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V:tM Pandora das werden einer Tremere

Eire

OT Brujah
Mein Name ist Pandora…..so nennt man mich jedenfalls. Nominell ist mein Name Amabella Stern. Geboren wurde ich 1920 in Berlin. Meine Eltern waren wohlhabende Leute und mein Vater arbeitete als Professor an einer Hochschule. Er arbeitete viel und meine Mutter, die Tochter eines Großindustriellen, erzog mich beinah alleine. Sie war eine gutmütige und sanfte Frau und war sehr geduldig mit mir. Wenn ich an sie zurückdenke bin ich der festen Überzeugung, dass sie eine der wenigen guten, wirklich von Herzen guten, Menschen in meinem Leben war. Auch wenn andere mich für komisch hielten, meine Mutter hielt immer zu mir. Schon als ich noch ein kleines Kind war…es kann nicht älter als 5 oder 6 gewesen sein…ereigneten sich in meiner Nähe oft seltsame Dinge…Dinge die man nicht auf normalen Wege erklären konnte. Deshalb mieden mich die anderen Kinder und verspotteten mich. Meine Mutter beschloss 1924 mit mir aus der Stadt weg aufs Land zu ziehen. Mein Vater bestand darauf in der Stadt zu bleiben um der Wissenschaft wegen. So zogen meine Mutter und ich fort in ein einsames großes Haus auf dem Land. Die Freunde, die ich dort fand, wohnten zwar ein ganzes Stück von unserem Haus entfernt, aber sie waren mir viele Jahre lang treue Freunde und Begleiter. Meine Mutter unterrichtete mich auf dem Land zu Hause, ausgenommen von den wöchentlichen Besuchen meines Vaters. Meine Mutter war zweifelsohne eine kluge Frau, doch mein Vater lehrte mich Dinge die sicherlich weit über ihr Wissen hinausgingen. Auch er war ein recht geduldiger, wenn auch etwas temperamentvollerer Mensch als meine Mutter. Er lehrte mich Latein, griechisch und deren Mythen und Sagen. Er versuchte mir klar zu machen, dass das was mir immer passierte kein Zufall wäre…das das ganze Sinn machte, aber ich verstand nicht. Meine Mutter wollte davon gar nichts hören. So zogen die Jahre ins Land und wir auf dem Land blieben vorerst von der rechten Propaganda verschont. Vielleicht sollte ich erwähnen, dass meine Mutter jüdischer und mein Vater katholischer Abstammung war. Mein Vater bestand um 1926 mich katholisch umtaufen zu lassen, wieso wusste ich nicht…. Meine Mutter stimmte widerwillig zu. Meine Mutter wurde schwer krank und das rechte Regime begann zu wachsen. Auch wenn es ihr immer schlechter ging, kümmerte sie sich stets aufopferungsvoll um mich und versuchte mich vor dem Einfluss und den Schrecken der Propaganda zu schützen. Über die Jahre viel mir auf, wie meine Mutter, im Gegensatz zu meinem Vater, begann zu altern. Als die Entrechtung begann spürte ich wie meine Mutter dahinschwand. Sie starb. Eines Morgens wachte sie einfach nicht mehr auf. Mehrere Stunden lang konnte ich nicht aufhören zu weinen, ich schaffte es nicht einmal meinen Vater zu benachrichtigen. Als ich genauer hinsah fand ich eine Tablettenfalsche neben ihrem Bett…und ein Brief daneben:

Mein liebes Kind,
es tut mir unendlich Leid dich hier zurücklassen zu müssen, aber mir bleibt keine andere Wahl. Meine Abstammung bringt dich und deinen Vater in Gefahr und das kann ich nicht zulassen. Ich liebe euch beide mehr als mein eigenes Leben und deshalb darf ich nicht bei euch bleiben. Mit alldem was du nie verstanden hast und ich stets geleugnet habe, hatte dein Vater recht… ich hatte gehofft, dass dem nicht so wäre, doch diesen einzigen Weg hat jemand schon vor deiner Geburt für dich festgelegt. Ich wünsche dir mein geliebtes Kind alles erdenklich Gute für alle Zeit. Ich werde dich sehr vermissen aber dich nie im Stich lassen.
Lebe Wohl,

deine dich stets liebende Mutter Anna

Ich verstand nichts mehr. Wieso lies sie mich alleine? Wovon redete sie da? Als ich mich umdrehte blickte ich in das entsetzte Gesicht meines Vaters. Tränen liefen über seine Wangen. Ich hatte ihn noch nie zuvor weinen gesehen. Ich rannte in seine Arme und drückte ihn fest, ich wusste nicht was ich sonst tun sollte. Ich fühlte mich so allein, so hilflos, so unendlich traurig. Und nun geschah etwas womit ich nicht gerechnet hatte. Zum ersten Mal in meinem Leben nahm mein Vater mich in den Arm und drückte mich fest an sich. Er begann zu schluchzen und murmelte etwas davon, dass er etwas was er getan hatte zutiefst bereute und nicht nur das Leben meiner Mutter sondern auch meins ruiniert habe. Ich gab ihm zögerlich den Brief und er las ihn wimmernd durch. Plötzlich wurde sein Blick merkwürdig klar. Er erhob sich und nahm mich an der Hand. Er führte mich zu meiner Mutter, gab ihr einen Kuss auf die Stirn und so tat ich es. Er zog die Decke sorgfältig über ihr Gesicht und nahm einige Rosen aus der Vase neben ihrem Bett und legte sie in einem seltsamen Muster auf ihr Bett. Dann ging er mit mir ins Wohnzimmer und setzte mich aufs Sofa. Er sagte mir ich solle hier auf ihn warten. Ich tat wie er mir gesagt hatte und er stürzte eilig hinauf. Er kam nach einer Weile mit vier gepackten Koffern noch unten und ich wunderte mich noch wie er sie alle tragen konnte, aber es schien ihn nichtmal anzustrengen. Er bedeutete mir ihm zu folgen. Wir gingen hinaus und stiegen in sein Auto. Er ging noch einmal zurück zum Haus und ich sah mich ein wenig um. Ich hörte meinen Vater wie er irgendwas sagte, aber ich verstand nicht was. Er kam zurück und wir fuhren los als es plötzlich einen lauten Knall gab und als ich zurückblickte unser Haus in Flammen stehen sah. Ich blickte ihn fragend an und wollte etwas sagen, aber schüttelte nur den Kopf. Ich lebte danach noch viele Jahre in Berlin bei meinem Vater, wobei mir auffiel wie selten er zu Hause war. Oft blieb er bis spät Nachts und wenn er zurückkam wirkte er völlig erledigt und war sehr verschlossen. Eines Abends besuchte uns ein scheinbarer Geschäftpartner meines Vaters. Erst empfand ich ihn als ein wenig merkwürdig, aber er war sehr freundlich zuvorkommend zu mir und so änderte sich diese Meinung schnell. Zwar war er etwas verschlossen und zurückhaltend aber dennoch höflich. Sein Name war Dr. Amadeus Oswald Klingenbrecht. Der Krieg erreichte Berlin. Eines Nachts wurden wir Mitten im Schlaf durch die Alarmsirenen geweckt. Noch im Nachtgewand stürzten wir aus unserer Wohnung. Gerade als wir das Treppenhaus erreicht hatten gab es einen lauten Knall. Ich spürte wie die Wucht einer Explosion mich von den Füßen riss und wegschleuderte. Als ich zu mir kam schmerzte mein ganzer Körper. Ich spürte wie meine Haut von Scherben und Splittern zerfetzt von mir hing. Mein Nachthemd, oder zumindest das was noch davon übrig geblieben war, deckte nur noch notdürftig meine Blöße ab und war schmutzig und rot. Meinen linken Arm konnte ich nicht bewegen, er musste gebrochen sein. Ich hatte höllische Schmerzen, aber ich versuchte mich aufzuraffen. Mit mühe und Not stand ich auf und rief noch meinem Vater. Erst jetzt viel mir der wahnsinnige Lärm auf. Schreiende und weinende Menschen, das Heulen der Sirenen, die Schritte der Soldaten, das laute Gelärme der Fahrzeuge, weitere entfernte Explosionen. Das alles löste einen regelrechten Wirbel in meinem Kopf aus, aber ich versuchte mich zu orientieren. Um mich herum war das ganze Treppenhaus eingefallen wie ein Kartenhaus. Vereinzelt brannten noch die letzten Reste Holz die die Explosion nicht zerfetzt hatte. Direkt neben mir lag die Leiche eines kleinen Jungen dem die Explosion den Oberkörper total zerrissen hatte und direkt gegenüber sah ich den letzten Augenblick des Lebens seiner Mutter deren Beine und Unterkörper unter einem Teil des Mauerwerks begraben waren. Sie hatten direkt neben uns gewohnt. Ihr letzter Blick fiel auf ihren toten Sohn und sie klimperte mit dem Schlüssel den sie in der Hand hielt, lächelte kurz und schloss dann für immer die Augen. Natürlich! Der Schlüssel der Haustür. Ich musste hier raus! Die Explosion hatte die Tür zwar weggesprengt, aber so kam ich wieder zur Besinnung. Ich stürzte auf die Straße und blickte von außen auf die Fassade des Gebäudes. Mein Blick fiel auf das rechte Fenster neben der Tür…dort hing etwas….ein gestreiftes Hemd…wie Vater es trugt…ich humpelte darauf zu und roch daran und neben dem Geruch von Dreck und Blut viel mit das Rasierwasser meines Vaters auf. Die Explosion muss ihn nach draußen geschleudert haben! Ich schaute mich panisch um und sah etwas was einmal mein Vater gewesen sein musste. Schreiend und weinend stürzte ich auf das blutende wimmernde etwas auf dem Boden auf der anderen Straßenseite zu. Ich schlug mich durch die Horde panisch flüchtender Menschen und fiel dabei selber mehrfach zu Boden und wurde beinah überrannt. Aber ich musste zu meinem Vater. Als ich ihn erreichte lies ich mich neben ihm fallen und nahm seine zerfetzte rechte Hand….er hatte noch Puls, es war noch nicht zu spät! Ich schaute an ihm runter und mir begann bewusst zu werden was passiert war…meine Gedanken wurden klarer und mir wurde klar was ich diese Nacht alles schon abscheuliches gesehen hatte. Doch ich verdrängte diesen Gedanken, ich musste meinem Vater helfen. Ich klammerte mich verzweifelt an den Gedanken er sei noch zu retten. Sein linker Unterschenkel fehlte und der rechte Oberschenkel war aufgerissen. Sein Oberkörper war von Schnitten übersäht. Ein gurgelndes Röcheln entwich seiner Kehle und die Hand die ich gefasst hatte faste zurück. Ich erschrak und schrie auf, aber er lächelte da er scheinbar meine Stimme erkannt hatte. Mit seinen letzten Worten bat er um Verzeihung, dass er mir wissentlich mein Leben ruiniert hatte…ich verstand nicht. Ich flehte ihn an mich nicht auch noch alleine zu lassen und in diesem Moment fiel mein Blick auf den riesigen Metalsplitter in seinem Brustkorb und auf die Spieluhr meiner Mutter die er in seiner linken Hand verkrampft festhielt. Mir war gar nicht aufgefallen, dass er sie mitgenommen hatte. Ich wusste nicht einmal, dass er sie damals aus unserem Haus geholt hatte. Er begann Blut zu spucken und röchelte. Ich konnte es nicht mehr länger mit ansehen, denn ich wusste er hatte keine Chance mehr und so brachte ich es zu Ende. Er erstarrte vor Schmerz, lächelte mich ein letztes Mal an und schloss mit einem gehauchten ,,Danke’’ die Augen. In dieser Nacht verlor ich alles. Ich nahm die Spieluhr meiner Mutter und begann laut zu weinen. Ich drehte die Spieluhr auf und versuchte krampfhaft den Lärm des Angriffs zu überhören. Ich wollte die Bilder von heute Nacht verdrängen und versuchte mich an meine Mutter zu errinern und an die Zeit in der ich glücklich war. So saß ich lange Zeit, die Beine zu mir gezogen, die Spieluhr in der einen Hand und der Metalsplitter mit dem ich meinem Vater sein Ende bereitet hatte in der anderen und summte Lieder die meine Mutter mir als Kind vorgesungen hatte als ich plötzlich eine Hand auf der Schulter spürte. Noch bevor ich aufspringen konnte hielt die Hand mich auf dem Boden und eine vertraute Stimme sagte mir, dass ich das richtige getan hatte, nahm mir den Splitter aus der Hand und warf ihn beiseite. Es war die Stimme von Dr. Klingenbrecht. Zögerlich drehte ich mich um. Er stand direkt hinter mir, wie immer im Anzug und völlig unversehrt. Hinter ihm stand ein Auto. In der linken Hand hielt er eine Decke und er reichte mir die rechte Hand zum aufstehen. Ich wand mich wieder um und lehnte mich auf die Leiche meines Vaters und begann zu schluchzen. Ich wollte hier nicht weg, ich wollte nichtmal mehr leben….ich hatte doch eh nichts mehr, was sollte das also noch? Ich griff nach einem der Glassplitter und wollte endlich alles zu Ende bringen als mich die starke Hand des Doktors am Handgelenk fasste. Ich blickte ihn wütend an. Was sollte das?! Er hatte kein Recht sich einzumischen! Er schüttelte nur den Kopf: ,,Nein….dein Leben endet hier nicht. Du hast nicht das Recht dem ein Ende zu setzen….’’. Ich schaute ihn fragend an. Er nahm mir die Scherbe aus der Hand und legte mir die Decke um. Ich rappelte mich auf und wich zurück….ich wollte weglaufen. Was wollte er von mir? Doch in diesem Moment übermannten mich meine Schmerzen und ich sank zu Boden. Das letzte Bild an das ich mich aus dieser Zeit errinern kann war das Gesicht Klingenbrechts der mich auffing und wissend lächelte….

Als ich wieder zu mir kam bemerkte ich, dass meine Schmerzen verschwunden waren. Ich hatte zwar Probleme mich zu bewegen, aber nach einer Weile gelang es mir mich aufzusetzen. Ich lag in einem Bett in einem dunkel getäfelten Zimmer. Die Vorhänge waren zugezogen und die Fensterläden scheinbar geschlossen. Ansonsten war das Zimmer eher spartanisch eingerichtet. Die Lampe neben meinem Bett brannte und im ersten Moment dachte ich, ich wäre vielleicht gestorben. Ich merkte, dass ich unter der Bettdecke vollkommen nackt war und zog sie erst einmal instinktiv fest an mich. Plötzlich öffnete sich die Tür und ich erblickte ein vertrautes Gesicht nämlich Dr. Klingenbrecht. Ich fuhr auf und presste die Decke fest an mich. Er schüttelte nur den Kopf: ,,Ich will dir nichts. Auf dem Stuhl neben deinem Bett liegt Kleidung. Zieh dich an und komm dann raus. Ich warte draußen.’’. Die Tür schloss sich wieder und ich starrte ihm verwirrt hinterher. Wo zum Teufel war ich hier überhaupt gelandet? Welchen Tag hatten wir? Welches Jahr? Und wieso ging es mir wieder vollkommen gut? Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch nichts die geringste Ahnung wiesehr mein Leben sich bereits veränderte hatte. Und ich begann mich zu errinern….meine Mutter tot…mein Vater tot…ich ganz alleine. Und wieso hatte mich dieser Mann gerettet? Er kannte mich doch gar nicht… . Vorsichtig stand ich auf, meine Muskeln waren noch ein wenig ,,eingerostet’’ und so musste ich mich erstmal langsam vorwärts bewegen. Ich zog mich an und sah unter der Kleidung lag die Spieluhr. Behutsam hob ich sie auf und drehte sie auf…zunächst stockte die Musik ein wenig, doch dann spielte sie wie früher…dieses Lied….es geht mir bis heute nicht aus dem Kopf und ich glaube ich werde es auch nie vergessen. Erst nachdem die Spieluhr abgelaufen war fiel mir auf wie seltsam die Kleidung war: Gut, zunächst normale Kleidung, aber was sollte diese schwarze Robe? Beim Allmächtigen, dachte ich mir damals, wo bin ich hier bloß hingeraten? Ich zog auch die Robe an. Egal wo ich hier war, es war wohl besser zunächst das zu tun, was man mir sagte. Ich trat aus der Tür und er stand immer noch da. Er bedeutete mir zu folgen und ich tat es. Unter der Robe hielt ich mich verkrampft an der Spieluhr fest, sie war schließlich das einzige was mir geblieben war. Entweder hatte es ihn nicht gestört oder es war ihm egal. Wir gingen den langen dunklen Gang entlang. Ich hatte Angst. Überall waren Geräusche zu hören deren Ursache ich aber nichtmal erahnen konnte. Ich hörte Stimmen die mir direkt ins Ohr zu flüstern schienen, aber ich konnte nichts sehen was diese Stimmen verursachen konnte. War ich verrückt geworden? Fest drückte ich die Spieluhr an mich. Nun gingen wir eine Treppe hinauf und in diesem Gang hatte ich noch viel mehr Angst als in dem letzten. Es war totenstill. Kein Laut war zu hören, außer unsere Schritte die von den kahlen, dunklen Holzwänden auf uns niederprasselten wie ein Bombenhagel. An einer Tür blieben wir stehen. Er öffnete sie und deutete hinein…aber ich wollte da nicht alleine rein. Ich schluckte ein letztes Mal, kniff die Augen zusammen und trat hinein. Ich ließ die Augen fest geschlossen und blieb stehen. ,,Du brauchst keine Angst haben. Mach die Augen auf und komm zu mir.’’, lachte eine freundliche Frauenstimme. Ich öffnete zögerlich die Augen und sah sie an. Sie war eine hübsche Frau. Sie errinerte mich ein wenig an meine Mutter, denn in ihrem Blick lag etwas beruhigendes und vertrautes. Ich begann mich im Raum näher umzuschauen. Dieser Raum war wesentlich prunkvoller geschmückt als in dem in dem ich aufwachte. Die Frau saß auf einem antikwirkenden Sofa und lächelte mich freundlich an. Sie deutete auf den Platz auf dem Sofa ihr gegenüber und ich setzte mich rasch. Sie erzählte mir vieles…über Vampire über den Clan Tremere…was aus mir werden würde. Ich schluckte und begann zu zittern… ich wusste nicht ob ich das wollte…oder ob es vielleicht damals besser gewesen wäre, wenn die Bombe auch mich komplett zerfetzt hätte…Eine Wahl blieb mir nicht. In dieser Nacht wurde ich zunächst ein Ghul des Clans…und zum Experiment… . Mein späterer Erzeuger, Dr. Klingenbrecht, erzählte mir von seiner Vision…einen Körper soweit aufzurüsten, dass er widerstandsfähiger und leistungsstärker wurde als er ohnehin durch die Macht des Blutes werden konnte. Kurzum: Er wollte eine kainitische Waffe erschaffen. Er sagte mir, dass es riskant sei, aber dass er alle Hoffnungen in mich und meine Zusammenarbeit setzte. Zögerlich stimmte ich ihm zu, war ich ihm doch irgendwie verbunden. Erst jetzt erfuhr ich von den Folgen des Genozid am Volke meiner Mutter und war ihm umso dankbarer, dass ich dieses Schicksal nicht erleiden musste. Ich wusste ja noch nicht WAS er mit meiner Zusammenarbeit meinte. Aber er hatte mich damals nicht sterben lassen, denn ich hatte einen Sinn…mein Leben hatte endlich wieder einen Sinn. Die folgenden Jahre waren geprägt durch Schmerzen, Entbehrung und Enttäuschung. Was noch nicht in der Nacht der Bombe in mir gestorben war, starb in den folgenden Jahren der Experimente an mir…. Endlose Nächte voll Höllenqualen und das konzentrierte Gesicht meines späteren Erzeugers…ich werde diesen Blick nie vergessen…diese Kälte…dieses berechnende. Und so wurde ich geboren…Pandora. Leila Amabella Stern ist tot. Sie fiel ins Koma in der Nacht in der die Bombe fiel und starb in der Nacht in der ich zum Ghul wurde.
Das erste Experiment schlug fehl. Amadeus versuchte mein Sehvermögen durch Manipulation an meinem Auge zu verbessern und ungefähr auf die Stufe des Auspex zu bringen, doch es geschah nichts. Amadeus war enttäuscht. Er war enttäuscht von mir und das machte mich traurig. Er war der einzige Sinn den ich noch hatte. Was sollte aus mir werden, wenn er keine Verwendung mehr für mich hatte? Weitere Experimente folgten…alle mit eher bescheidenem Erfolg. Als ich eines Abends auf mein Zimmer gehen wollte bekam ich eine Unterhaltung zwischen Amadeus und seinem scheinbar Vorgesetzten mit. Dieser kündigte ihm an, dass wenn er nicht bald nennbare Ergebnisse vorweisen konnte, das Experiment beendet sein würde, seine Chance vorüber wäre und die Reste des Experiments entsorgt werden müssten. Rasch lief ich auf mein Zimmer und versuchte das Gesagte einzuordnen. Was mit mir passieren würde war klar….aber was meinte der Mann mit Amadeus Chance? Würde Amadeus etwas passieren, wenn ich nicht so funktionierte wie geplant? Er hatte mir das Leben gerettet…ich war ihm etwas schuldig. Ich errinerte mich daran, dass er mir einmal ein paar Bücher gegeben hatte welche ich lesen sollte sobald das Experiment beendet wäre… Ich nahm die Bücher und wälzte sie von oben bis unten durch. Da! Dieses Bild von einem Gangrel brachte mich auf die Idee…die Klauen… . Ich schlief den ganzen Tag nicht. Ich setzte mich vor Amadeus Tür und wartete bis es dunkel wurde. Als er die Tür öffnete schaute er mich verdutzt an und fragte mich wie lange ich schon hier sitzen würde. Ich sagte, dass ich seit heute Morgen hier saß weil ich ihm etwas zeigen wollte, ihn aber nicht wecken wollte. Er nickte und nahm das Buch und sah sich die aufgeschlagene Seite an. Er fragte mich wieso ich auf einmal auf so etwas kommen würde. Ich zögerte…ich wollte ihm nicht sagen, dass ich gelauscht hatte also sagte ich gar nichts.
Er zog mich grob an der Schulter hoch und zog mich in sein Zimmer. Er setzte mich auf einen Stuhl und sah mich durchdringend an: ,,Wie kommst du da auf einmal drauf? Sowas hast du vorher noch nie gemacht. Wieso jetzt?’’. Ich zuckte mit den Schultern: ,, Ich weiß es nicht.’’. Er knirschte mit den Zähnen und schlug mit der Hand gegen die Wand neben mir: ,,Lüg mich nicht an!’’ Er packte mich an der Kehle, hob mich in die Luft und ballte die andere Hand zur Faust. Ich blickte ihn nur an. Wovor sollte ich diesem Moment Angst haben? Vor Schmerzen? Nein, die kannte ich zur Genüge. Und so blickte ich ihn mit der selben Gleichgültigkeit an wie er mich jedes Mal während der Experimente anblickte. Ich kann mir bis heute nicht erklären was in diesem Moment geschah. Es war das erste Mal, dass ich eine Gefühlsregung in seinen Augen sah, auch wenn ich sie nicht deuten konnte. Ich blickte ihn weiter an: ,, Ich will nicht, dass dir etwas passiert… ich mag nur dein Experiment sein…aber ich bin nicht dumm…’’ Er ließ mich runter und blickte mich an. Ich rappelte mich auf und blickte in sein Gesicht aus dem mir Unverständnis und Entsetzen entgegenblickten. Wir hatten bisher nie viel miteinander gesprochen oder außerhalb der Experimente viel miteinander zu tun gehabt. Er zögerte einen Moment und nahm mich dann an der Hand. Er führte mich ins Labor und war ungewohnt sanft im Umgang mit mir. Behutsam setzte er mich auf den OP-Tisch und die Prozedur begann. Ich war Schmerzen gewohnt aber diese schlugen alles um Längen. Ich schrie nicht, aber mein Körper war bis zum äußersten angespannt. Stumm liefen mir die Tränen über die Wangen, aber ich sagte kein Wort. Ich sah Amadeus in die Augen und entdeckte nie zuvor dargewesene Vorsicht. Er schien nervös zu sein, denn der Blutschweiß stand ihm auf der Stirn. Er legte das Skalpel beiseite und half mir auf. Ich wunderte mich, denn wir waren noch nicht fertig…. Dieses Experiment zog sich über eine lange Weile hin. Meine Hand schmerzte, aber ich ertrug es. Und so zogen die Jahre ins Land und es folgten weitere Ausbaumaßnahmen an mir. Zwei meiner Finger wurden mit Metalschienen zusätzlich verstärkt und verschmolzen. Und durch dieses gelungene Experiment, die abgewandelte Klaue des Gestaltwandels, verdiente ich mir den Kuss. An den Kuss errinere ich mich nur noch Bruchstückhaft….ich war plötzlich so voller Wut….der Kelch…und dann das Mädchen auf dem Boden…ich schrie Amadeus an… erst jetzt hatte ich begriffen was wirklich mit mir geschehen war….ich wollte das Mädchen bei Seite nehmen, aber ich riss ihr mit der Klaue den Arm ab…ich war ein Monster! Vom Hunger getrieben schlug ich meine Fänge in ihren Nacken…sie schrie…ich wollte das nicht…aber ich konnte nicht anders. Ich brüllte Amadeus an, was und warum er das mit mir gemacht hatte. ,,Es tut mir Leid, Pandora…ich l- ’’ dann wurde es dunkel. Ich weiß bis heute nicht wirklich was er mir damit sagen wollte, aber um ehrlich zu sein interessiert es mich auch nicht wirklich. Mit den Jahren habe ich gelernt zu unterscheiden zwischen unwichtigen Zusatzinformationen und den wichtigen Fakten. Mir war klar geworden was meine Aufgabe und Zweck war: Dem Clan mit allen meinen Möglichkeiten zu dienen. Ich mag nun ein Monster sein, aber genau das ist meine Bestimmung. Und so begann ich vollends in Pandora hineinzuwachsen. Die Feinde des Clans waren meine Feinde und sie auszurotten war, ist und wird meine Aufgabe sein. Darin besteht kein Zweifel.
Über viele Jahre verließ ich das Gildehaus nicht…ich wusste nicht einmal in welcher Stadt oder in welchem Land ich mich befand, denn ich war noch nicht fertiggestellt. Es muss ungefähr 1955 gewesen sein als ich das erste mal wieder nach draußen durfte. Ich war fertig und bereit meine Aufgaben zu erfüllen, stets unter den wachsamen Augen meines Erzeugers. Ich war in….Wien? Ja, in Wien. Ich stellte dazu keine Fragen sondern nahm es einfach hin.
Ich verbrachte also noch viele weitere Jahre in Wien und erledigte gewissenhaft und ohne Nachfragen zu stellen meine Aufträge, egal was auch immer es war… . Aber in einer Hinsicht begann ich mir Fragen zu stellen…wie genau war der Krieg eigentlich ausgegangen? Ich errinerte mich noch an meinem ersten Tag im Gildehaus…Amadeus hatte bestimmt keine Zeit für so eine Kleinigkeit…aber diese Frau die mir damals alles erklärt hatte…sie konnte es mir bestimmt erzählen. Ich suchte ihr Zimmer auf, ich konnte mich noch genau daran errinern wo es lag, und klopfte an. Sie bat mich herein und begann zu reden…sie beantwortete mir meine Frage ohne das ich sie gestellt hatte. Sie erzählte mir viel…über den Genozid, die Zahl der Opfer, die Nürnberger Prozesse und über Berlin…Werther….dieser Name brannte sich in mein Gedächtnis ein wie kein zweiter. Dieser elende Bastard weilte noch immer unter uns…und sein Kind wohnte im selben Gildehaus wie ich! Aufenanger… Ich stürzte aus dem Zimmer und wollte mir dieses miese Schwein greifen, aber sie hielt mich auf und beruhigte mich ein wenig…ich weiß bis heute nicht wie sie das geschafft hat…sie hatte nicht wirklich viel getan, aber irgendwie mag ich sie…seltsam. Dafür griff ich mir den kleinen Mistkerl ein anderes mal ab und holte mir die Informationen die ich brauchte über seinen verfluchten Erzeuger. Ich musste nach Berlin….aber Amadeus würde mich niemals wegen so etwas gehen lassen…also würde ich heimlich gehen müssen. Ich habe bis auf dieses Mal nie etwas gegen seinen Willen getan und hatte dementsprechend ein schlechtes Gewissen, aber ich hatte keine andere Wahl…
Heimlich, still und leise verließ ich also das Gildehaus(ich war damals noch dumm genug zu glauben, dass es tatsächlich möglich war unbemerkt das WIENER Gildehaus zu verlassen…) und ging zum Bahnhof…ich vergas natürlich nicht meine Äußerlichkeiten gut genug zu verstecken. Ein Tag Zwischenstop in Deutschland…tja damals war die Bahn halt noch nicht soweit…und ich nicht schlau genug einfach das Flugzeug zu nehmen. Lange rede kurzer Sinn, denn das ganze endete eh in einer sehr unangenehmen Lage…Amadeus war schlau genug gewesen das Flugzeug zu nehmen und war bereits vor mir da. Und den Einlauf den ich mir abholen durfte war ,,echt übel’’ wie die Jugendlichen heutzutage sagen würden…. Nichtsahnend stieg ich am Berliner Hauptbahnhof aus um einen sehr wütenden Amadeus am Bahnsteig stehen zu sehen. Ohne ein Wort nahm er mich am Handgelenk und zerrte mich die Treppe runter. Die Leute begannen schon komisch zu gucken…er ließ mein Handgelenk los und bedeutete mir wortlos ihm zu folgen und ich tat wie mir geheißen. Er brachte mich in sein Hotelzimmer, schloss die Tür hinter mir ab und setzte sich auf einen Stuhl…er faltete die Hände und begrub sein Gesicht dahinter….er schnaubte einen Moment wütend und sprang dann auf. ,,Setz dich hier hin! Und halt bloß den Mund!’’. Ich nickte und tat wie mir geheißen. ,,Was zum Teufel sollte diese Aktion bitte? Hast du eigentlich den Verstand verloren?! Weißt du eigentlich wie ich vor unseren Vorgesetzten darstehe?! Du haust mitten in der Nacht ab wie ein ungezogenes Kind und ich kann mir von diesem Nazibengel Aufenanger anhören du wärest wahrscheinlich nach Berlin marschiert! Was hast du dir dabei gedacht, Pandora?! Sprich!!!!’’. Ich schluckte….ich konnte ihm nicht in die Augen gucken…ich hatte ihn enttäuscht…und das tat mir leid…wie konnte ich bloß so naiv gewesen sein…ich konnte verstehen, dass er sauer war… . Ich blickte schuldbewusst zu Boden und zuckte mit den Schultern. Er marschierte auf mich zu und riss mein Kinn hoch, so dass ich ihn ansehen musste: ,,Ist dir klar, was du gemacht hast?! Also mach endlich den Mund auf und sag mir was du dir dabei gedacht hast!-’’ es folgten noch weitere Vorwürfe und es wurde für mich immer schwerer mir zu verkneifen was ich wirklich sagen wollte bis es letztendlich aus mir hinausschoss. Ich sprang auf, wobei Amadeus einige Schritte überrascht nach hinten taumelte, und sprach: ,,Das ist nicht fair! Meine Familie musste wegen diesem Bastard sterben und DER darf immer noch leben!!!!!! Das ist verdammt noch mal nicht fair!’’. Voller Wut rammte ich meine Rechte Hand krachend gegen die Wand und stelle mir dabei Werthers Visage vor…zwei Finger brachen schmerzhaft und ich sank wütend und traurig zu Boden. Wieso konnte er das nicht verstehen? Ich musste an die Nacht zurückdenken in der mein Vater starb… an meine Mutter wie sie tot im Bett lag…an den kleinen Jungen in den Trümmern…an seine Mutter…und ich schrie mit Leibeskräften: ,, ICH WERDE DIESES SCHWEIN UMBRINGEN!!!!!!!!!!!!!!!’’. Ich sank zusammen…alles schlug über mich ein…diese Bilder die nicht mehr aus meinem Kopf gehen wollten….meine Finger bluteten weil ich immer und immer wieder auf die Wand einschlug die mittlerweile schon beträchtliche Löcher aufwies. Blutige Tränen rannen mir übers Gesicht und diese Bilder wollten nicht vor meinen Augen verschwinden…das nächste an das ich mich errinern kann war die Melodie der Spieluhr meiner Mutter…nachdem der rote Schleier vor meinen Augen verschwunden war, musste ich mich erst einmal orientieren. Ich kauerte auf dem Boden.. Amadeus saß vor mir und hielt meine Arme fest an meine Seite gedrückt….er lockerte seinen Griff erst als ich ängstlich zum ihm aufsah…sein Gesicht…es war total zerkratzt…auch seine Arme und sein Oberkörper wiesen tiefe Kratzspuren auf…ich blickte auf meine Hände…Blut…sein Blut….beim Allmächtigen was hatte ich getan?! Ich begann zu zittern…ich habe das nicht absichtlich getan….ich wollte das nicht…ich würde so was nie-: ,,Amadeus, es tut mir Leid, ich wollte das nicht! Es tut mir Leid!’’. Er legte mir den Finger auf den Mund: ,,Beruhig dich, wir sprechen später darüber…und jetzt hör mir zu, Pandora, hör mir gut zu. Du wirst deine Rache eines Tages bekommen. Das verspreche ich dir. Aber bis zu diesem Tag ist es noch lang und du musst noch viel lernen, hast du das verstanden?’’. Ich nickte. Er hatte es mir versprochen und ich glaubte ihm. Aber über das was geschehen war sprachen wir nie wieder. Er gab mir Blut zu trinken damit ich mich ein wenig erholte…seit dieser Nacht hänge ich irgendwie noch mehr an ihm. Wir waren in Ostberlin und kamen somit auch nicht an Breidenstein vorbei ohne uns zumindest vorzustellen. Er war ein Arschloch…und wenn ich Arschloch sage, dann meine ich ein richtiges Arschloch. Ich hoffe dieser Wichser schmort irgendwann in der Sonne… . Meine Güte war das ein Arschloch…ich war froh als wir wieder weg waren…zu Werther wollte mich Amadeus nicht lassen….aber ich habe ihn einmal gesehen. Genau wie damals im Fernseher…der selbe kalte Blick…eines Tages…. Ende 1960 kamen wir nach Westberlin…höchste Zeit denn kurz danach bauten sie die Mauer…aber diese mauer würde meine Rache auch nicht aufhalten können. Wie ich bereits sicherlich mal erwähnt habe, war Breidenstein ein Arschloch, aber sein Kind…der Prinz von Westberlin war ganz anders. Er war freundlich…ja stellen sie sich das mal vor…ein Ventrue der tatsächlich freundlich war….und nicht nur diese aufgesetzte Höflichkeit, nein, es war etwas ehrliches dahinter. In seiner Gegenwart ging es mir tatsächlich oft…man könnte schon fast sagen gut. Nachdem ich ihm begegnet war, waren für mich nichtmehr alle Ventrue automatisch Arschlöcher…Dort lernte ich auch unseren Justicar kennen…im nachinein bin ich froh, dass ich die ganzen Gerüchte über ihn erst später zu hören bekam, ich glaube sonst hätte ich noch mehr Angst gehabt als ohnehin schon…ich sage nur: Ein beeindruckender Mann! Es erfüllt mich noch bis heute mit Ehrfurcht und Stolz aus seiner Linie zu stammen. Ich sprach mit Amadeus und er erzählte mir von einer Stadt im Ruhrgebiet die momentan recht wackelig auf den Beinen ist…Dortmund…und das ist unser nächstes Ziel.
 
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