AW: Glaubenstexte der Lancea Sancta
(2) Gedanke der Novizin Maria
Ich glaube, dass GOTT jedem von uns von Anfang an schon seinen ganz
persönlichen Lebensweg vorherbestimmt hat.
Heißt das, dass wir nicht frei sind?
Die Heilige Schrift bezeugt vielfach, dass GOTT eines Jeden Existenz schon
in SEINE Hand geschrieben hat und dass ER um alle Wege weiß.
Gleichzeitig ruft ER aber auch immer wieder zur Entscheidung auf und legt
Leben oder Tod in unsere Hand.
Ganz gewiss ist Vieles in unserer Existenz bereits festgelegt: allein durch
unsere Geburt, durch die Familie, der wir entstammen, durch das Milieu, in
dem wir aufgewachsen sind, durch den, der uns in die Nacht gebracht hat. Das
alles können wir uns nicht aussuchen. Wir können also unsere Existenz in
vielen Bereichen nicht frei nach unserem Willen gestalten.
Aber wir erfahren doch – der eine sicher öfter, der andere weniger – dass
wir immer wieder diesen oder jenen Weg wählen können. Vor allem spüren wir,
dass es auf uns ankommt, was wir aus einer bestimmten Situation machen.
So können wir zum Beispiel unsere Existenz annehmen, als GOTTES Aufgabe
sehen und sie tapfer bestehen. Wir können sie aber auch verdrängen oder uns
nur dagegen sträuben und dabei verbittern.
Hier genau liegt der Ansatz, wo sich die Existenz aus dem Glauben bewähren
muss: dass jemand seine Existenz aus GOTTES Hand als Aufgabe, als Geschenk
und als Chance annimmt.
Auf diese Weise kann sich jeder Vampir im Laufe seiner Existenz immer mehr
dem durch ihn wirkenden GOTT zur Verfügung stellen, so dass durch ihn SEIN
Wille geschehe.
Und jene, die dies nicht sehen, müssen dies gelehrt bekommen, auf dass auch
sie erkennen, dass unsere Aufgabe ist, GOTT zu dienen.
Aber jene, die nicht sehen wollen, die sich verschließen den Lehren des
LONGINUS und dem Willen GOTTES, müssen gereinigt werden, damit sie nicht den
Sinn unserer Existenz gefährden.
(3) Gedanke der Nuntia Magdalena
Niemand ist ohne Sünde.
Wenn wir behaupten: »Wir sind ohne Schuld«, betrügen wir uns selbst und die
Wahrheit lebt nicht in uns.
Wenn wir behaupten: »Seit wir Verdammt sind, haben wir nie mehr Unrecht
getan«, machen wir GOTT zum Lügner und sein Wort lebt nicht in uns.
Wenn wir aber unsere Verfehlungen eingestehen, können wir damit rechnen,
dass GOTT treu und gerecht ist: Er wird uns dann unsere Verfehlungen
vergeben und uns von aller Schuld reinigen.
Wer Sühne für seine Sünden leistet, dem wird seine Unreinheit von ihm
genommen, er wird wieder rein vor GOTT.
Freilich werden immer wieder Leute behaupten, sie hätten das nicht nötig,
sie seien frei von aller Schuld. Wer so etwas sagt, betrügt sich selbst. In
ihm ist kein Fünkchen Wahrheit.
Diese Ungläubigen müssen von ihrem Irren überzeugt und auf den rechten Pfad
zurück geführt werden. Sie sollen Sühne leisten für ihre Sünden, die sie
begangen haben und sich von ihren Sünden reinigen. Nur wer Buße tut, kann
sich von seiner Schuld reinigen.
Niemand ist ohne Sünde.
Kapitel II: Gedanken des Jahreslaufes 2005
(1) Gedanken der Bishöfin Magdalena
Unser Leben und auch Unleben wird oft mit einem Weg verglichen.
Es ist ein Weg, der Anstrengung kostet, Kraft fordert. Ein Weg, der
nicht ohne Gefahr ist. Ein Weg, der Entscheidungen verlangt, ob
wir nach rechts oder nach links gehen sollen. Ein Weg, der sich in
die Länge zieht, aber ein Weg, der jeden an das Ziel bringen will.
Aber es sei deutlich gesagt, dass GOTT in uns wohnt, uns leitet und
begleitet.
Manchmal werden wir gefragt: Erlebt man die Leitung GOTTES auch
in ganz persönlichen Entschlüssen und kleinen Alltagsdingen?
Ja, es gibt ein Geleitetwerden durch GOTT in den großen und kleinen
Entscheidungen und Aufgaben unseres alltäglichen Lebens.
"Willst du geleitet werden durch GOTT, so nimm dir täglich Zeit, um
GOTTES Wort zu lesen. Breite jede Entscheidung, jeden Wunsch, jede
Lebensbeziehung und jeden Auftrag vor GOTT aus, damit er dir
seinen Willen offenbaren kann. So wird dein Eigenwille, der ihm den
Weg versperrt, überwunden. Lebst du so mit GOTT verbunden, wird
GOTT dein Herz berühren und dich leiten.
(2) Gedanke des Kardinals Malachäus zum Thema
"Warum bestehen wir darauf, dass es des Menschen freie Wahl
sein muss, ob er zum Vampir wird?"
Weil der freie Wille die Voraussetzung für Schuld ist.
Des Menschen Seele ist unsterblich, und was er Gutes oder Böses tut im Leben, soll ihm im
Tode vergolten werden. Es ist nicht das Recht eines Vampirs, der ja nur das Werkzeug
GOTTES ist, nach seinem Gefallen oder seiner Laune einen Menschen zum Vampir zu
verdammen und so dessen Seele zu verderben für alle Zeit. Das Vorrecht, solches zu tun,
hat alleine GOTT, und ausnahmslos JEDER der ein Kind erschafft greift in GOTTES Plan ein
und begeht schwerste Sünde gegen IHN.
Es ist aber so, dass wir nicht die Macht haben, die Ungläubigen zu zwingen, das Verbot
der Erschaffung anzuerkennen. Darum suchen wir das gewirkte Übel zu verkleinern, indem
wir dem Menschen seine Freiheit zu handeln zurückgeben.
Denn: Ist es so, dass der Mensch die freie Wahl hat, als Mensch zu sterben oder als Vampir
im Tode umzugehen, so ist auch dies ein Test des Menschen, dem er - in GOTT ergeben -
gewachsen sein kann, worin er den Tod wählt und seine Seele zumindest vor unserer
Verderbnis und dem Fluch rettet, oder aber an dem er scheitert, worin er aus falscher
Angst vor dem Tode oder weil er weiß, dass aufgrund seiner Sünde ihm nur die Hölle
beschert ist, die Erschaffung wählt und sich und seine Seele somit selbst verdammt.
Darinnen wird er selbst in Gerechtigkeit zu GOTTES Zorn auf Erden. Denn seht: im Akt
seiner Verdammnis ist der Erschaffer nur der Bote des Fluches, das Werkzeug der
Selbstverdammnis des Menschenkindes, und hätte dieses auch in seinem gannzen Leben
nie einen Fehl getan, so verdiente es doch um diesen Moment der Schwäche, um die Wahl
des Fluches, der ihn auf alle Zeit von GOTTES Herrlichkeit reißen wird, das volle Maß der
Verdammnis, wie sie in uns wohnt.
Darum ist es, dass der erwählte Mensch erfahren muss durch einen der Geheiligten, was
es fürwahr bedeutet, Vampir zu sein.
Und da er dies erfahren hat, soll er wählen zu sterben und sich so mit allem, was er je
getan, dem Schöpfer zu stellen, oder er soll wählen den ewigen Fluch, um durch treuen
Dienst an GOTT Reue zu tun für die Sünden seines verpfuschten Lebens.
IPSE LONGINUS ID DIXIT.
(3) Gedanke des Kardinals Malachäus zum Thema
"Sind wir Diener der Menschen?"
Wenn unsere Aufgabe darin besteht, den Menschen zu verführen, zu läutern, zu strafen,
zu schrecken, wenn also all unser Handeln darauf gerichtet ist, dem Seelenheil der
Menschen zu dienen, sind wir dann nicht kleiner als der Mensch?
Aber nein!
Wir dienen dem Menschen ebenso wenig wie GOTT es tut. Der Mensch mag GOTT fürchten
oder preisen, indessen wird GOTT nicht geschwind erretten, wer zu ihm fleht, denn GOTT
hört nicht auf den Ruf der Profanen, und heißt uns ebenso, dies nicht zu tun.
Denn dies ist die Gestalt der Welt: Dass da GOTT ist als der Schöpfer des Himmels und der
Erde, der Nacht wie des Tages, des Vampirs wie des Menschen wie des Tieres in den
Feldern.
Und ER hat allen Dingen seinen Platz gegeben, und uns den Platz des lichtlosen Löwen
unter den arglosen Schafen der Menschheit.
Nicht wir sind Diener der Menschen, sondern der Mensch ist unsere Beute, unsere süße
Hostie, der lebende Nektar zur Belebung unserer verdammten, toten Leiber, dass wir unser
dunkles Werk in GOTTES Namen tun können.
Der Mensch ist ein Geschöpf GOTTES, doch eine Mücke ist dies ebenso, und ebenso wie
der Mensch keinen Gedanken gibt daran die Mücke zu erschlagen oder das Fleisch der
Tiere zu essen sollten wir einen Gedanken daran geben den Menschen zu töten oder von
seinem Blut zu nehmen.
Denn dies sagt uns GOTT durch den Dunklen Messias: Dass unsere Existenz darselbst das
dunkle Beispiel ist, an dem der Mensch die Schrecknis dieser Welt und das Grauen der
Nacht erfährt und sich so voll Furcht eben GOTT zuwendet.
Und ers spricht weiter, dass es in GOTTES Macht liegt, jenne zu schützen und zu retten
oder im Tode an seine Seite zu holen, die in SEINEM Licht wandeln. Und darum dies so ist
braucht niemand von uns übel von sich zu denken, wenn er seinen blutdürstenen Trieben
nachgibt, denn ebenso wie GOTT es uns gab so zu empfinden liegt es auch in SEINER Hand
alleine jenen zu retten, den uns GOTTES unergründbare Wege zum Opfer bestimmt haben.
Darin liegt die dunkle Erlösung, das größte Geschenk des Friedens für unsere hungernden
Seelen: Dass alles in der Welt seinen rechten Platz hat, und dass wir, die wir in GOTT
wandeln, darum dass wir Monstren sind doch nicht schlechter sind als der Mensch,
sondern besser als er.
Es ist ohne Not darum zu hadern, welch Trieb uns zur Jagd nötigt, denn dem Menschen
nachzustellen ist uns kein Quell des Zweifels und der Reue, sondern ein Quell der Freude,
denn solange wir unser dunkles Werk tun und dem Testament des LONGINUS folgen
handeln wir niemals gegen GOTT, sondern erfüllen seinen Willen gegen die
selbstgerechten, ignoranten, faulen, hoffärtigen, ungläubigen und blinden Menschen.
IPSE LONGINUS ID DIXIT.
(3) Gedanken des Kardinals Malachäus zum Thema
"Sollen wir das Unrecht der Ketzer stumm erdulden?"
Brüder und Schwestern in LONGINUS,
es ist zu tun, was immer und stets zu tun ist.
GOTT hat uns nicht in die Grube unserer Verdammnis gestoßen,
dass wir uns vom Blendwerk von Drachenkindern ablenken lassen,
doch um in der Finsternis unseres Loses endlich das Licht über uns
zu schauen, das wir in unserem Leben nie gesehen haben.
Wir sind kein tumbes Raubtier, das den Mond anheult.
Wir ersäufen unser Leid nicht in Tand noch Blut.
Wir studieren nicht die Texte der Götzen und jagen falschen Träumen
nach, die Macht GOTTES zu fordern und unserem Dasein als Vampir
zu entfliehen.
Und warum sollten wir auch fliehen wollen, da wir endlich unser
Leben in nichtsbedeutender Blindheit hinter uns gelassen haben und
durch GOTT berührt worden sind, und sei es auch nur sein Fluch?
Sind wir nicht die Ersten seiner Wesen auf Erden?
Sind wir nicht sein flammender Pfeil, seine wütende Klaue,
sein strafender Blick?
Aus all diesem erwächst uns eine innere Stärke, die uns zur festeren
Wehr macht denn jede Überzahl und alles, was man gegen uns wirft.
Gewiss hadern auch wir zuweilen mit unserem Los.
Gewiss verzweifeln auch wir und straucheln auf unserem Pfad.
Und doch sind wir die GEHEILIGTEN, die Auserwählten GOTTES, den
spröden Stein der Menschen zu schleifen, als Jäger unter ihnen zu
wandeln, die Hostie ihres Blutes zu kosten, die Herde zu führen auf
den rechten Weg und die verderbte Frucht abzuschlagen, dass der
Fruchtbaum am Leben bleibe.
Unsere Feinde sind Ketzer, gewiss.
Und schlimm ist die Sünde, die sich auf sich laden.
Aber können wir es vor den Menschen, die unsere Beute zu werden
bestimmt sind, vor dem Schurken und seinen Opfern, die wir verführen,
trennen und läutern sollen, vor unserer Aufgabe in GOTT verantworten,
dass wir ob der Untaten der Drachen, der Hexer und anderer unserer
Art, die sich in der Finsternis des Requiems verloren haben, einen
Bruderkrieg vom Zaune brechen, an dem wir zur gegebenen Zeit eingedenk
der Überzahl unserer Feinde vergehen würden?
Wer sollte an unserer Statt GOTTES Werk tun in Berlin?
Wir sind keine Toren, die nur den Hass des Augenblickes sehen.
Wir sind der Zorn GOTTES auf Erden.
Wir sind GOTTES Ewigkeit.
Wir werden tun, was wir immer tun.
Immer getan haben.
Immer tun werden.
Wir werden GOTTES Aufgabe an uns erfüllen.
Den Guten verführen.
Den Verführten hinabstoßen.
Den Schlechten vernichten.
Wir werden lehren und lernen.
Werden das Wort LONGINUS verbreiten an alle, die es hören wollen.
Und dem Führung geben, der uns darum ersucht.
Aber:
wir werden auch bemerken, welch Ketzerei sich ereignet.
Werden sie niederschreiben und im Herzen bewahren, gut verborgen.
Bis dass das Blatt sich einmal wendet und die Pracht der
Ketzer in unseren Mauern verweht ist wie tote Blätter im Odem
unseres Requiems.
Dann und nur dann werden wir retten, was noch zu retten ist.
Und läutern, was nicht mehr gerettet werden kann.
Wie wir es immer getan.
AMEN