And now for something completely different...

Dieses Thema im Forum "Abseits der Nacht" wurde erstellt von Mitra, 27. Mai 2009.

  1. Mitra

    Mitra Kainit Mitarbeiter

    Ich schreibe seit ner halben Ewigkeit an einem eigenen Rollenspiel herum. Kommendes Pfingstwochenende gibt es den ersten Probelauf. Das Spiel ist grundsätzlich den Regeln der WoD angelehnt, hat sich aufgrund der langen Bearbeitungszeit mittlerweile entwickelt. Aber ich rede, ich fand die Story recht gelungen, wer mag kann sie lesen und vielleicht hat ja sogar der ein oder andere Freude dran?

    Folgend also die Einführungsgeschichte zu Post Apocalyptica...



    Ein ganz normaler Tag im Wasteland

    Erschöpft zog Burton die Schutzbrille auf die Stirn und wischte sich den Schweiß aus dem Gesicht. Das enge Halteband des Sichtschutzes hatte rötliche Striemen an seinen Schläfen hinterlassen, aber das merkte er kaum noch. Seit vier Tagen brannte die Sonne nun schon gnadenlos auf die weite Ebene des Wastelands hinab und verwandelte die Gegend in einen brütenden Hitzekessel. Mittlerweile wurden überall die Wasservorräte knapp und Burton verdankte es nur einem glücklichen Zufall, dass er überhaupt noch ein wenig trinkbare Flüssigkeit in seiner Flasche hatte. Gestern erst hatte er einen verstorbenen Wanderer entdeckt, dem er ein wenig was hatte abnehmen können. Manchmal hatte man sogar hier draußen etwas Glück. Ansonsten galt das Gesetz der Wildnis. Fressen und gefressen werden, der Tod des Einen spendet Leben für den Anderen.
    Der Mutant ließ sich keuchend in den Sand fallen und streckte dankbar die müden Glieder, dann legte er die Arme auf die Knie und sah in den gräulichen Himmel hinauf. In etwas drei Stunden würde der brennende Feuerball endlich am Horizont verschwinden und dem gepeinigten Land einen Moment des Durchatmens lassen.
    Sein Blick wanderte weiter, glitt hinab zum Horizont und schätzte geübt die Entfernung ab, die er bis zum Erreichen der riesigen Pyramide noch brauchen würde. Schwarz schimmerte das mächtig daliegende Ziel seiner Reise in der Nachmittagshitze. Das Bauwerk war schlichtweg gigantisch und schaffte es selbst nach all den Jahren noch, den Mutanten zutiefst zu beeindrucken. Mit einer Schenkellänge von exakt zwei Kilometern und einer gigantischen Höhe von tausend Metern bis zur Spitze, machte dieses mächtige Dreieck selbst einigen kleineren Gebirgszügen Konkurrenz. Ein absolutes Meisterwerk menschlicher Architektur.
    Niemand wusste wer oder was genau sich im Inneren dieser Ungetüme verbarg, einzig die tödlichen Kampfflieger der PSA die sie gelegentlich ausspie, bewiesen das noch jede Menge Leben in ihnen steckte. Leider konnten nur die wenigsten von sich behaupten, Angehörigen dieser hochgerüsteten Truppen persönlich begegnet zu sein, denn in der Regel endete ein Zusammentreffen mit diesen Elitesoldaten in einem schnellen, blutigen Gemetzel. Allein der Versuch sich einer Pyramide außerhalb der Handelszentren auf mehr als fünfhundert Meter zu nähern, wurde schnell und präzise mit dem Tode bestraft.
    Burton verscheuchte die düsteren Gedanken und stand mühsam wieder auf. Wenn er sich etwas ranhielt, könnte er sein Ziel bis zum Sonnenuntergang erreichen. Ein leichtes vorfreudiges Grinsen schlich sich in sein Gesicht, als er an die Unmengen eisgekühlten Harzbieres und das riesiges Buffo– Steak denken musste, die er sich heute Abend noch gönnen würde. Ein wohliger Schauer lief über seinen Rücken und ließ die dortigen, winzigen Tentakeln vor Lust erzittern.
    Entschlossen schritt er weiter und kam trotz der brütenden Temperaturen gut voran, als sein Blick ein weiteres Mal am Himmel hängen blieb. Dieses Mal jedoch weiteten sich seine Augen in unverholenem Schrecken.
    Zu dem üblichen Grau des klaren Sonnenhimmels hatten sich urplötzlich schmutzig dunkelgrün schimmernde Wolken gesellt. Hämische Vorboten eines der gefährlichsten Wetterereignisse des nördlichen Wastelands. Diese Farbe am Himmel bedeutete allergrößte Gefahr.
    Jeder der es je gewagt hatte seinen Fuß aus dem heimatlichen Lager hinaus zu setzen, kannte dieses Schauspiel. Wolken dieser Art brachten den gefürchteten, grünen Regen mit sich. Wem es nicht gelang sich rechtzeitig in Sicherheit zu bringen, und damit war mehr gemeint, als nur eine schützende Plane oder einen schmalen Vorsprung im Gebirge, dem stand ein wahrhaft qualvoller Tod bevor.
    Burton trieb sich selbst zur Eile, so kurz vor einem Handelszentrum gab es nichts wo er sich hätte verkriechen können. Es galt also, das Ziel zu erreichen, bevor die in den Tropfen enthaltene Säure ihm langsam die Haut von den Knochen brannte.
    Der Mutant leerte seine Trinkflasche. Das Wasser war warm, schmeckte abgestanden, nach Kunststoff und irgendwie widerlich, aber es würde ihm ein wenig neue Kraft verleihen. Genug so hofft er, um diesen kleinen Wettlauf mit dem Tod zu gewinnen.
    Entschlossen wischte er sich die letzten Tropfen vom Mund und joggte los. Sein Ziel lag noch etwa fünf bis sechs Kilometer von ihm entfernt. Wenn er sich ranhielt konnte er es in etwa einer halben Stunde erreichen. Etwa genauso lange wie die Wolken brauchen würden, um ihre tödlich ätzende Last in Stellung zu bringen. Jetzt wurde es wirklich knapp, verdammt knapp!
    Keuchend trabte der einsame Wanderer also durch die staubige Steppe und trieb sich gegen jegliche Erschöpfung immer weiter vorwärts. Seine Lungen brannten und seine linke Seite direkt unterhalb der Rippen protestierte mit heftigen Schmerzen gegen diese ungewohnte Belastung. Langsam forderte auch die Erschöpfung der letzten harten Tage seinen Preis. Lange würde Burton nicht mehr durchhalten können, sein Ziel war noch mindesten zwei Kilometer entfernt und der Himmel hatte sich bereits gefährlich verdunkelt. Aufgeben stand jedoch nicht zur Debatte, entschlossen trieb er sich weiter.
    Ein kleiner Moment der Unachtsamkeit genügte jedoch, um ihn ins Straucheln zu bringen. Eine versteckter, schmaler Spalt entging seinen gehetzten Blicken, er trat hinein und schlug der Länge nach hin. Schreckliche Schmerzen schossen das Bein hinauf bis in den Hals, trieben ihm Tränen in die rot mutierten Augen und raubten ihm den Atem. Getrieben von nackter Angst versuchte Burton sich sofort wieder zu erheben, aber ein weiterer stechender Schmerz ließ ihn den Versuch bereits nach den ersten Sekunden wieder abbrechen.
    Mühsam drehte er sich auf den Rücken und setzte sich auf. Noch bevor seine Hände den Knöchel befühlten, wusste Burton dass sein Fuß gebrochen war. Anscheinend hatte er also den Wettlauf verloren. In wenigen Minuten würde der tödliche Wolkenbruch auf ihn herniedergehen und ihn langsam und qualvoll in einem Strom ätzender Säure verbrennen. Nackte Panik stieg in ihm hoch, als er erkannte, dass er bereits verloren hatte.
    Trotzdem fingerte er die schwere Kunststoffplane aus seiner Umhängtasche und wickelte sie so um sich, dass die herab fallenden Tropfen ihn die erste Zeit nicht erreichen konnten. Es würde ihn nicht retten, aber es verschaffte ihm eventuell etwas Zeit. Hier draußen in der Einöde des Wastelands gab man nicht auf, hier kämpfte alles und jeder bis zur allerletzten Sekunde ums Überleben.
    Burton seufzte verbittert und kramte in der Innentasche seiner schweren Wolljacke nach seiner Notfallzigarette. Er hatte sie sich eigentlich für einen ganz besonderen Moment aufgehoben, entschied aber jetzt, dass der eigene Tod durchaus besonders genug war, um seine kleinen Schätze zu opfern. Sorgsam und vorsichtig steckte er den Glimmstängel an und inhalierte genussvoll den ersten Zug.
    Gleichzeitig vernahm er das Prasseln der ersten herniedergehenden Tropfen, ihnen folgten leise Zischlaute als die säurehaltige Flüssigkeit damit begann, sich durch den Kunststoff zu fressen. Langsam aber stetig verwandelte sich das einzelne Klopfen in ein tosendes Rauschen.
    Heiße Tränen, geboren aus Zorn und Verzweifelung rannen dem hartgesottenen Wanderer über die Wangen. So kurz vor dem rettenden Ziel sollte er hier also sterben. Dazu noch auf diese so unwürdige Art und Weise. Er hatte immer gehofft friedlich an der Seite irgendeiner Prostituierten zu entschlafen, aber anscheinend war ihm soviel Glück nicht mehr vergönnt.
    Eine raue Stimme rief ihn unsanft aus den Gedanken.

    „Hey Pilger! Der Regen ist gefährlich verdammt! Wieso sitzt du hier so stumpfsinnig im Dreck? Bist du blöd oder so?“
    Erstaunt sah Burton auf und erkannte, dass von ihm völlig unbemerkt, ein kleiner vollkommen verrosteter Lieferwagen gehalten hatte. Es glich einem kleinen Wunder das sich diese übel zugerichtete Karre überhaupt noch selbstständig bewegte und doch kam es Burton vor wie ein Geschenk der Götter. Der Fahrer, ein Skinner mit schwer entstellter, lilablauer Haut sah neugierig durch das halb geöffnete Fenster zu ihm hinab.
    Burton hob hingegen den Kopf uns streckte sich um seinem vermeintlichen Retter in die Augen sehen zu können
    „Mein Fuß ist gebrochen, ich kann nicht laufen! Nimmst du mich mit? Soll dein Schaden nicht sein, ich kann dich bezahlen!“
    „Welche Familie Hombre? Vielleicht ist es besser ich lass dich hier verrecken und schau dann was du alles so mit dir herumschleppst, hm?“, klang es aus der Sicherheit des Fahrerhauses. Anscheinend hatte es der Fahrer des klapprigen Gefährts nicht sonderlich eilig mit der Rettung. Hier draußen entschied allein das Ansehen der Familie über Rettung oder Untergang. Nur wer sich auf einen starken Rückhalt berufen konnte, der durfte überhaupt auf Hilfe hoffen. Alle anderen waren ein gefundenes Fressen, leichte Beute für jeden der sich die Mühe machen wollte.
    „Jakobs, mein Name ist Burton Jakobs! Die große Farm im Süd-Osten!“
    Der hässliche Knabe nickte langsam, „Jaah, kenne ich tatsächlich! Auch wenn’s lange her ist! Bin mit einem aus deinem Stall gewandert. Tom hieß er, hat ihn damals an den Ausläufern des Alpgebirges zerrissen. Ok, komm rein! Aber denk’ nicht ich helf’ dir beim Aufstehen. Entweder du schaffst es alleine durch die Tür, oder du krepierst hier direkt vor meinen Augen. Ich wird’ mir deinetwegen sicher nicht die Finger verätzen!“
    Quietschend öffnete sich der Zugang zum Fahrerhaus, der wuchtige Lauf einer schweren Schrotflinte hob sich nur wenig später und gab so den Weg in das rettende Obdach frei.
    Burton hatte keine Zeit mehr zu verlieren. Sichtlich froh darüber dass der Skinner nicht noch mehr unsinniges Zeug zu erzählen hatte, wischte er sich die Tränen aus dem Gesicht und erlaubte sich ein schmales Lächeln der Vorfreude. Gerettet! Dann stemmte er sich entschlossen und vor Qualen keuchend in die Höhe.
    Der saure Regen hatte seinen behelfsmäßigen Schutz nun beinahe vollkommen aufgelöst und er spürte bereits wie sich erste durchdringende Feuchtigkeit langsam in das Fleisch an seinem Nacken fraß. Beherzt und eine weitere Welle wilder Schmerzen ignorierend, warf er sich durch die geöffnete Tür ins rettende Innere.
    Manchmal hatte man eben Glück.
    Schon wieder und das war beinahe unheimlich. Er war gerettet, er würde für diesen Umstand noch einiges zu berappen haben, aber es hatte fürs Erste überlebt.
    Finster lächelnd sah Burton zu seinem Retter hinüber. Hätte dieser sich anders entschieden und ihn sterben lassen, wäre ihm eventuell bei der anschließenden Plünderung der kleine unscheinbare Chip in der Tasche an seinem Gürtel aufgefallen. Es war einer der ganz seltenen aus der ‚PC4 Albion’ Reihe, gut und gerne fünfhundert Cred’s wert
    Hier draußen brachte man sich gewöhnlich schon für wesentlich weniger um die Ecke. Ein Glück also, das der Blödmann neben ihm auf den kleinen Trick hereingefallen war. Er war kein Jakobs, sein richtiger Name war Wood aber den kannte hier niemand. Aber er hatte erst vor kurzen jemanden aus dieser Familie kennengelernt. Erst gestern hatte er ihn etwa zwanzig Meilen südlich von hier getroffen. Der naive Dummkopf hatte ihm unaufgefordert von seinem unglaublichen Fund berichtet und ihm stolz den kostbaren Chip unter die Nase gerieben. Ein Fehler, natürlich! Dieser Jakobs hatte anscheinend noch nicht viel über die Leute hier draußen gelernt, leider blieb ihm nun keine Gelegenheit mehr dies nachzuholen.
    All jene die es geschafft hatten ein paar Jahre in den Wastelands zu überleben wussten, dass es so etwas wie Glück in der Regel nicht gab. Wer wollte dass es gut lief, der musste dem Schicksal eben ein wenig unter die Arme greifen. Fressen und gefressen werden, der Tod des einen, versüßt das Leben des anderen. Burton grinste und lehnte sich in dem zerfranzten Sitz nach hinten.
     
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