Rollenspiel ist kulturelle Appropriation

Kowalski

Rollenspiel ist kulturelle Appropriation
Ihr erinnert Euch noch als fundamentale Christen versuchten Rollenspieler mit Teufelsanbetern und Hexerei in Verbindung zu bringen?
In den 1970-ern waren die Konservativen die Regressiven

Nun, das hat sich anscheinend geändert und die Progressiven schießen sich auf unsere Hobby ein, bis wir es nicht mehr spielen mögen:

Exhibit 1:
Hulu removes Advanced Dungeons and Dragons Episode / Blackface

Exhibit 2:
WoTC zensiert "Rassistische" Karten aus MtG

Wann werden Männer keine weiblichen Charaktere spielen dürfen?
Wann wird Rassismus gegen Orks zum Problem?
 
D

Deleted member 317

Guest
Wann wird Rassismus gegen Orks zum Problem?
Da hab ich letztens noch was bei Facebook gelesen, dass dieses "Problem" in Zukunft angegangen werden soll, in dem Orks nicht mehr per se böse sind und auch mehr Inhalt erhalten sollen.
Tja, wir leben in Zeiten in denen Jim Knopf als rassistisch gilt und in der Pippi Langstrumpf der Negerprinzessin wegen und auch der Darstellung des Kongos als hochproblematisch angesehen wird. Dass Pippi ne emotional gestörte Persönlichkeit , die parentifiziert ist und zu Selbst- und Fremdgefährdung neigt und der illusorischen Vorstellung unterliegt sie sei stark und damit eigentlich viele Kriterien eines Missbrauchsopfers erfüllt, lassen wir mal unerwähnt. Hauptsache niemand schreibt mehr Neger in den neuen Publikationen. *seufz*
Diese ganze Debatte nimmt krude Züge an. Wir befinden uns in einer Zeit, in der menschliche Verhaltensweisen wie Reduktion von Komplexität, Abgrenzung vom Fremden und vorurteilsbehaftetes Verhalten als Mangel an der Person angesehen wird.
Damit wird Rassismus entwertet. Dabei kann es bei Rassismus nur darum gehen, niemand anderen auf Grund seiner Hautfarbe, Herkunft und oder Religion zu hassen, zu diskreditieren oder herabzuwürdigen, vor allem aber nicht körperlich anzugreifen. Wenn wir das hinkriegen würden, wäre wirklich was geschafft. Gibt zig Beispiele, wie durch dieses aktuell salonfähige Verhalten Rassismus und auch Sexismus befeuert werden. Sehen die Bekloppten halt nur nicht.

Nun kommen wir aber an deinen Punkt. Es geht nicht um die Frage des Dürfens. Wenn du Bock drauf hast, ne Frau zu spielen, spiel ne Frau. Wenn du nen Aggro Ork als Bösewicht willst, tu das. Weißte in manchen Gruppen sind Torture Porn und Vergewaltigung regelmäßig Thema. Da ziehen andere auch die Augenbraue hoch. Redet halt keiner drüber, außer in Foren. Nur weil Regelbücher PC sein wollen, heißt das nicht, dass man das privat auch sein muss. Solange du dein Standing hast und weißt, was grundsätzlich in Ordnung ist und was nicht, kannste auch nicht-PC sein im entsprechenden Rahmen. Du musst da keine Nummer draus machen, als wäre die Freiheit zu denken vollkommen eingeschränkt, nur weil der Trend zum US Aktionismus geht. Und nichts anderes ist das. Kein Pole, kein Franzose, kein Brite macht sich solche Gedanken zur PC oder zu Rassismus wie Amis und Deutsche. Und wer meint, dass das mit dem zweiten Weltkrieg bei uns zu tun hat, liegt falsch. Das haben wir 1:1 von den Amis übernommen. So wie Prepperverhalten und die Ablehnung des Staates. Und warum? Weil die Leute mitm Internet nicht umgehen können einerseits und mittlerweile jede Sozialpädagogen Fotze (männlich wie weiblich) ne Stimme hat, die sie in den Äther bläst.
 

Kowalski

Rollenspiel ist kulturelle Appropriation
Ich stimme da teilweise zu

Einfach mal darauf achten
Ich habe da nicht viel Hoffnung, das wird erst in den 2030-ern kippen, fürchte ich, wenn der letzte Depp gemerkt hat das man hier einfach einem Machtspielchen aufsitzt

Die spannende Frage wird sein überlebt das Hobby das in der jetzigen Form?
Der Westen überlebt das, fragt sich nur ob wir dann liberaler und aufgeklärter sind, illiberaler und PC-Orthodox, oder gar einem neuen Nationalimus die Tore geöffnet haben

Wieso habe ich das Gefühl 2020 wäre ein Modul aus Paranoia????
 
D

Deleted member 317

Guest
Natürlich überlebt es das. :)
So wie es die Krise jedes Jahrzehnts überlebt hat. Damals als es noch satanisches Gedödel war, dann wars nerdig dann kam Vampire und es wurde Einheitsbrei für die Masse von Goths, dann kam Neverwinter Night aufm PC, dann wars wieder satanisch, irgendwann später hat sichs nicht mehr gelohnt finanziell, bis dann Kickstarter kam. Ich bin da zuversichtlich.
 

harekrishnaharerama

Guter, alter Bekannter
Ich glaube nicht, dass diese kulturellen Überbleibsel für Rassismus verantwortlich sind - teilweise ganz im Gegenteil. Negerkuss und Zigeunersoße haben zum kulturellem Verständnis mehr beigetragen, als viele Gesetze es je konnten. Vor allem sollte man sich hüten zu glauben, Antirassismus und in Anspruchnahme der "Political Correctness" seien immer gerecht. Es geht da häufig nicht um Gleichberechtigung, sondern um das Gewinnen eines Vorteils.

Diese Antirassismusbewegung aus den USA versucht die ganze Welt für sich in Anspruch zu nehmen. Das ist nicht richtig und auch nicht in Ordnung. So wird "Black-Lives-Matter" schnell zu einem Instrument vom Black Power Movement. Ein Problem, dass die Staaten unter sich ausmachen müssen.


Was allerdings Rassismus, Sexismus und Faschismus im Rollenspiel - insbesondere dem Fantasierollenspiel - anbelangt, gehört es einfach zu diesen Welten dazu. Es ist ein überzogene, verkehrte Welt, die durch vermeintliche Schönheit von ihren Problemen ablenkt. Aber genau das ist es doch, was wir in diesen Szenarien lernen sollen. Und es funktioniert. Genauso wie Krieg zu spielen dagegen hilft, einen Krieg zu beginnen - weil man eben verstanden hat, was dort passiert.
 
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Zornhau

Freßt NAPALM!
Es gibt ja einen erlaubten Ausweg: Selbstidentifikation.
Jede Person darf sich zu jedem Zeitpunkt als irgendwas Beliebiges selbst identifizieren und ALLE Menschen dieses Planeten müssen dies als FAKT akzeptieren und dürfen niemals einen Zweifel diesbezüglich äußern.

Letzte Woche identifizierte ich mich als extrem muskulöser Profi-Ringer und Ex-Dockarbeiter aus Boston, der sich mit seinem treuen Hundbegleiter mit übernatürlichen Kreaturen rumschlägt, dann als ultrareicher familienorientierter Werpanther, der an einer schwierigen Scheidung laborierte, darauf als schwuler Weltraum-Prospektor, der als Spion für eine Künstliche Intelligenz arbeitet, dann als psionisch begabter humanoider Mutant, der gegen einen durchgeknallten Kult antritt, und ich habe das Gefühl, daß ich mich nächsten Mittwoch als Echsenmenschenkrieger mit "Laseraxt" identifizieren werde.

Somit spiele ich tatsächlich IMMER NUR MICH SELBST.
 

Maarzan

Würfelpriester
... kulturelle Appropriation ...
Eigentlich einer der Leuchttürme der bodenlosen Dummheit oder Bösartigkeit aktuellen Aktivismusses:

Letztlich geht es nur darum Schmutz zu werfen und sich damit selbst zu erhöhen. Ein praktischer Nutzen wird gar nicht erwartet.

Man sehe das hier anliegende unmögliche Dreieck:
Es gilt als "rassistisch" entsprechenden Minderheiten nicht ausreichend sowohl inhaltlich positive wie von diesen als korrekt angesehene Repräsentation in den Spielen zu geben.
Sich zu diesem Zwecke derer Kultur, Geschichte und Mythen zu bedienen ist allerdings wieder Approprioation. Was ähnlich erscheindendes selbst zu erfinden auch oder wenn es verändert genug ist, ist es dann wieder eine Verfälschung und Respektlosigkeit dieser Kultur gegenüber und damit wiederum rassistisch.
Zu sagen: Dann macht das doch bitte als die Experten selber ist dann derailling, weil man damit den "Opfern" die Aufgabe der Korrektur zuweißt, zu der wegen "struktureller Priviligierung" dann wieder die weitgehend den Unterdrückern zugeordneten Autoren und anderen Mitspieler verantwortlich sind.
 
D

Deleted member 7518

Guest
Ich persönlich freue mich ja darüber, dass sich innerhalb des Hobbys dazu Gedanken gemacht wird.
Denn dadurch wird das Hobby eben auch für andere Menschen attraktiver.

Ich habe zB im Alltag oft genug mit Sexismus zu tun, das brauch ich im Hobby nicht auch noch.
Genauso wie es in RL von Rassismus Personen gibt, die wenig Lust haben, im Spiel mit genau den rassistischen Klischees konfrontiert zu werden, wie im Alltag.
Das kann einem den Spaß verhageln.
Ich habe auch Mitspielerinnen, denen ich mit Settings wie Aventurien mit den Novadi Klischees nicht kommen muss. Das ist für sie abstoßend, weil es eben viele rassistische Stereotype bedient, die sie im Alltag auch abbekommen. Die haben da verständlicherweise keinen Bock drauf.
Ist nur erfahrungsgemäß schwer zu begreifen für Personen, die von derlei nicht betroffen sind.

Und zugleich ist Repräsentation für diese Mitspielerinnen toll - SCs spielen, mit denen sie sich gut identifizieren können, "die aussehen wie sie", auch mal ein SC mit Kopftuch. Eine breite Varianz an vorliegenden Charakerporträts kam da richtig gut.
 

Maarzan

Würfelpriester
Wie genau ist denn die Darstellung der mittelalterlichen Kirche in Rollenspielen?
Wie genau wird mit Kultur und Geschichte der nominell "priviligierten" Völker umgegangen?

Eben, weil das als Spiel für die allermeisten Anwendungsfälle stark abgewandelt und vereinfacht werden muss, damit das händelbar bleibt.
Da auf dem sonst auch üblichen Anpassungsniveau von Rassismus zu reden sehe ich eher als Beleg dafür, dass sich manche Leute selbst zu wichtig nehmen.
Einzelelemente können natürlich darüber hinausgehen und entsprechend tatsächlich kritisch sein, wären dann aber im Einzelfall zu belegen.
 

Hoffi

Hüter des Feuers
Teammitglied
Administrator
Spielt man was anderes, ist dies BÖSE (tm).
Ich fühle mich Böse. Wenn ich jetzt einen guten Spiele, ist das dann wiederum böse, also passt das.

Rassismus im echten Leben geht gar nicht, aber wenn ich in Aventurien demnächst in Al Anfa nicht mehr über Mohas lästern darf, dann ist das einfach Bullshit.
Wenn jemand anders das in seiner Gruppe gerne hat, kann er es gerne so spielen, stört mich nicht.

Ist doch genau wie beim Sex. Ich verstehe da auch einige Vorlieben nicht, aber ich verurteile diese Menschen nicht (sofern es legal ist!)

Ich spiele sogar gläubige Menschen, aber im echten Leben lehne ich Religion und Kirche ab. Geht alles. Die sollen mal klar kommen und sich um das echte Leben kümmern.

PS: Wann wird die Bibel umgeschrieben? Die ist mal extrem rassistisch und sexistisch.
 
D

Deleted member 317

Guest
Ist nur erfahrungsgemäß schwer zu begreifen für Personen, die von derlei nicht betroffen sind.
Kommt auf die Person an. Ich komm auch nicht mehr unbedingt auf Missbrauchsthematiken klar. Die Frage ist halt, ob man deswegen eine Spielkonstante umschreiben muss? Orks bei D&D waren halt immer böse und nicht einfach nur ausgegrenzt und missverstanden. Und dann kommts ja auch noch auf die Sensibilität der Mitspieler und nicht zuletzt auf die Eigenverantwortung an. Ich find jeder sollte klar seine Grenzen benennen können.
 
D

Deleted member 7518

Guest
Grundlegend böse Spezies sind halt so ein uraltes, für mich eher langweiliges Fantasyklischee.
Machen wir sowieso fast nie so.
Wenn sich jetzt Verlage entscheiden, das auch nicht mehr so machen zu wollen, ist das ihr gutes Recht. Können sie ja mit ihrem Produkt machen.
Sie können es auch lassen, und man ändert es eben selbst, sofern es einen stört.

Und dass man vor dem gemeinsamen Spiel mal über Grenzen und unwillkommene Themen spricht, sollte heutzutage eigentlich auch eher die Norm sein. Das ist ja klar.
 
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D

Deleted member 317

Guest
Und dass man vor dem gemeinsamen Spiel mal über Grenzen und unwillkommene Themen spricht, sollte heutzutage eigentlich auch eher die Norm sein. Das ist ja klar.
Mit Blick auf die Facebook Pen&Paper Gruppe find ich das gar nicht so klar. Da sind verdammt viele Leute mit echten Rührmichnichtan Allüren. 🤔
 
D

Deleted member 7518

Guest
Welches Spiel bildet denn die Realität ab?
Und nein, ich seh nicht, wo Spiele da verschwinden würden.
Nur dass eben stumpfe rassistische Klischees oder Klischees über psychische Krankheiten oder andere derartige Dinge vielleicht künftig anders gehandhabt werden, und grundlegend ein bisschen mehr Respekt beim Umgang mit manchen Themen Einzug hält.
Was ja aber auch keine Vorgabe macht, wie der einzelne Spieltisch das handhabt. Keine Rollenspielpolizei kommt und verbietet einem was.

Bei Spielen wie Cartel wird ja auch extra betont, dass man das ruhig auch ohne persönlichen Bezug zu Mexiko spielen kann, keiner ausgeschlossen werden soll. Man aber versuchen soll, nicht in rassistische Stereotype abzugleiten. Aber einfach spielen und Spaß haben soll.
 
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harekrishnaharerama

Guter, alter Bekannter
Ganz ehrlich, das ist alles andere als das, was ich von einem Spiel erwarte. Gerade hier soll man seine Macken ausleben und die Grenzen kennen lernen. Das ist genauso wie Kämpfe und Auseinandersetzungen über OT-Gespräche lösen.

Play hard - live soft.
 
D

Deleted member 7518

Guest
Ganz ehrlich, das ist alles andere als das, was ich von einem Spiel erwarte.
Leute, die täglich von Rassismus, Sexismus, Homophobie oder sonstwas betroffen sind, wollen vielleicht einfach im Spiel mal was anderes haben. Schönen Eskapismus, ohne dieselbe scheiße wie im Alltag auch.
Spaß haben beim Spielen.

Find ich jetzt nicht schlimm.
Dramatische, spannende, konfliktreiche Geschichten lassen sich ja dennoch gestalten, auch ohne dass sich die Menschen am Tisch dabei richtig mies fühlen.
 
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