[Szenario / Satire] Peers Kavallerie

Dieses Thema im Forum "Schreibstube" wurde erstellt von lgw, 19. Juli 2013.

Moderatoren: RockyRaccoon
  1. lgw

    lgw Omniprophet

    Im folgenden mal eine Skizze für ein "near-Future" Szenario, was ich gerade leite. Vielleicht haben ja noch ein paar andere von euch Interesse. Bitte denkt daran, daß im folgenden Text eine ordentliche Menge Satire steckt. ;)



    Die EU stürzt immer tiefer in die Krise... doch ist sie wirklich hausgemacht ?

    August 2013
    In Frankreich scheitern weitergehende Wirtschaftsreformen, Präsident Hollande ist schwer angeschlagen. Die Regierung in Italien unter dem neuen Ministerpräsidenten Letta ist weiter mit sich selbst beschäftigt. Die Preise für neue Anleihen für beide Länder steigen dramatisch und die Euro-Krise rückt bis an den Rhein.

    September 2013 - Der Beginn
    Hollande und Letta sagen zu, eine weitergehende Wirtschaftsregierung unter deutscher Leitung zu akzeptieren, wenn Deutschland nur den harten Sparkurs beenden würde. Daraufhin geben 22 verschiedene EU Regierungschefs, bis hin zu Englands Premierminister Cameron, in einem Brief "an das deutsche Volk" eine Empfehlung für Peer Steinbrück als neuen Kanzler ab.
    In Folge dessen gewinnt Rot/Grün mit überwältigender Mehrheit die Bundestagswahl, während die FPD mit gerade einmal 3% aus dem Bundestag fliegt.
    In der Schweiz gibt Eveline Widmer-Schlumpf ihre Leukemieerkrankung bekannt, wodurch gleichzeitig ihr Sitz im Bundesrat vakant wird. Im angesicht der anhaltenden Euro-Krise und der Wahl von Peer Steinbrück zum Deutschen Bundeskanzler schafft Christoph Blocher eine Rückkehr in die aktive Politik, und erobert mit dem Finanzdepartement den zweiten der SVP angestammten Ratsitze zurück.

    Dezember 2013
    Die neue deutsche Regierung hat Erfolg, und schafft es binnen kürzester Zeit einen gemeinsamen europäischen Wirtschaftkurs durchzusetzen, der faktisch bedeutet das sämtliche Rahmenentscheidungen in der Euro-Zone von Deutschland (unter Konsultation von den Niederlanden / Österreich / Finnland / Luxemburg) als letzten solventen Zahlern getroffen werden.
    Trotz vereinzelter Proteste geht es dank neuen Investitionsmaßnahmen langsam wieder aufwärts, und auch "die Märkte" honorieren den Schritt. Ganz Europa genießt ein ruhiges Weihnachtsfest.

    Januar 2014
    Mario Draghi tritt zum Neujahr "aus persönlichen Gründen" zurück, und Jens Weidmann wird neuer EZB Chef. Kurz darauf tritt Thomas Jordan, sein Schweizer Kollege, nach einer doubiousen Affäre ebenfalls zurück, und ihm folgt überraschend Josef Ackermann. Das Ausland nimmt jedoch wenig Notiz von diesem Vorgang.

    März 2014
    Deutsche Finanz- und Steuerprüfer werden in die ganze Euro-Zone entsandt, um die Bücher von Behörden und Regierungen auf Pronvinz- bis Nationalebene zu prüfen.

    Juni 2014
    Gerüchte mehren sich, daß in den "Südländern" bis hin Österreich noch viel massivere Probleme existieren, als man sich jemals vorstellen konnte.

    Juli 2014 - Die Krise
    In Finnland ereignet sich beim Testebetrieb von Komponenten im neuen Reaktorblock 3 des Kernkrafterks Olkiluoto eine massive Explosion. In Folge dringt Meerwasser aus der Ostsee auch in die Blöcke 1 & 2 ein, die so schnell nicht abgeschaltet werden können. Ein GAU kann verhindert werden, aber es entsteht eine weitreichende radioaktive Verseuchung bis in den Großraum Helsinki hinein. Es wird Sabotage vermutet, kann aber nicht nachgewiesen werden.
    In Brasilien wird die Schweiz überraschend im Finale mit 5:3 (nV) gegen Deutschland Weltmeister, nachdem sie im Halbfinale bereits den Gastgeber ausgeschaltet haben. Es gibt massive Schiebungsvorwürfe, und vier klar dokumentierte Fehlentscheidungen (alle zu Gunsten der Schweiz), aber Sepp Blatter verweißt auf das "Glück des Tüchtigen" und daß Entscheidungen im Fußball grundsätzlich Tatsachenentscheidungen seien. England scheitert im Halbfinale gegen Deutschland im Elfmeterschießen, und Spanien scheidet sang- und klanglos mit nur einem Punkt in der Vorrunde aus.

    August 2014
    Die Gerüchte über noch massivere Finanzprobleme in fast allen Euro-Ländern bestätigen sich, mit einem Gesamtvolumen von weit über einer Billionen zusätzlicher bis dahin unbekannter Verbindlichkeiten. Innerhalb einer Woche brechen sämtliche Finanzmärkte zusammen, und die Börsen weltweit bleiben insgesamt 11 Tage geschlossen. Nach der Wiederöffnung schießen die Kurse für Sachwerte und Gold massiv in die Höhe.
    Daraufhin beschließt England den sofortigen EU Austritt und kappt quasi sämtliche physischen und wirtschaftlichen Verbindungen zum Festland bis hin zum Eurotunnel. In China werden Reihenweise deutsche Autos und Fabriken "vorübergehend in Gewahrsam" genommen, um chinesische Schulden in Europa abzusichern. In den USA steht Obama massiv unter Druck, und muß letztlich Paul Ryan aus der Tea-Party als neuen Finanzminister in sein Kabinet berufen. Auf Fox News und einschlägigen Internetforen beginnen Spekulationen, ob nicht diverse Besatzungsverträge aus der Nachkriegszeit immer noch Gültigkeit besäßen. In der Schweiz wird Wendelin Wiedeking zum Vorstandsvorsichtzenden der Eidgenössischen Gesellschaft für Neuartige Metallurgie gewählt, doch auch hiervon nimmt die Weltöffentlichkeit in diesen stürmischen Zeiten kaum Notiz.

    September 2014
    Vor dem Rotterdammer Hafen erleidet der voll beladene Supertanker "TI Europe" Havarie, und durch eine Verkettung "unglücker Umstände" läuft beinahe das gesammte Rohöl in die Nordsee. Eine Menge vergleichbar mit der der Superkastastrophe der Deepwater Horizon im Golf von Mexico, nur auf einem viel kleineren Raum. Dazu drücken Meeresströmungen und Winde das Öl ins Landesinnere, und durch das komplizierte Poldersystem der Niederlande letztendlich bis hin zu Ackerböden und ins Grundwasser. Auch hier wird wiederum Sabotage vermutet, jedoch ebenfalls ohne konkrete Beweise.
    Kurz darauf tritt Jean-Claude Juncker als Premierminister von Luxemburg ab. Mit fast 60 Jahren, davon knapp 20 an der Regierung, sei die gegenwärtige Krise "einfach zu viel für ihn".
    So steht nach nur einem Jahr Kanzlerschaft Peer Steinbrück vor einem Scherbenhaufen, und Deutschland (und mit ihm Europa) in einer dramatischen Krise, die vergleichbar mit der Situation im 20. Jahrhundert vor dem 1. und 2. Weltkrieg ist.

    Oktober 2014 - Die Wende
    Die EU versinkt zwar nicht im Chaos, aber es macht sich immer mehr Panik breit. Handelsströme versiegen, es gibt Massenweise Zwangsurlaub, und viele Bürger beginnen für den kommenden Winter zu horten.
    In einer Nacht und Nebel Aktion schafft es Peer Steinbrück jedoch, sowohl von Bundestag wie Bundesrat auf Basis des Wirtschaftssicherstellungsgesetz den bundesweiten Notstand verhängen zu lassen. Bundespräsident Gauck bestätigt dies noch am nächsten Morgen, und nach einer Marathonsitzung erklärt das Bundesverfassungsgericht, das es jegliche Eilanträge abweisen werde. Präsident Voßkuhle erklärt vor der versammelten Weltpresse, daß die "Wahl zwischen Pest und Cholera" das Primat der Politik sei, und das Verfassungsgericht "nicht gedenke, den letzten verbliebenen Handlungspielraum der Politik in ihren Zwängen" weiter einzuschränken.
    Peer Steinbrücks Notstandskabinett besteht aus lediglich fünf weiteren Personen: Wolfgang Clement erneut als Minister für Wirtschaft und Arbeit; Frank-Walter Steinmeier als Minister Infrastruktur, Versorgung und Verwaltung; Jürgen Trittin als Minister für Verteidigung und Sicherheit; Joschka Fischer als Minister für äußere und innere Angelegenheiten; Sigmar Gabriel als Vizekanzler und Minister für Sonstige Regierungsangelegenheiten. Dazu wird Gerhard Schröder Sonderbotschafter für Rußland, dem letztem Verbündeten der EU. (Putin wörtlich: "Ich gedenke nicht die Fehler Stalins zu wiederholen.") Außerdem kehrt Angela Merkel auf die Europäische Bühne zurück als Präsidentin der EU Kommission und gleichzeitige Vorsitzende des neuen Euro-Wirtschaftsrates.
    Peer Steinbrück selbst verkündet als Kanzler sowie neuer und alter Finanzminister zusammen mit Jens Weidmann (seit Januar Präsident der sowohl der Bundesbank und der Europäischen Zentralbank) jedoch seinen größten Coup. Die Rückholung des Bundesbankgoldes verlief viel schneller als angekündigt und wurde bereits Juni abgeschlossen. Außerdem hat die Bundesbank noch vor der letzten Verschärfung der Krise still und leise sämtliche offenen inner- und außereuropäischen Forderungen Deutschlands eingelößt, in Gold umgewandelt und dies ebenfalls heimgeholt. Somit besitzt die Bundesrepublik Deutschland nun über 16.000t Gold, was rund 70% der weltweit vorhandenen Reserven entspricht. Mit sofortiger Wirkung wird der Euro nun durch Gold hinterlegt, was dank des Kurses der Feinunze von beinahe 10.000€ einem Sicherungswert bei der Bundesbank von rund 5 Billionen Euro entspricht.
    Als letzten Schritt bietet die Bundesbank eine neue Bundesanleihe an, den "Gold-Bund", eine anteilige Goldverschreibung auf Basis des Euro-Gold Satzes. Als befristete Sonderauktion kann bis Jahresende neben Euro auch einen Ankauf mittels Staatsanleihen von jedem anderen EU Land getätigt werden. Diese Auktion findet reißenden Absatz, und so sind innerhalb von wenigen Wochen sämtliche EU Länder quasi frei von Fremdschulden.
    Außerdem stehen Peer Steinbrück und Deutschland nicht nur als strahlende "Retter Europas" da, sondern Deutschland ist ganz nebenbei nun auch der mit Abstand reichste Staat der Welt.

    Dezember 2014
    Nach der ersten Euphorie zeigen sich jedoch auch schnell die Probleme. Zwar investiert Deutschland mit seinem neuen Reichtum massiv EU-weit in zahllose Projekte, und für die breite Bevölkerung geht es endlich wieder aufwärst. Gleichzeitig steigt gerade zusammen mit dem Weihnachtsgeschäft die Inflation massiv an, und bleibt nur leidlich unter Kontrolle dank scharfer geldpolitischer Maßnahmen und massive Warenimporte aus China, welches seine Beziehungen zu Deutschland zu normalisieren versucht.
    Nicht nur in England läßtert die Boulevardpresse darüber, daß Deutschland im dritten Anlauf nun "endlich" den Krieg gewonnen hätte, und zwar so schnell, daß es nicht einen einzigen Schuß gebraucht hätte. Insbesondere die englisches Tories stimmen ein und verweisen Stolz auf den gerade noch rechtzeitigen EU Austritt, jedoch hauptsächlich um von der nun drastisch eingebrochenen lokalen Wirtschaft abzulenken. Die Finanzmärkte richten ihr Augenmerk nun auf die USA und ihren massiven Schuldenberg. Die Tea-Party fordert von "ihrem" Finanzminister Ryan ebenfalls die Rückkehr zum Goldstandard, was jedoch wegen massiver Schulden und geschwundener Reserven mehr als problematisch ist.
    Europa jedoch ist größtenteils glücklich über ein weiteres relativ ruhiges und vor allem wohlbeschenktes Weihnachten.

    Januar 2015 - Am Scheideweg
    In seiner Neujahrsansprache verkündet der frisch gewählte Schweizer Bundespräsident Christoph Blocher, daß die Schweiz wegen der undemokratischen Entwicklung in der EU sämtliche Verträge mit selbiger bis auf weiteres aussetze. Weiterhin wolle die Schweiz in solch turbulenten Zeiten ein sicherer Hafen für alle sein, die es brauchen, und würde somit das Bankgeheimnis wieder vollumfänglich einführen. Außerdem es der Eidgenössischen Gesellschaft für Neuartige Metallurgie endlich gelungen sei, den Atomaren Metallurgischen Transmutationsprozess soweit zu verfeinern, daß jetzt verläßlich leichtere Metalle in schwerere zurück verwandelt werden können. Im Rahmen von Teststudien seien so Ende 2014 "viele Lastwagenladungen" von Eisen in höherwertiges Gold verwandelt worden. Die Schweiz wolle diese und andere Trasmutationen in 2015 forcieren, um den weltweiten Markt für Edelmetalle zu entlasten.
    Wenig überraschend löst diese Nachricht ein Erdbenen an den Finanzmärkten aus, als diese nach Neujahr wieder eröffnen. Insbesondere der Euro gerät kurzfristig massiv unter Druck, kann sich jedoch nach einer beherzten Gegenreden von Peer Steinbrück (live verfolgt von über 700 Millionen Zuschauern weltweit) wieder fangen. In den folgenden Wochen präsentiert die Schweiz zwar durchaus kleine Mengen von Gold, was nach Analyse von verschiedenen internationalen Experten "ungewöhnlich" und "vermutlich jung" sei, bleibt jedoch konkrete Beweise vorerst schuldig...

    Februar 2015 - Ihr !
    Warum Ihr ? Ihr seid langjährige Mitglieder der SPD, und auch wenn ihr nicht immer mit der "alten Tante SPD" einer Meinung wart, so habt ihr Peer Steinbrück im Wahlkampf 2013 doch aktiv und überzeugt unterstützt. Und Peer hat dies nicht vergessen, denn jetzt braucht ER Eure Hilfe... nicht für ihn, nicht für Ruhm und Ehre, sondern um Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität in ganz Europa zu erhalten.
    Eure Aufgabe ? Vertraulichen Information zu Folge sind wichtige Anlagen der Schweizer Nationalbank (SNB) und der Eidgenössischen Gesellschaft für Neuartige Metallurgie (EGNM) im Schweizer Jura beheimatet. Bevor jedoch irgendwelche weiteren Schritte, politsch oder auf anderen Wegen, unternommen werden können, braucht Peer erst einmal konkrete Informationen darüber, was an der Sache mit dem "Stein der Weisen" dran ist. Eure Suche beginnt weniger überraschend in Genf, den hier steht die größte, teuerste, komplizierteste und mysteriöseste Maschine der Menschheit -- das CERN ! Und auch sonst ist Genf mehr als ungewöhnlich... klein... exklusiv... eingefaßt zwischen Wasser und Bergen... Und allerlei Organisationen von Weltrang haben hier ihren Hauptsitz: UNO, WTO, WHO, IKRK, WOSM, WCC, ... und selbst die UEFA ist nicht weit.
    Wer seid Ihr ? Ihr seid Menschen wie jeder andere... beinahe. Was euch, neben dem einen oder anderen besondere Talent, auszeichnet ist Euer Wille Euer Ziel zu erreichen, egal wie beschwerlich der Weg dorthin auch sein mag. Und vielleicht seid Ihr auch gerade einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort... als angehender Jungwissenschaftler am CERN, als Voluntärin bei einer der vielen in Genf beheimateten Organisationen, als erfahrener Kriminalkommissar im Winterurlaub, als umtriebige Geschäftsfrau auf Dienstreise, oder oder oder...
     
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