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Rezension Snowpiercer

Taysal

RSP-Gott
verstorben
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Bereits 2013 erschien der Science-Fiction-Film “Snowpiercer” im asiatischen Raum und auch die Franzosen konnten sich bereits an diesem wahnwitzigen Streifen erfreuen. Endlich hat der Film den Sprung auch nach Deutschland geschafft und läuft nicht in Gefahr, auf Filmfestivals als Genretip zu verkümmern. Und sogar in den USA ist tatsächlich auch ein Licht am Ende des Tunnels zu sehen, trotz gewisser Unwägbarkeiten. Das braucht die heimischen Kinogänger glücklicherweise nicht zu kümmern. Wir sind verschont geblieben von einem Besserwisser-Produzenten wie Harvey Weinstein, der die Rechte für den angloamerikanischen Raum erwarb und die US-Amerikaner wohl für zu dumm hielt, den Film zu begreifen. Jedenfalls plante Weinstein den Film auf Hollywoodschnitt zu trimmen (und ganze zwanzig Minuten zu kürzen) und die Geschichte aus dem Off erklären zu lassen. Allerdings setzte sich Regisseur Bong (“The Host”, ”Mother”) durch, was Weinstein (man nennt ihn wohl auch “Harvey mit den Scherenhänden”) wiederum mit einer kümmerlichen US-Marketingkampagne abstrafte. Allerdings sieht es so aus (Achtung: Spekulation!), als müsste er auch hier zurückrudern. Der Film läuft im Sommer 2014 wohl doch in mehr amerikanischen Kinos, als gedacht.

So viel also zu den Hintergründen, nun zum Film selbst. Der basiert auf dem französischen Comic “Schneekreuzer” (“Le Transperceneige”) von Jacques Lob, Benjamin Legrand und Jean-Marc Rochette. Die Geschehnisse spielen im Jahre 2031, beinahe zwanzig Jahre nach einer großen Katastrophe. Es ist eine verschneite, eisige Postapokalypse und die Überlebenden der Menschheit jagen an Bord eines gewaltigen Zugs über die Erde. Wer den Zug verlässt, der erfriert unweigerlich. Zugleich ist dieser Mikrokosmos ein wahres Klassensystem, denn die Passagiere sind eingeteilt in sogenannte “Schmarotzer”, die elendig hinten im Wagen leben, und einer Elite, die es sich vorne im Zug gemütlich macht. Das sorgt natürlich für Unzufriedenheit und es bildet sich Widerstand. Die Menschen vom Ende des Zugs haben die Nase voll davon, dass sie von den Menschen da Vorne beherrscht werden.

Der Widerstand formiert sich um Gilliam (John Hurt), Curtis (Chris Evans) und Edgar (Jamie Bell). Die drei führen ihre Leute nach vorne. Doch zuvor befreien sie den Junkie Namgoong (Song Kang-ho), der sich bestens mit den Türen und deren Sicherungsmechanismen auskennt. Mit seiner Hilfe erhoffen sich die Revoluzzer, bis ganz nach vorne zu kommen und dort Wilford zu stellen - den Konstrukteur des Zugs und Retter der Menschheit. Allerdings sind die vorderen Passagiere Wilford treu ergeben und stellen sich den Aufrührern entgegen …

“Snowpiercer” ist ein Film, der es einfach in sich hat. Der südkoreanische Regisseur Bong Joon-ho (“Snowpiercer” ist übrigens sein erster englischer Film) zaubert hier einiges aus dem Hut und verbindet Kino und Erzählung unterschiedlicher Kulturen miteinander. Hollywoods Blockbuster ist ebenso in die Geschichte eingeflochten, wie der europäische Autorenfilm und die asiatische Liebe zur blutigen arrangierten Action. Hier präsentiert sich tatsächlich ganz großes, stilübergreifendes Kino. “Snowpiercer” lässt die Science-Fiction-Filme der letzten Zeit (“Prometheus”, “After Earth”, “Oblivion”, “Elysium”) weit hinter sich und zeigt, wie gutes Genrekino auszusehen hat. Bong ist ein wahrer Meister und so ist es auch kein Wunder, dass sein Name über Korea hinaus bekannt wurde.

Natürlich, zugegeben, Bong baut mit seinem Film auf einer exzellenten Vorlage auf. Bereits “Schneekreuzer” besitzt eine hohe Qualität und die Story ist gut durchdacht. “Snowpiercer” ist aber mehr, als eine adäquate Umsetzung des Stoffs. Denn “Snowpiercer” vermag es, auch für sich alleine zu stehen.

Dabei greift Bong tief in die dramaturgische Trickkiste und zieht alle Register. Die Figuren sind überaus menschlich dargestellt - und zwar in allen Bereichen. Sie haben Ecken, Kanten und Fehler. Sie sind nicht immer nett, haben ihre Schrullen und Geheimnisse. Das macht die Figuren zu authentischen Persönlichkeiten, zu denen schnell eine Bindung aufgebaut wird. Auch wenn einige der Nebenrollen etwas einfach besetzt wirken, so ist die Hauptbesetzung einfach grandios und vermag es Bongs Vision umzusetzen.

Allen voran natürlich das Trio Hurt (ein Oscarpreisträger, der jeden Film aufwertet), Evans (derzeit als Superheld in “Captain America: The Winter Soldier” unterwegs) und Bell (bekannt aus “Billy Elliot – I Will Dance”, “King Kong”, “Jumper”). Vor allem Chris Evans erreicht hier eine Charaktertiefe, die einen mit sich zieht und beinahe darin ertrinken lässt. Als Captain America macht Evans bereits eine gute Figur, aber als Curtis ist er atemberaubend.

Auch auf der Seite der Antagonisten fährt Bong ordentlich auf. Tilda Swinton (ebenfalls hochdekoriert) in der Rolle der Mason ist einfach der Hammer. Optisch ähnelt sie manchmal einer gealterten Prinzessin Leia aus “Krieg der Sterne”, was aber schnell in Vergessenheit gerät. Als Mason ist sie die skrupellose Vertreterin von Wilford, die sich gerne in Szene setzt und ihren Status sichtlich genießt. Was für eine Schlampe, diese Mason! Aber auch Ed Harris (meistens herausragend in Nebenrollen zu sehen) als Wilford weiß zu polarisieren. Und, was in anderen Filmen vom Erzschurken gerne nur behauptet wird, hier aber tatsächlich zutrifft: Er weiß tatsächlich einen charismatischen Bösewicht umzusetzen, so dass es einen schaudert.

Die größte Stärke des Films ist die Abwechslung, die er bietet. Und zwar in allen Bereichen. Vom Tempo her nimmt sich Bong die Freiheit mal schnell, und dann wieder langsam zu filmen. Die Handlung nimmt immer wieder einen anderen Verlauf. Selbst die Kulissen und das Ambiente sind einem steten Wandel unterworfen, gleiches gilt für die Farben und die Kameraeinstellungen. Wobei sich hier, da die Geschichte in einem Zug spielt, lange, weite Aufnahmen in den Raum hinein anbieten. Selbst Licht und Schatten sind einem steten Wechsel unterworfen, ebenso die Figuren, die innerhalb des Films schonungslos an der Handlung und an sich selbst wachsen. Gleichzeitig verpackt Bong noch eine ordentliche Portion Sozialkritik in seinem Film, ohne dabei oberlehrerhaft zu wirken. Und dann diese schockierenden Augenblicke, die immer wieder vorkommen, die nicht rein an die Actionmomente oder an blutige Szenen gekoppelt sind, sondern urplötzlich in einem ruhigen Augenblick daherkommen, aus einem Dialog heraus schockieren. Grandios!

Mehr als einmal erscheint der Film surreal, als ob man von einem Schlachtfeld in einen Kaufhausaufzug steigt, um dann, nach einigen Minuten zuckersüßer Musikberieselung, auf einem Stockwerk voller Normalität auszusteigen. Und das dürfte auch die einzige Kritik sein, die der Film einfährt: Der Film kann für Mainstreamgemüter tatsächlich zu komplex sein. Vielleicht hat Harvey Weinstein mit seiner Meinung recht? Nein, wohl eher nicht! Der Zuschauer wächst mit dem Film, kann sich hier endlich einmal von den simplen Blockbustern abwenden und intelligentes, forderndes Kino genießen.

Der Film ist aber nicht nur intelligent, sondern kommt auch mit brutalen, blutigen Einstellungen daher. Diese warten ebenfalls mit Schock- und Überraschungsmomenten auf. So manches Mal blickt man auf die Leinwand und kann kaum glauben, was es gerade zu sehen gab. Bong beweist großen Mut und fordert sein Publikum stellenweise regelrecht heraus. Die Actionszenen haben es einfach in sich und sind hervorragend inszeniert. Es ist nicht das immer wieder gleiche Draufschlagen, bei gleicher Kameraeinstellung und ähnlichen Lichtverhältnissen. Nein, “Snowpiercer” hat da einiges mehr zu bieten. Zudem besitzt Bong einen feinen Sinn für schwarzen Humor, so dass es manchmal sogar für einen Schmunzler reicht. Natürlich ein Stilmittel, um die Gewalt zuvor oder danach in einen stärkeren Kontrast zu setzen.

Technisch gesehen ist der Film sehr gut umgesetzt. Der alles bestimmende Zug wird glaubhaft dargestellt. Dank der unterschiedlichen Waggons sind auch immer wieder neue Sets zu bewundern, die unterschiedliche Stilrichtungen zeigen und was fürs Auge bieten. Hier konnte sich Bong ordentlich austoben, um seine Darsteller passend in Szene zu setzen. Selbst Waggons die nur kurz zu sehen sind, strotzen vor liebevollen Details. Das ist ziemlich beeindruckend.

Gleiches gilt für den Score, der von Marco Beltrami ebenso wunderbar abwechslungsreich inszeniert wurde. Er unterstützt den Film hervorragend, denn immer wieder wird das Stampfen des Zugs in die Musik eingebaut und gibt das Tempo vor. Beltrami ist aber auch ein erfahrener Musikkomponist und wurde bereits zweimal für einen Oscar nominiert ("Todeszug nach Yuma", "The Hurt Locker").

In Bezug auf die Synchronisation, ist diese, bis auf einige kleine Ausreißer, gelungen. Zudem ist es sprachlich auch so, dass immer wieder Koreanisch einfließt, was natürlich nicht synchronisiert wurde und ebenfalls zur Atmosphäre beiträgt.

“Snowpiercer” ist ein hervorragender Genrefilm, der gut unterhält, zum Nachdenken anregt und klug gemachtes Kino zeigt, das den Mut zum Wandel hat. Absolut empfehlenswert!

Snowpiercer” im Rollenspiel

So ein Genrefilm bietet sich als Umsetzung fürs Rollenspiel natürlich an. Immerhin haben wir hier eine eisige Endzeitapokalypse und dieses Wort beinhaltet bereits zwei Sachen, die Rollenspieler mögen: Endzeit und Apokalypse. Allerdings sind die Möglichkeiten an Bord des Zugs arg beschränkt, um daraus ein ganzes Setting zu zaubern. “Snowpiercer” bietet sich da eher für One Shots oder kurze Kampagnen an. Immerhin ist der “Auslauf” für die Spieler eingeschränkt. Die Idee des rasenden Zuges auf ein anderes Setting zu übertragen, ist dagegen eher schwierig. Schlussendlich besteht die Gefahr, dass die Spieler den Zug einfach anhalten und aussteigen. Wenn, dann sollte das Setting die Möglichkeit bieten, dass zu unterbinden. Eisplaneten in Star Wars oder eine Art Spacetrain in den Weiten von Traveller wären denkbar.

Neben kleineren Abenteuern in den jeweiligen Klassen (Vorne und Hinten, je nach Geschmack), reizt vor allem die Umsetzung des Films als Abenteuer. Das ist durchaus möglich und bietet einige Ansatzpunkte in der Gestaltung. Schlussendlich kann sich eine Gruppe Waggon für Waggon nach vorne kämpfen, sozusagen durch die Level bewegen. Und diese sind jeweils anders aufgebaut. Die Struktur des Films gibt das ohne Weiteres her. Auch diverse Zwischenbosse und ein Endgegner sind leicht umzusetzen. Besonders spannend wäre dann, wie die Spieler vorgehen, ob sie dem Film folgen oder eine ganze andere Lösungen erarbeiten.

Bei den Systemen bieten sich, neben den bekannten Baukastensystemen wie Savage Worlds, FATE und 1W6, auch Dramasysteme wie Cortex plus Drama oder Hillfolk an. Leute die mehr Action mögen, können auch auf Shadowrun zurückgreifen: Ein Zug, der ohne Halt durch die verstrahlten Gebiete Frankreichs rast.

“Snowpiercer” ist als Rollenspielumsetzung auf jeden Fall sehr reizvoll, braucht aber - wie der Film selbst - etwas an Denkarbeit.

Copyright © 2014 by Günther Lietz, all rights reserved

Snowpiercer
Originaltitel: Snowpiercer, 설국열차, Seolgugyeolcha

Produktionsländer: Südkorea, USA
Originalsprachen: Englisch, Koreanisch
Erscheinungsjahr: 2013
Länge: 126 Minuten
Altersfreigabe: FSK 16

Regie: Bong Joon-ho
Drehbuch: Bong Joon-ho, Kelly Masterson
Produktion: Park Chan-wook, Lee Tae-hun, Park Tae-jun, Dooho Choi, Robert Bernacchi, David Minkowski, Matthew Stillman
Musik: Marco Beltrami
Kamera: Hong Kyung-pyo
Schnitt: Steve M. Choe

Besetzung: Chris Evans (Curtis), Song Kang-ho (Namgoong), Ko Ah-seong (Yona), Jamie Bell (Edgar), Ewen Bremner (Andrew), Tilda Swinton (Mason), John Hurt (Gilliam), Octavia Spencer (Tanya), Ed Harris (Wilford)

Homepage: http://www.snowpiercer.de/
 

The Saint

Welcome, delicious friend!
Allen voran natürlich das Trio Hurt (ein Oscarpreisträger, der jeden Film aufwertet), Evans (derzeit als Superheld in “Captain America: The Winter Soldier” unterwegs) und Bell (bekannt aus “Billy Elliot – I Will Dance”, “King Kong”, “Jumper”). Vor allem Chris Evans erreicht hier eine Charaktertiefe, die einen mit sich zieht und beinahe darin ertrinken lässt. Als Captain America macht Evans bereits eine gute Figur, aber als Curtis ist er atemberaubend.

Ich lese sowas über den Film häufiger - ich habe ihn mir angesehen, aber ich kann das absolut nicht nachvollziehen. Die Charaktere kamen mir extrem simpel gestrickt vor. Hier der reformierte Bösewicht, da der Manipulator der so tut als wäre er für Freiheit, dort der junge Wilde und der missverstandene Drogensüchtige. Gerade die Hintergrundgeschichte von Curtis hätte ihn etwas ... tiefer machen können, als bloßes "Oh, ich bin so schuldig und ich kann nicht anführen, aber ich muss".

Der Film ist aber nicht nur intelligent,

Und DAS empfand ich auch nicht so... ich fand ihn sehr asiatisch. Die Botschaft des Films war: "Wenn du dich gegen deinen Platz in der Gesellschaft auflehnst, kommen alle um. Akzeptiere dein Schicksal und füge dich."

Fand ich sehr schade - der Anfang hatte mir wirklich gut gefallen, das Setup, die Gesellschaft, die Optik - alles passte. 2 Stunden lang musste man danach allerdings das was du "surreal" nennst ertragen (Ich würde es "hirntotes Verhalten von Charakteren", gemischt mit sehr merkwürdigen Szenen, nennen) ertragen. Warum SAGT der Türknacker nicht einfach was seine Agenda ist? Warum erschießt Wilford - grundlos - seinen Freund? Was soll dieser Nonsens mit dem "Gleichgewicht"? Was für ein Gleichgewicht? Und für WAS? Braucht die Menschheit zum Überleben Drogenparties? Warum diese Show mit den Revolten, warum nicht einfach reingehen und wahllos exekutieren wenn der Zug zu voll wird (wie sie das später auch tun)? Was sollen die Psikräfte von dem Mädchen - die haben absolut keine Rolle gespielt?

Es gibt - laut Wikipedia - offensichtlich eine Urfassung des Films die als "zu intelligent" für das amerikanische Publikum bezeichnet wurde. Mich würd' mal interessieren wie da der Plot verlief. Möglicherweise waren da mal weniger Löcher drin (Ist ja mit "I Am Legend" ebenso passiert).

In der Fassung die ich gesehen habe, fand ich den Film sehr, sehr "posig". Ein Film ohne tiefere Botschaft, der aber so tut als hätte er eine.
 
L

LushWoods

Guest
Stimme Taysal größtenteils zu, allerdings empfinde ich die Stärken des Films nicht in so großem Maße als Novum oder originell.

Die Kritik an der Kritik ist allerdings hauptsächlich (mal wieder) Unfug:
Die "Show mit den Revolten" z.B. wird einwandfrei erklärt.
Die "Psi-Kräfte" sind keine Psi-Kräfte.
Wie kommst du da drauf das Wilford seinen Freund grundlos erschossen hat?
Du verstehst du Bedeutung des Gleichgewichts im Zug nicht??
Warum braucht es für die Parties eine Erklärung?
...
Vielleicht einfach mal etwas besser aufpassen bzw. nachdenken bevor man kritisiert.
 

The Saint

Welcome, delicious friend!
Die "Show mit den Revolten" z.B. wird einwandfrei erklärt.

Ja? Wieso machen die diese Schau, statt einfach die Leute die überzählig sind zu erschießen?

Die "Psi-Kräfte" sind keine Psi-Kräfte.

Was ist es dann? Zufall? Oder kann das Mädel nur besonders gut hören?

Wie kommst du da drauf das Wilford seinen Freund grundlos erschossen hat?

Weil er ihn vor der Kamera exekutieren lässt, für nichts. Ihn am Leben zu lassen wäre - abseits vom menschlichen - taktisch klüger gewesen.

Du verstehst du Bedeutung des Gleichgewichts im Zug nicht??
Warum braucht es für die Parties eine Erklärung?

Weil Wilford davon schwadroniert, dass man "Gleichgewicht" im Zug brauche. Da stelle ich mir die Frage - WAS für ein Gleichgewicht? Das zwischen Arm und Reich? Aber wozu? Was soll dieses Gleichgewicht bewirken? Was wäre so schlimm daran, wenn man die Lebensmittel gleichmäßig rationieren würde? Das Problem das der Film hier hat ist, dass er es als logisch konstruierte Wahrheit darstellen will, das dieses Gleichgewicht irgendwie wichtig sei (Das wird einem gleich an mehreren Stellen ins Gesicht gerieben) statt einfach zu sagen: "Da sind ein paar Leute, die wollen es halt gerne luxuriöser als andere haben." Dieses pseudophilosophisch verbrämte ist was mir aufstößt - statt einfach zu sagen: "Wilford ist ein Sackgesicht und die anderen Typen im Zug einfach gedankenlose Schnösel" wird da ein Pseudotwist herum konstruiert, der tatsächlich keiner ist und eben die Illusion von Tiefe erzeugt wo keine da ist.

Wenn man diesen Twist aber wirklich ernst meint, dann sollte es auch eine nachvollziehbare und in sich geschlossene Erklärung geben, warum in der Welt von Wilford "Gleichgewicht" erforderlich ist und wieso Drogenparties diesem "Gleichgewicht" dienlich sind. Darum bleibt am Ende nur mein Urteil "posig" und "pseudophilosophisch" über, und meine Frage wie da die erste Schnittversion bzw. die Comicvorlage aussieht.

Das wird auch nicht besser, wenn man mich von Seiten der Fans des Films auffordert "einfach mal besser aufzupassen und nachzudenken", sondern macht das ganze nur noch ein Stück... posiger ;-)
 

Taysal

RSP-Gott
verstorben
Kann leider erst jetzt antworten, da die Tage doch ein wenig beschäftigt. Ich möchte nicht spoilern, deswegen versuche ich ein wenig vorsichtig zu formulieren. Das Meiste hat ja bereits LushWoods erklärt. Wobei der Film natürlich bekannte Elemente aufgreift und kein Novum darstellt, aber vor allem in der letzten Vergangenheit (eine kleine Liste an Filmen ist ja in der Rezi enthalten) nicht vorkamen. Und diese Abmischung des Films ist einfach eine verdammt seltene Sache. :)

Bezüglich der Anmerkungen von TheSaint: Der Zug stellt eine fahrende Biosphäre dar, was von Wilford übrigens erklärt wird. Zu viele Menschen, und das genau ausgerechnete Ökosystem kippt. Wildfords vorgehen um den Bestand stabil zu halten besteht darin, die Passagiere ihrer Hoffnung wegen sterben zu lassen und nicht ihrer Verzweiflung wegen. Außerdem werden hier Menschen dargestellt und die denken nicht immer pragmatisch, rational, logisch und vernünftig. Ansonsten würden wir doch alle unsere Rationen mit den Hungernden dieser Welt teilen, oder?

Die "Psi-Kräfte" sind einfach Fakt in der Welt. Woher sie stammen ist vielleicht eine andere Geschichte, aber nicht Bestandteil diese Erzählung. Es wird ja auch nicht erklärt, wie jemand laufen, schießen, reden oder andere Dinge erlernte. Das ist für die Geschichte einfach nicht von Bedeutung. Ein Element, dass in asiatischen Filmen gerne vorkommt (einfach etwas als gegeben hinzunehmen), während Hollywood Sachen kleinteilig zerlegt und viel Zeit mit unnötigen Erklärungen verbringt (was Weinstein ja wollte). Dahingehend hast du übrigens meine Rezi nicht richtig gelesen und Wikipedia falsch verstanden: Meine Rezi behandelt die Fassung des Regisseurs und stellt somit die "Urfassung" dar. Die "doofen" Amis sollten eine stark überarbeitete Fassung bekommen, die ihnen den Film erklärt. Das wurde glücklicherweise verhindert.

Und ganz ehrlich, einige Sachen die dir unklar scheinen werden im Film eindeutig erklärt, wenn man ihn denn auch aufmerksam verfolgt. Das hat nichts mit "Fans" zu schaffen, sondern ist ein Fakt. Dahingehend bleibt abschließend einfach nur zu sagen: "Snowpiercer" ist halt kein "Transformers" und Bong nicht Bay.
 

The Saint

Welcome, delicious friend!
Bezüglich der Anmerkungen von TheSaint: Der Zug stellt eine fahrende Biosphäre dar, was von Wilford übrigens erklärt wird. Zu viele Menschen, und das genau ausgerechnete Ökosystem kippt. Wildfords vorgehen um den Bestand stabil zu halten besteht darin, die Passagiere ihrer Hoffnung wegen sterben zu lassen und nicht ihrer Verzweiflung wegen. Außerdem werden hier Menschen dargestellt und die denken nicht immer pragmatisch, rational, logisch und vernünftig. Ansonsten würden wir doch alle unsere Rationen mit den Hungernden dieser Welt teilen, oder?

Ich habe schon gehört was der Mann in dem Film SAGT - ich halte das nur für Unfug. Weil da eben keine Notwendigkeit für die Lower Class besteht - man benötigt diese Leute für gar nichts, die sind nur unnütze Esser. Die arbeiten nicht, die sind einfach da. Ich verstehe den Nutzen für die Biossphäre nicht. Und ja, du hast recht - Menschen sind nicht immer logisch und vernünftig - aber der Film tut so als wäre Wilford es. Ich kann innerhalb des Films akzeptieren wenn Wilford ein Tyrann ist der gerne gut lebt, nur wird hier der Eindruck erweckt der mann WÄRE rational und logisch. Ich meine, der hat einen Freund der freiwillig im Dreck lebt um diese ominöse Biosphäre am Laufen zu halten.

Die "Psi-Kräfte" sind einfach Fakt in der Welt. Woher sie stammen ist vielleicht eine andere Geschichte, aber nicht Bestandteil diese Erzählung. Es wird ja auch nicht erklärt, wie jemand laufen, schießen, reden oder andere Dinge erlernte. Das ist für die Geschichte einfach nicht von Bedeutung.

Alles was von unseren Naturgesetzen abweicht muss eine Erklärung haben und sollte irgendeine Relevanz für die Geschichte haben, sonst ist es einfach Ballast. Wie man laufen,schießen und reden lernt ist mir aus der Realität bekannt, wie man hellsehen lernt nicht... Gut, ich erkläre das mal mit "Merkwürdigkeit des asiatischen Films", bei den Wuxia Filmen hüpfen sie ja auch Kilometer hoch.

Dahingehend hast du übrigens meine Rezi nicht richtig gelesen und Wikipedia falsch verstanden: Meine Rezi behandelt die Fassung des Regisseurs und stellt somit die "Urfassung" dar. Die "doofen" Amis sollten eine stark überarbeitete Fassung bekommen, die ihnen den Film erklärt. Das wurde glücklicherweise verhindert.

Auf Wikipedia ist das ein wenig anders dargestellt, könnte aber natürlich missverständlich formuliert gewesen sein. Scheint so als müsste ich mal einen Blick in das Comic werfen.

Edit: Ich habe mir die Graphic Novel gerade mal bestellt - die Story scheint mir eine vollständig andere zu sein, soweit ich das überblicken kann. Verschiedene Dinge die mich bei dem Film extrem irritiert haben, sind da jedenfalls bei der Kurzzusammenfassung schon anders. Mal gucken - das Setting an sich finde ich noch immer reizvoll, nur die Botschaft des Filmes war beknackt.
 

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