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Rezension Never Unprepared - The Complete Game Master’s Guide to Session Prep

Belchion

Ghul
Never Unprepared - The Complete Game Master’s Guide to Session Prep

Verfügbar als: Druck-PDF-Bündel und PDF pur
Verlag: Engine Publishing (Buch-Homepage mit Leseprobe)
ISBN: 978-0-9836133-2-9

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Dieses Buch verspricht, Spielleitern dabei zu helfen, ihre Rollenspielsitzungen vorzubereiten. Dazu greift der Autor auf eine Auswahl an Techniken des Projekt- und Zeitmanagements zurück. Seine Hilfe bezieht sich also vorrangig auf die Struktur und Planung der Vorbereitung, Hinweise zu sonstigen Problemen kommen höchstens am Rande vor.

Das Buch teilt sich grob in drei Teile:
  • Schritte der Vorbereitung
  • Werkzeuge zur Vorbereitung
  • Vorbereitungsstile
Im ersten Teil erklärt es, wie man sich idealtypisch vorbereitet und welche Probleme jeweils auftauchen, wenn man einen Punkt übertreibt oder vernachlässigt. Der zweite Teil enthält Tipps, wie man die richtigen Werkzeuge zur Vorbereitung findet. Dazu kommen grundlegende Techniken zum Zeitmanagement. Im dritten Teil geht es schließlich darum, wie man die in den beiden vorigen Teilen vorgestellten Techniken unter den nicht idealtypischen Bedingungen der Wirklichkeit anwendet.

Eingesprenkelt finden sich Anekdoten, die einzelne Arbeitsschritte illustrieren oder kreative Lösungen des Autors für seine Probleme vorstellen. Das Buch ist übersichtlich aufgebaut, wurde ordentlich lektoriert und enthält zur Auflockerung einige Bilder sowie einige Diagramme.

Besonders hilfreich ist das Buch, wenn man bereits Grundlagen besagter Techniken kennt, diese bisher aber nicht aufs Rollenspiel übertragen konnte. Für Leute ohne Vorkenntnisse bietet der Autor Hinweise, wo man diese erwerben kann - auch hier ist das Geld also gut angelegt. Wer bereits über Erfahrung im Zeit- und Projektmanagement verfügt, wird in dem Buch hingegen wenig Neues lernen.
 
Das Buch hilft also, wenn ich das richtig verstehe, nicht bei der Vorbereitung von Sitzungen, sondern nur dabei, die Vorbereitung zu organisieren? Es beinhaltet also wertvolle Tipps wie "Mach ein Brainstorming" oder "Systematisiere dein Brainstorming"? Und im Bereich von Tools gibt es dann Hinweise wie "Verwende gute Tools"? Zwischendurch immer wieder Hinweise wie "Brainstorme so, wie es zu dir passt" oder "Verwende Tools, die zu dir passen"? Gibt es darin gar Tipps wie "nimm dir frei, um deine kreative Batterie aufzuladen"? Oder auch sehr hilfreich: "Wenn du feststellst, dass dein Abenteuer nicht funktioniert, musst du es umarbeiten"?? Ich bin beeindruckt. (Achtung, Sarkasmus-Alarm.)

Fandest du das Buch für dich hilfreich?

Wer überlegt, sich das Never Unprepared anzuschaffen, weil er wirklich Probleme mit seinem Zeitmanagement hat und vor lauter Chaos und Stress nicht mehr durchblickt, dem möchte ich stattdessen "Simplify your life" von Werner Tiki Küstenmacher und Lothar Seiwert empfehlen. Es enthält wertvolle Tipps, mit seiner Zeit besser umzugehen und sein Leben angenehmer zu organisieren. Das hat natürlich auch positive Auswirkungen auf das Hobby Rollenspiel, enthält aber wie ich finde viel mehr praktische, konkrete Tipps (auch ganz banales, z.B. wie man seinen Schreibtisch aufräumt). Es gibt im Netz eine gefühlte Milliarde Rezensionen zu dem Buch.
 

Zornhau

Freßt NAPALM!
Ich habe die PDF-Ausgabe von "Never Unprepared" und fand das Buch zwar ganz nett, wenn man als Spielleiter stark auf das Thema "Improvisationstheater" ausgerichtet ist. Für andere Spielleitungsstile wird deutlich zu wenig geboten. Die "Erkenntnisse" bzw. Tipps wie "Arbeite Dein Abenteuer um, wenn die Spieler vom Plot(-Gleis) abweichen." sind natürlich eher für die Plot-Eisenbahnfahrer gedacht, aber an sich so selbstverständlich, daß man sich schon fragt, wo da der Mehrwert ist.

Die Artikel sind angenehm kurz, so daß auch ein schlecht geschriebener Artikel einen nicht zu lange beschäftigt und man sich nicht auf Krampf "durchbeißen" muß. Es fehlt - wie bei Artikelsammlungen oft der Fall - eine echte Linie. Mit diesem Buch wollte man eine Art "Eintopf" mit allem, was gerade so rumliegt machen, statt sich einen bestimmten Stil herauszugreifen und für diesen dann aber wirklich klare, praktikable Empfehlungen samt Beispielen und Hilfsmitteln abzugeben.

Insgesamt ist es eine Art Aufsatzsammlung, die man aber so oder so ähnlich, und manchmal deutlich hilfreicher, bei einer Suche in der englischsprachigen Rollenspieler-Blog-Umgebung findet. - Wer nicht lange suchen möchte, der ist übrigens bei den Blog-Karneval-Seiten gut aufgehoben:
http://spiele-im-kopf.blogspot.de/2012/04/spielvorbereitung-die-beitrage.html
http://satyrelite.blogspot.de/2010/10/carnival-round-up-preparation.html
 

Belchion

Ghul
Fandest du das Buch für dich hilfreich?
Es gehört zu den besten SL-Tipps, die ich je gelesen habe.

Never Unprepared ist kein allgemeiner Ratgeber zum Zeitmanagement. Wer allgemein seine Zeit nicht planen kann, wird auch mit Never Unprepared nicht weiterkommen, sondern zunächst die Grundlagen des Zeitmanagements erlernen müssen. Das ist aber auch nicht das Ziel des Buches. Das Buch richtet sich an SL, die sich trotz aufwändiger Planungen schlecht vorbereitet fühlen. Also Leute, die eigentlich genug Zeit hätten, sich aber schlecht organisieren oder sich bei der Vorbereitung auf die falschen Dinge konzentrieren.
 

BoyScout

Dhampir
Zeitmanagement, das Zeit für das Aufräumen beinhaltet, ist schon mal nix für mich :LOL: und irgendwie widersprüchlich. Bei mir herrscht chaos, aber ich weiß immer, wo alles ist (solange es niemand WEGRÄUMT!) oder zumindest was ich ungesehen anheben und in die Tonne werfen kann, wenn ich Platz brauche; und die Zeit für das Nichtaufräumen ist ein Bonus. Sollte mal ein Buch darüber schreiben.
 
Ja, die Meinungen gehen sehr auseinander. Ich habe Never Unprepared nur durchgeblättert und auszugsweise gelesen. Ich habe selten ein SL-Buch als so überflüssig und schwafelig empfunden. Mal als Beispiel die Tools. Da dachte ich, dass da endlich etwas kommt, was hilfreich ist. Aber "Tools for Prep" ist dann ja eine Diskussion, ob ich meine Vorbereitungen lieber in einer Cloud speichere oder Stift und Papier benutze und ob ich ein oder mehrere Notizbücher verwende. WTF?!? Ich hatte beim Finden von geeigneten Werkzeugen natürlich an so etwas wie das "Tome of Adventure Design" von Frog God Games gedacht und nicht daran, ein Notizbuch von Moleskine zu kaufen. Kein Scherz, "Moleskine notebooks" taucht sogar mit zwei Einträgen im Index von Never Unprepared auf! Aber immerhin - dank Never Unprepared weiß ich jetzt, dass sich Moleskine notebooks anscheinend in der Hand gut anfühlen! Super, danke für diesen TOLLEN Tipp!
Gut. Offenbar gibt es Rollenspieler, die solche Diskussionen hilfreich finden. Das kann ich akzeptieren, hängt ja auch von den persönlichen Voraussetzungen ab, was man beruflich macht usw. Man kann aber nicht deutlich genug betonen, dass es eben solche Ratschläge sind und zu keinem Zeitpunkt welche, die sich darauf beziehen, wie man konkret Sitzungen vorbereitet.
Neben Simplify your life möchte ich in dem Bereich aber noch auf ein anderes Buch hinweisen, "Keine Angst vorm leeren Blatt" von Otto Kruse für Studenten. Meiner Meinung nach hat das Schreiben einer geisteswissenschaftlichen Hausarbeit viel mit der Sitzungsvorbereitung im Rollenspiel gemein. Bei der Hausarbeit muss man auch brainstormen, auswählen, systematisieren usw. Das Buch von Kruse gibt hier viele Ratschläge. Auch zum Brainstorming, ich fand die Ratschläge nur einfach besser als "Brainstorme doch mal in der Warteschlange". Die Wahrscheinlichkeit ist auch groß, es in einer Uni-Bibliothek oder Stadtbücherei ausleihen zu können, man spart also ggfs. Geld (man liest es ja nur 1x). Das ist ja im Sinn von Never Unprepared - der verweist ja auch lifehacker.com und da geht es ja darum, Geld zu sparen.

P.S.: Als Serie von Blog-Artikeln hätte ich den Inhalten von Never Unprepared etwas abgewinnen können. Dann hätte man ja auch von anderen Meinungen profitieren können, z.B. hätte man dann sagen können: "Nimm doch statt Moleskine notebooks lieber diese oder jene Notizbücher. Die kosten nur halb so viel und das Papier ist auch nicht schlechter." Oder: "Ich kaufe meine Stabilo pens bei Kodi, da sind die echt günstig." Oder: "Ich kaufe mir keinen neuen Farbdrucker mehr, wenn du mal eine Karte in farbig ausdrucken möchtest, mach das doch einfach als großformatigen Fotodruck in einer Drogerie, z.B. dm, die haben echt guten Service." - "Ne, geh lieber zu rossmann! Da ist die Schlange kürzer!" - "Ja eben, bei dm hast du mehr Zeit zum Brainstooorming!" - "Ach soooo, jau, hast recht."
 

Belchion

Ghul
Ich glaube, das Problem ist (wie bei fast allen Hilfsmaterialien zu Schlüsselkompetenzen, wie es heute so schön heißt), dass Leute, denen das intuitiv zufliegt, den Sinn hinter den Erkläungen nicht verstehen. Für sie ist das alles selbstverständlich. Mir hat sich hingegen dank dieses Buches endlich erschlossen, was ich in den ganzen Kursen zu Zeitmanagement und so vorher gelernt hatte, aber nie verstanden. Dank dieses Buches konnte ich die Erklärungen endlich nachvollziehen - weil es endlich Beispiele gab, wo ich die Probleme und Gründe nachvollziehen konnte.
 
Wie jemand anderes meinte, das Problem war bei mir hauptsächlich die Erwartungshaltung. Ich dachte, ein Buch über Sitzungsvorbereitung zu lesen. Dann vorgeschwärmt zu bekommen, wie toll es ist, mit einem 50-Dollar-Kugelschreiber, Verzeihung, Cross Morph Pen, in einem Moleskine notebook zu schreiben, oder den Tipp zu lesen, dass man zwischen Computern Daten in einer Cloud austauschen kann, das war mir zu viel. Da wo es interessant wird, geht das Buch ja nicht in die Tiefe. Warum erklärt das Buch z.B. nicht, was genau OneNote ist, was man damit macht und was die Alternativen sind und wie ich es fürs Rollenspiel verwenden kann? Dass ich Stift und Papier oder einen Computer benutzen kann, ich bitte dich, da muss einem nichts intuitiv zufliegen, um das zu wissen. Oder auch die ersten Phasen des Preppings, mir fehlen die konkreten Hilfen, wie ich besser brainstormen kann. Da gibt es doch jede Menge Kreativtechniken, die man anwenden kann (und erlernen oder sich selbst erarbeiten muss!), warum tauchen die nicht im Buch auf? Stattdessen lese ich mehrmals, dass ich in der Schlange im grocery store brainstormen kann?
Ohne Frage gibt es in dem Buch auch brauchbare Tipps. Der Autor hat sich aber meiner Meinung nach viel Mühe gegeben, die unter einem Haufen Bullshit zu vergraben. Zum Teil wiederholt er sich sogar fast wörtlich an verschiedenen Stellen.
Für mich war es rausgeworfenes Geld. Ich werfe dem Buch nicht vor, dass es Schlüsselkompetenzen vermitteln will. Ich werfe ihm vor, dass es das a) nicht gut macht und b) nicht da in die Tiefe geht, wo es interessiert wird und c) Werkzeuge fehlen, sein Prepping wirklich zu verbessern.
 
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