Shadowrun 5e

The Final Solution

Dieses Thema im Forum "Schreibstube" wurde erstellt von Mircalla-Tepez, 6. März 2012.

Moderatoren: RockyRaccoon
  1. Eine kleiner, an den Plot des Hellsing-Manga-Prequals 'The Dawn' angelehnter One-Shot. Hier geht es um Wissenschaftler, die in den Konzentrationslagern des dritten Reichs endlich die Basis der Waffe finden, die sie sich nichteinmal in ihren kühnsten Träumen hätten vorstellen können... Interessant für alle Dracula-Fans.

    ACHTUNG: Weder möchte ich mich als Zelebrantin dieses menschenverachtenden Regiemes verpöhnt sehen noch Anspruch gar auf historische Absulutheiten erheben. Diese Geschichte ist lediglich pure Fiktion!

    -------------------------------------------
    "When freedom burns, the final solution
    Dreams fade away and all hope turns to dust"
    -Sabaton, the final solution

    Deutsches Reich. Konzentrationslager Auschwitz. November 1943.
    „Herr Doktor! Herr Dokter!“
    -„Seht sie euch an! Sie ist...wunderschön!“
    „Was?! Was ist sie? Etwa...etwa ein...“
    ~ „Voran! Macht schon schneller!“
    -„Wunderschön! Einfach...einfach atemberaubend!“
    Wer...ist da...?
    ~ „Tatsächlich! Ihre Gehirnströme! Seht nur! Aber ihr...ihr Herz!“
    „Unmöglich!“
    [iDiese...Stimmen... Ich...kenne sie nicht... Wer...spricht da...?Wer...
    Meine...meine Lippen! Sie...bewegen sich nicht! Um mich... nur Schwärze.... Ich...sehe nichts...!
    Was... geschieht hier?! Was...bedeutet dieser... Aufruhr?!
    Meine...Augen! Warum...sehe ich nichts mehr...?
    Mein...mein Körper! Nichts...regt sich mehr... Fremde...fremde Hände an meinem... Fleisch...
    Ich...ich habe solche...Angst! Was... geht hier... nur vor?!
    Vlad...[/i]

    „Ihre Augenlider! Da! Die Augen bewegen sich wieder!“
    ~ „Herr Doktor! Was...großer Gott!!! Ihre Zähne!!“
    „Wie die eines Raubtiers!! Das...das sind Fangzähne!!“
    Breit, zufrieden, geradezu diabolisch grinsend zog der blonde, hoch aber schlaksig gewachsene Mann in dem blutverschmierten Laborkittel, der über die scheinbar leblose Gestalt einer mit silbernen Fesseln fest fixierten, unnatürlich bleichen jungen Frau gebeugt stand, seine in weiße Handschuhe gehüllten Daumen aus dem Mundraum der lange gesuchten Probandin, sodass die vollen Lippen sich wieder über die Zahnreihen des manuell offen gehaltenen Kiefers wölbten und die schneeweiße Fangzähne darunter wieder verbargen.
    Seine unvergleichliche Euphorie war wahrlich nicht zu übersehen, wie er sich seinen Laborassistenten wieder zuwandte, die Vielzahl an Zusatzgläser seiner Brille für die bereits geplanten Studien schon richtend.
    „Nicht >WIE< ein Raubtier! Sie IST ein Raubtier, nichts anderes! Seht sie euch an! Diese Schönheit! Phantastisch!“
    „Herr Doktor! Sie...sie KANN einfach KEINE Vampyra sein! Das...unfassbar!“
    Der junge, bebrillte Assistent ging die Messungen noch einmal durch, so als könne es sein, dass er sich bei einer einfachen Tabelle wahrlich durchgehend verlesen habe – das schien ihm gar noch wahrscheinlicher als das, was hier unabwendbar schwarz auf weiß in den Ergebnissen in seinen Händen stand.
    „Ihr...ihr Puls ist unglaublich langsam, aber...aber konstant. Die bisherigen Subjekte hatten gar keinen mehr. Sie hier hat immerhin vier Herzschläge die Minute!“
    „Was?!“
    Schon war der Doktor, namentlich: Avondalee Naypier, heran, hatte ihm den Auszug aus der Hand gerissen. Der Brünette schrak zurück, doch schien der Wissenschaftler davon nicht die geringste Notiz zu nehmen, zu sehr schlugen ihn die nach und nach in stetigen Wellen zu ihm vordringenden Gewissheiten in ihren Bann.
    Der Höhepunkt seiner Karriere war zum greifen Nahe! Der Schlüssel!
    „Sagenhaft!“
    Regelrecht gewispert drang jenes eine Wort nur über die schmalen Lippen des Mannes als er las was ihm bereits offenbart worden war. So starr wie er für einen Moment war, so plötzlich ließ er das Papier auch schon wieder fallen, war mit zwei fließenden, geradezu hektisch eiligen Schritten wieder an die Bahre der zierlichen Brünetten heran.
    „Skalpell!“
    Während er die Linke bereits fordernd ausstreckte war die Rechte, ebenso sechsfingerige Hand bereits am Augenlid der Frau, zog es Hoch während der Blick prüfend die leeren Pupillen untersuchte.
    „Herr Doktor! Sie...sie erwacht!!“
    ~ „Morphium! Schnell!!! Holt Morphium her!!“
    -„Nein!“ Bestimmt gebietend und ohne sich umzuwenden packte er den an ihm bereits vorbei, hin zu den besagten Flaschen, hastenden Knaben an den Schultern, mit einem eisernen Griff den man dem dürren Sonderling kaum zugetraut hätte.
    „Sie hat eine geschlagene Stunde in einer Kammer voll Zyklon B... „überlebt“, ist ja gerade erst einmal nach fast einer halben überhaupt in die Knie gegangen!
    Ihr Haar, das wie bei jedem unserer „Schützlinge“ denen eine „Sonderbehandlung“ zu Teil wird, vollkommen geschoren wurde ist bereits wieder nachgewachsen...
    Diese Frau werdet ihr damit nicht im Zaum halten können.“
    Während er sprach verzogen sich die Mundwinkel des Avondalee immer weiter zu einem manischen, gar wahnsinnigen Grinsen.
    Der Zurückgehaltene wollte protestieren.
    „Aber...“
    „Kein >Aber<!!!“
    Er stieß den Assistenten zurück, dass dieser Mühe hatte im Straucheln nicht hinzufallen.
    Mit großen, unschlüssigen Augen des verwirrt Schockierten sah er der wieder ausgestreckten Hand entgegen. War...war das sein Ernst?!
    „Und jetzt los, Skalpell!“
    „J...ja, Herr Professor.“
    Der junge Mann schluckte. Mit zitternden Gliedern legte er seinem Vorgesetzten und Ausbilder das Besteck in die Fläche.
    „Danke.“
    Die Stimme des hoch gelobten, wohl weltweit einzigartigen Spezialisten für Biochemie, Humanbiologie und -chirugie, militärischem Ingenieurwesen, Kryptozoologie und Alchimie, klang geradezu schroff, heißer vor maßloser Spannung und Begierde eines von flüsternden Stimmen als Wahnsinniger verschrieenen Forschers.
    Eine einzigartige Möglichkeit!
    „Mit...mit Verlaub, Herr Doktor...Herr....Herr Professor“, wagte nun auch sein zweiter Gehilfe, ein kleiner, untersetzter Mann Ende zwanzig, zögernd das Wort.
    „Diese...diese was-auch-immer hat zwei Männer der Waffen SS auf dem Gewissen – einfach so!! Als die Kammer geöffnet wurde ist sie aufgestanden als wäre nichts, hat die beiden Wachen förmlich in der Luft zerrissen! Ich habe es mit EIGENEN Augen gesehen!!“
    „Und wenn schon!“ Schmunzelnd fuhr der kurz „Dok“ genannte Wissenschaftler den nackten Körper der Frau entlang. Er musste zugeben: er hatte keine Ahnung wer oder gar WAS sie war, aber er wusste, dass er nie ein faszinierenderes Geschöpf auf seinem Tisch hatte liegen sehen!
    „Der Stellvertreter des Führers war ja zur Stelle. Sein Leib- Adjutant war glücklicher Weise in der Lage gewesen dieses schändliche Versagen des diensthabenden Wachpersonals wieder gerade zu biegen...“
    Für einen kurzen Augenblick schweiften die Gedanken des Blonden in eine andere Richtung hin ab. Dieser Günsche, von dem man ja solange nicht das geringste gehört hatte bis er an der Seite des Majors Max Montana als dessen Leibwächter aufgetaucht war, musste schon ein ganz außergewöhnlicher Mann sein, selbst für SS-Verhältnisse!
    Niemand hatte gesehen wie er diese...Bestie hier gestellt hatte, hatte er sie doch wieder zurück in die Gaskammer gezwungen und diese war für die Dauer des Kampfes auf Montanas Befehl hin wieder verschlossen worden, aber er war ohne größeren Schaden und vollkommen erfolgreich aus dem Gefecht hervorgegangen.
    Angeblich habe man schauerliche Schreie in der unmittelbaren nähe des Raumes vernehmen mögen...
    Der Doktor fragte sich was es damit wohl auf sich gehabt haben mochte...
    Aber das stand hier für den Moment nicht zu Debatte.
    Es gab weitaus wichtigere, wundervollere Fragen zu beantworten.
    Er wollte es SEHEN! Ob sie es wirklich konnte...? Wie würde es wohl ausschauen?
    Schmunzelnd setzte er die Klinge am linken Handgelenk der Frau an, an der Pulsschlagader. Mit sanftem Druck versenkte er den silber glänzenden, rasiermesserscharfen Stahl im weißen weichen Fleisch.
    Keine Regung durchlief den beinahe leblosen Leib. Vertikal die Arterie hinauf spaltend führte er den Schnitt, bis zur Armbeuge, langsam, behutsam, akribisch genau nicht von der imaginären Linie weichend die er in Gedanken gezogen hatte und rote Schlieren säumten den makellosen Schnee dort wo die Spalte geöffnet wurde.
    „Dann wollen wir doch einmal sehen ob dieses Weib, diese Irre, wirklich ist wofür ich sie nur all zu gerne halten würde, als was der Stellvertreter sie mir ausweisen wollte....“

    Irre...? Nein! Nicht! Seit...Jahren war...mein Verstand nicht...mehr so klar!
    Der...mein Denken hemmende... Instinkt...scheint...verschwunden...
    Was...mich zu IHM...zu DIR zog...verklingt...
    Vlad...
    Mir...ist so...eiskalt...
    Es...tut so weh...und doch...kann ich nicht...auch nur einen... Laut...von mir...geben...
    Es...ist als ob...meine Kräfte...endgültig aufgezehrt wären...
    Ich höre...ich fühle...sowohl ihre...Furcht als auch...was...sie mir tun...
    Ist das...die letzte...Klarheit vor dem...Ende...?
    Das...letzte Aufbäumen...?
    Soll ich wirklich...ruhen dürfen...?
    Oder...wird nun...lediglich...der Irrsinn obsiegen...?
    Vlad...
    Ich fürchte mich...
    Wo...? Wo bist du...?


    „Stellen sie meine Worte etwa in Frage, >Grand Professeur?!<“
    Unwillkürlich fuhren der Doktor sowie seine beiden Gehilfen herum als die wohlbekannte, durchdringende wenn auch leicht schräge Stimme erschallte.
    Ihm Türrahmen des schmutzigen, an vielerlei Stellen mit Blut gebrandmarkten Laboratoriums stand er, der >Stellvertreter<, in voller Uniform und zahlreiche Verdienstmedaillen schmückten sein Revers.
    Die Arme hatte der blonde Mann von kleinem, jedoch korpulentem Wuchs, hinter dem Rücken verschränkt. Wahrlich, er sah nicht im geringsten so aus wie man sich für gewöhnlich einen Major der berüchtigten Waffen-SS vorstellen würde! Weder war er ein Hüne noch anderweitig eine Entsprechung des hoch gepriesenen, mit Feuereifer propagierten Ideals des Ariers, und dennoch hatte sein Auftreten etwas...Imposantes, etwas ungemein Faszinierendes und zugleich Furchterregendes an sich.
    Hinter Gläsern seiner Brille ruhten kleine, wache, stets auf unbestimmte Weise bedrohlich grausam, gar fanatisch, von seiner Sache voll und ganz überzeugt funkelnde Augen, das breite, hämisch selbstzufriedene Grinsen schien so grotesk, so unnatürlich, wie es nicht imstande war die schmalen, fleischigen Lippen zu kräuseln sondern nur die Mundwinkel absonderlich verzog und doch, wenn er zu reden begann offenbarte er eine Wortgewalt, die selbst der seines Meisters -des Führers höchstselbst- in nichts nachstand – eine Macht wertvoller als abertausende von Gewehren.
    Dieser Mann, dieser Demagoge, verstand es die Massen hinter sich zu scharen, sie ganz nach seinem Gutdünken zu lenken.
    Und das wusste Avondalee, der schluckte, in Gegenwart dieser... unvergleichlichen Aura deutlich leicht erschauernd. Er, der Professor, der sonst scheinbar doch niemals aus der Ruhe zu bringen war erzitterte im Angesicht jenes kleinen, ungelenken Mannes und seines schweigsamen, hochgewachsenen, durchtrainierten Begleiters, der –immer in voller Uniform mit hoch geklapptem Kragen seines Fliegermantels anzutreffend- mit seinem leeren, unbestimmten aber eiskaltem Blick geradezu das vollkommene Gegenteil seines Vorgesetzten zu verkörpern schien.
    [iEs...es...ER! Er kommt...näher. Ich...spüre ihn...es...diese...Kreatur.
    Dabei...hieß es doch...sie seien vollständig...ausgerottet!
    Ich...kann mich...nicht rühren. Jeder Knochen meines...Leibes scheint...unter der Wucht seiner Schläge zerborsten...Ich fühle mich so...elend, so...schwach...und Fesseln aus Reliquiemsilber umschließen...jedes einzelne meiner... Gelenke, halten mich in so...grotesker Pose...
    So sehr ich es will, ich kann...mich nicht bewegen, Schmerz und Bann...lähmen mich....und selbst wenn...ich könnte gegen den Lycan...nichts entegensetzen.
    Ich bin kein...Nosferatu.
    Mein dunkler Prinz!
    Ich bin verloren...[/i]
     
  2. „H...Herr Major! Wir...wir wollten...“
    Der Forscher wusste kaum wo er ansetzen sollte in seiner Verwirrung, seiner schieren Überwältigung in der unmittelbaren Präsenz jenes zugleich geachteten und gefürchteten Mythos der Wehrmacht.
    Doch dieser hob nur die Hand um mit kurzem, trockenem, irgendwie künstlichem Lachen abzuwinken als er endgültig ein par Schritte in den Raum hinein nahm, dicht gefolgt von seinem wie ein Schatten nie von seiner Seite weichenden, unheimlichen Adjutant.
    „Schon gut, Herr Professor. Fahren sie ruhig fort. Ich brenne förmlich darauf ihre fachliche Meinung zu diesem... außergewöhnlichen Fund zu vernehmen.“
    Für einen Lidschlag glich das bleiche Gesicht des Wissenschaftlers einer Maske des Erstaunens.
    Der...der Major Montana, der vom Führer selbst ernannte >Unteroffizier von Berlin<, war hier um ihm bei seinen Forschungen zu zusehen? Erpicht darauf seinen Ergebnissen zu lauschen?
    Er wusste zwar um das gewisse Interesse jenes Mannes an diesem Projekt, hatte er doch selbst den direkten Geheimbefehl des Diktators überbracht, aber dass er sich derart darum bemühte auf dem neusten Stand der Erkenntnisse zu sein schien Avondalee ausgesprochen absonderlich für einen Mann der Wehrmacht, des schlichten Krieges.
    Doch nur Sekundenbruchteile später wich diese Verwunderung schon einem außerordentlichen Eifer, just als er sich wieder umwandte, die Ärmel seines dreckig weißen, blutverschmierten Laborkittels hochkrempelnd. Einerlei. Seine Arbeit war seine Passion. Nichts tat er lieber als andere mit ihr vertraut machen, Interessierte im Rahmen seiner Möglichkeiten unterrichten.
    „Es ist mir eine Ehre Herr Major“, bekannte er mit leichter Verbeugung, eher einem etwas energischeren Nicken, als er sich schon wieder mit seiner Probandin befasste.
    „Sehen sie...ich kann es kaum begreifen. Sie ist einfach wundervoll! Ihre Gehirnaktivität übersteigt jene eines durchschnittlichen Menschen arischen Blutes um an die sechzig Prozent und...“
    „Schon gut, Professor. Wir beide wissen das sämtliche Thesen dieser lächerlich witzlosen Rassenidiologie nicht haltbar sind.“
    Sowohl Doktor als auch Assistenten schraken erneut schlagartig zusammen. Die beiden jüngeren Männer schienen schockierte, geradezu entsetzte Blicke, schrecklich ratlos, zu tauschen.
    „Herr Major!!“
    Nervös kaute der hagere Blonde auf seiner Unterlippe herum. War das...war das ein Trick? War das eine Falle? Um seine...Gesinnung, seine Einstellung zum Regime zu erfassen?
    Natürlich war es eine Farce was heutzutage überall, sei es auf den Straßen, in den Schulen, an den Universitäten oder auch hier, in den KZs gepredigt wurde, aber Nonsens hin oder her: es war die PFLICHT jedes Volksgenossen zu folgen und das Wort des Führers anzuerkennen. Wer dies nicht tat, der war eine gemeine Gefahr für die Gemeinschaft und musste als solche „sonderbehandelt“, gar ausgemerzt werden.
    Feine Schweißperlen standen dem Verunsicherten auf der Stirn als er zu dem noch immer so grotesk grinsenden Major sah.
    Was?! Was sollte er ihm sagen?
    Er verspürte jenes unangenehme Gefühl, das man empfand wenn man bei etwas ganz und gar heiklem erwischt wurde, und das von jemandem, der einen Pfad auf Messers Schneide leicht kippen konnte.
    „Ich...ich...also...“ doch ehe der stotternde Versuch der Selbstrechtfertigung auch nur im Geringsten geendet hätte, hatte der offenkundig auf gewisse, abartige Weise amüsierte SS-Mann das Wort wieder ergriffen.
    „Himmler selbst hat das genau genommen gar bereits zugegeben. Aber nun gut, ich habe sie unterbrochen. Fahren sie fort.“
    „J...j...ja...wie sie wünschen....“
    Der Doktor fühlte sich so seltsam nackt, auf dem Präsentierteller wie ein Kaninchen vor der Schlange. Deswegen, genau wegen solcher Bemerkungen, zog er es für gewöhnlich vor Offiziere der Wehrmacht zu meiden. Man konnte nie wissen ob man durch eine Intrige nicht vielleicht doch auf irgendjemands Abschussliste gelandet war.
    Mit einem noch immer nicht weichen wollenden Gefühl der Beklemmung, einem reichlich flauen Magen nahm er den Faden seiner vorherigen Worte also wieder auf, sprach: „Also, auch wenn ihre Gehirnaktivität die eines... gewöhnlich intellektuellen Menschen um an die sechzig Prozent übersteigt, so konnten wir jedoch etwas scheinbar vollkommen widersprüchliches feststellen, denn....“
    Er wich zur Seite, so dass der Major näher an die Bahre heran treten konnte und verwies auf den tiefen Schnitt den er kurz vor dem Eintreffen des unverhofften Besuches vollführt hatte, fuhr mit dem Zeigefinger seitlich an diesem auf und ab.
    „Obwohl ich die Arterie vollkommen, vom Handgelenk bis zur Armbeuge, gespalten habe dringt kaum ein schwaches Rinnsal Blut daraus hervor. Das hat damit zutun, dass sie davon zwar unglaublich dünnflüssiges, aber auch einen grob geschätzten guten halben Liter weniger zu haben scheint als beispielsweise sie und ich. Das hat zur Folge, dass ihr Herz gerade einmal vier bis höchstens mal sechs –was momentan hin und wieder gemessen wird, denn sie scheint zu sich zu kommen- Schläge die Minute aufweist – und dennoch ist sie nicht wirklich tot! Sie scheint...“
    Stirnrunzelnd stockte er für einen Moment. Hatte er sich das nur eingebildet oder... Nein, in der Tat! Die rötliche Borde an den Rändern des Schnittes verjüngten sich immer mehr, der schmale Spalt schien sich zu schließen.
    „...und offenkundig verfügt sie sogar über die Fähigkeit der Regeneration. Wie ich es mir erhoffte!“ sprach er leise zu sich selbst, dachte mehr laut als dies wirklich mitteilen zu wollen.
    Er schien wie in Trance als er dem Geschehen, dass bloß Sekunden in Anspruch nahm folgte. Ungläubig fuhr er über die Haut, sodass er förmlich unter seinen Fingern zu spüren vermochte, wie die leichte Unebenheit darunter verschwand, nur glatte, weiße, makellose Alabasterhaut zurückließ.
    „Perfekt...“
    War der Ausdruck der Faszination, der Bewunderung zunächst auch kaum mehr als ein Flüstern, so wiederholte er ihn nun erneut, euphorisch, regelrecht hysterisch.
    „Sie ist perfekt! Sehen sie nur, Herr Major! Die gesamte Wunde – einfach wieder geschlossen!“
    „Derartiges haben wir bei Untoten bereits mehr als einmal beobachten können, Professor“, gemahnte Montana jedoch bloß nüchtern, geradezu desillusionierend.
    Doch ließ der Forscher sich diesmal dadurch nicht beirren. Ohne den andern noch anzusehen fuhren seine Hände den nackten Frauenkörper entlang, tasteten ihre Muskelstränge akribisch genau ab, suchten nach auffälligen Knochenstellungen. Schlagartig war ihm klar was nun zu tun war!
    Gedanklich hatte er sich bereits eine Liste an vorzunehmenden, experimentellen Untersuchungen gemacht. Sie, dieses unwahrscheinliche, unwirkliche Paradoxon, dieses Geschenk, wollte er um jeden Preis so gut es nur ging ergründen!
    „Ja, da haben sie durchaus recht. Bei Untoten! Aber SIE ist keine Untote! Sie ist...weder tot noch lebendig und doch keine von JENEN. Sie...ist das, was uns all die Zeit gefehlt hat! Wo...wo haben sie diese Frau nur her, Herr Major? Was hat es mit ihr auf sich...?
    ...
    Grewenge, Dietrich! Gehen sie mir zur Hand!“
    Ohne noch ein Wort von sich zu geben befolgten die beiden mittlerweile vollkommen verunsicherten, mit der Situation gänzlich überforderten jungen Männer die Anordnung ihres Mentors. Was hier vor sich ging glich in ihren Augen einem ganz und gar absurden, unmöglichen Roman, einer Schauergeschichte. An Vampire und Ghouls hatten sie sich beide schon längst gewöhnen müssen, ebenso wie an Perversion, an eine stetige Gradwanderung an den Grenzen von Wissenschaft und Wahnsinn, aber das hier...es schien so unmöglich noch dort zu verlaufen, wo zu studieren sie sich vorgenommen hatten, nämlich im ersteren der beiden Sektoren.
    Doch sie schwiegen. Was hätten sie auch sagen können? Was ohne sich selbst in schreckliche Gefahr für Leib und Leben und vielleicht sogar Seele zu bringen?
    So traten sie heran, reichten dem >Grand Proffesseur< Bestecke, Phiolen und hielten mit Pinzetten den Hautfetzen vom darunterliegenden Fleisch zurück, den dieser mit unvergleichlicher, chirurgischer Präzession vom Dekolté, dem Brustansatz der neuen Probandin trennte.
    Mit Hilfe einer Pipette träufelte er eine übel riechende, gelblich grüne Tinktur auf das Gewebe. Ein bedrohliches, spitz schrilles Zischen war der daraus resultierende Laut als sich die Säure ihren Weg durch Fett und Muskelgewebe bahnte.

    Es...es tut weh! Es tut so weh!
    Was...warum ICH?! Warum... muss ich leiden?! Was... habe ich nur getan...derartiges durchleiden... zu müssen?
    Vlad...! Wo...wo bist du...? Was...warum kann ich nicht.. bei dir...sein...?
    Sie sind...wahnsinnig! Vollkommen Irre!
    Ich...ich fürchte mich...so sehr!
    Jonathon... ist längst fort, hat mich...zurückgelassen..und ich danke Gott dass diese...Ehe damit endlich...geschieden wurde! Mag es erst...durch den Tod geschehen sein aber...ich WEIß dass du noch irgendwo...da draußen bist, mein dunkler Prinz....
    Es gibt...keinen van Hellsing mehr, der mich...zurückzuhalten vermag, nur noch...Lord Goldaming lebt von all jenen noch..doch ist er längst alt und...gebrechlich...
    Vlad... sie haben mir nie...erzählt was wirklich mit dir...geschehen ist jedoch...weiß ich einfach, dass...es nicht so ist, wie es aussieht...!
    Mein dunkler Prinz...! Ich sah es...in meinen Träumen, meine...Hoffnungen...ich....
    Ich will...nur zu dir...!

    "Nun, ich konnte in Erfahrung bringen, dass dieses junge Fräulein ursprünglich englischer Herkunft sich wohl auf der Durchreiße befand, ins Gebiet der ehemaligen Walachei" begann der Major seine Antwort auf die zuvor gestellte Frage Avondalees. Das charakteristische, unheimlich unbewegte Grinsen verzog dabei seine Mundwinkel während er der Prozedur beiwohnte.
    Endlich! Der Doktor schien wahrlich bereits Ansätze zu haben, sich gewahr zu sein wie er hiermit, mit dieser Gabe der Vorsehung, zu verfahren hatte!
    Die lange gesuchte, die stets erstrebte "Nr.0" war endlich ihnen! Der Ursprung! Der Anfang! Der Grundstein einer unvergleichlichen Armee!
    Ohne den Blick von dem grotesken Schauspiel einer Sektion einer mehr oder minder Lebigen zu wenden streckte er seine rechte Hand fordernd aus, den bestimmten, stets irgendwie mechanischen Bewegungen seines schweigsamen Adjutants mit dem unheimlichen, leeren Blick aus dem Augenwinkel gewahr werdend.
    Wie gewöhnlich ohne ein Wort der Erklärung übergab er ohne jegliches Zögern einen Papierschein, den er soeben von einem jungen Soldaten überbracht bekommen hatte, seinem Vorgesetzten.
    Dieser faltete das Dokument mit schwulstigen, in weißen Stoff gehüllten Fingern auseinander, ließ den Blick aus den unheimlichen, stets das Gefühl der doch recht kleine Mann stünde all zu hoch über ein jedem vermittelnden Habichtaugen darüber gleiten ehe er es in der Hand zerknüllte, achtlos zu Boden warf während seine Mundwinkle sich nun noch wesentlich stärker in einen abstrakten Winkel verzogen, wie man nicht glauben würde, dass es in der Möglichkeit eines Menschen lag und pure Zufriedenheit, infernalische Genugtuung trieb ihre Flammen hinter den in Metall gefassten Brillengläsern.
    Dieser Ausweis hatte den letzten Zweifel getilgt! Die Wahrheit war so abstrus, paradox wie einfach, so nahe all die Zeit und doch so weit außer aller Wahrscheinlichkeiten gewesen!
    Dracula...!
    Der Blutfürst selbst hatte sein Mal in diesen Leib gebrannt! Von so unschätzbarem Wert dieses eine, nicht mehr gänzlich in dieser Welt dämmernde Leben, so wundervoll! Unschätzbar! Der lange gesuchte Lebensbrunn, die Essenz des Steins der Weisen in sterbliches Fleisch gebannt!
    "Fräulein Wilhelmina Harker war offensichtlich auf der Suche nach jemandem gewesen... Jedoch fand ihre Reise ein Abruptes Ende als das Zigeunerpack, bei dem sie Unterschlupf gefunden hatte, von unseren rumänischen Bundesgenossen in seinem Nest ausgehoben und einer offensichtlich nutzbringenderen Beschäftigung als dem sinnlosen umherziehen durch die Lande zugeführt wurde, nämlich dem Abreitslager Hermannsee des KZ Ausschwitz.
    Ein unschätzbarer wertvoller Fang, Herr Doktor....
    Ich hoffe sie wissen damit angemessen umzugehen...."

    "S...sagten sie...Wilhelmina Harker...? Auf der Reise durch...Rumänien? "
    Während dieser kurzen Erläuterung hatte sich der Professor langsam, allmählich immer weiter zu dem Sturmbannführer umgewandt, den Kopf Stück für Stück in wachsendem, vom schrecklichen Grauen durchzogenen Staunen immer weiter drehend, dazu seine Instrumente in gleichem Maße immer weiter sinken lassend.
    War das...ein Scherz?! Ein schlechter Witz?! Eine groteske Art pechschwarzen, trockenen Humors?!
    Nein...ein Blick in dieses rundliche, fratzenhafte Angesicht genügte gänzlich um zu wissen dass dieser kleine, unförmige, untersetzte und so gar nicht in die SS-Normen passende Mann über derartiges niemals auch nur den geringsten Scherz sich erlauben würde. Dies hier war sein blanker Ernst.
    Wilhelmina Harker...
    Natürlich, der Roman des irischen Schriftsteller Bram Stoker war ihm durchaus ein Begriff, schon allein weil es 1922 eine deutsche Stummfilmadaption - Nosferatu, eine Symphonie des Grauens- dazu gegeben hatte die durch den aus den Rechtsstreitigkeiten darum erwachsenden Medienrummel noch zu zusätzlicher Popularität gelangt war, hatte der Regisseur zwar Namen und teils Schauplätze geändert aber ansonsten den Stoff ohne Zustimmung der Stoker's übernommen.
    Das Buch selbst hatte Avondalee in seiner Studienzeit gelesen, aus purem Interesse... und nun...legte er hier Hand an den entblößten, wehrlosen Leib der gefässelten Mina Harker selbst, nur dass sie sicher nicht so aussah, wie sie müsste wenn denn das stimmte was Bram in seinem Werk so akribisch chronologisch geordnet wiedergegeben hatte. Es sei denn natürlich...
    Gar nicht auszudenken in was er damit geraten war! Konnte es wahrlich sein dass...dieses Mädchen, jene junge Frau...das Blut des legendären Grafen Dracula persönlich gekostet hatte...?
    Lag hier, vor ihm...wahrlich der Schlüssel zu ALLEM?! Zur schieren...Unsterblichkeit selbst?
    Es dauerte gefühlt ewige Minuten bis der Wissenschaftler, dem man jeden einzelnen seiner Gedanken beinahe im Antlitz abzulesen vermochte mit hinter den Vergrößerungsgläsern einer Brille riesig, wie Insektenaugen wirkenden, unschlüssigem Blick aus vor Anspannung, Nervosität staubtrockenem Mund und Kehle, die das Schlucken beinahe schmerzen ließ, im Stande war seine Frage zu formulieren, zu äußern und vorzubringen, mehr in einem Flüstern denn in wahrer Gesprächslautstärke.
    "H...Herr Major...w...was ist sie?"
    Der Sturmbannführer, offensichtlich noch zusätzlich angetan von dem ungläubigen Staunen, dem schieren Entsetzen über die Ausmaße der GANZEN Wahrheit seines Gegenübers konnte sich eines leichten, kehligen, überlegen amüsierten Lachens nicht erwehren.
    Ja, Naypier hatte verstanden!
    Es würde keine lange Erklärung mehr folgen, die Details lagen auf der Hand, der Weg zu ihren Füßen musste lediglich noch beschritten werden, die Basis des großen, erstrebten Schaffens hatten sie erlangt.
    Es war alles bereits von langer Hand geplant, die Operation "Letztes Bataillon" längst angelaufen und gelangte nun allmählich in die "heiße Phase", in der die Forschung wahrlich all ihre Ressourcen auszuschöpfen hatte, die zuvor gesammelten Erfahrungen vorzuweisen und zu erproben gefordert wurden.
    Mit mysteriösem, so eindringlichem wie infernalischem Grinsen, schaurige enorm geöffneten Augen, geweitet von purer Manie trafen die geradezu glühenden, unheilvollen Habichtaugen eines Mannes mit einer Ausstrahlung wie zum Kommandanten, zum Anführer geboren, von der Vorsehung erkoren jene des Professors dem ein kalter Schauer über den Rücken lief, in schierer Paralyse über all das wahrhaftige Grauen - und all die Möglichkeiten die sich damit auftaten!
    Geradezu verschwörerisch formten die ungemein schmalen, farblosen Lippen im vollen Gesicht die Worte, getragen von einer festen, gebieterischen Stimme, die einem Omen gleich kam in der Symbiose mit ihrer Aussage, die bereits andeutete das von nun an nichts mehr geschehen würde, was nicht bereits von jeher in allen Überlegungen abgewogen und eingebunden worden war, nein, dies sogar geradezu verkündete.
    Jener Mann, jener korpulente, unproportionierte und dennoch in der bloß spärlich ausgefallenen Größe seiner Statur bedrohlich wirkende Offizier schien bereits zu WISSEN was noch vor ihnen lag, nein, schien es als Konstanten in den so unvorhersehbaren Strom der Zeit manifestiert zu haben.
    "Was sie ist, Professor? SIE ist der Anfang von ALLEM, der Weg und das Ziel. Die Hülle, das Gefäß des Unmöglichen, die Grundlage Racknaröcks, die von Fenrir bezwungene Schlange Mithgards.
    SIE ist die Endlösung."

    --------------------------------
    ~Vielen Dank für's Lesen.!>: D~
    Reviews sind gerne gesehen.^^
     
Moderatoren: RockyRaccoon
Die Seite wird geladen...
Ähnliche Themen Forum Datum
RESIDENT EVIL 6 : The Final Chapter Film & Fernsehen 23. August 2016
Final Fantasy Digital Games 17. Februar 2010
The Returners Final Fantasy Roleplaying Game Andere RPG-Systeme 8. Januar 2008
final fantasy Digital Games 19. Juni 2007
the final battle WoD 1: Werwolf: Die Apokalypse 13. Dezember 2003

Diese Seite empfehlen

  1. Diese Seite verwendet Cookies, um Inhalte zu personalisieren, diese deiner Erfahrung anzupassen und dich nach der Registrierung angemeldet zu halten.
    Wenn du dich weiterhin auf dieser Seite aufhältst, akzeptierst du unseren Einsatz von Cookies.
    Information ausblenden