (welch Wahnsinniger wandert auch schon zu einer seuchenbedrohten Sumpfenklave, von unheilschwangerem Unbekanntem umringt?).
Ihro Gnaden haben dem Magus mit einer erklecklichen Belohnung unbekannter Art für die geleistete und zu leistende Hilfe gedankt, wich neugierigen Fragen zu Art und Umfang der Belohnung jedoch verdrießlich aus. Er habe überdies eine Spionin aus Nilfgaard (bitte nicht Katinka!) in den herrschaftlichen Kerker werfen lassen, als er sie in flagranti bei der unrechtmäßigen Inspizierung der gräflichen Privatgemächer höchstpersönlich ertappte (vermutlich doch Katinka de Mornay, die Blaue Rose, deren Blüte im trostlosen Kerker eines Sumpffürsten bitterlich bedroht wäre).

Des Grafen erster Gardist Ottmar aus Niederwirr, ein gestreng dreinblickender Soldat, war beim darauffolgenden opulenten Festmahl in des Grafen Speisegemächern ebenso zugegen wie wir es waren. Wo das Volk, wie wir es in der Taverne Zum Scheideweg erblicken durften, bei kargem Mahl und großem Hunger darb, vermochten wir - für unsere Verhältnisse standesungemäß – opulent zu schlemmen, als seien alle Probleme mit ausreichend delikaten Köstlichkeiten zu beseitigen.

Anfängliche Gewissensbisse und Zweifel an der Richtigkeit unseres dekadenten Zeitvertreibs wurden alsbald fortgeweht vom Duft gesottener Entenbrust in gerahmter Sauce von zweierlei Zwiebelart, in eigenem Saft geschmorte Bäckchen vom Lamm und mit südlichen Früchten garniert, Gestampftes der Erdäpfel und der Karotten mit Butter temerischer(!) Kühe und Piotresilie verfeinert, gebratene Zungen von Wachtel und Fink auf marinierten Scheiben von Paradiesäpfeln kredenzt, weiße Saucen mit scharfen Gewürzen aus dem Süden und schwarze Saucen mit lieblichem Weine nördlicher Reiche garniert, kandierte Früchte vom Winterapfel bis zur Sommertraube in einem Bett von Blumennektar auf süßem Gebäck…

Wir aßen als stünde unsere Hinrichtung bevor und bei der dort anscheinend auf Lauerstellung befindlichen, todbringenden Seuche war es vielleicht nicht gar weit hergeholt.

(Auszug aus "Curare et Randale - Meine Reisen und Abenteuer", Kap. "Die Sümpfe Velens", von Pileastes Carduin Grubenstein)
 
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